Raphaël Poirée (* 9. August 1974 in Rives, Département Isère, Frankreich) ist ein ehemaliger französischer Biathlet.

Biathlonkarriere Aufstieg Raphaël Poirées internationale Biathlon-Karriere begann 1994 mit dem Gewinn von zwei Junioren-Weltmeistertiteln. Im Biathlon-Weltcup trat er erstmals in der Saison 1995/96 nennenswert in Erscheinung, als er am Saisonende Platz 17 im Gesamtweltcup belegte. Sein erster Weltcupsieg gelang Poirée in der Saison 1997/98 am 8. Januar 1998 beim Sprint in Ruhpolding, mit dem fünften Platz im Gesamtweltcup erreichte Poirée auch seine erste Top-10-Platzierung. Im März 1998 gewann er auch seine erste Medaille bei Weltmeisterschaften, beim Verfolgungsrennen im slowenischen Pokljuka holte er Bronze. In der darauffolgenden Saison belegte er wie in der Vorsaison Platz fünf im Gesamtweltcup.

Erfolgreiche Jahre Mit Beginn der Saison 1999/00 begannen die Jahre, in denen sich Poirée zu einem der dominierenden Athleten des Biathlonsports entwickelte. Drei Mal in Folge gewann er den Gesamtweltcup und wurde so zu einem Dauerkonkurrenten des Norwegers Ole Einar Bjørndalen. Auch bei den Weltmeisterschaften war Poirée mehrfach erfolgreich: In den Jahren 2000 bis 2002 gewann er drei Mal hintereinander den Weltmeistertitel im Massenstart, was ihm auch den häufig zitierten Titel „Meister des Massenstarts“ einbrachte. Daneben holte er 2001 auch mit der französischen Staffel die Goldmedaille.

mini|links|Zwei langjährige Konkurrenten gemeinsam am Schießstand: Raphaël Poirée und Ole Einar Bjørndalen beim Weltcup in Antholz 2006

Weniger erfolgreich verlief für Poirée die Saison 2002/03. Im Gesamtweltcup belegte er den vierten Platz, bei den Weltmeisterschaften in Chanty-Mansijsk gewann er lediglich eine Bronzemedaille im Massenstart. Zur erfolgreichsten Saison in der Karriere des Franzosen wurde hingegen die Saison 2003/04: Poirée gewann zum vierten Mal den Gesamtweltcup sowie alle Disziplinen-Weltcups. Bei den Weltmeisterschaften 2004 in Oberhof war er mit drei Goldmedaillen in Sprint, Einzel und Massenstart der erfolgreichste Athlet der WM und stellte mit seiner Ehefrau einen Rekord auf: Das Ehepaar errang sieben von zehn Goldmedaillen.

Kein Glück bei Olympischen Spielen Eine olympische Goldmedaille blieb Raphaël Poirée trotz der Teilnahme an drei Olympischen Spielen verwehrt. 2002 gewann er in Salt Lake City mit der Silbermedaille in der Verfolgung seine einzige olympische Einzelmedaille, mit der französischen Staffel gewann er 2002 und 2006 in Turin jeweils Bronze.

Karriereende Während der Weltmeisterschaften 2007 in Antholz gab Poirée nach der Goldmedaille im Einzel bekannt, am Ende der Saison 2006/07 seine Karriere zu beenden.. Er beendete die WM mit einem kompletten Medaillensatz, neben der Goldmedaille im Einzel holte Poirée Silber mit der französischen Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart.

