mini|hochkant=1.25|Dorfkirche in Niederwerrn
Niederwerrn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie grenzt an den Gewerbepark Hainig der Stadt Schweinfurt. Niederwerrn ist die nach Einwohnern zweitgrößte Gemeinde (nach Werneck) des Landkreises.
Niederwerrn war ein reichsritterliches Dorf und ist heute ein typischer Wohnvorort mit großen Neubausiedlungen und relativ kleinem Ortskern.
Geographie Lage Niederwerrn ist ein nordwestlicher Vorort von Schweinfurt in der Region Main-Rhön. Der Ort liegt an der namensgebenden, aber anders geschriebenen Wern. Eine der längsten und wichtigsten Straßen Schweinfurts, die Niederwerrner Straße, führt zum Ort.
Zum Niederwerrner Gemeindegebiet gehört der nördliche Teil der Conn Barracks, ein einstiger Fliegerhorst der Wehrmacht und spätere Kaserne der 2014 aufgelösten US-Heeresgarnison Schweinfurt (siehe: Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks).
Geologie und naturgeographische Einordnung Die Gemeinde liegt im Nordwesten des Naturraums Schweinfurter Becken, eine topographisch relativ tiefliegende Einheit mit geringem Relief innerhalb der Mainfränkischen Platten. Dort hat sich der Oberlauf der Wern seit dem Pliozän in das Gestein des Mittleren und Unteren Keupers eingetieft. In den Eiszeiten wurde Löss angeweht, mit dem sich im Holozän fruchtbare Böden entwickelten. Diese werden seit Jahrhunderten intensiv genutzt und prägen das regionale Landschaftsbild.
Nach der Kulturlandschaftsgliederung des BfN gehören die besiedelten Bereiche der Gemeinde noch zum naturfernen Verdichtungsraum 309 Schweinfurt, die ackerbaulich genutzten Flächen zur Kulturlandschaft zum 13600 Schweinfurter Becken.bfn.de
Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Niederwerrn (Pfarrdorf) Oberwerrn (Kirchdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Niederwerrn und Oberwerrn. Die Gemarkung Niederwerrn hat eine Fläche von 5,385 km². Sie ist in 3475 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1549,63 m² haben.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind:
Klima Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8 °C, die mittlere Niederschlagsmenge bei 650 mm, die Hauptwindrichtung ist West-Südwest.
Name Etymologie Der Name Niederwerrn leitet sich vom Fluss Wern ab, der die Gemeinde durchfließt und bei Gemünden in den Main mündet. Der Zusatz Nieder sollte den Ort vom gleichnamigen, nordwestlich liegenden Dorf unterscheiden.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes in diversen historischen Karten und Urkunden:
Geschichte Mittelalter + Reichsritterliche Orte und Reichsdörferum die Reichsstadt Schweinfurt (im Territorium von 1620 bis 1802) rahmenlos|zentriert|hochkant=1.5 Bekannt ist Niederwerrn seit dem Mittelalter durch die Burg Wiesenburg, die nur noch Ruine ist. Mit ihr kam es am 17. Juni 1137 zur ersten urkundlichen Erwähnung von Niederwerrn.
Neuzeit Während Oberwerrn im Herrschaftsbereich des Hochstifts Würzburg blieb, kam Niederwerrn im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Familie von Münster und wurde zum reichsritterlichen Dorf, das zum Ritterkanton Rhön-Werra mit Sitz in Schweinfurt gehörte.
Freiherr Eyrich von Münster leitete 1565 oder 1566 die Reformation im Dorf ein.Adolf Schipper: Die Familien der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Niederwerrn 1580–1900. Nürnberg 1999 (Fränkische Ahnen, 4).
1806 wurden die Reichsritterschaften aufgelöst; Niederwerrn kam zum Königreich Bayern, zunächst aber nur für ein Jahr. 1807 wurde das Dorf in das neu gebildete Großherzogtum Würzburg eingegliedert, mit welchem es 1814 an Bayern zurückfiel.Bohrer, Hermann: Niederwerrn. Eine kleine Heimatkunde. Schweinfurt 1917. S. 39.
Jüdische Gemeinde mini|links|Ehemalige Synagoge,heute Gemeindebibliothek
Mindestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts waren jüdische Familien im Ort ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten, eine Schule einrichteten und in der Schweinfurter Straße Nr. 23 eine Synagoge erbauten. Dieses Gotteshaus und die Schule wurden beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern verwüstet.
Nach dem Krieg wurden die Gebäude von der Gemeinde erworben und seither wird die ehemalige jüdische Schule als Rathaus und die ehemalige Synagoge als Bibliothek genutzt. Gedenktafeln an den beiden Gebäuden erinnern an dieses Geschehen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 178f.
Eingemeindungen Bei der Gebietsreform in Bayern war bereits vom Freistaat die Eingemeindung Niederwerrns und weiterer Vororte nach Schweinfurt beschlossen. Danach wurde auf Weisung des gebürtigen Niederwerrners Staatssekretärs Erwin Lauerbach der Beschluss komplett rückgängig gemacht.Schweinfurter Tagblatt: Schweinfurt ging bei der Gebietsreform leer aus, 22. Februar 2012
Am 1. Mai 1978 wurde die Nachbargemeinde Oberwerrn eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1991 1995 2005 2010 2015 Einwohner 3810 4906 6656 7356 7964 7913 7871 Jahr 2018 2021 Einwohner 7804 8781
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 6256 auf 7804 um 1548 Einwohner bzw. um 24,7 %. 2005 hatte die Gemeinde 7962 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Bürgermeister Felix Zirkelbach (CSU) ist seit 1. Mai 2026 Erster Bürgermeister. Er wurde am 8. März 2026 bei einer Wahlbeteiligung von 62,7 % mit einem Stimmenanteil von 69,9 % bei zwei Gegenkandidaten gewählt.Ergebnisse_Wahl_des ersten_Bürgermeisters_2026_in_Niederwerrn, abgerufen am 18. Mai 2026
Gemeinderat Bei der Wahl 2026 erhielten die fünf Wahlvorschläge folgende Sitze und Stimmenanteile:[ https://wahlen.osrz-akdb.de/uf-p/678160/2/20260308/gemeinderatswahl_gemeinde/index.html Ergebnisse Wahl des Gemeinderates 2026 in Niederwerrn], abgerufen am 18. Mai 2026 SitzeStimmenanteil CSU 8 38,3 % Freie Wähler 4 21,8 % SPD 3 15,2 % Christliche Wählervereinigung Oberwerrn 3 12,8 % Grüne 2 12,0 % Gesamt 20 100,00 % Die Wahlbeteiligung betrug 62,6 %.
Wappen
Partnerschaften Seit 1992 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Ifs.
Interkommunale Allianz Die Gemeinde ist Mitglied der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Ruine der Wiesenburg (Reste eines Eckturms aus Sandstein) Dorfkirche Niederwerrn (evangelisch-lutherisch) Kirche St. Bruno Niederwerrn (katholisch) Kirche St. Bartholomäus Oberwerrn (katholisch, mit Julius-Echter-Turm) Synagoge Neues Schloss Wiesmühle Paulusmühle Mehrere Erdställe Ehemaliger Bahnhof in Oberwerrn
Bau- und Bodendenkmäler
Museen Kolonialwarenmuseum MaulOffizielle Website des Kolonialwarenmuseums Maul (dauerhaft geschlossen)
Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsplätze 2017 gab es in der Gemeinde 566 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3166 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 2600 Personen größer als die der Einpendler. 130 Einwohner waren arbeitslos.
Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks
Der nördliche Teil der Conn Barracks gehört zu Niederwerrn. Der einstige Fliegerhorst aus den 1930er Jahren wurde von der US-Heeresgarnison Schweinfurt zu einer großen Kaserne ausgebaut. Seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Schweinfurt im Jahre 2014 läuft die Konversion der Kaserne. Ein interkommunaler Gewerbepark wird aufgebaut.
Landwirtschaft 2016 gab es 14 landwirtschaftliche Betriebe.
Öffentlicher Verkehr Bahn Im Gemeindeteil Oberwerrn befindet sich ein Bahnhof der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen. Von dort besteht zudem eine Verbindung nach Bad Kissingen und Gemünden.
ÖPNV Die Gemeinde ist an das Stadtbusnetz der Stadtwerke Schweinfurt angeschlossen: Die Linien 22, 24 und 25 führen von der Schweinfurter Innenstadt nach Niederwerrn, letztere auch nach Oberwerrn.
Vom Bahnhof Oberwerrn ist zudem mit der Erfurter Bahn die Schweinfurter Innenstadt (Haltepunkt Schweinfurt-Mitte) erreichbar.
Straßenverkehr Die B 19 tangiert den westlichen Rand des Ortsteils Oberwerrn. Die B 303 tangiert den südlichen Ortsrand von Niederwerrn. Eine Auffahrt von der B 303 zur A 71, die AS 30 Schweinfurt-West, befindet sich am südwestlichen Rand des Gemeindegebietes.
Öffentliche Einrichtungen Gemeindezentrum Niederwerrn, kulturelle Einrichtung mit Bühne und Nebenräumen für Erwachsenenbildung Jugendtreffs in Niederwerrn und Oberwerrn Festscheune in Oberwerrn
Bildung Im Jahr 2018 bestanden vier Kindertageseinrichtungen mit zusammen 341 genehmigten Plätzen und 335 Kindern zwei Volksschulen mit insgesamt 390 Schülern, nämlich Hugo-von-Trimberg-Volksschule Niederwerrn Grundschule Oberwerrn
Söhne und Töchter der Gemeinde
Hugo von Trimberg (um 1230–nach 1313), Schriftsteller des späten Hochmittelalters Christian Heinrich Hohmann (1811–1861), Komponist und Musikpädagoge Julius Dreschfeld (1845–1907), Arzt in Manchester Erwin Lauerbach (1925–2000), Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus Eddy Hau (* 1952), Enduro- und Motocross-Rennfahrer
Weblinks
Offizielle Website von Niederwerrn
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Schweinfurt Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Schweinfurt