Richterin Barbara Salesch war eine pseudodokumentarische Gerichtsshow des Senders Sat.1, die fiktive Gerichtsverhandlungen in Strafsachen zeigte. Hauptdarstellerin ist die reale Richterin Barbara Salesch. Produziert wurde die Sendung von filmpool. Die bislang letzte und 2147. Folge wurde am 13. April 2012 mit dem 2356. Fall ausgestrahlt.Jan Schlüter: Ein letztes Urteil: «Richterin Barbara Salesch» endet. In: quotenmeter.de. 12. April 2012, abgerufen am 9. Juni 2022. Als Nachfolgeformat zeigt Sat.1 die ebenfalls von filmpool produzierte Sendung Familien-Fälle.Manuel Weis: Salesch-Nachfolge: Sat.1 zeigt «Familien-Fälle». In: quotenmeter.de. 7. März 2012, abgerufen am 9. Juni 2022. Im April 2012 nahm der österreichische Sender Puls 4 die Gerichtsshow in sein Programm auf. Seit dem 5. September 2022 wird die Neuauflage der Serie auf RTL unter dem Namen Barbara Salesch – Das Strafgericht ausgestrahlt.
Geschichte Richterin Barbara Salesch wurde ab dem 27. September 1999 bis zum Oktober 2000 montags bis freitags als halbstündiges Format am Vorabend um 18:00 Uhr auf Sat.1 ausgestrahlt. In dieser Zeit waren nach dem Vorbild der US-Sendung Judge JudyAnke Bergmann, Joachim von Gottberg, Jenny Schneider: Scripted Reality auf dem Prüfstand. Eine Studie. Teil 1: Scripted Reality im Spiegel einer exemplarischen Inhaltsanalyse. Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen, Berlin 2012, S. 9–10 (PDF; 2 KB). die Folgen der Sendung Mitschnitte von Schiedsgerichtsverhandlungen, für die das Verbot von Ton- und Bildaufnahmen nicht gilt. Daher konnten echte Fälle gesendet werden. Allerdings sind Schiedsgerichtsverfahren auf zivilrechtliche Auseinandersetzungen beschränkt und nur mit Zustimmung aller Prozessparteien erlaubt. Die „Quotenbringer“ Raub, Vergewaltigung und Mord konnten daher nicht thematisiert werden. Daher wurden ab Oktober 2000 nicht mehr reale Schiedsgerichtsverhandlungen, sondern fiktive Strafgerichtsprozesse gezeigt.
Am Anfang erreichte die Sendung lediglich einen Marktanteil von acht Prozent, nach Umstellung auf geschriebene Fälle mit Laiendarstellern lag er bei über 30 Prozent. Im Frühjahr 2000 wurde daher die Sendezeit verdoppelt und ein neuer Sendeplatz gewählt. Seitdem wurde Richterin Barbara Salesch ganzstündig ab 15:00 Uhr ausgestrahlt. Sie gilt als erfolgreichste deutsche Gerichtsshow, die sich am längsten und mit den meisten Folgen viele Jahre im Nachmittagsprogramm fest etabliert hat.
Im Verlauf der Gerichtsshow wurden Design und Aufmachung immer wieder verändert. So veränderte sich der Vorspann der Gerichtsshow mehrfach und der Gerichtssaal wurde zweimal umgebaut. Vor dem ersten Umbau verhandelte Barbara Salesch an einem Richterpult, an dem ihr Namensschild montiert war. Gerichtssaalabtrennung durch einen Schwarzen Zaun, graue Polsterstühle und große Fenster mit schwarzen Rahmen kennzeichneten den ersten Gerichtssaal. Der zweite Gerichtssaal war heller gestaltet. Vor den großen Fenstern waren jetzt große Holzlamellen angebracht. Die Zuschauerraumabtrennung wurde nun durch einen hellen, großen Holzzaun erreicht. Die Stühle waren jetzt mit terrakottafarbenen Polstern bezogen und das Namensschild an der Richterbank war entfernt worden. Später wurde, um Beweisvideos zu sichten, zudem noch ein Flachbildmonitor statt eines silbernen Fernsehers, der auf einem kleinen Rollcontainer stand, im Gerichtssaal angebracht. Ab jetzt gab es in den täglichen Sendungen auch mehr Szenen außerhalb des Gerichtssaals. Teilweise wurden Außenaufnahmen bei der Verhaftung von tatverdächtigen oder geflüchteten Zeugen gedreht, teilweise auch die Vorgeschichte des zu verhandelnden Falles oder Szenen auf dem Gang. Erstmals wurde für Barbara Salesch nun auch ein Richterzimmer eingerichtet, von dem aus nun auch Szenen mit Verteidigern und Staatsanwalt im Streitfall oder zur Beratung gezeigt wurden. Sogar die Beratung vor der Urteilsverkündung mit Schöffen waren in einem Fall zu sehen. In diesem von Barbara Salesch in der Sendung auf „Büro“ bezogenen Richterzimmer hingen immer wieder wechselnde Gemälde, die die Richterin selbst gemalt hatte, außerdem kleine Oldtimermodellautos der Richterin. Nach dem 2. Umbau wurde der Gerichtssaal nochmals verändert. Sämtliche Türen des Gerichtssaals sowie Richterbänke wurden mit hellen Holz- und Lederverkleidungen versehen. Die Stühle im Saal wurden erneuert und wieder grau gepolstert. Mikrofone wurden von kleinen schwarzen Tischmikrofonen auf größere abgeändert. Neu war jetzt auch ein Foyer, in dem ein Kaffeeautomat, Tische und eine Wachtmeisterei untergebracht waren.
