mini|Feldwebel, am Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe erkennbar
Der Feldwebel ist ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr und früherer Streitkräfte im deutschen Sprachraum. In der Schweizer Armee lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Feldweibel. Im österreichischen Bundesheer hat die Dienstgradbezeichnung Wachtmeister die Bezeichnung Feldwebel abgelöst.
Begriffsgeschichte Das Wort ist ein Kompositum aus dem alten Begriff Weibel (ahd. weibôn, sich hin und her bewegen‘)Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch (16 Bde. [in 32 Teilbänden]). S. Hirzel, Leipzig 1854–1960. Bd. XIV, Sp. 379: urspr. gerichtsbote; militär: unteroffiziersrang „allen hauptleuten, fenderichen, weybeln und befelchsleuten, so von gedachten obersten gesetzt werden, gehorsam zu seyn“ und Feld, hier im Sinne von Schlachtfeld oder KriegJacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch (16 Bde. [in 32 Teilbänden]). S. Hirzel, Leipzig 1854–1960. Bd. III, Sp. 1474: 8) sehr häufig bezieht sich feld, gleich dem sl. pole, auf kampf und krieg und ist nicht nur das schlachtfeld, campus certaminis, proelii, sondern überhaupt das feld, in das ein heer zieht b) feld, auf welchem man dem feind entgegen zieht, feld des heerzugs, des lagers; ins feld gehn oder ziehn kann zwar heiszen in die schlacht, aber auch blosz den heerzug unternehmen, in den krieg ausziehen, zu felde liegen. im Allgemeinen. Ähnlich dem Rennfähnrich, hatte sich demnach der Feldwebel auf dem Marsch oder in der Schlacht oft hin und her zu bewegen, um beispielsweise das Marschtempo der Truppe zu kontrollieren oder um Befehle von Offizieren zu übermitteln.
Der Begriff Feldwebel wurde auch in mehrere andere Sprachen übernommen, darunter schwedisch (), russisch () und bulgarisch (). Von Webel leiten sich finnisch und estnisch ab.
Schließlich wurde der Feldwebel zum Gehilfen des Hauptmanns und damit der höchste Unteroffiziersdienstgrad der Kompanie.
Bundeswehr
Der Dienstgrad Feldwebel wird durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt.
Befehlsbefugnis und Dienststellungen In der Bundeswehr ist der Feldwebel ein Unteroffiziersdienstgrad, der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/24 „Dienstgrade und Dienstgradgruppen“ zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee zählt.Heeres- und Luftwaffenuniformträger dieser Dienstgradgruppe werden inoffiziell auch als Feldwebeldienstgrade zusammengefasst. Unteroffiziere mit Portepee, die entsprechende Dienstgrade für Marineuniformträger führen, werden inoffiziell auch als Bootsleute bezeichnet. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee können Feldwebel auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.
Feldwebel werden beispielsweise als Gruppen- und Truppführer, als Kommandant von Panzerfahrzeugen, auf Stabsposten oder als besonders qualifiziertes technisches oder handwerkliches Fachpersonal eingesetzt. Im Personalwesen der Reserve haben Mobilisierungsfeldwebel besondere Bedeutung. In nicht aktiven Truppenteilen sind Mobilisierungsfeldwebel oft die einzigen aktiven Soldaten. Ihre Arbeit unterstützt die Einplanung von Reservisten und ihre Einberufung zu Reserveübungen oder als Teil einer Mobilmachung der Streitkräfte. Aufgrund der Dienststellung können Feldwebel in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.
