mini|Lage des Nordparks zwischen A 61, Ausfahrt Mönchengladbach-Holt und der B 57 im westlichen Stadtgebiet von Mönchengladbach mini|Lage der Provinzial-Fürsorge-Erziehungsanstalt zwischen Rheindahlen, Hehn und Holt im Kreis Gladbach um 1925 mini|Borussia-Park mini|Hockeypark

Der Nordpark ist ein rund 160 Hektar großes Areal im Stadtteil Rheindahlen-Land des Mönchengladbacher Stadtbezirks West.

Nach der Erschließung Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auf dem Gelände zunächst Gebäude im Stil des Historismus errichtet, in denen sich von 1904 bis zum Zweiten Weltkrieg eine Zöglingsanstalt befand.

In der Zeit des Nationalsozialismus diente die Fläche unter anderem als Flugfeld. Von 1945 an bis 1996 nutzte die Britische Rheinarmee den Nordpark als Kaserne den Ayrshire Barracks North und verfügte in unmittelbarer Nähe zum Mönchengladbacher Stadtteil Joint Headquarters über ein großes Material- und Fahrzeuglager. Der Name Nordpark ist auf die Lage nördlich der Aachener und Gladbacher Straße (früher Provinzialstraße) zurückzuführen. Das Areal auf der anderen Straßenseite ist der Südpark und wird von den britischen Streitkräften genutzt. Auf dem Gelände des Nordparks, der über eine eigene Behelfszufahrt auf die A 61 verfügt, befinden sich der Borussia-Park, die Spielstätte des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, Europas größtes Hockeystadion, der Hockeypark und das „Theater im Nordpark“ (TiN). Im sogenannten Denkmalbereich stehen die 17 kernsanierten Gebäude der ehemaligen Zöglingsanstalt.

Lage Der etwa 160 Hektar große Nordpark liegt im westlichen Teil der Stadt Mönchengladbach im Stadtbezirk West. Er gehört postalisch zu Rheindahlen (Postleitzahl: 41179). Im Westen grenzt das Areal an die zu Rheindahlen gehörenden Ortsteile Dorthausen, Wolfsittard und Heiligenpesch; im Norden an Hehn und Hehnerholt sowie im Osten an die A 61. Die südliche Grenze ist die von Rheindahlen nach Holt verlaufende Gladbacher Straße (B 57).

Vegetation, Flora und Fauna Die Vegetation des Nordparks wurde in erster Linie durch die Beschaffenheit seines Bodens geprägt. Das gesamte Areal weist mit dem Pseudogley einen Stauwasserboden auf. Weil hier eine verhältnismäßig oberflächennahe (in 1–3 Metern Tiefe) undurchlässige Tonschicht das Versickern des Niederschlags verhindert, war die Pflanzenwelt in der Vergangenheit je nach Wetterlage extremen Lebensbedingungen ausgesetzt. Besonders im Frühjahr war der Boden stark durchnässt, Waldflächen blieben bis in den Frühsommer hinein überschwemmt. Heideflächen trockneten im Sommer schnell aus, deswegen besaßen sie im jahreszeitlichen Wechsel Eigenschaften von Trocken- oder Feuchtheiden. Um Baumaßnahmen auf dem Gelände zu ermöglichen, wurden seit 1907 Teile der Wolfsittarder, der Holter und Dahlener Heide drainiert und damit urbar gemacht.

Begünstigt durch die relativ ruhige und geschützte Lage in einem militärischen Sperrgebiet konnten sich im westlichen und südwestlichen Teil des Geländes einige Feuchtwälder, temporäre Kleingewässer und Bodendenkmale wie Flachskuhlen halten. 2003 wurde eine Fläche von rund 11,65 Hektar als Naturschutzgebiet Feuchtgebiet Nordpark mit der Schlüsselnummer MG-015 ausgewiesen.

Geschichte Erste Nutzung Bis in das 19. Jahrhundert nutzten Flachsbauern aus dem benachbarten Rheindahlen das Gelände zur Aufbereitung ihrer Ernten. Für die Flachsröste und die anschließende Trocknung fand man hier ideale Bedingungen vor.

Die Flachsröste wurde in Wassergruben durchgeführt, sogenannten Flachskuhlen, die im Wald ausgehoben wurden. Dabei musste die Leinpflanze eine bis zwei Wochen lang im Wasser liegen. Um ein Aufschwimmen der Flachsbündel zu verhindern, beschwerte man sie obenauf mit Grassoden, die in der westlich angrenzenden Holter Heide gestochen wurden. So waren die Flachskuhlen während der Röste praktisch zugedeckt.

Nach der Röste standen den Bauern größere Flächen auf der Heide als sogenannte Spreitplätze zur Verfügung, wo der Flachs zum Trocknen ausgebreitet werden konnte. Flachskuhlen und Spreitplätze gehörten der Gemeinde und konnten auf Versteigerungen gepachtet werden. Der lichte Wald bot Raum für ganze Grubenfelder.

Erziehungsanstalt mini|200px|Typische Bebauung im Nordpark Der Komplex aus insgesamt 22 Einzelgebäuden für mehrere hundert Erzieher und Bewohner wurde zwischen 1904 und 1909 auf Beschluss des Provinzialverbands der Rheinprovinz an der Provinzialstraße (heute Gladbacher Straße) im Stadtbezirk Rheindahlen als Erziehungsanstalt für schulentlassene Fürsorge-Zöglinge männlichen Geschlechts und katholischen Bekenntnisses gebaut, die dort zu „tüchtigen Gliedern der Gesellschaft“ herangezogen werden sollten. Die Baukosten betrugen 2 Millionen Mark. Am 1. Oktober 1909 wurde der Betrieb der Anstalt aufgenommen. Am 24. Oktober 1909 weihte der damalige Regierungspräsident des Regierungsbezirks Düsseldorf, Arthur Schreiber, die Einrichtung ein. Eingewiesen wurden zunächst als „jugendliche Zöglinge“ bezeichnete Schulabbrecher, die vor dem Beginn einer kriminellen Karriere gestanden haben mögen. Zwischen 1909 und 1924 wurden statistisch 45,7 Zöglinge aus 10.000 Einwohnern der Städte Mönchengladbach und Rheydt eingewiesen. Neben dem Verwaltungsgebäude und einer Kapelle, die der Heiligen Barbara gewidmet wurde und in die Ordensschwestern, Zöglinge und Besucher aus dem benachbarten Dorthausen zum Gottesdienst gingen, existierten fünf Zöglingshäuser, ein Haus für Lungenkranke mit Lazarett, ein Isoliergebäude, ein Wirtschaftsgebäude, ein Maschinenhaus, ein Schulgebäude, ein Pfarr- und Beamtenhaus, eine Gärtnerei, ein Friedhof und ein Feuerlöschgeräteschuppen. Daneben gab es eine Schlosserei, eine Schreinerei, eine Bäckerei, eine Mattenweberei, eine Schuhmacherei und eine Schneiderei. Angeschlossen waren ein zwölf Morgen großer Gemüsegarten und ein 27 Morgen großer landwirtschaftlicher Betrieb zur Versorgung der Erziehungsanstalt. Die untergebrachten Jugendlichen konnten dort einen Beruf erlernen, da die Meister der Handwerksbetriebe den jeweiligen Innungen angehörten. Das Anstaltspersonal bestand aus dem Direktor, einem Pastor sowie Beamten, Meistern und Gehilfen. Für die Einteilung der Arbeiten in der Küche, Wäscherei und der Bäckerei waren zwölf Ordensschwestern des Augustinerordens zuständig. Ab 21. Juli 1926 wurde die Erziehungsanstalt Provinzial-Erziehungsheim genannt. Wegen der teilweise unmenschlichen und unpersönlichen Zustände im Umgang mit den Zöglingen führte der katholische Geistliche, Leiter Lenzen, neue Erziehungsmethoden ein. Aufgrund von Etatkürzungen seitens des Trägers scheiterten diese Maßnahmen später. Die Nationalsozialisten entließen Lenzen im Jahr 1933 und führten Drill, harten Ton und drakonische Strafen ein. Der von den Nationalsozialisten eingesetzte Arzt der Anstalt Joseph Noll stellte fest:

Er ließ die Insassen der Anstalt auf erbbiologischer Ebene als „erziehbar“ oder „minderwertig“ selektieren. 1938 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das gesamte Gelände und die Ordensschwestern wurden am 1. Februar 1938 gegen weltliches Personal ausgetauscht.

