mini|Verkröpfte Gesimse an den Türmen der Westfassade des Salzburger Doms mini|Verkröpfter Giebel am Stroganow-Palais, St. Petersburg

Eine Verkröpfung (insbesondere in älteren Quellen auch Kröpfung) ist in der Architektur das Herumführen eines waagerechten Bauglieds (z. B. Gesims, Schaftring) um einen senkrechten Wandvorsprung (z. B. Säule und Dienst sowie Pfeiler oder Pilaster). Dabei entsteht eine vorspringende Kante, die auch als „Kropfkante“ bezeichnet wird.nach Verkröpfung. In: Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur (= Kröners Taschenausgabe. Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 3. März 2024), S. 495 f.

Begriffe Der Fachbegriff geht auf die Bedeutung von „Kröpfen“ als „krumm biegen“ zurück.Satz nach gekröpft, verkröpft. In: Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst. Berlin, 1929–1932 (4 Bände). Neben dem stehenden Begriff „verkröpftes Gesims“ wird auch vom „verkröpften Gebälk“ gesprochen. Dabei ist zu beachten, dass unter dem Begriff Gebälk in der Architektur unterschiedliche Dinge verstanden werden, die sich auch mit den Begrifflichkeiten von „Gesims“ überschneiden können.

Gesims Verspringt ein Gesims nicht waagerecht um einen Vorsprung, sondern bogenförmig, beispielsweise um eine Wandöffnung herum, spricht man von einer „Aufkröpfung“nach Verkröpfung . In: Wilfried Koch: Baustilkunde. 27. Auflage. Gütersloh/München 2006 oder dem „Aufkröpfen“.

Giebel Ein „verkröpfter Giebel“ ist ein Giebel, bei dem der Mittelteil gegenüber den Seitenteilen vor oder zurücktritt.Satz nach Giebel. In: Nikolaus Pevsner, Hugh Honour, John Fleming: Lexikon der Weltarchitektur. 3. Auflage. Prestel, München 1992. Vergleichbar auch bei Giebel. In: Fritz Baumgart: DuMont’s kleines Sachlexikon der Architektur. Köln 1977. Damit ist keine Aussage zur Giebelform (halbrund, segmentbogenförmig, spitz) verbunden.

Architekturgeschichte Bereits seit der römischen Architektur wurden hervortretende, profilierte Gesimse um Wandsäulen geführt, die aus der Fassade heraustreten. Auch im mittelalterlichen Kirchenbau wurden Verkröpfungen sowohl am Außenbau wie auch in Innenräumen eingesetzt. Eine große Bedeutung erlangten verkröpfte Gesimse als Element der Fassadengestaltung und -gliederung im Barock.

Dies entsprach nicht immer dem späteren Zeitgeschmack. So sprach Johann Georg Sulzer im Jahr 1774 – an der Grenze zwischen Spätbarock und Klassizismus – in seiner Allgemeinen Theorie der Schönen KünsteJohann Georg Sulzer: Allgemeine Theorie der Schönen Künste. Band 2. Leipzig 1774, S. 608: Kröpfung. (Abschrift auf zeno.org, abgerufen am 3. März 2024) von der „Brechung eines sonst gerade laufenden Gliedes“. Er kritisierte:

Bilder

Siehe auch

Ohr (Ornament)

Einzelnachweise und Fußnoten

Kategorie:Fassadengliederung