mini|hochkant=1.3|Avitall Gerstetter, 2019
Avitall Gerstetter (* 11. Mai 1972 in Berlin)3. Kulturprogramm des Zentralrats für die jüdischen Gemeinden, Februar – Dezember 2005, S. 11 ist eine deutsche liberal-jüdische Kantorin (Chasanit).
Leben und Wirken Avitall Gerstetter wuchs in West-Berlin auf. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren in den 1930er Jahren aus Österreich und Ungarn nach Palästina geflüchtet. Ihre Mutter kam als junge Frau aus Haifa nach West-Berlin, wo sie Avitalls Vater traf. Ihr Vater, der Banknoten-Designer Reinhold Gerstetter, konvertierte zum Judentum.. Video im Ersten am 28. September 2015; abgerufen am 11. Oktober 2015.
Durch ihre Mutter, die Musik- und Bat-Mizwa-Lehrerin Chava Gerstetter, wurde sie an die Musik herangeführt. Nach dem Abitur studierte Gerstetter als Hauptfach Gesang bei Rudolf Riemer, sowie Klavier, Klarinette und Tanz an der Universität der Künste Berlin. Als Zweitfach studierte sie Englisch an der Technischen Universität Berlin. Schon früh fiel ihr besonderes Gesangstalent als Sopran auf, das sie unter anderem im Chor der Jüdischen Gemeinde der Synagoge Pestalozzistraße bewies. Von Oberkantor Estrongo Nachama wurde sie ermutigt, Kantorin zu werden.
Am 24. Juli 2002 erhielt Gerstetter nach einem Fernstudium im Aleph-Programm von Jewish Renewal ihre Ordination als Kantorin in New York und amtierte seither regelmäßig in der Synagoge Oranienburger Straße, zeitweise auch in der Synagoge Hüttenweg, In: Berliner Zeitung, 31. Juli 2000 wobei es anfangs in orthodoxen Kreisen der Berliner Gemeinde Vorbehalte gegen eine weibliche Kantorin gab.„Musik ist transzendental“. Interview in der taz, 6. Juni 2005Mit Gottes Stimme gegen Rechts. In: Welt am Sonntag, 4. Dezember 2005
Um Menschen unterschiedlicher Religion zusammenzubringen, organisierte Avitall Gerstetter 2005 in Zusammenarbeit mit haGalil erstmals das interkonfessionelle Fußballturnier Avitallscup. Bei der zweiten Austragung im Juni 2006 spielten je eine atheistische, christliche, jüdische und muslimische Mannschaft. Diese wurden von Prominenten wie Petra Pau und Ulla Meinecke unterstützt, als Schiedsrichter fungierte Hans-Christian Ströbele.Coaching von Ulla Meinecke. In: Der Tagesspiegel, 24. Juni 2006.Halbmond führt 1:0 gegen Judas. In: taz, 26. Juni 2006.
Zusammen mit Konstantin Wecker nahm Gerstetter 2005 eine Benefiz-CD zugunsten von haGalil auf.
Als ihr 2005 die Jüdische Gemeinde zu Berlin kündigte, klagte sie gegen diese und siegte vor Gericht mit ihrer Wiedereinstellungsklage.
Im Vorfeld eines Konzerts im September 2006 in Trier kam es zu einem Eklat, als die Geschäftsführerin des Kulturzentrums Tuchfabrik ihre Raumzusage angesichts der Ereignisse des Libanonkrieges zunächst zurückzog. Nach Protesten der Jüdischen Gemeinde wurde die Absage zurückgenommen.Jüdische Lieder unerwünscht. In: taz, 5. August 2006
Am 9. August 2022 erschien auf der Website der Welt ein Artikel von Gerstetter mit dem Titel „Warum die wachsende Zahl der Konvertiten ein Problem für das Judentum ist“.Warum die wachsende Zahl der Konvertiten ein Problem für das Judentum ist, auf welt.de Eine Woche später, am 16. August 2022, stellte sie die Jüdische Gemeinde zu Berlin ohne weitere Angabe von Gründen frei.
Gerstetter gab und gibt zahlreiche Konzerte in Deutschland, England, Italien und in den USA. Ihr Programm umfasst Klassik, Lieder in Jiddisch sowie synagogale Musik.
Diskographie Die jüdische Stimme (2000) Avitall in Concert (2003) Sage nein zu Antisemitismus (2005, zusammen mit Konstantin Wecker) Walking the corniche (2007) we will remember them (2008, zusammen mit Dominic Miller und Mike Lindup) Live in Berlin (2011)
Weblinks
Offizielle Homepage
(Artikel in parTU 10/2005, S. 19. PDF; 1,14 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Frau Kategorie:Chasan Kategorie:Person des Judentums (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Sopran