Steinthaleben ist ein Ortsteil der Gemeinde Kyffhäuserland im thüringischen Kyffhäuserkreis. Für den Ortsteil gibt es eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister. Von den Einheimischen in nordthüringischen „Kipphieserschen“ Dialekt wird es „Dahläwwe“ genannt.
Geographie miniatur|links|Ehemalige Kiesgrube bei Steinthaleben
Der Ort Steinthaleben liegt am Thalebener Bach, am Südwestrand des Naturparks Kyffhäuser. Der gesamte westliche Teil dieses kleinen, bewaldeten Mittelgebirges gehört zum Gebiet der Gemeinde. Etwa 518 Hektar südlich und westlich des Ortes werden landwirtschaftlich genutzt. Die höchste Erhebung der Gemarkung Steinthaleben ist der Kulpenberg mit 473,4 m ü. NN. mini|Der Thaleber Bach an der Gemeindeverwaltung
Etwa ein Kilometer südlich Steinthalebens befindet sich eine ehemalige Kiesgrube. Hier ist ein kleines Biotop entstanden mit vielen Fröschen, Fischen, Insekten und Vögeln. Darüber hinaus hat sich hier ein ansehnlicher Bestand an Rohrkolben entwickelt.
Im Norden, Osten und Südosten des Dorfes erstreckt sich das Kyffhäusergebirge. Dahinter befinden sich die umliegenden Ortschaften: im Norden Kelbra, mit der Rothenburg, im Nordosten Sittendorf und Tilleda ebenso der Fernsehturm Kulpenberg und das Kyffhäuserdenkmal, im Osten das Schloss Rathsfeld, dahinter die Dörfer Ichstedt und Udersleben, im Südosten die Stadt Bad Frankenhausen. Im Süd-Süd-Osten dem Badraer/Thalebener Bach folgend befindet sich die Barbarossahöhle und das Dorf Rottleben. Im Südwesten liegt Bendeleben und im Westen Badra. Im Südwesten zwischen Bendeleben und Badra erhebt sich die Osthang der Windleite mit dem weithin sichtbaren Naturdenkmal „Streiteiche“, „Bendeleber Eiche“ oder „Bettelmannseiche“, mit unbekanntem aber wahrscheinlich sehr hohem Alter. Im Nordwesten erstreckt sich die Badraer Lehde, Badraer Schweiz, der Stöckey, dahinter das Vorwerk Numburg mit der Numburghöhle; dahinter bereits unten in der Goldenen Aue erstreckt sich der Stausee Kelbra.
Die UTM-Koordinaten des Kirchturms von Sankt Dionysius zu Steinthaleben sind: 32 U – 640,801 km E, 5695,696 km N (WGS 84)Satellitenbild von Google Earth vom 7. April 2018.
Verkehr Erreichbar ist Steinthaleben von Norden (von Kelbra aus) etwa 500 m in westlicher Richtung über die L234 bis zum Strandbad Kelbra, dann abbiegen links über die Landstraße ohne Nummer Richtung Süden nach Steinthaleben. Von Osten vom Schloss Rathsfeld an der B 85 aus über die Landstraße L 2292; selbige welche etwa 300 m vor dem Ortseingang Richtung Süden zur Barbarossahöhle – Rottleben abbiegt. So kommt man in entgegengesetzter Richtung über dieselbe Straße auch von Süden von Rottleben aus herein. Nach Bendeleben führt eine nummernlose Landstraße, ebenso wie nach Badra. Östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 85 (Bier- und Burgenstraße), welche in diesem Abschnitt zwischen Bad Frankenhausen und Kelbra quer über das Kyffhäusergebirge führt. Von dieser aus kann man nach Steinthaleben gelangen von Kelbra, vom Schloss Rathsfeld und von Bad Frankenhausen aus über Rottleben.
Einen Eisenbahnanschluss gibt es nicht. Die nächsten Bahnhöfe sind im Norden Berga-Kelbra (ohne Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Steinthaleben), im Osten Artern, im Westen der Bahnhof Sondershausen-West.
Steinthaleben hat nur Anschluss durch öffentlichen Busverkehr über die Linie 451 der Regionalbus GmbH nach Sondershausen und Bad Frankenhausen, ohne direkten Anschluss zu irgendeinem Bahnhof zu haben.