Die Rennen nach der WM verliefen für ihn im Gegensatz zum Saisonbeginn äußerst erfolgreich. Erklärt wurde dieser Leistungsunterschied in beiden Saisonhälften damit, dass er und seine Frau ein Kind erwartet hatten. Nach der Geburt seines zweiten Kindes wurde Poirée, der zudem schon wusste, dass es seine letzten Rennen werden würden, besonders entspannt. Bei der drittletzten Weltcupstation im finnischen Lahti konnte er alle drei Rennen gewinnen. Diese Siegesserie setzte er bei der vorletzten Weltcupstation in Oslo mit dem Sieg im Einzel fort. Dies bedeutete den Sieg im Einzel-Disziplinenweltcup und brachte Poirée nach einer anfänglich wenig zufriedenstellend verlaufenen Saison auch im Gesamtweltcup wieder in aussichtsreiche Position. Sein vorletztes Rennen beendete er hinter Bjørndalen auf einem zweiten Platz. Poirée bestritt sein letztes Weltcuprennen mit dem Massenstart am 11. März 2007 in Oslo, das er auf dem zweiten Platz beendete. Selbst hier konnte nur ein Zielfoto zeigen, dass er nur um wenige Zentimeter von seinem jahrelangen Dauerrivalen Ole Einar Bjørndalen geschlagen wurde. Alle acht seiner letzten Einzelrennen konnte er auf einem Podestplatz beenden, er wurde fünfmal Erster, zweimal Zweiter und einmal Dritter. Die Reise nach Chanty-Mansijsk zur letzten Weltcupstation machte er nicht mehr mit, obwohl er im Gesamtweltcup nur wenige Punkte hinter dem Führenden Michael Greis lag.

Seine letzten Rennen bestritt Poirée außerhalb des Biathlon-Weltcups: Bei den Militärweltmeisterschaften 2007 im estnischen Võru gewann er am 22. März den WM-Titel im Sprint, (estnisch). bei den Französischen Meisterschaften konnte er am 30. März in Le Grand-Bornand außerdem den Massenstart für sich entscheiden. Anfang 2008 nahm Poirée noch an mehreren Skimarathon-Volksläufen erfolgreich teil, unter anderen am legendären Worldloppet-Lauf Transjurassienne im französischen Jura, bei dem er mit dem 4. Rang einen Podestplatz um weniger als eine Sekunde im Endspurt hinter Marco Cattaneo und Mathias Fredriksson verpasste, und am Marathon de Bessans, wo er um wenige Zentimeter im Zielsprint vom damaligen französischen Top-Skilangläufer Vincent Vittoz geschlagen wurde.

Nach seiner Karriere kümmerte sich Poirée vor allem um seine Familie. Bei den Weltmeisterschaften 2008 in Östersund war er als Experte für Eurosport beschäftigt. Außerdem arbeitete er in Norwegen als Trainer, unter anderem von Lars Berger.

Vor der Saison 2012/2013 wechselte Raphaël Poirée als Trainer nach Belarus. Seine Familie, also Ehefrau Liv Grete und die drei Mädchen, sollten weiterhin in Norwegen wohnen. Die Zusammenarbeit war zunächst nur bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi geplant. Poirée arbeitete unter anderem mit dem Deutschen Klaus Siebert zusammen, der Anfang April für seine Arbeit vom belarussischen Verband geehrt wurde. Das Trainerprojekt endete jedoch frühzeitig im April 2013 in gegenseitigem Einvernehmen.

Bilanz Seine größten Erfolge erreichte Raphaël Poirée bei Weltmeisterschaften: zwischen 2000 und 2007 wurde er insgesamt achtmal Weltmeister und gewann 18 WM-Medaillen (8× Gold, 3× Silber, 7× Bronze). Des Weiteren ist er viermaliger Gesamtweltcup-Sieger und erreichte 44 Weltcupsiege. Damit ist er nach Ole Einar Bjørndalen und Martin Fourcade der dritterfolgreichste Biathlet im Weltcup.

Poirée ist zudem nur einer von drei Biathleten neben seinem Landsmann Martin Fourcade und dem Norweger Johannes Thingnes Bø, dem es gelang, den Gesamtweltcup und alle Disziplinen-Weltcups innerhalb einer Saison zu gewinnen (Saison 2003/04). In seiner Karriere gelang es ihm, zehn Disziplinenweltcupwertungen und – zusammen mit den vier Gesamtweltcupsiegen – 14 Weltcupwertungen für sich zu entscheiden. Mehr Weltcupwertungen haben bei den Herren nur Ole Einar Bjørndalen und Martin Fourcade gewonnen.

