Uwe Lohrmann (* 9. Dezember 1936 in Karlsruhe; † 17. November 2018 in Heidelberg) war ein deutscher Komponist, Organist und Chorleiter. Er lebte in Heidelberg.

Leben 1948 bis 1952 war Uwe Lohrmann Singknabe beim Regensburger Domchor („Domspatzen“) unter der Leitung von Theobald Schrems. Aufgrund einer durch den Stiefvater Hans Baumann (kurz vor Kriegsende 1945 gefallen – der Vater Kuno Lohrmann war bereits 1937 verstorben) beabsichtigten Adoption war er in Regensburg unter dem Namen Uwe Baumann bekannt.

Das Klangideal dieses weltberühmten Chores wurde prägend für den Dirigenten Lohrmann. Er studierte an der Musikhochschule Karlsruhe bei Gerhard Nestler (wissenschaftliche Fächer) und privat bei Otto Mazerath (Dirigieren) und war als Chorleiter und Organist tätig; zunächst in Karlsruhe, Lampertheim und ab 1960 in Heidelberg.

Ab 1964 erneutes Studium am Evangelischen Kirchenmusikalischen Institut Heidelberg, Orgel bei Herbert Haag und Dirigieren bei Kurt Thomas (Kurse und Meisterkurse). Nach Abschluss dieses Studiums mit B- und A-Prüfung folgte ein Aufbaustudium bei dem Komponisten Wolfgang Fortner, der an der Hochschule für Musik Freiburg/Institut für Neue Musik Freiburg unterrichtete, aber wie Lohrmann in Heidelberg wohnte. Künstlerische Abschlussprüfung für Komposition und Musiktheorie.

Bereits ab 1964 unterrichtete Lohrmann außerdem an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Orgel, Klavier, Cembalo, Hymnologie, Instrumentenkunde, Geschichte des Orgelbaus) und leitete das Orchester der „PH“ bis 1997 und den Chor bis 2000. Zuletzt war Lohrmann dort Oberstudienrat und unterrichtete Tonsatz, Orgel und Chorleitung. Zusätzlich 1964 bis 1971 Tätigkeit als Kantor an der Pfingstberggemeinde Mannheim. Lehrauftrag für Theoriefächer an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Heidelberg-Mannheim.

Uwe Lohrmann lebte in Heidelberg. Seine Werke wurden von prominenten Interpreten meist in Heidelberg und Frankfurt, aber auch in Moskau, Kasan, Rom, Indianapolis, Hiroshima und anderen Orten (ur-)aufgeführt. Rundfunkaufnahmen entstanden unter anderem beim Südwestfunk und Hessischen Rundfunk. Er galt auch als Orgel-Experte und gab die historische Quelle „Die Orgel. Nach den Grundsätzen der neuesten Orgelbaukunst“ von Heinrich Sattler (1857) mit einem Nachwort versehen neu heraus (Beltz Verlag Weinheim, 1996). Uwe Lohrmann war verheiratet mit Reinhild, geb. Arendt, und hatte drei erwachsene Kinder. Er verstarb nach schwerer Krankheit kurz vor seinem 82. Geburtstag.

Stil Stilistisch ist der Komponist Lohrmann geprägt durch das Studium bei und den engen Kontakt zu Wolfgang Fortner, mit dem Lohrmann und seine Frau freundschaftlich verbunden waren. Lohrmann arbeitete auch als Komponist mit Fortner zusammen, etwa beim Erstellen der Passionsmusik für die Erneuerung der Oberammergauer Passionsspiele (1977) durch Bearbeitung und Instrumentation diverser Werke Franz Xaver Richters. Weiter prägend waren für Lohrmanns Schaffen Komponisten wie Anton von Webern sowie die Großen der Musikgeschichte von Palestrina über Bach bis Bruckner, von denen er als aktiver Organist und Chordirigent immer wieder Werke aufführte.

Lohrmanns Musik hat starke individuelle Züge und bringt kontrapunktische Elemente der Schönbergschen Zwölftontechnik (allerdings ohne Reihenorganisation) in Verbindung mit traditionellen harmonischen Strukturen.

Werke Kammermusik: Extension für 2 Klaviere 1976 Solo für Harry Sparnaay (Bassklarinette solo) 1979 Canzon (Flöte, Viola, Cembalo, Orgel) 1981 Design (Trompete und Klavier) 1986 Discrètion Trio für Flöte, Fagott, Klavier 1990 Sons für 4 Saxophone (Sopran, Alt, Tenor, Bariton) 1992 Per-siffl-âge für Soloinstrumente 1993 Zeiträume für Schlagzeug (4 Spieler) 1996 Trois mouvements für Holzbläser (2 Oboen, Oboe d’amore, Englisch Horn, Fagott) 2002 Portrait (Violine solo) für Nobuhiko Asaeda 2004 Licht und Schatten Trio für Violine, Cello und Klavier

Orgelwerke: Concerto per Organo 1968 Maintenant (Orgel und Streichorchester) 1979 Sulamith (Orgel und Zuspielband) 1980 Skulptur (Orgel solo) 1984 Drei Miniaturen (Orgel solo) Antiphon – Fantasia – Organum (Orgel und Tonträger) 2001 Fantasia (Orgel solo) 2001 Introduktion (Orgel solo) 1999

Chorwerke à cappella: 10 Weihnachtslieder in traditionellen Sätzen 1991 Sicut cervus desiderat (Motette für achtstimmig gemischten Chor oder Solostimmen à cappella) 2000 Pater noster (Motette f. 10 - 11 stimmigen, gemischten Chor oder Solostimmen à cappella) 2004

Vokalwerke für Solostimmen: Sehend (Sopran, Schlagzeug, Keyboard-Samples) 1995 Allein mit sich (Sopran, Keyboard-Samples) 1995 In principio (vocales Soloquartett, Posaune, Keyboard, Orgel) 1996 Susanna im Bade (Sopran, Orgel) 1996 Abel steh auf (Text: Hilde Domin, für Sopran und Klavier) 1999 Pater noster (Altsolo, Soloinstrumente, Klavier, Harmonium) "Natus" für 8 Stimmen 2016

Werke mit oder für Orchester: Tondichtung (Orchester) 1. Fassung 1982 / 2. Fassung 1984 Cry – Kyrie (Große Solobesetzung) 1985 Gloria – Lobpreis des Wahnsinns (Chor, Orch., Schlagzeug, 2 Orgeln) 1986 Epitaph (Orchester) 1987 Klangstück (Orchester) Symphonisches Stück (Orchester) 2004 Der Opfer Hiroshimas gedenkend (für 2 Streichorchester) 2005 Konzert für Violine und Orchester 2006

Weblinks

Homepage von Uwe Lohrmann

Einzelnachweise

Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Chorleiter Kategorie:Klassischer Organist Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann