miniatur|Die Chirurgin Die Chirurgin (Originaltitel: The Surgeon) ist ein 2001 erschienener Roman aus dem Genre des Medical Thriller der US-amerikanischen Schriftstellerin Tess Gerritsen. Er ist der erste der Rizzoli-&-Isles-Reihe um die raubeinige Detektivin der Bostoner Mordkommission.

Inhalt Klappentext Eine Reihe von grausamen Morden erschüttert die ostamerikanische Metropole. Der Täter, von den Medien „Chirurg“ genannt, dringt nachts in die Wohnungen alleinstehender Frauen ein, fesselt sie und operiert ihnen bei vollem Bewusstsein die Gebärmutter heraus. Bis ins Detail ahmt der Chirurg dabei die Untaten des Serienmörders Andrew Capra nach, der zwei Jahre zuvor von seinem einzigen überlebenden Opfer, Dr. Catherine Cordell, überwältigt und getötet wurde. Da verschiedene Einzelheiten der alten Tathergänge nie veröffentlicht wurden, steht die Polizei vor einem Rätsel. Unerklärlich ist auch, wie der Chirurg seine Opfer auswählte. Allen gemeinsam ist, dass sie wenige Wochen vor ihrer Ermordung vergewaltigt wurden. In allen Fällen gab es unterschiedliche Täter. Einige dieser Vergewaltigungen wurden nicht angezeigt. Eine Befragung unter Hypnose des einzig überlebenden Opfers Dr. Cordell ergibt Hinweise, dass ein zweiter Täter an Capras Morden beteiligt war. Gleichzeitig wird klar, dass der Chirurg Cordell als sein eigentliches Ziel ansieht. Er möchte den Tod seines Partners rächen und das begonnene Werk vollenden. Ein dramatischer Wettlauf um das Leben der jungen Frau beginnt.

Handlung Während eines schwülen Sommers wird Boston von einer grausamen Mordserie erschüttert. Die Floristin Elena Ortiz wird in der Nacht zum 12. Juli Opfer eines grausamen Mordes. Der Täter steigt über die Feuerleiter in die Wohnung der Hispanoamerikanerin ein, überwältigt sie mit Chloroform und foltert die gefesselte Frau auf ihrem Bett. Bei lebendigem Leibe entnimmt er ihren Uterus. Die Mordkommission um Detective Jane Rizzoli wird mit der Aufklärung des brutalen Falles beauftragt. Diana Sterling stirbt auf die gleiche Weise. Mithilfe einer Computerrecherche ergeben sich Parallelen zu einer anderen Mordserie, die sich in Savannah ereignet hatte. Der Modus Operandi weist auffällige Parallelen auf. Auch hier wurden die Opfer, allerdings mit Rohypnol, betäubt und vergewaltigt. Eine von ihnen war das promiskuitive „Partygirl“ Dora Ciccone. Der Arzt Dr. Andrew Capra verstümmelte und tötete vier Frauen, bis er von Dr. med Catherine Cordell nach einer Vergewaltigung aus Notwehr erschossen wurde.

In der Zwischenzeit zog Dr. Cordell nach Boston und wurde eine erfolgreiche Gefäßchirurgin im städtischen Krankenhaus. Rizzolis Team macht sie ausfindig und konfrontiert sie mit ihrer Vergangenheit, worauf sie verstört reagiert. Elena wie auch Catherine waren Mitglieder eine Selbsthilfegruppe für vergewaltigte Frauen im Internet, in der sie sich über ihre traumatischen Erlebnisse austauschen, da sie mit ihrem Stigma in der patriarchalischen Gesellschaft kein Verständnis finden.