Nach zehnjähriger Pause begann RTL im Jahr 2022 neue Folgen ihrer Gerichtsschau für den deutschen Markt abzudrehen.Hendrik Busch: Kein Scherz: RTL bringt nach 10 Jahren Barbara Salesch zurück. In: Moviepilot. 8. Juni 2022, abgerufen am 8. Juni 2022. Unter dem Titel Barbara Salesch – Das Strafgericht werden seit dem 5. September 2022 neue Fälle auf RTL ausgestrahlt.
Drehorte Hauptdrehort ist immer der Gerichtssaal – eine speziell für die Sendung angefertigte Kulisse. Neben dem Gerichtssaal gibt es viele Szenen auf dem Flur, der Cafeteria, der Kantine, dem Richterzimmer, sowie in einer Folge außerhalb vor einem Gerichtsgebäude, als sich ein Mandant von Rechtsanwältin Ulrike Tasic, aus Angst, wegen Mordes verurteilt zu werden, von dessen Dach herunterstürzen will.
Außerdem wurden auch oft Außendrehs an verschiedenen Orten (z. B. Parkplätze, Waldhütten, an einem Fluss) mit Staatsanwaltschaft und den Rechtsanwälten, sowie flüchtenden Angeklagten oder Zeugen, gezeigt.
Besetzung (Hauptdarsteller) Richterin
Barbara Salesch als Vorsitzende Richterin (1999–2012)
Staatsanwaltschaft Bernd Römer (2000–2012) Christina Müting (2000) Ilona Bruns (2000) Nicolai Mameghani (2000–2003) Peter-Christian Thielen (2000) Klaus Hindelang (2000)
Rechtsanwälte Ulrike Tašić (2000–2012) Uwe Krechel (2000–2012) Kirsten Klingenberg (2004–2012) Malte Höch (2004–2012) Karsten Dusse (2007–2012) Tijen Adar (2007–2012) Arne Platzbecker Dimitris Zahikakis (2000) Dr. Frank Theben (2000) Bernd Neunzig (2000) Dr. Anja Riemann-Uwer (2000) Karin Bölter (2000) Frank Langen (2000) Dr. Thomas Etzel (2000) Dirk Hahnebeck (2001–2003) Dr. Andreas Hohnel (2000–2003) Christina Dissmann (2006–2007) Nadja Tzschaschel (2008–2011) Brigitte Bertsch (2006–2008) Andreas Kerkhof (2001) Felix Linnenbrink (2001) Martin Wegner (2001–2003) Markus Loskamp (2000–2003) Dirk Küchmeister (2000–2001) Torsten Timm (2001–2003) Thomas Ohm (2000–2002) Jens Mackner Dirk Quasten (2001–2003) Sebastian Manger (2001) Stefan Loske (2001) Ralf Vogel (2004–2005) Alexander Krösing (2006) Maude Dahlke (2006–2007) Thomas Rossbach (2006) Kjell Vogelsang (2006–2008) Meike Wulf (2006) Tim Geißler (2006) Sandra Müller-Dülfer (2006) Silke Terlinden (2006) Christian Tesche (2006) Ralf Höcker (2006) Sascha Feller (2006–2007) Julian Wiethoff (2007) Horst Pfaff (2007)
Weitere Darsteller
Justizwachtmeister Bauer Wachtmeister Tim Bauer wird von Richterin Salesch mit „Herr Bauer bitte“ immer dann aufgerufen, wenn es im Gerichtssaal zu körperlichen Auseinandersetzungen oder zu unvorhergesehenen, brenzligen Situationen kommt. Als einer Lehrerin von ihren Schülern eine Maus in ihre Handtasche geschmuggelt wird, sich bei deren Entdeckung zu Tode erschreckt, ruft Salesch den Justizwachtmeister zur Hilfe und lässt Bauer die Maus in einen Schuhkarton in Saleschs Richterzimmer bringen. Es gibt weitere Wachtmeister, u. a. einen Herrn Schmidt.