Klima miniatur|links|26. April 2006 Aufgrund der Lage im Regenschatten des Harzes und des Kyffhäusergebirges gehört Steinthaleben zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Jedoch entlud sich am 26. April 2006 über dem Dorf ein starkes Unwetter und sorgte für erhebliche Schäden durch Überschwemmungen. Mikroklimatisch am Westhang des Kyffhäusers gelegen können eher konvektive Ströme auftreten und sich örtliche Gewitter in den Sommermonaten bilden, als in der näheren Umgebung, wie in der Goldenen und Diamantenen Aue oder dem Thüringer Becken. Auch die Stauwirkung des Kyffhäusergebirges bei herbstlichen feuchten Westwinden bringen einen leicht erhöhten Niederschlag in dieser Jahreszeit im Vergleich mit der Ost- oder Südseite des Kyffhäusergebirges.
Da es innerhalb der Steinthalebener Gemarkung viele landwirtschaftlich genutzte Hanglagen gibt, und mit dem Klimawandel erhöhte Niederschlagsintensitäten und Häufigkeiten von Starkniederschlägen erwartet werden, müssen verstärkte Bodenschutzmaßnahmen durchgeführt werden. An steileren Hängen muss eine graduelle Umstellung von traditioneller Großraumwirtschaft auf kleinere in Höhenlinie ausgerichtete Flächen mit zwischenliegenden terrassenförmig angelegten Obstgärten (Streuobstwiesen) durchgeführt werden, wie sie es bereits in der Geschichte des Ortes gab. Durch seine Anlage nach Süden hin offen, ist das Klima gut für Wein- und Obstbau. Auch Hopfen wurde viele Jahre lang in der Gemarkung angebaut.
Geschichte Für die Entstehung des heutigen Dorfes Steinthaleben geben zwei frühgeschichtliche Gräberfelder wichtige Hinweise. In der Kiesgrube am südlichen Ortsrand wurde ein Grab aus der thüringischen Königszeit (454–531) geborgen. Die dazugehörige Siedlung dürfte in der heutigen Dorflage zu suchen sein. Im 11. Jahrhundert wurde auf dem heutigen Gebiet Steinthalebens die Reichsburg Kyffhausen errichtet. In diese Zeit fällt vermutlich auch die Entstehung der Siedlungsanlage Rathsfeld („das gerodete Feld“). Allerdings wurde sie in einer Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1268, in welcher sie an das Kloster Walkenried abgetreten wurde, bereits als Wüstung bezeichnet. Vermutlich hatte Wassermangel die Siedler zum Aufgeben gezwungen. Erst im Jahre 1698 errichteten die Schwarzburger Grafen an dieser Stelle ein barockes Jagdschloss.
Die erste urkundliche Erwähnung Steinthalebens stammt aus dem Jahre 1093, dem Gründungsjahr des Benediktinerklosters Miminde, später Bursfelde, bei Dransfeld an der oberen Weser. Der Erzbischof Ruthard von Mainz beurkundet darin, dass ein Graf Heinrich mit seiner Gemahlin Gertrud obiger Neugründung nebst vielen anderen Besitzungen auch einige Güter zu Berga, Dalheim („Talsiedlung“) und die Mühle zu Kalvern (Kelbra) usw. vermacht hat. In dem Schutzbrief des Papstes Innozenz III. für das Kloster Walkenried von 1205 wird diesem Ort auch ein Weinhof in Dalehn bestätigt. Später erscheint der Ort in Walkenrieder Urkunden als Thaleheim (1209), Dalehn (1211), Thalheim (1215) und selbst noch 1506 als Talheym. Die ursprüngliche Bezeichnung für das Dorf lässt auf eine fränkische Namensgebung schließen. Erst seit dem 16. Jahrhundert taucht der Ort als Thaleben (1525 Talleyben) auf, in den folgenden Jahrhunderten auch schon als Steinthaleben, das aber erst 1927 zur amtlichen Bezeichnung wurde.
Der Weinbau muss lange Zeit in hoher Blüte gestanden haben. Zwei Steinthalebener Weinmeister sind namentlich bekannt: Johann von Bartholfelde (1345–1354) und Hans von Tullede (1390). Die Flurnamen Weinberg, Mönchenberg und Keltertal erinnern noch daran.
Seit dem 13. Jahrhundert erscheinen besonders in den Zeugenreihen beichlingischer Urkunden Ritter, die sich nach Thalheim nannten.
Wann die Reformation in Steinthaleben einzog, ist unbekannt. Wahrscheinlich war das Kloster Walkenried darauf bedacht, so lange wie möglich seine Besitzungen im Ort zu behalten. Im Jahre 1543 verkaufte auf Wiederkauf Abt Paulus von Walkenried das Klostergut nebst den dazugehörigen Holzungen, sechs Hufen Land, Schäferei und Backhaus für 840 Florentiner Gulden an den Grafen Günther von Schwarzburg (Grafen von Schwarzburg). Da eine Einlösung nicht erfolgte, blieb das Dorf seit dieser Zeit Schwarzburger Besitz. Steinthaleben wurde Teil der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Erst nach dem Übergang des Klosterbesitzes an Schwarzburg mag sich die Reformation ausgebreitet haben.