In der Klinik geschehen unheimliche Dinge um Dr. Cordell. So verschwinden z. B. ihr Laborkittel und ihr Stethoskop aus ihrer unmittelbaren Umgebung, außerdem wird ihr per E-Mail das Foto einer gefesselten Frau geschickt, was die Ärztin zu Tode ängstigt, da sie der Meinung ist, dass Andrew Capra wieder zum Leben erwacht sei. Mittlerweile versucht das Ermittlerteam, das Täterprofil einzuengen. Sie kommen anhand der Tatzeitpunkte zu der These, dass der Mörder dazu in der Lage ist, seinen Jagdtrieb für einen längeren Zeitpunkt zu unterdrücken, bis es wieder ausbricht. Sie finden historische Parallelen zum Mord von Jack the Ripper an Annie Chapman, der ebenfalls ein Organ entfernt wurde. Die Biographien der Opfer Ortiz und Sterling weisen keinerlei Übereinstimmungen auf, nur dass sie über besagten anonymen Chatroom über ihr Vergewaltigungstrauma diskutierten und dass sie den gleichen Armreif trugen. Nina Peyton wird das dritte Opfer des Chirurgen. Sie überlebt den Überfall jedoch und wird mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo ihr Dr. Cordell in einer komplizierten Notoperation das Leben rettet. Auch Peyton war zuvor Opfer einer Vergewaltigung geworden, nachdem sie in der Bar Gramercy Pub von einem Unbekannten mit K.-o.-Tropfen betäubt wurde. Rizzoli, welche diesen Ort aufsucht, erscheint die Bar, die bei der flirtwilligen Jugend sehr beliebt ist und wo sich Täter und Opfer vermutlich zufällig trafen, als eine Art “Wasserloch in der Wüste, wo sich die Wege von Raubtieren und Beutetieren kreuzen.”Tess Gerritsen: Die Chirurgin. Blanvalet, München 2004, ISBN 3-442-36067-6, S. 173 Anders als bei den anderen Opfern dauerte das Martyrium von Nina Peyton eine ganze Nacht lang. Rizzoli vermutet, dass er sein Vergnügen steigern will, indem er die Qualen der Frau auf ein unerträgliches Maß hinauszögert.

Der Kriminalpsychologe Dr. Zucker stellt die These auf, dass es dem Serienmörder in erster Linie um Besitzdenken, Verletzung und Erniedrigung geht. Es wird gemutmaßt, dass der Täter den Gnadenstoß nicht ausübte, nicht weil er dabei gestört wurde, sondern weil er wollte, dass die Frau überlebt. Rizzoli erkennt bei diesem Muster bereits Anzeichen von Größenwahnsinn, ähnlich wie bei den Fällen der bekannten Serientäter Jeffrey Dahmer und Ted Bundy, der letztendlich zu ihrer Ergreifung führte. Sie hatten am Ende die Kontrolle über ihre Fantasien verloren. Er will, dass sie eine Art Opfer darstellt, welches er dem eigentlichen Objekt der Begierde: Dr. Catherine Cordell bringen will. Es ist unübersehbar, dass er vollkommen auf Cordell fixiert ist. Sterling, Ortiz und Peyton waren lediglich Stellvertreterinnen und ihre Tötungen dienten lediglich einer Ersatzbefriedigung. Dr. Bonnie Gillespie, ein weiterer Kriminalpsychologe, führt dabei die “Sack-und-Esel-Theorie” an. Als Beispiel führt er den Mörder Edmund Kemper an, der eine Reihe von Anhalterinnen umbrachte, stets aber seine dominante Mutter als eigentliches Ziel betrachtete. Diese sparte er sich ganz bis zum Schluss auf und brachte sie auf besonders abscheuliche Weise um. Dr. Catherine Cordell ist bereits verrückt vor Angst. Sie ist die einzige noch lebende Verbindung zwischen ihrem damaligen Peiniger und dem Chirurgen. Dennoch verweigert sie der Polizei die Aussage, was damals in der Nacht mit Andrew Capra in Wahrheit passierte. Sie gibt dem Ermittler Moore lediglich zu verstehen, dass Capra einen „abgrundtiefen Hass“ auf sie gehabt haben musste. Moore, der seine Frau nach einer tragischen Krankheit verloren hatte, fühlt sich Catherine über den Schmerz verbunden. Nina Peyton erlangt das Bewusstsein wieder, sie kann extubiert werden und bruchstückhaft den Tathergang schildern, insofern sie ihn mitbekommen hatte. Das Gesicht des Täters war allerdings durch eine OP-Maske verdeckt. Sie erinnert sich daran, dass er ihr gesagt hatte, er müsse ihr schmutziges und beflecktes Organ (ihre Gebärmutter, die er durch seine vorangegangene Vergewaltigung selbst beschmutzt hatte) entfernen. Es wird deutlich, dass der Geruch ihrer Angst so etwas wie das Lebenselixier für den Chirurgen gewesen sein musste. Bevor Nina Peyton weitere Aussagen machen kann, wird ein sogenannter “Code Blau” ausgelöst. Dr. Cordell muss überstürzt zu einem anderen Patienten eilen, wo sie vergeblich um sein Leben ringt.

