Media Tenor International AG ist ein Schweizer Unternehmen für Medienanalysen. Das in Rapperswil-Jona (zuvor Zürich und Lugano) eingetragene Unternehmen untersucht Medien mit der Methode der qualitativen InhaltsanalyseMedia Tenor bei Moneyhouse. Das Unternehmen unterhält nach eigenen Angaben Standorte in Afrika, Asien, Europa und Nordamerika und untersucht den Einfluss von Medien auf die Wahrnehmung und das Verhalten von Menschen. Media Tenor wirkt unter anderem neben mehreren Organisationen an der Erstellung des Oekonomen mit.
Unternehmensgeschichte Der Unternehmer Roland Schatz hat seit 1985 unter verschiedenen, oft ähnlichen Namen in unterschiedlichen Ländern mehrere Firmen mit verwandten Tätigkeiten gegründet. Begonnen hat Schatz mit dem Periodikum Innovatio, dessen Erscheinen 1992 eingestellt wurde. Deren spätere Herausgeberin, die Innovatio Verlags GmbH, bestand von 1990 bis 1995. 1993 gründete er den Medien Monitor-Verein für Medieninhaltsanalyse e. V. Dieser fungierte als Herausgeber der ab 1994 zunächst 14-täglich erscheinenden Publikation Medien Monitor. Aufgrund einer Intervention des WDR wegen Verwechslungsgefahr mit seinem TV-Magazin Monitor wurde der Medien Monitor nach einigen Wochen in Medien Tenor umbenannt;WDR: Zoff um Zahl und Wort. In: Focus. Nr. 52, 23. Dezember 1994 der Verein nannte sich dann nur noch Verein für Medieninhaltsanalyse e. V. Verlag des Medien Tenor Forschungsberichts wiederum war die 1987 gegründete Innovatio Verlags AG mit ursprünglichem Sitz im Schweizer Fribourg. Es folgten wie bei den diversen Media-Tenor-Firmen Sitzverlegungen nach Lugano, Zürich und Rapperswil-Jona.
Späterer Herausgeber des Medien Tenor Forschungsberichts war bis März 2005 die Medien Tenor Institut für Medienanalysen GmbH, die 2005 in die Insolvenz geriet. Schatz machte für die Insolvenz eine schlechte Zahlungsmoral seiner Kunden wie Fiat und Volkswagen verantwortlich,Handelsblatt exklusiv: Forschungsunternehmen Medien-Tenor ist insolvent. In: Handelsblatt. 9. März 2005 umstritten war die Forderung aus einem Auftrag der Deutschen Bank. Insolvenzverwalter Dirk Obermüller hingegen sah einen strategisch ungünstigen Immobilienkauf als einen der Hauptgründe der Zahlungsunfähigkeit.Silke Elbern: Dienstleister Medien Tenor droht das Aus. In: General-Anzeiger. 10. März 2005
Beim Nachfolgeunternehmen Media Tenor Deutschland GmbH wurde Schatz zwischenzeitlich als Geschäftsführer entlassen, später jedoch wieder eingestellt. In Bonn gegründet, wurde das Unternehmen im Oktober 2007 nach Rolandseck (Handelsregister Amtsgericht Koblenz) umgemeldet. Als Sitz wurde Lugano in der italienischsprachigen Schweiz angegeben, während die Unternehmensadresse nach wie vor auf Rolandseck lautete.
Am 22. November 2007 ist beim Finanzamt Bonn die vorläufige Insolvenz der Media Tenor Deutschland GmbH beantragt worden. Am 2. Januar 2008 wurde das Insolvenzverfahren über die Firma eröffnet. In Bonn klagten ehemalige Mitarbeiter gegen das Unternehmen, weil ihnen nach eigenen Angaben nicht ordnungsgemäß gekündigt wurde.Frank Rintelmann: Remagener Medienanalysefirma Media Tenor ist zahlungsunfähig. In: General-Anzeiger. 26. Februar 2008 Mittlerweile lautet die Firmierung des Unternehmens Media Tenor International AG, die Postanschrift wird nach mehreren Adresswechseln heute in Rapperswil-Jona geführt.Media Tenor International AG: Impressum Die insolvente Medien Tenor Institut für Medienanalysen GmbH wurde 2017 wegen Vermögenslosigkeit von Amts wegen aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Bonn gelöscht. Bereits 2008 hatte das Amtsgericht Koblenz von Amts wegen die Auflösung der Media Tenor Deutschland GmbH ins Handelsregister eingetragen; 2012 wurde dann Roland Schatz – ebenfalls von Amts wegen – gemäß § 395 FamFG (Löschung unzulässiger Eintragungen) als Geschäftsführer gelöscht.