Privatleben Poirée war von 2000 bis 2013 mit der ehemaligen norwegischen Biathletin Liv Grete Poirée (geb. Skjelbreid) verheiratet. Die beiden haben drei gemeinsame Töchter.

Seit 2013 ist Poirée mit der Norwegerin Anne Tunes, die ebenfalls drei Kinder hat, zusammen. Im Sommer 2016 heiratete das Paar.seher.no

Sein Bruder Gaël Poirée ist ebenfalls ein ehemaliger Biathlet. Ann-Elen Skjelbreid, die Schwester von Liv Grete, ist ebenfalls Biathletin. Egil Gjelland, sein ehemaliger Schwager ist Athletenbotschafter der Entwicklungshilfeorganisation Right to Play.

Ende 2009 erlitt Poirée einen Unfall mit seinem Quad und wurde bis Ende Januar 2010 in einer Klinik behandelt., 26. Januar 2010.

Statistik Weltcupsiege Einzelrennen Staffelrennen Nr. Datum Ort Disziplin 1. 10 km Sprint 2. 12,5 km Verfolgung 3. 15 km Massenstart 4. 12,5 km Verfolgung 5. 12,5 km Verfolgung 6. 20 km Einzel 7. 10 km Sprint 8. (WM) 15 km Massenstart 9. 10 km Sprint 10. 12,5 km Verfolgung 11. 10 km Sprint 12. 10 km Sprint 13. 12,5 km Verfolgung 14. (WM) 15 km Massenstart 15. 12,5 km Verfolgung 16. 15 km Massenstart 17. 10 km Sprint 18. 12,5 km Verfolgung 19. 10 km Sprint 20. 12,5 km Verfolgung 21. 15 km Massenstart 22. 10 km Sprint 23. 12,5 km Verfolgung 24. 20 km Einzel 25. 12,5 km Verfolgung 26. 10 km Sprint 27. 15 km Massenstart 28. (WM) 10 km Sprint 29. (WM) 20 km Einzel 30. (WM) 15 km Massenstart 31. 12,5 km Verfolgung 32. 10 km Sprint 33. 12,5 km Verfolgung 34. 12,5 km Verfolgung 35. 15 km Massenstart 36. 12,5 km Verfolgung 37. 15 km Massenstart 38. 20 km Einzel 39. 10 km Sprint 40. (WM) 20 km Einzel 41. 20 km Einzel 42. 10 km Sprint 43. 12,5 km Verfolgung 44. 20 km Einzel Nr. Datum Ort Disziplin 1. (WM) 4 × 7,5 km Staffel 2. 4 × 7,5 km Staffel

Biathlon-Weltcup-Platzierungen

Olympische Winterspiele Einzelwettbewerbe Staffel Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Olympische Winterspiele 1998 rahmenlos|28px|Olympische Winterspiele | 22. DNF 7. Olympische Winterspiele 2002 rahmenlos|28px|Olympische Winterspiele | 10. 9. 2. 3. Olympische Winterspiele 2006 rahmenlos|28px|Olympische Winterspiele | 20. 8. DNF 12. 3.

Weltmeisterschaften Einzelwettbewerbe Teamwettbewerbe Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Mannschaft Staffel Mixed-Staffel Weltmeisterschaften 1996 67. 23. 10. 5. Weltmeisterschaften 1997 14. 59. — 7. 5. Weltmeisterschaften 1998 3. 7. Weltmeisterschaften 1999 19. 26. 11. 9. 12. Weltmeisterschaften 2000 4. 6. 3. 1. 10. Weltmeisterschaften 2001 37. 7. 2. 1. 1. Weltmeisterschaften 2002 1. Weltmeisterschaften 2003 7. DNF — 3. 13. Weltmeisterschaften 2004 1. 1. 2. 1. 3. Weltmeisterschaften 2005 8. 13. 9. 3. 5. 6. Weltmeisterschaften 2006 3. Weltmeisterschaften 2007 1. 8. 6. 3. — 2.

Weblinks

Fanseite über Poirée und das französische Biathlon-Team

Einzelnachweise

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