Der Chirurg, welcher sich anscheinend schon die ganze Zeit im Krankenhaus befunden und dabei Zugriff auf die persönliche Umgebung von Dr. Cordell hatte, nutzt die Zeit der allgemeinen Verwirrung und der Ablenkung dafür, in Ninas Zimmer einzudringen und sie und den bewachenden Polizisten brutal abzuschlachten. Darüber hinaus hinterlegt er in Catherines Zimmer eine Karte mit Geburtstagsgrüßen von A.C. (Andrew Capra). Obwohl Rizzoli bewusst ist, dass eine Aussage unter Hypnose vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen ist, stimmt sie zu, dass Catherine hypnotisiert wird, um sie in den Zustand vor und nach der Tat zurückzuversetzen. Der forensische Hypnotiseur versetzt Catherine in ihre glücklichen Kindheitserinnerungen zurück, um sie vollständig zu entspannen. Er bringt sie dazu, an einem schönen und sonnigen Sommertag ein Boot zu besteigen und sich auf eine Reise zu den Stationen ihres Lebens zu machen. Sie steigt an einem anderen Ufer aus dem Boot aus und betritt ein Haus, in dem die Kinoleinwand ihres Lebens aufgebaut ist. Catherine kann sich gemütlich in einen Sessel zurücklehnen und mit Distanz ihre Biographie beobachten. Sie hat die Möglichkeit, zu bestimmten Ereignissen vor- beziehungsweise zurückzuspulen. Sie gelangt wieder zurück zu dem Moment, als Andrew Capra an die Tür ihres Hauses in Savannah klopft. Capra sucht eine Aussprache mit ihr, um über seine Fehler im Krankenhaus zu sprechen. Seine Karriere hängt von Catherines Entscheidung ab. Dann schläft sie ein. In der nächsten Sequenz erlebt sie die Vergewaltigung noch einmal. Der Hypnotiseur muss abbrechen, da Catherines Erregungszustand einen kritischen Punkt erreicht. Die Erinnerungen sind durch die Wirkung des Rohypnol stark getrübt und setzen immer wieder aus. Sie erinnert sich an ein Skalpell und wie sie Capra mit der Pistole ihres Vaters in den Bauch schießt. In der nächsten Szene betreten Polizisten den Tatort. Der entscheidende Moment wird nicht preisgegeben. Dennoch gelingt es ihnen, zu dem Moment zurückzuspulen, in dem Catherine nackt und gefesselt auf dem Bett liegt. Sie hört das Rauschen von Wasser in der Leitung und wie Capra zu einer weiteren unbekannten Person sagt, es sei “kinderleicht”.

Jane Rizzoli ist bei ihren Eltern eingeladen. Sie ist eifersüchtig auf Moore, der in diesem Moment bei Catherine ist und vielleicht sogar mit ihr schläft. Des Weiteren ist sie eifersüchtig auf ihren Bruder Frank Junior, welcher die gesamte Aufmerksamkeit ihrer Eltern bekommt. “…der Macho-Elitesoldat immer nur Krieg gespielt. Sie musste jeden Tag in die Schlacht ziehen, gegen wirkliche Menschen, gegen wirkliche Killer.”Tess Gerritsen: Die Chirurgin. Blanvalet, München 2004, ISBN 3-442-36067-6, S. 251 Da erhält sie einen Anruf vom Boston Police Department, dass man anhand eines DNA-Vergleichs den Mörder von Nina Peyton identifiziert hat und gerade dabei ist, sein Haus zu stürmen. Es ist ein gewisser Karl Pacheco, der als Täter in Frage kommt. Der Verdächtige kann jedoch fliehen und wird auf der Verfolgungsjagd von Jane Rizzoli erschossen. Bei der Untersuchung der Leiche wird jedoch keine Schusswaffe gefunden, so dass Zweifel aufkommen, ob Rizzoli tatsächlich aus Notwehr gehandelt hatte. In der Wohnung des Toten finden sie zwar kein OP-Zubehör, dafür jedoch große Mengen an Betäubungsmitteln. Es stellt sich heraus, dass Karl Pacheco zwar anhand des Spermas, welches man im Abstrich von Nina Peytons Vagina gefunden hatte, eindeutig ihr Vergewaltiger war, jedoch nicht ihr Mörder, der Chirurg. Catherine ist bei der Autopsie des Sexualverbrechers Karl Pacheco dabei, beteuert jedoch, den Mann nicht zu kennen. Der Hypnotiseur räumt ein, dass Erinnerungen umgeschrieben werden können, damit sie unseren Erwartungen entsprechen. Es wird jetzt nach einem Nachahmungstäter oder nach einem Partner von Andrew Capra gesucht. Auch Kenneth Bianchi und Henry Lee Lucas hatten ihre Partner, welche die Mordtaten zusammen begangen. Die Jagd auf Frauen im Verbund würde schließlich effizienter sein.