Eine parallel im britischen Dover betriebene Media Tenor Limited wurde bereits zum Januar 2005 zwangsweise aus den Registern gelöscht. Nach einem Auszug der Agentur Companies House, die dem britischen Handels- und Wirtschaftsministerium unterstellt ist, kam die Gesellschaft ihren Berichtspflichten letztmals im Frühjahr 2002 nach.Wolf-Dieter Rühl: Klippen von Dover. In: prmagazin. 12/2006, S. 10 (Pressemitteilung prmagazin: Verdacht auf Steuervergehen und Untreue bei Media Tenor. 1. Dezember 2006)
Staatsanwaltliche Ermittlungen führten 2010 zur Anklage gegen Schatz. Vom 23. Februar bis 1. Juli 2010 wurde vor dem Landgericht Bonn das Verfahren wegen Untreue, betrügerischen Bankrotts, Insolvenzverschleppung und Vorenthaltens von Arbeitnehmeranteilen für die Sozialversicherung und die Pensionskasse verhandelt.Rita Klein: Chef von Medien Tenor auf der Anklagebank. In: General-Anzeiger. 24. Februar 2010 Schatz war am Ende zu 11 Fällen geständig und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt mit der Auflage, dass er für alle Beschäftigten die ausstehenden Sozialbeiträge nachzahlt.Rita Klein: Bewährungsstrafe für Medien-Tenor-Chef. In: General-Anzeiger. 2. Juli 2010Rufruinierter Erbsenzähler. In: die tageszeitung. 9. Juli 2010 Das Oberlandesgerichts Köln korrigierte das Urteil später in einigen Details der Bewährungsauflagen.Beschluss des Oberlandesgericht Köln Das Bundesverfassungsgericht nahm die eingereichte Beschwerde von Schatz zur Bewährungsstrafe nicht an. Gegen das Urteil wehrte sich Schatz (2012) mit einer Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.. In: prmagazin. 2. März 2012
1993 Gründung des Medien Monitor Vereins für Medienanalyse. e. V. in Deutschland 1994 Umbenennung in Medien Tenor, da der WDR seine wirtschaftliche Grundlage durch die Publikation des achtseitigen Newsletters gefährdet sah. 1996 Gründung Media Tenor Ltd. in UK sowie in Tschechien 1997 zusätzliche Gründung Medien Tenor Institut für Medienanalyse GmbH in Deutschland für die weitere Durchführung der Analysen in Leipzig, während der Verein parallel dazu in Bonn unter Leitung von Prof. Wolfgang Donsbach weitergeführt wurde (Insolvenz 2005) Überführung der Englischen Ltd. in die Neugründung (Media Tenor Ltd.) in den USA zu Beginn der seitdem durchgeführten US-Wahlanalysen 2000 Gründung Media Tenor South Afrika 2005 Gründung der Media Tenor Deutschland GmbH und Übernahme aller Rechte und Pflichten der Medien Tenor Institut für Medienanalyse GmbH (Auflösung 2008) 2005 Gründung der Media Tenor International AG in der Schweiz 2012 Gründung Media Tenor Vietnam 2015 Gründung der Media Tenor GmbH in Österreich
Methodik Media Tenor beansprucht für sich, den Inhalt meinungsbestimmender Medien Aussage für Aussage quantitativ und qualitativ auszuwerten. Neben den einzelnen Aussagen werde auch erfasst, ob sie mit negativen oder positiven Wertungen daher kommen oder neutral bleiben. Welche Aussagen wie erfasst werden, schreibe ein „Codebuch“ vor, welches nach eigenen Angaben inzwischen 115.000 Kennzahlen umfasst. Jeder Kodierer durchlaufe eine Schulung, bevor seine Auswertungen verwendet werden. Zudem fänden stichprobenartig Reliabilitätstests statt, wodurch eine Genauigkeitsrate von mindestens 87 Prozent gewährleistet werden soll.Media Tenor International AG: Forschungsergebnisse von Media Tenor spielten beispielsweise des Öfteren eine kontroverse Rolle in Diskussionen über die Qualität der öffentlich-rechtlichen Medien sowie über Rundfunkgebühren.Jörg Becker, Götz Frank, Ulrich Meyerholt: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk zwischen Wettbewerb und Kultur. Gutachten zur Situation und Zukunft der Medien, des Medienrechts und der Medienpolitik in Deutschland und der EU. Bundestagsfraktion der Linkspartei, 2007 (PDF; 6,9 MB)
Ein ehemaliger Medienanalytiker des Unternehmens berichtet, dass die „Codebücher“ während laufender Untersuchungen geändert worden seien. So habe man auf Anweisung der Unternehmensleitung nachträglich die Kriterien verändert, wenn „in der Research-Abteilung, der Abteilung, in der die Auswertung gemacht wird, festgestellt wurde, dass die Auswertung gar nicht mit dem übereinstimmt, was man sich gedacht hatte“.Steffen Grimberg: Zweifelhafte Auswerter „Media Tenor“: „Gezwungen zu manipulieren“. In: die tageszeitung. 16. April 2008
Beirat Media Tenor unterhält einen Beirat, dem rund 20 Wissenschaftler, Journalisten und Manager aus 9 Ländern angehören. Prominente Mitglieder sind Donald Shaw (University of North Carolina at Chapel Hill) und Maxwell McCombs (University of Texas, Austin), die zu den Mitbegründern der Agenda-Setting-Forschung gehören. Von 2006 bis 2008 war der Kriminologe und frühere Justizminister von Niedersachsen, Christian Pfeiffer Mitglied des Beirates. Frühere Mitglieder waren u. a.: Brigitte Seebacher-Brandt, Hans Mathias Kepplinger, Fritz Goergen, Peter Glotz, Thomas Kielinger, Thomas Leif, Roger de Weck, Freya Klier, Mathias Döpfner.
Nach Angaben des Unternehmens besteht aktuell (2016) folgender Beirat: Beirat Organisation Eintritt Frank Brettschneider Universität Hohenheim Januar 1999 Stephen Coleman University of Leeds Januar 1999 Eli Pollak Weizmann-Institut für Wissenschaften April 1999 Donald Shaw University of North Carolina at Chapel Hill Januar 2004 Francesco de Leo CEO Green CommChallenge, Los Angeles Januar 2004 Holli A. Semetko Emory University Januar 2004 Max McCombs University of Texas at Austin Januar 2004 Robert G. Eccles Harvard Business School Oktober 2004 Nitin Nohria Professor Business Administration of Dean Harvard Business School, Boston Januar 2005 Michael B. Goodman Director Corporate Communication Institute, New York Oktober 2006 Shiping Liu Chief Scientist & Associate Director of CAS Financial Technology Center, Chairman of GBICC, Shanghai Oktober 2006 Jan-Egbert Sturm Director, KOF, ZürichJuli 2007 Frank Go Rotterdam School of Management, Erasmus-Universität Rotterdam Januar 2009 Michel Ogrizek International Communications Expert, Paris Januar 2009 Alisa Miller CEO, Public Radio International, Minneapolis Januar 2011 Bernard Kalb former Assistant Secretary of State for Public Affairs, State Department, Washington DCJanuar 2011 Christoph Frei Director General, World Energy Council, LondonJanuar 2011 Eli Khoury Founder and CEO, Quantum Group, Saatchi & Saatchi MENA, Beirut Januar 2011 Farhad Dilmaghani President of DeutschPlusJanuar 2011 Nakhle El-Hage Editor-in-Chief, Al Arabiyah, DubaiJanuar 2011 Stephen Killilea Founder and CEO, Institute for Economics and Peace, Sydney Januar 2011 Ulrik Haagerup Editor-in-Chief, DR-TV, Copenhagen Januar 2011
Partner und Beteiligungen Publikationen von Media Tenor sind Grundlage für mehrere Publikationen über den Einfluss der Medien in verschiedenen Feldern.
Der Online-Mediendienst Kress nutzt das Zitate-Ranking von Media Tenor.Kress: Media-Tenor-Jahresranking: Was bringen Zitate, Herr SchatzKress: Meistzitierte Medien im ersten Quartal 2016: „Bild“ vor „Spiegel“ Media Tenor ist neben mehreren anderen Organisationen an der Erstellung des jährlichen Ökonomen-Einflussrankings beteiligt, welches 2013 zum ersten Mal für Deutschland in der FAZ und seit 2014 zusätzlich für Österreich in Die PresseDie Presse: Top 23: Diese Ökonomen prägen Österreich und für die Schweiz in der NZZNeue Zürcher Zeitung (NZZ): Ökonomen-Einfluss-Ranking 2015 veröffentlicht wird.
Der Versicherungskonzern Allianz kooperierte mit Media Tenor um Unternehmen Reputationsschutz-Versicherungen gegen „Shitstorms“ im Internet anzubieten.Trend zur Shitstorm-Versicherung, 23. Juni 2018
Kontroversen