mini|Sonderklasse PIA - S 116 - Baujahr 1922 Die Entstehung der Sonderklasse geht auf die Initiative des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. zurück. Bereits in jungen Jahren begeisterte er sich für den Segelsport, den er während seiner Besuche bei seiner Großmutter Queen Victoria in England entdeckte. Jährlich nahm er an der Cowes Week auf der Isle of Wight teil, wo ihn die Segelkultur tief beeindruckte. Inspiriert von dieser Tradition strebte Wilhelm II. später danach, eine vergleichbare Segelbewegung auch in Deutschland zu fördern und den Yachtsport gesellschaftlich zu etablieren.
Am 1. Juli 1899, beim traditionellen Bierabend in Travemünde, kam es dann zu einem historischen Ereignis für den Segelsport. Carl Busley, ein deutscher Schiffsmaschinenbauingenieur schlug Kaiser Wilhelm II. vor, den deutsch-englischen Regattasport durch eine neue, kleinere und erschwinglichere Amateurklasse zu revolutionieren, welche leicht mit der Bahn oder größeren Schiffen transportiert werden konnte. Der Kaiser, welcher selbst begeisterter Segler ist, war sofort Feuer und Flamme. Noch am selben Abend zog er Cecil Quentin, ein britischer Dickschiffsegler und Schriftführer des Kaiserlichen Yacht Clubs (K.Y.C.), sowie Adolph Burmester, Vorsitzender des Deutschen Segelverbandes (DSVb) und des Norddeutschen Regattavereines (N.R.V.) als Experten hinzu.
Noch im selben Jahr, am 15. September 1899, wurde in Hamburg das offizielle Gründungsdokument von Quentin, Busley und Burmester unterzeichnet. Damit war der Grundstein für den deutschen Yachtsport gelegt. Eine neue Bootsklasse war geboren – so außergewöhnlich in Konzept und Bauweise, dass sie den Namen Sonderklasse erhielt.
Sie war die erste Rennklasse überhaupt, die als internationale Klasse anerkannt und in verschiedenen Ländern nach einer einheitlichen Formel gebaut und gesegelt wurde. Damit ging die Sonderklasse in die Segelgeschichte ein.
Bauvorschriften und Klassenregeln Der Vorsitzende des Deutschen Segler-Verbands Adolf Burmester und Schiffbauingenieur Carl Busley erarbeiteten im Jahre 1898 auf Wunsch des segelbegeisterten Kaiser Wilhelm II., die Formel für die Sonderklasseyacht. Als Vorbild für diese Klasse diente ihnen die englische 19-Fuß-Klasse.
Die Formel WL + B + T = max. 9,75 m WL = Wasserlinienlänge B = größte Breite T = größter Tiefgang
Die Bauvorschrift Die Bauvorschriften für diese Yachten setzten Limits beim Baupreis (zunächst max. 5100 M, im Jahr 1912 5600 M, ab 1913 durften 6100 M nicht überschritten werden), der Segelfläche (max. 51 m²), Verdrängung (min. 1830 kg), Plankendicke (min. 16 mm) Sitzraumlänge (max. 2,50 m) und Besatzung (3 Mann).
Die Sonderklasse zähle weltweit zur ersten Konstruktionsklasse.Im Gegensatz zur Einheitsklasse, bei der die Yachten baugleich sind. Bereits im Sommer 1900, starten 15 Neubauten der Sonderklasseyachten zum Kampf um den vom Kaiser für die Klasse gestifteten Pokal. Bald schon segelten die Yachten auch in Belgien, Dänemark, Frankreich, Spanien und Deutschland gegeneinander.
Die Klassenregeln Ursprünglich durfte die Mannschaft nur aus drei "Herrenseglern" desjenigen Landes bestehen, in dem die Yacht gebaut wurde. Die Herren durften ihren Lebensunterhalt nicht durch "ihrer Hände Arbeit" verdienen, bezahlte Leute waren verboten. Ebenso waren Damen zu der Zeit bei offiziellen Regatten, nicht nur in der Sonderklasse, nicht zugelassen. Der Kieler Yacht-Club und der Eastern Yacht Club of Marblehead vereinbarten bereits 1906 deutsch-amerikanische Regatten der Sonderklasse vor der Ostküste der USA um den Roosevelt-Pokal. Bei den Segelwettbewerben der Olympischen Sommerspiele dominierten jedoch bis zum Ersten Weltkrieg dennoch die Yachten der Meter-Klassen.
Es gibt in Deutschland und Österreich nur noch wenige dieser Yachten. Besonders am Attersee und Wolfgangsee (Österreich) werden mit diesen Booten noch immer regelmäßig Regatten gefahren.
Regatta und Wettfahrten Mit der Sonderklasse werden noch immer aktiv Klassenregatten gesegelt. Auch auf diversen Oldtimer- oder Yardstick-Regatten kann man diese schönen und eleganten Yachten bewundern.
Chiavenna Pokal – Österreich, Attersee (UYCAs) Lilly Preis – Österreich, Attersee (UYCAs) Halunk-Pokal – Österreich, Attersee (UYCAs) Frühlingsregatta – Schweiz, Zürichsee Cima Pokal – Österreich, Wolfgangsee (UYCWg)
Bekannte Sonderklassen Segel-Nr.NameBaujahrRevierWerftS Z 1Elisabeth1905BodenseeWilly von HachtS 1Angela1904TraunseeMax OertzS 2Panther1905AtterseeMax OertzS 5Erlkönig1905AtterseeWilly von HachtS 11Angela IV1907BodenseeMax OertzS 12Oh Mei Oh Mei1911TraunseeEngelbrecht WerftS 18Frigg1910WolfgangseeWilly von HachtS 20Maharani1910ChiemseeMax OertzS 31Chiavenna1910WolfgangseeWilly von HachtS 32Freya1906WolfgangseeMax OertzS 39Hecht1911AtterseeWilly von HachtS 41Jugend II1911AtterseeEngelbrechtS 43Wolkuse1908Max OertzS 56Vidi II1905AtterseeMax OertzS 59Moby Dick1912AtterseeMax OertzS 66Tilly XV1912StarnbergerseeWilly von HachtS 67Lilly1911AtterseeNagloS 68Marion III1912AtterseeSteinlechnerS 69Hedy1912Willy von HachtS 72Hagen1913AtterseeNagloS 74Tilly XVII1913AtterseeWilly von HachtS 77Tigra1903BerlinMax OertzS 85Yavena1920WolfgangseeNagloS 116Pia1922AtterseeSchiffsgesellschaft AtterseeS 118Cima1910WolfgangseeWood & Mac ClureS 125Bibelot II1992AtterseeS 126Fima1994AtterseeTodd FrenchS 127Rosenwind1996WolfgangseeHaitzinger
Literatur
Klaus Kramer: Segeln für den Kaiser Lübecker Yacht-Club (Hrsg.): Der Lübecker Yacht-Club und 100 wechselvolle Jahre. LYC Marketing, Lübeck 1998. Thomas Richter, Gert Schmidleitner: Sonderklasse, die schönsten Binnenyachten. Klein Publishing, Wien 2014, ISBN 978-3-903015-01-2.
Weblinks
http://www.sonderklasse-yachten.de/ http://www.wolfartsberger.at/sondkld.htm
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Kielboot Kategorie:Konstruktionsklasse Kategorie:Norddeutscher Regatta Verein Kategorie:Kieler Yacht-Club