Ernennung und Besoldung Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Feldwebel trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Zum Dienstgrad Feldwebel können Zeitsoldaten und Reservisten ernannt werden. Voraussetzung zur Ernennung in den Dienstgrad Feldwebel ist die Zugehörigkeit zu einer der Laufbahnen der Feldwebel. Die Einstellung mit dem Dienstgrad Feldwebel ist möglich, wenn der Bewerber über in der Verwendung verwertbare Kenntnisse verfügt.Nach §17 der Soldatenlaufbahnverordnung zählen dazu beispielsweise je nach angestrebter Verwendung die Meisterprüfung, der Abschluss an einer zweijährigen Fachschule, der Berufsabschluss als Krankenschwester, das Grundstudium an einer Hochschule für Musik mit Abschluss Vordiplom etc. Die meisten Feldwebel haben zuvor aber als Feldwebelanwärter im Dienstgrad Stabsunteroffizier gedient. Der Dienstgrad Feldwebel kann in diesem Fall frühestens ein Jahr nach Ernennung zum Stabsunteroffizier erreicht werden. Voraussetzung ist ferner, dass sie eine Unteroffizierprüfung bestanden haben, die sich aus einem allgemeinmilitärischen und einem militärfachlichen Teil zusammensetzt (Feldwebelprüfung).Beachte auch: ZDv 20/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ()
Feldwebel werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 7 besoldet.
Dienstgradabzeichen
Das Dienstgradabzeichen für Feldwebel zeigt einen Winkel mit der Spitze nach oben und eine geschlossene Tresse als Schulterabzeichen.
Die Schulterklappen erhielten erst Mitte 1959 eine umlaufende, auf Höhe der Schulternaht aber noch nicht geschlossene Borte. Bei Luftwaffe und Heer galt dies vom Dienstgrad Unteroffizier aufwärts, bei der Bundesmarine ab dem Dienstgrad Bootsmann. Die Farbe der Borte war in der Anordnung nicht definiert, dürfte sich aber an jener des Dienstgradwinkels orientiert haben. Die unten offene Schulterklappen-Borte identifizierte also noch nicht (wie heute) speziell den Dienstgrad Unteroffizier, sondern fungierte als allgemeines Rangabzeichen des Unteroffiziersstandes. Erst Ende 1962 erhielten alle oberhalb des Dienstgrades Unteroffizier stehenden Unteroffiziere eine auch auf Schulternahthöhe geschlossene Borte.
Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade Den Dienstgrad Feldwebel führen nur Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Marineuniformträger derselben Rangstufe führen den Dienstgrad Bootsmann. Offizieranwärter führen den ranggleichen Dienstgrad Fähnrich (für Heeres- und Luftwaffenuniformträger) oder Fähnrich zur See (für Marineuniformträger). In den Streitkräften der NATO ist der Feldwebel zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OR-6 äquivalent.
In den Feldwebellaufbahnen ist der Feldwebel gemäß Nr. 127 f. ZDv 20/7 zwischen dem rangniedrigeren Stabsunteroffizier bzw. Obermaat und dem ranghöheren Oberfeldwebel bzw. Oberbootsmann eingeordnet (erste Dienstgradbezeichnung jeweils für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; zweite Dienstgradbezeichnung jeweils für Marineuniformträger).
Inoffizielle Verwendung als Sammelbezeichnung Inoffiziell werden die Heeres- und Luftwaffenuniformträger der Dienstgradgruppe Unteroffiziere mit Portepee als Feldwebel bezeichnet, wobei manchmal implizit auch die Marineuniformträger dieser Dienstgradgruppe einbezogen sind. Aufgrund des inoffiziellen Charakters der Bezeichnung ist häufig unklar, ob die einem anderen Bezeichnungsschema folgenden Dienstgrade der Offizieranwärter aus der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee (Fähnrich, Oberfähnrich bzw. auch Fähnrich zur See und Oberfähnrich zur See) ebenfalls unter diese inoffizielle Bezeichnung fallen oder nur die Dienstgrade dieser Dienstgradgruppe, in die man in einer der Laufbahnen der Feldwebel ernannt werden kann.