Aus einem ausführlichen Bericht des verstorbenen geheimen Archivrates Bangert erfahren wir in der Beilage zur Frankenhäuser Zeitung im Mai 1921 interessante Einzelheiten über die hohen Einquartierungs- und Kontributionslasten sowie über die harten Zwangsmaßnahmen, die bei Nichteintreibung angewendet wurden. Seit November 1631 zeigten sich auch schwedische Truppen in der Unterherrschaft. Im November 1632 kamen mehr als 50 Pappenheimsche Reiter vom Thaleber Berg herunter, berannten die Stadt Kelbra und nahmen sie ein.
Etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde im Kyffhäusergebirge mit dem Kupferschieferbergbau begonnen. Viele Halden und Pingen in der Umgebung des Rathsfelds und in der umgebenden Flur bezeugen, dass der Abbau jahrhundertelang betrieben worden ist. Die Ausbeute war aber immer sehr gering. miniatur|Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr
Einem letzten Versuch, die Erze in größerem Ausmaße tiefer im Inneren des Gebirges abzubauen, verdankt die Barbarossahöhle ihre Entdeckung im Jahre 1865.
Im Jahre 1868 gründet sich die Freiwillige Feuerwehr Steinthaleben. Es existiert ein eigenes Haus mit Garage für den Einsatzwagen.
1896 wurde das Kyffhäuserdenkmal errichtet. Nach Ende des Ersten Weltkriegs entstand Ende November 1919 der Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt, der 1920 im neuen Land Thüringen aufging. Zur Zeit der DDR gab es in Steinthaleben ein Pionierferienlager auf dem Gelände des Jagdschlosses Rathsfeld.
Von 1920 bis 1952 gehörte Steinthaleben zum Land Thüringen und dort zum Landkreis Sondershausen, welches eine Enklave der umgebenden preussischen Provinz Sachsen darstellte.
Nach der Bildung der DDR 1949 und der folgenden Gebietsreform vom 25. Juli 1952 wurde Steinthaleben an den erstmals neugebildeten Kreis Artern und den Bezirk Halle angegliedert.
Am 6. Mai 1990 gab es die erste demokratische Kreistagswahl für den Kreis Artern, wobei dank einer Initiative der damals politisch Verantwortlichen der Volksentscheid zur Länderzugehörigkeit vorverlegt, mit dieser zusammengelegt wurde. Für die anderen „Thüringerkreise“ (Sangerhausen, Nebra und Naumburg) des Bezirkes Halle war ebenfalls gleicher Volksentscheid vorgesehen, zu welchem es aber aus Zeitdruck und der schnellstmöglichen Umsetzung der Deutschen Wiedervereinigung nach dieser Kreistagswahl nicht mehr kam. So kam von den 4 Kreisen nur der Kreis Artern nach Thüringen, dank überwältigender Mehrheit der Stimmen. Der Rest des Bezirkes Halle wurde kommissarisch Sachsen-Anhalt zugeordnet.
Am 31. Dezember 2012 schloss sich die Gemeinde Steinthaleben mit weiteren Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Kyffhäuser zur Gemeinde Kyffhäuserland zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012
Neben Steinthaleben gehörten die Orte Rathsfeld und Kyffhausen zur Gemeinde.
Bevölkerung In Steinthaleben wird nordthüringer Dialekt gesprochen, „Kipphiesersch“, der Dialekt, welcher auf den Dörfern rings um das Kyffhäusergebirge gesprochen wird. Hier auch „Dahlläwwersch“ genannt, von „Dahlläwwe“ = Thaleben, dem historischen Ortsnamen Steinthalebens.
Einwohnerentwicklung miniatur|hochkant|Gedenkstein der Bundeswehr
Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Steinthaleben (31. Dezember): 1994: 575 1995: 564 1996: 558 1997: 564 1998: 555 1999: 541 2000: 537 2001: 530 2002: 522 2003: 535 2004: 523 2005: 514 2006: 524 2007: 517 2008: 510 2009: 495 2010: 477 2011: 473
Patenschaft der Bundeswehr Vom 8. Juni 1993 bis zum 30. September 2002 gab es ein Patenschaftsabkommen zwischen der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillon 381 der Bundeswehr und Steinthaleben. An diese Zeit erinnert ein Gedenkstein. Die Patenschaft endete mit der Auflösung des Panzergrenadierbataillons. Der Stein selber wurde von einem örtlichen Steinmetzmeister gestiftet.
Wappen Das Wappen wurde am 15. März 1994 genehmigt.