Die Hansestadt Dinslaken [] liegt am unteren Niederrhein am nordwestlichen Rand des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen und ist eine große kreisangehörige Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geographie Lage Dinslaken grenzt im Süden an den Duisburger Stadtteil Walsum sowie an Oberhausen und ist etwa 13 km von Wesel im Nordwesten entfernt. Im Osten grenzt der Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland an.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Gesamtfläche des Stadtgebietes beträgt rund 48 Quadratkilometer. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung liegt bei 8,5 Kilometern, in west-östlicher Richtung sind es 12,4 Kilometer. Der höchste Punkt des Stadtgebiets liegt 113,0 m, der tiefste Punkt .

Nachbargemeinden Die Stadt Dinslaken grenzt im Norden an die Gemeinde Hünxe, im Osten an die kreisfreie Stadt Bottrop, im Südosten an die kreisfreie Stadt Oberhausen, im Süden an die kreisfreie Stadt Duisburg sowie im Westen und Nordwesten an die Städte Rheinberg und Voerde. mini|ohne|Nachbargemeinden und -städte Dinslakens

Stadtgliederung Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende zehn Siedlungsbezirke gegliedert (in Klammern die Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2020 entsprechend der Website der Stadt, also ggf. abweichend von den Angaben des Landesamtes) Averbruch (6.659) Blumenviertel (6.781) Eppinghoven (4.080) Feldmark (Dinslaken) (11.864) Grafschaft (552) Hagenviertel (5.105) Hiesfeld (15.389) Innenstadt (8.634) Lohberg (6.341) Oberlohberg (4.431) mini|Nach Johann Bucker: Rheinverlauf bei Dinslaken und Rheinberg, anno 1713

Lage am Rhein Dinslaken und das Umland lagen immer im Einwirkungsbereich der sich verändernden Uferlinien des Rheins infolge von Hochwasser, Anlandungen, Abbrüchen und Rheinverlagerungen. Die Karte des Kartographen Johann Bucker aus dem Jahre 1713 zeigt die typische Stadtsilhouette (mit dem abgebrochenen Turm) und die seitlich postierte Mühle. Zu dieser Zeit entsprach das Rheinbett bereits weitgehend dem heutigen Stromverlauf. Allerdings verlief auf der anderen, westlichen Rheinseite bei Rheinberg noch ein Altrheinarm, der erst im Laufe des 19. Jahrhunderts weitgehend verlandete und sich heute nur noch als Kuhlen und alter Bachlauf darstellt.Erich Wisplinghoff: Erläuterungen zu: Johann Bucker: Karte des Rheines von Duisburg bis Arnheim aus dem Jahre 1713. [Textteil]. Hrsg. vom Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv, Düsseldorf 1984, S. 5–10, .

Geschichte Mittelalter Ausgangspunkt der historischen Entwicklung Dinslakens wird eine Motte gewesen sein, ein Wohnhügel mit Graben und Schutzwall, an der Stelle der heutigen Burg gelegen. Der Name Dinslaken erklärt sich aus den bis in die 1950er Jahre im Stadtgebiet vorhandenen Tümpeln, Laken. Im 12. Jahrhundert wurde Dinslaken in einem Grund- und Zinsbuch des Klosters Werden als „Lake juxta instincfeld“ (Lake bei Hiesfeld) erstmals urkundlich erwähnt. 1288 gelangte die Burg an den Grafen von Kleve und diente als rechtsrheinische Bastion gegenüber dem Besitz des Erzbischofs von Köln. Bereits 1273 verlieh Graf Dietrich VII. von Kleve der Ortschaft Stadtrechte. Im Laufe des Mittelalters diente die Burg als einer der Sitze der Grafen von Kleve, Sitz eines Amtmannes oder später Verwaltungszentrum. Dinslakener Gewerbetreibende konzentrierten sich in dieser Zeit vor allem auf die Produktion und den Verkauf von Tuch und Leinen. Am 21. September 1412 stellte Graf Adolf II. von Kleve eine Urkunde aus, in der er der Stadt Dinslaken ein „Wollenamt“ (eine Tuchmachergilde) bewilligte. Vor 1433 entstand der Schwesternkonvent Marienkamp. 1478 erhielt Dinslaken Marktrechte und trat 1540 der Hanse bei.

Frühe Neuzeit Während des Achtzigjährigen Kriegs wurde die Dinslakener Burg 1627 durch niederländische Truppen eingenommen und niedergebrannt, jedoch später wiedererrichtet. 1667 ging Dinslaken in den Besitz der Kurfürsten von Brandenburg über. Erst 1770 wurde der Turm der Burg durch Blitzschlag schwer beschädigt und die Burg zum Sitz des Rentmeisters umfunktioniert.

Im Jahre 1709 erwähnte eine von Wesel ausgehende Botenpost erstmals die Bezeichnung „Dinslaken“, ab 1712 bestand bereits eine regelmäßige Postwagenverbindung von Düsseldorf über Dinslaken bis Wesel. 1753 wurde die Stadt Sitz eines collegialischen Landgerichts im Herzogtum Kleve. 1784 zählte Dinslaken 870 Einwohner. In der Franzosenzeit gehörte Dinslaken zum Großherzogtum Berg und bildete 1808 eine Mairie nach französischem Vorbild im Kanton Dinslaken, der zum Arrondissement Essen des Départements Rhein gehörte. Zur Mairie Dinslaken gehörte neben der eigentlichen Stadt Dinslaken auch Hiesfeld und Walsum.

19. Jahrhundert Nachdem Dinslaken nach den Napoléonischen Kriegen 1814 zurück an Preußen gefallen war, wurde 1816 der Kreis Dinslaken gegründet. Aus der Mairie Dinslaken wurde die Bürgermeisterei Dinslaken. Der Kreis Dinslaken wurde 1823 mit dem Kreis Essen zum neuen Kreis Duisburg zusammengefasst. Erst zum 1. April 1909 existierte wieder ein Landkreis Dinslaken, nachdem das Gebiet vom 8. Dezember 1873 zum Landkreis Mülheim an der Ruhr und vom 20. April 1887 zum Landkreis Ruhrort gehört hatte. Während der Märzrevolution 1848 wurde zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung eine Bürgergarde gebildet; am 4. Mai besuchte Prinz Wilhelm von Preußen (später Kaiser Wilhelm I.) die Stadt.

1850 entstand im Zuge der Industrialisierung eine Leimfabrik, später auch eine Zündkerzenfabrik, 1873 eine Eisengießerei. Die Dinslakener Burg wurde 1853 von der Familie de Fries erworben, die darin Landwirtschaft und eine Schnapsbrennerei etablierte. Die wirtschaftliche Bedeutung Dinslakens lässt sich vor allem am Ausbau der Infrastruktur erahnen. 1855 hatte Dinslaken 1752 Einwohner. Am 1. Juli 1856 wurde nach einer Bauzeit von nur zwei Jahren der Abschnitt Oberhausen–Dinslaken der Hollandstrecke durch die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft in Betrieb genommen und infolgedessen der Postkutschenverkehr eingestellt. Die Stadt Dinslaken nahm am 25. Mai 1857 die Rheinische Städteordnung an. Seitdem wurde zwischen der Stadtbürgermeisterei Dinslaken und der Bürgermeisterei Dinslaken-Land unterschieden, die die Gemeinden Hiesfeld und Walsum umfasste und weiterhin von Dinslaken aus verwaltet wurde.Otto v. Mülmann: Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf. 1867, S. 996 (books.google.de).Die Gemeinden und Gutsbezirke der Rheinprovinz. 1874 (opacplus.bsb-muenchen.de).

Durch den Ausbruch der Cholera 1866/1867 verringerte sich die Bevölkerungszahl vorübergehend. 1871 lebten in Dinslaken 2147 Menschen. 1883 wurde das St.-Vinzenz-Hospital gegründet, die Freiwillige Feuerwehr Dinslaken folgte 1890 ebenso wie die Ortsgruppe der SPD. Im selben Jahr bildete sich die Kolpingsfamilie als Gesellen- und Arbeiterverein. Über das Jahr 1884 wurden erstmals mehr als 10.000 Tiere auf dem Dinslakener Viehmarkt dargeboten, der schon in den Jahren zuvor für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt und Dinslaken zu einem Zentrum am Niederrhein gemacht hatte. 1896 wurde ein neues Amtsgerichtsgebäude fertiggestellt, welches später auch als Rathaus genutzt werden sollte. Im selben Jahr erwarben August und Josef Thyssen in Dinslaken Land, auf dem 1897 der Bau des Walzwerks der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser“ begann. Im selben Jahr entstanden die ersten Sportvereine Dinslakens: der Männer-Turnverein „Rheinwacht Dinslaken“ und der Turnverein „Gut Heil“.

1900–1929 mini|hochkant|Straßenszene in Dinslaken, Erwin Quedenfeldt, 1909 mini|hochkant|Zeche Lohberg Im Jahre 1900 beschloss der Dinslakener Stadtrat den Bau eines Wasser- und eines Gaswerks sowie die Rückerwerbung der Dinslakener Burg, während die erste Straßenbahn Dinslakens nach Duisburg-Neumühl den Betrieb aufnahm. Drei Jahre später wurden die ersten Straßenlaternen aufgestellt. Walsum und Hiesfeld, bis dahin von Dinslaken verwaltet, bildeten 1905 eigene Bürgermeistereien.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf. 1904, S. 397 (digital.ub.uni-duesseldorf.de).Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1905, S. 480 (digital.ub.uni-duesseldorf.de). 1906 begann die bis 1912 andauernde Errichtung der Zeche „Lohberg“, wo erstmals 1909 Kohle gefördert werden konnte. Zum 1. April 1909 wurde erneut ein Landkreis Dinslaken eingerichtet. Im selben Jahr wurde die ehemalige Burganlage zum Kreishaus umgestaltet; bevor jedoch die ersten Arbeiten aufgenommen werden konnten, wurden Teile der Anlage bei einem Brand zerstört. Der Viehmarkt gewann indes noch weiter an Bedeutung, so dass im selben Jahr 33.500 Tiere angeboten wurden. Bereits seit 1908 berichtete der „Dinslakener Generalanzeiger“ als erste Tageszeitung Dinslakens, 1910 wurde eine Volksbücherei eingerichtet. 1913 zählte Dinslaken erstmals mehr als 10.000 Bürger. Im folgenden Jahr förderte die Zeche Lohberg 27.000 Tonnen Kohle. Eine Straßenbahnlinie vom Bahnhof nach Lohberg ging in Betrieb (1914). Während des Ersten Weltkrieges wurde die 1914 erbaute Viehhalle zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert und 1916 ein neuer Bahnhof in Betrieb genommen. 1917 verlieh der Stadtrat sowohl August Thyssen als auch Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerschaft. Im selben Jahr wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Hiesfeld nach Dinslaken eingemeindet.

In der Endphase des Ersten Weltkrieges 1918 brach in Deutschland die Novemberrevolution aus, was zum Ende der Monarchie führte. Auch in der Stadt Dinslaken bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat, und der Stadtrat beschloss die Bildung einer Schutzwehr. Bei den Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung 1919 kam es insbesondere durch Konflikte mit kommunistischen Gruppen zu Unruhen in Dinslaken, die mit der Erschießung eines Arbeiters in Lohberg ihren tragischen Höhepunkt fanden. Im folgenden Jahr besetzten aufständische Arbeiter und Soldaten unter dem Namen „Rote Armee“ die Stadt; der Betriebsdirektor der Zeche Lohberg fiel im selben Jahr einem Mordanschlag zum Opfer. Als das Ruhrgebiet am 11. Januar 1923 wegen rückständiger Reparationszahlungen nach dem Friedensvertrag von Versailles von Frankreich und Belgien besetzt wurde, marschierten belgische Truppen auch in Dinslaken ein. Die Stadt, wirtschaftlich durch die aufkommende Inflation und Massenarbeitslosigkeit geschwächt, begann im selben Jahr eigenes Geld zu drucken, kurz darauf wurde jedoch auch in Dinslaken die Rentenmark eingeführt. Die allgemeinen Unruhen, insbesondere in Lohberg, setzten sich jedoch fort, es kam zu politischen Morden, der Betrieb der Zeche Lohberg kam zum Erliegen.

1924 räumten die belgischen Besatzer Dinslaken, und die Kohleförderung in Lohberg wurde erneut aufgenommen. Noch im selben Jahr besuchte Konrad Adenauer die Stadt, die sich langsam von den Wirrungen der Vorjahre erholte. 1926 gingen die August-Thyssen-Hütte und das Walzwerk Dinslaken in der neu gegründeten „Vereinigte Stahlwerke AG“ auf. Zwei Jahre darauf entstand die Baugenossenschaft „Hausbau GmbH“. 1930 wurde eine weitere Straßenbahnlinie der Kreis Ruhrorter Straßenbahn AG nach Hiesfeld eingerichtet.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg