Das Städtische Gymnasium Laurentianum (Laurentiano Norbertinum; zwischenzeitlich auch Staatliches Gymnasium Laurentianum) ist ein städtisches Gymnasium in Arnsberg. Die Schule wurde 1643 als Klosterschule des Klosters Wedinghausen gegründet. Sie war nicht zuletzt ein bedeutender Faktor der Gegenreformation in der Region. Im Zuge der katholischen Aufklärung am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Schule zu einer Staatsanstalt. Im 19. Jahrhundert und bis weit ins 20. Jahrhundert war das Laurentianum ein staatliches altsprachliches Gymnasium. Heute ist die Schule ein städtisches Gymnasium.
Geschichte Mittelalterliche Vorläufer Im 12. Jahrhundert wurde das Prämonstratenserstift in Wedinghausen gegründet. Es war bald nicht nur ein religiöser, sondern auch ein kultureller Mittelpunkt, zunächst der Grafschaft Arnsberg und nach deren Ende 1368 des Herzogtums Westfalen. Wenige Jahre nach der Gründung entstand ein überregional bekanntes Scriptorium. Caesarius von Heisterbach erwähnte den aus England stammenden Klosterschreiber Richard von Arnsberg, der um 1190 in Wedinghausen starb. Etwa um 1210 bis 1236 wirkte mit Ludovicus scriptor ein begabter Schreiber und Illustrator, von dem eine zweibändige Bibel erhalten ist. Bereits im Mittelalter bestand eine Klosterschule, denn die Quellen erwähnen für 1398 einen rector scholarum. Unbekannt ist jedoch, welches Schicksal die Schule während der folgenden Jahrhunderte genommen hat.Karl Feaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Arnsberg 1895 [unveränderter Nachdruck: Werl, 1983] S. 109 f.
mini|Enges Miteinander von Laurentiuskirche und Schule (im Hintergrund)
Gründung und Schulleben in der frühen Neuzeit Im Zusammenhang mit der Gegenreformation einerseits und mit dem Wiederaufschwung des Klosterlebens in Arnsberg unter Abt Gottfried Reichmann andererseits wurde am 1. November 1643 das Laurentiano Norbertinum gegründet. Der Name verbindet das Patrozinium der Klosterkirche, des heiligen Laurentius, mit dem Namen des Gründers des Prämonstratenserordens, des heiligen Norbert. Vorausgegangen waren längere Verhandlungen zwischen dem Abt und dem Konvent des Klosters und der Stadt Arnsberg mit dem Ziel, eine höhere Schule einzurichten. Neben Latein, Griechisch und anderen Fächern der humanistischen Bildung waren Kunst und Musik Schwerpunkte.
Unmittelbar nach der Schulgründung begannen die Klosterbrüder und ihre Schüler, jährlich im Arnsberger Rathaus Komödien aufzuführen. Das Gymnasium knüpfte damit an ältere Traditionen der weltlichen Stadtschule an. Erste Berichte über Aufführungen durch das Gymnasium existieren für das Jahr 1644. Im Jahr 1714 entstand eine eigene Aula. Diese Institution der „Wedinghauser Schaubühne“ ist bis 1774 belegt. Vergleichbar mit heutigen Programmheften wurden zu den Aufführungen Skizzen über den Inhalt des Stückes gedruckt. Von diesen Periochen sind die meisten verloren gegangen. Heute existieren nur noch wenige Exemplare.Chronologisches Verzeichnis der zwischen den Jahren 1694–1772 am Gymnasium hierselbst aufgeführten Dramata, nebst den Namen ihrer Verfasser. In: Zur zweiten Säkularfeier des Königl. Gymnasiums zu Arnsberg. Arnsberg 1843, S. 51.Norbert Höing: Die Schauspiele am Klostergymnasium „Norbertino-Laurentianum“ zu Wedinghausen im 17. und 18. Jahrhundert. In: Westfälische Zeitschrift. Bd. 138, 1988, S. 231–278. Seit der Zeit des Abtes Michael Reinhartz (reg. 1663–1688), der bestimmte, dass nur in die Klostergemeinschaft aufgenommen wurde, wer mindestens ein Instrument spielen konnte, kam die Aufführung von Opern hinzu. Zur Zeit von Abt Norbert Bicker wurde die Schule mit der Einrichtung der beiden obersten Klassen zu einem vollwertigen Gymnasium.