Frau Hercher Sie gilt als Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Gerichts. Immer wenn es während der Verhandlung Probleme gibt, Zeugen nachgeladen, Tiere oder Kinder versorgt werden müssen, greift Salesch zu ihrem Telefon auf dem Richterpult und ruft Frau Hercher an. Sie erscheint nur in einer einzigen Folge aus dem Jahr 2011 persönlich in Saleschs Richterzimmer, in allen anderen Folgen ist sie jahrelang als Person für den Zuschauer nicht zu sehen.
Angeklagte, Zeugen, Nebenkläger, Schöffen und beisitzende Richter Nebendarsteller sind in der Regel Beisitzer, gegebenenfalls Nebenkläger, Angeklagte(r), Zeuge(n), Gutachter, Protokollführer und gegebenenfalls Schöffen. Als Angeklagte, Nebenkläger, Zeugen, Gutachter usw. treten ausschließlich Laiendarsteller auf. Im Gerichtssaal befindliche uniformierte Polizisten werden allerdings von echten Polizisten dargestellt.
Kriminaltechnische Sachverständige Frau Dr. Bernd Sie wird von Barbara Salesch immer dann in die Verhandlung geholt, wenn es um Fingerabdrücke oder DNA-Spuren von Tätern geht.
Psychiatrische Sachverständige Hier traten verschiedene Darsteller, darunter auch Angelika Kallwass, auf. Psychiatrische Sachverständige kommen meistens in die Verhandlung, wenn es um verminderte Schuldfähigkeit oder um Schuldunfähigkeit (§20 StGB) geht.
Ferner wirkten in Fällen von 2005 bis 2007 die beiden Kriminalkommissare Kathrin König und Christoph Löwe mit, die Staatsanwalt Römer unterstellt waren, jedoch nicht in jeder Folge auftauchten. In einer Folge aus dem Jahr 2007 saß Christoph Löwe, vertreten durch Rechtsanwalt Uwe Krechel, auf der Anklagebank. Außerdem gab es mehrere Detektive, sog. „Privatermittler“, die von wechselnden Darstellern verkörpert wurden und für die verschiedenen Rechtsanwälte tätig waren.
Spezialsendungen Richterin Barbara Salesch Spezial – Schwurgerichtsspezials im Abendprogramm Zur Prime-Time um 20:15 wurden im Jahr 2002 zum ersten Mal zwei Spezialsendungen mit längerer Sendezeit und in einem anderen Gerichtssaal gezeigt. Hier gab es gegenüber den täglichen Sendungen um 15:00 Uhr erstmals Videoeinspielungen bei Verlesung der Anklageschrift, Zeugenaussagen und anderen Szenen. Diese Videoszenen zeigten situativ die Vorgeschichte des Falls und zeigten dem Zuschauer den Tathergang genau auf. Dementsprechend aufwändiger, wenngleich professioneller waren die Dreharbeiten und entsprechend die Drehorte ausgewählt. Nicht zuletzt ebenso der andere Gerichtssaal, der im Abendprogramm eine andere Aufmachung der Gerichtsshow erlaubte. Die Kriminalfälle vor Gericht wurden wie in einem Tatort-Spielfilm dargelegt.
Im Jahr 2002 wurden am Nachmittag noch jeweils zwei Fälle pro 60 Minuten von Barbara Salesch verhandelt. Da das Strafgericht hier einfachere Delikte wie Diebstahl, Schwerer Raub, Nötigung, vor dem Schöffengericht (also Verbrechen, auf die bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe stehen) oder vor dem normalen Amtsgericht verhandelt wurden, wollte man mit verlängerter Sendezeit erstmals Kapitalverbrechen vor dem Schwurgericht (hier: Mord nach § 211 StGB) also der großen Strafkammer verhandeln.
1. Spielfilm: Das tödliche Rendezvous 2. Spielfilm: Die kleine Miss
Im ersten Film trat Rechtsanwalt Uwe Krechel als Verteidiger, im zweiten Film Rechtsanwältin Ulrike Tašić als Verteidigerin auf. In beiden Filmen übernahm Bernd Römer die Rolle des Staatsanwalts. In einem der beiden Spezials trat Angelika Kallwass als psychiatrische Sachverständige auf.
Der Gerichtssaal war gegenüber der täglichen Nachmittagssendung in einem dunkleren Holz gestaltet und es wurde aus mehr Perspektiven die Verhandlung, in diesem älter und strenger wirkenden Gerichtssaal, aufgenommen.
Auch bei der zweiten der Sat.1-Gerichtsshow „Richter Alexander Hold“ gab es ebenfalls zwei Spezialsendungen, die wie bei Barbara Salesch in Spielfilmlänge in derselben Woche ausgestrahlt wurden.
Richterin Barbara Salesch – Spezial: „Du sollst nicht töten“ 2007