Laufbahnen der Feldwebel
Unabhängig vom Dienstgrad Feldwebel oder der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee werden gemäß der Soldatenlaufbahnverordnung die zehn Laufbahnen der Feldwebel zu einer der beiden Untergruppen der Laufbahngruppe der Unteroffiziere zusammengefasst.Die andere Untergruppe der Laufbahngruppe der Unteroffiziere umfasst die sechs Laufbahnen der Fachunteroffiziere. Soldaten, deren Ausbildungsziel mit der Ernennung in einen der Dienstgrade der Dienstgradgruppe Unteroffiziere mit Portepee erreicht wird, werden einer der Laufbahnen der Feldwebel zugeordnet. Diese umfasst also auch Feldwebelanwärter (und entsprechende Anwärter der Laufbahnen für Reservisten) der Dienstgradgruppe der Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee. Im Übrigen gehören nicht alle Soldaten der Dienstgradgruppe Unteroffiziere mit Portepee diesen Laufbahnen an. Sie sind stattdessen als Offizieranwärter der Laufbahngruppe der Offiziere zugeordnet.
Geschichte Der Feldwebel steht seit Mitte 1969 in Besoldungsgruppe A 7, gemeinsam mit dem Oberfeldwebel (dieser mit Stellen- bzw. Amtszulage). Vorher waren Feldwebel in A 6 eingruppiert. Die 1969 in BesGr. A 6 aufgerückten Stabsunteroffiziere hatten bis dahin BesGr. A 5 mit Stellenzulage bezogen.
Schweizer Armee In der Schweizer Armee wird der Grad als Feldweibel bezeichnet.
Frühere Streitkräfte Österreich-Ungarn 200px|mini|Feldwebel, Inf.-Reg. mit blassroter Egalisierung. Rangsterne bis 1901 aus weißem Tuch, dann Zelluloid. Dazu seit 1857 eine 1,3 cm breite, dessinierte kaisergelbe Seidenborte
Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie wurde der Dienstgrad Feldwebel bei der Infanterie der Gemeinsamen Armee geführt. Ihm kam der Feuerwerker der Artillerie gleich, bei der Kavallerie und beim Train der Wachtmeister. Seit 1913 war dem Feldwebel der Stabsfeldwebel vorgesetzt. Der dienstführende Feldwebel (äußeres Kennzeichen war in den meisten Truppengattungen der Offizierssäbel mit kaisergelb-schwarzem Unteroffiziersportepee) stand dem Rechnungsfeldwebel sowie den übrigen Unteroffizieren (Zugsführer, Korporale) der Kompanie vor. Unmittelbar vor dem Stabsfeldwebel rangierten der Einjährig-Freiwillige Feldwebel und der Kadett-Feldwebel. Mit diesem Offiziersanwärterdienstgrad wurden all jene Absolventen der Kadettenschulen in die Truppe eingegliedert, die ihre Ausbildung mit „Gut“ abgeschlossen hatten. Der Kadett-Feldwebel (1909 in Kadett umbenannt) kam nach 1891 weitestgehend außer Gebrauch, verschwand aber nie gänzlich. Am Ende des Ersten Weltkrieges waren ihm der Offiziersstellvertreter und der Fähnrich unmittelbar vorgesetzt.
Mit dem Untergang der k.u.k. Armee 1918 fielen die Bezeichnungen Feldwebel und Feuerwerker weg; an ihre Stelle trat in allen Truppengattungen der Wachtmeister bzw. Stabswachtmeister. Gleichzeitig erfolgte die Rückstufung des Wachtmeisterdienstgrades: Seit 1921 war nunmehr der rangniederste Unteroffiziersgrad dem Unterfeldwebel der deutschen Reichswehr gleichgesetzt (ein Pendant zum deutschen Dienstgrad „Unteroffizier“ existierte in Österreich nicht). Der Stabswachtmeister rangierte mit dem Reichswehr-Feldwebel, der Offiziersstellvertreter mit dem Reichswehr-Oberfeldwebel (Zugsführer und Korporal entsprachen nun dem Obergefreiten bzw. Stabsgefreiten). Im „modernen“ österreichischen Bundesheer bilden die Wachtmeister eine eigene Dienstgradgruppe.
Deutschland Ausgehendes Mittelalter und Frühe Neuzeit