In den folgenden Jahrhunderten war die Schule neben dem Gymnasium Petrinum in Brilon die einzige höhere Schule im Herzogtum Westfalen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bemühte sich Franz Wilhelm von Spiegel zunächst als Landdrost für das Herzogtum und später als leitender Minister der kurkölnischen Regierung in Bonn im Sinne der katholischen Aufklärung um eine Reform der höheren Schulen in seinem Zuständigkeitsbereich. So wurden erstmals verbindliche Lehrpläne eingeführt. 1712 wurde das Laurentianum das erste Vollgymnasium im kurkölnischen Sauerland.
Umwandlung in eine Staatsanstalt und Krise Gegen Ende des Jahrhunderts erfolgte eine tiefgreifenden Umgestaltung. Unter dem Landdrost Franz Wilhelm von Spiegel wurde die Schule 1782 von einer Einrichtung des Klosters zu einer Staatsanstalt. Für die Kosten und Finanzierung blieb allerdings das Stift zuständig. Lehrer durften fortan nur noch mit dem Einverständnis der staatlichen Schulkommission angestellt werden. Die Lehrer wurden von den übrigen klösterlichen Pflichten entbunden. Sie erhielten neben Unterkunft und Kost ein Gehalt von zwölf Reichstalern im Jahr. Zu ihrer Weiterbildung wurde eine pädagogische Bibliothek eingerichtet. Daneben wurden auch die Fächer festgeschrieben. Teilweise kam es dabei zu einer deutlichen Ausweitung der Lehrinhalte. Gelehrt wurden: Deutsch, Mathematik, Seelenlehre, Geographie sowie Weltlehre (d. h. Philosophie). In der Praxis war die Reform jedoch nicht so einschneidend. Vielmehr stellte sich die Lage der Schule am Ende des Ancien Regimes als eine schwere Krise dar. Auf Grund fehlender Mittel war die Zahl der Lehrer klein, zahlreiche Fächer konnten zunehmend nicht mehr abgedeckt werden. Auch die Zahl der Schüler ließ teilweise wegen der Zeitumstände stetig nach.Karl Feaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Arnsberg 1895 (Nachdruck: Werl 1983) S. 497, vergl. dazu auch: Norbert Höing: Eine Schulordnung des Arnsberger Klostergymnasiums. In: Heimatstimmen Arnsberg. Jg. 11/1990, S. 44–47.
19. Jahrhundert mini|Historische Schulfahne
Nach der Säkularisation im Jahr 1803 wurde das Gymnasium vorübergehend geschlossen. „Keiner der früheren Lehrer konnte sich entschließen, unter den ganz neu gestalteten Verhältnissen am Gymnasium zu bleiben: Einige suchten Anstellungen im Pfarramte, andere zogen es vor, sich mit der spärlichen Pension, welche ihnen als Klostergeistlichen nach dem Reichsdeputations-Hauptschlusse gezahlt werden musste, zurückzuziehen“, schrieb der spätere Direktor Philipp Baaden in der Rückschau. Nach der Neueröffnung im selben Jahr wurde die Schule gänzlich zur staatlichen Einrichtung. Erster Präfekt der nun weltlichen Schule war der Reformpädagoge Friedrich Adolf Sauer. Er diente in dieser Funktion zunächst dem hessen-darmstädtischen und nach 1816 dem preußischen Staat. Die Schule führte unter preußischer Herrschaft den Titel „Königliches Gymnasium Laurentianum“. Damit unterstand sie nicht der Kontrolle der Gemeindeverwaltung, sondern dem Provinzialschulkollegium der Provinz Westfalen. Nach der Neueröffnung blieb der alte Lehrplan, wie er unter Kurfürst Maximilian Franz verordnet worden war, zunächst in Kraft. Neu hinzu kam das Fach Griechisch.
Zeitweise gab es im damals zuständigen Konsistorium in Münster Überlegungen, das Gymnasium anstatt als Vollanstalt nur noch als Progymnasium weiterzuführen, weil mit dem Wegzug der Bezirksregierung gerechnet wurde. Das Ministerium der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten in Berlin verfügte jedoch 1818, dass auch beim Wegzug der Regierung in Arnsberg das Gymnasium als „Hauptschulanstalt“ im Herzogtum Westfalen notwendig sei. Gleichzeitig wurde eine gründliche Untersuchung der Schule angeordnet. Konsistorialrat Kohlrausch führte im September 1819 diese Revision durch. Er fand zwar nur eine Zahl von 54 Schülern vor, sah aber ein doppelt so hohes Potential. Das Ziel war, die Schule so weiterzuentwickeln, dass sich das Laurentianum „an die Seite der besten Schulen der Provinz“ stellen könne. Nach einer langen Studienreise zu den führenden Gymnasien Preußens wurde Philipp Baaden Direktor.Jens Hahnwald: Philipp (Augustinus) Baaden - einer der letzten Konventualen des Klosters Wedinghausen und bis 1842 Direktor des Gymnasiums Laurentianum. In: Südwestfalenarchiv. Jg. 2009. Er führte einen Lektionsplan nach den Vorschriften der preußischen Unterrichtsverwaltung ein. Obwohl dieser dem neuhumanistischen Bildungsideal verpflichtet war, war die Zahl der dem muttersprachlichen Unterricht gewidmeten Schulstunden deutlich höher als in vielen Gymnasien Preußens.Claudia Bartels: Die Entwicklung des Deutschunterrichts an den Gymnasien Dortmund, Arnsberg und Wesel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dargestellt anhand der Schulnachrichten von 1815 bis 1867. Tübingen 1991, S. 162. In den ersten Jahrzehnten betrug der Anteil des altsprachlichen Unterrichts noch etwa 40 % der Gesamtstundenzahl. Auch wenn der altsprachliche Charakter grundsätzlich beibehalten wurde, sank dessen Anteil im Verlauf des Jahrhunderts auf 30 %, während der Anteil der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer von knapp 14 % auf 20 % anstieg.
Ebenso zukunftsweisend war die Hochschätzung des Turnunterrichts sowie die Einrichtung einer (kurze Zeit bestehenden) Schwimmanstalt. Direktor Baaden betrachtete körperliche Übungen als wichtiges und gleichwertiges Gegenstück zur Bildung des Geistes. Er sah die Schule in der Pflicht, „den Körper als die Objektivation des ‚göttliche[n] Ebenbild[es]’“ gesund und schön zu erhalten.SportGeist: Die Kulturgeschichte von Turnen und Sport in Westfalen. Druck-Verlag Kettler, 2006, S. 86.
1879 wurde ein erster Neubau errichtet, dem 1900 eine weitere bauliche Erweiterung folgte.
20. und 21. Jahrhundert Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Schule 278 Schüler und eine erhebliche Bedeutung über die Stadt Arnsberg hinaus gewonnen. Deshalb besuchten es stets eine Reihe von Schülern aus anderen Gemeinden und der Einzugsbereich reichte von Fröndenberg im Westen bis Bestwig im Osten.
Nach der Novemberrevolution von 1918 wurde aus dem Königlichen das Staatliche Gymnasium Laurentianum, wodurch sich an den grundsätzlichen Strukturen wenig änderte. 1930 wurde der Erweiterungsbau weiter aufgestockt und ein Hausmeistergebäude errichtet.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Unterricht inhaltlich der herrschenden Ideologie angepasst und es wurden Lehrer aus politischen oder rassischen Gründen entlassen. Auch die jüdischen Schüler hatten unter Repressionen zu leiden, ehe sie die Schule ganz verlassen mussten. Eine Eingabe des nationalsozialistischen Stadtrats aus dem November 1936 beantragte beim Oberpräsidium einen vollständigen Umbau des höheren Arnsberger Schulwesens im nationalsozialistischen Sinn. In diesem Zusammenhang wurden die beiden konfessionellen höheren Mädchenschulen zu Gunsten einer städtischen Oberschule für Mädchen geschlossen. Die Umwandlung des staatlichen Gymnasiums in eine neusprachliche städtische Oberschule wurde indes abgelehnt.Siehe ausführlich: Die höheren Schulen Arnsbergs im Dritten Reich. Schulalltag am staatlichen Gymnasium Laurentianum, am Evangelischen Lyzeum und an der Städtischen Oberschule für Mädchen (1933-1945). Arnsberg 2001.
Um 1950 begann eine weitere Bauphase, die erst in den 1970er Jahren mit dem Neubau eines naturwissenschaftlichen Traktes und einer neuen Turnhalle ihren Abschluss fand.Hubert Hölscher: Schulwesen in Arnsberg. In: 750 Jahre Arnsberg. Zur Geschichte der Stadt und ihrer Bürger. Arnsberg 1989, ISBN 3-87793-025-5; Eckhard Kotthaus (Endred.): Die höheren Schulen Arnsbergs im Dritten Reich. Schulalltag am Staatlichen Gymnasium Laurentianum, am Evangelischen Lyzeum und an der Städtischen Oberschule für Mädchen (1933 bis 1945). Arnsberg 2001, ISBN 3-930264-36-6, S. 16 f.