Flugfeld und Nutzung des Geländes nach dem Zweiten Weltkrieg Im Jahr 1910 richteten fluginteressierte Bürger aus München-Gladbach auf der Holter Heide ein Flugfeld ein, auf dem im Sommer 1911 ein Flugtag stattfand. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte auf diesem Areal ein belgischer Militärflugplatz entstehen. Diesen Plan vereitelte die Reichsregierung in Berlin trotz der belgischen Besatzung durch zeitliche Verzögerung. Die belgischen Besatzer waren zudem der Kritik durch ortsansässige Landwirte ausgesetzt, die gegen den Bau eines Flugplatzes protestierten, da ihr Ackerland davon betroffen war. Zwischen 1927 und 1929 wurde das Flugfeld für die zivile Luftfahrt ausgebaut und mittels Zubringerdienst an das internationale Verkehrsflugnetz angeschlossen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden dort das NSFK und während des Zweiten Weltkriegs Tag- und Nachtjagdgeschwader stationiert. Während dieser Zeit war die St.-Barbara-Kapelle geschlossen; die Gebäude wurden für die Verwaltung genutzt. Das gesamte Gelände blieb von alliierten Bombenangriffen verschont, obwohl sich dort ein Treibstofflager der Wehrmacht befand. Nach dem Krieg beschlagnahmte das britische Militär als eine der Siegermächte das Areal und benannte es in Ayrshire Barracks North um; es diente unter anderem als 17th Vehicle Depot für Militärfahrzeuge und Panzer aller Art der dort stationierten Einheiten. Es erhielt drei Bahnhöfe und einen direkten eingleisigen Anschluss an das Schienennetz der Deutschen Bahn im benachbarten Rheindahlen. Somit konnten Lazarettzüge über den eigenen Gleisanschluss, der vom Rheindahlener Bahnhof ausging, bis in das Depot transportiert werden.

Gegenwart und derzeitige Nutzung +Fläche in Hektar nach Nutzungsart Gebiet Fläche Sport-, Freizeit und Kulturbereich 55 Dienstleistungen, Wohnen und Arbeiten 13 Wohngebiete westlich der Autobahn 26 Verkehrs- und Parkplatzflächen 25 öffentliche Grünanlagen und Waldflächen 28 Naturschutzgebiet 12 Gesamtfläche 159

mini|200px|Der Borussia-Park ist der zentrale Punkt im Nordpark und einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 gewesen.

Die Rheinarmee räumte das Gelände am 28. Juni 1996 und zog in den südlich der Gladbacher Straße gelegenen Südpark um, der bis dahin von der US Army als Lager genutzt wurde (Ayrshire Barracks South und Fife Barracks). Das Gelände des Nordparks wurde am 28. Mai 1998 von der Stadt Mönchengladbach durch die eigens für diesen Zweck gegründete Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) aus dem Bundeseigentum gekauft und konnte somit privatisiert werden. Im so genannten Denkmalbereich befinden sich die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der Erziehungsanstalt, die im Baustil des Historismus errichtet und denkmalgerecht saniert, modernisiert und an neue Eigentümer verkauft wurden. In den Gebäuden befinden sich neben Event-, Medien- und Werbeagenturen zahlreiche Unternehmen, die in erster Linie in der Kommunikationsbranche sowie im IT- und Softwaresektor tätig sind. Die Kapelle der Heiligen Barbara, von den britischen Streitkräften St. George’s Church genannt, wurde ebenfalls saniert. In ihr befindet sich ein Hotel mit angeschlossenem Restaurant, der frühere Kirchenraum wird als Veranstaltungsraum genutzt. Auf rund 17.500 Quadratmetern Bürofläche wurden rund 2000 Arbeitsplätze geschaffen. Der Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach erwarb ein insgesamt 20,9 Hektar großes Grundstück und begann 15. März 2002 mit den Bauarbeiten für ein neues und größeres Stadion.

Der Borussia-Park wurde am 30. Juli 2004 mit einem Blitzturnier gegen FC Bayern München und AS Monaco eingeweiht. Die ehemalige Lady-Ada-Lovelace-Straße wurde in eine Erschließungsstraße umgewandelt und führt seit 13. Dezember 2000 zum Fußballstadion. Sie trägt als Verbindungsstraße zwischen dem Rheindahlener Ortsteil Hehn und der Gladbacher Straße seit 21. Juli 2004 den Namen Am Borussiapark. Neben dem Konrad-Zuse-Ring und der Heinz-Nixdorf-Straße haben weitere Straßen einen Bezug zu Persönlichkeiten der Mönchengladbacher Fußballgeschichte. Dazu zählen die Hennes-Weisweiler-Allee, die Helmut-Grashoff-Straße und die Albert-Brülls-Straße. Die 2,8 Kilometer lange Hauptverkehrsachse als Verbindung der B 57 (Aachener Straße) mit der B 230 (Roermonder Straße) wurde zwischen November 2002 und Juni 2004 fertig gestellt. Die Hauptverkehrsachse dient als Zubringerstraße zu den Parkplätzen des Fußballstadions und verfügt unter anderem mit Wechselverkehrszeichen über ein System der koordinierten Verkehrsführung.