mini|hochkant=1.25|Blick von Westen auf St. Mauritius (1976) mini|hochkant|Alter Ostchor der Kirche mini|hochkant|Die Kärlicher Kirche vor 1930 mini|hochkant|Südfassade mini|hochkant|Gotische Taufkapelle mini|Blick von Nordosten mini|Grundriss der Kärlicher Kirche mini|Innenraum nach der Umgestaltung 1976 mini|Retabel des Hochaltars mini|Messaltar von Morkramer, 1976 mini|hochkant|Osterleuchter und Taufstein St. Mauritius ist eine römisch-katholische Kirche, ehemals Pfarrkirche, im Stadtteil Kärlich von Mülheim-Kärlich. Seit dem 1. Januar 2023 gehört sie zur Großpfarrei Heilig Geist, die die bis dahin selbstständigen Pfarreien in der Verbandsgemeinde Weißenthurm zusammenfasst.Pfarrbrief der Pfarrei Heilig Geist. Abgerufen am 21. Januar 2023 (PDF). Ursprünglich war sie Eigenkirche eines Dekans Wolfram,Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke COBLENZ und TRIER bildenden mittelrheinischen Territorien. Coblenz 1874, Übersetzung von Anton Nikenich in 100 Jahre Raiffeisenbank Kärlich, S. 28–30. der sie mit Urkunde vom 10. März 1217 dem Stift St. Florin in Koblenz schenkte. Verbunden mit dieser Schenkung erhielt der Propst des Stifts die Befugnis, den Pfarrer von Kärlich zu ernennen und einzusetzen. Die Bindung an St. Florin bestand bis zur Säkularisation von 1802. Von 1827 bis 1924 gehörte Kärlich zum Dekanat Koblenz und seit dem 1. Februar 1924 war die Gemeinde eine Pfarrei des Dekanats Bassenheim (Bistum Trier),Winfried Henrichs: 100 Jahre Pfarrei Maria Himmelfahrt Mülheim. 1987, S. 57–61. das von 2004 bis 2022 mit Andernach zum Dekanat Andernach-Bassenheim zusammengeschlossen war. Seit dem 1. Januar 2023 heißt es, ergänzt durch die Pfarreiengemeinschaften Plaidt und Nickenich, Pastoraler Raum Andernach.Website pr-andernach.de. Abgerufen am 28. November 2024.

Baugeschichte Von der Romanik zum Barock Die Anfänge der Kärlicher Kirche dürften in die Zeit um 940 bis 950 zurückreichen, als die Ottonen das Patrozinium des heiligen Mauritius förderten. Historiker vermuten, dass das erste Gebäude eine Holzkirche war, bevor in der Stauferzeit (12. und 13. Jahrhundert) ein Steinbau errichtet wurde. Von diesem Gebäude sind nur noch der romanische Ostchor und der 1976 freigelegte Rest einer seitlichen Apsis erhalten. Das Kirchenschiff war etwa 17 Meter lang.

Mitte oder gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstand nördlich des Chors ein kleiner gotischer Anbau, die heutige Taufkapelle mit dem Taufstein von 1796. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche weitgehend zerstört.

Im Jahr 1730 ließ Pfarrer Adam Braun eine neue Kirche zu Ehren der heiligen Maria, des heiligen Mauritius und der heiligen Magdalena bauen, eine einschiffige Barockkirche, die 1789/90 nach Westen hin verlängert wurde. Diese Kirche hatte einen achteckigen niedrigen Turm, der zu einem Drittel über dem Chor und zu zwei Dritteln über dem Kirchenschiff aufgesetzt war. Den Abschluss des Langhauses bildete ein Portal mit einem Steinrelief aus dem 16. Jahrhundert, das vorher an anderer Stelle eingebaut gewesen sein dürfte. Es ist unter dem Glockenturm erhalten.

Neuzeit Ende des 19. Jahrhunderts reiften Überlegungen für ein größeres Gebäude, in das die alte Bausubstanz einbezogen werden sollte, und schon 1903 wurde an der Westseite zunächst der neuromanische Glockenturm gebaut. 1930/31 folgte unter Pfarrer Jakob Porz der Neubau der Kirche, wie sie sich im Wesentlichen bis heute zeigt. Die Architekten waren Ludwig Becker (Mainzer Dombaumeister) und Anton Falkowski.

Typisch für die Entstehungszeit ist die 20 Meter hohe Südfassade mit den Portalen des nach Norden ausgerichteten Bauwerks. Dennoch gelang es durch die Übernahme der Rundbogenformen von Turm und romanischem alten Chor, eine harmonische Verbindung zwischen Neuem und Altem zu schaffen. Der Innenraum ist klar gegliedert, frei von architektonischen Spielereien, die den Blick der Gottesdienstbesucher vom Altar ablenken könnten.

Am 3. Juli 1933 konsekrierte Bischof Franz Rudolf Bornewasser das neue Gotteshaus, nachdem es ein Jahr vorher, am 19. Juni 1932, von Dechant Schneiders benediziert und für den Gottesdienst freigegeben worden war.

1976/77 ließ Pfarrer Josef Schmitt in Zusammenarbeit mit dem Architekten Peter van Stipelen (Trier) die Kirche entsprechend der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils neu gestalten.

Baubeschreibung St. Mauritius lässt sich in drei Bauabschnitte gliedern: den romanischen Ostchor mit der nördlich angebauten gotischen Taufkapelle, den neuromanischen Glockenturm und den Bau aus den 1930er-Jahren.

Ostchor Der Ostchor mit verputztem Mauerwerk aus Naturstein ist der älteste erhaltene Teil des Gesamtbauwerks, der im Laufe der Jahrhunderte mehrmals verändert worden war. 1976/77 rekonstruierten Pfarrer Josef Schmitt, Kunsthistoriker Udo Liessem, Restaurator Franz Niespor, Bistumskonservator Franz Ronig und Architekt Peter van Stipelen den Zustand, wie er wahrscheinlich in der Zeit um 1200 war.

Die Innenwände wurden freigelegt und weiß geschlämmt, um die Struktur des Mauerwerks sichtbar zu machen, das große Ostfenster auf seine ursprüngliche Höhe zurückgebaut und zwei nach Süden gerichtete Fenster verschlossen. Letztere, die aus der Zeit um 1730 stammen könnten, sind außen weiterhin zu sehen. Nach oben abgeschlossen wird der Chor seit der Restaurierung von einer wuchtig wirkenden Holzdecke, deren Balken aus einzelnen Brettern zusammengefügt sind. Der Fußboden ist mit kleinen roten Platten gefliest.Franz-Josef Risse, Lothar Spurzem: Pfarrei und Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich. Hrsg. Kath. Kirchengemeinde St. Mauritius Kärlich, Mülheim-Kärlich 1991.

Die Ostfassade des alten Chors ist glatt verputzt und zweizonig gegliedert, im unteren Teil mit Kleeblattbogenblenden, im oberen mit je drei kleinen Rundbögen links und rechts auf Zweidrittelhöhe des Fensters. Die Kleeblattbogenblenden sind vergleichbar mit denen der Chorapsis von St. Kastor in Koblenz und lassen Rückschlüsse auf die Entstehungszeit zu.Udo Liessem in Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 1978, S. 19 f.

Taufkapelle In der Taufkapelle, die möglicherweise ursprünglich als Sakristei geplant war, sind das gotische Kreuzrippengewölbe und die Eckkonsolen erhalten, auf die es gestützt ist. Die Ausmalung mit einer Strahlenkranzrosette rund um den Schlussstein wurde freigelegt und originalgetreu erneuert. Wiederaufgefundene Bruchstücke eines Maßwerkfensters hingegen ließen sich nicht mehr ergänzen. Über dem nach Osten gerichteten, fast quadratischen Fenster ist lediglich noch der Spitzbogen angedeutet. Das bis zum Boden reichende Nordfenster war eine etliche Jahre nur notdürftig mit Mauerwerk verschlossene Tür, die 1976 zutage kam. Lage und Stil dieser Tür lassen vermuten, dass hier im Zusammenhang mit dem letzten Neubau des Kärlicher Schlosses, das rund 250 Meter (Luftlinie) entfernt lag, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Zugang für den Kurfürsten und Gefolge vom Schlossgarten zur Kirche geschaffen worden war. Pfarrer Josef Schmidt (1912–1993) nahm deshalb an, die Kapelle könne ein kurfürstliches Oratorium gewesen sein, und nannte sie „Kurfürstenkapelle“.

Der Taufstein von 1796 ist aus Marmor, sein Deckel aus Messing. Er stand lange im Schiff der alten Kirche links unter dem aus dem Dach hervortretenden Turm. Beim Neubau wurde er mitten in die Taufkapelle versetzt, die vorher neben dem Chor Platz für Gottesdienstbesucher bot und im Volksmund „Chörchen“ hieß. Seit die romanische Apsis freigelegt wurde, bildet der Taufstein deren Zentrum, umgeben von einem strahlenförmigen Gitter.

Glockenturm Der Glockenturm nach dem Entwurf von Leopold Schweitzer ist der erste Teil einer Ende des 19. Jahrhunderts geplanten neuromanischen Kirche, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Er steht auf einem quadratischen Sockel aus Basalt, ist aus Ziegelstein gebaut und mit Tuffstein verblendet. Bis zum Kreuz ist er etwa 42 Meter hoch. Über dem nach drei Seiten offenen Eingangsbereich, zu dem vom tiefsten Punkt aus elf Stufen führen, erheben sich bis zu den Spitzgiebeln und dem Spitzhelm drei Geschosse. In dem unteren, relativ niedrigen Geschoss wurden bis 1970 die Glocken mit Seilen von Hand geläutet. Im höheren Stockwerk darüber stand das Uhrwerk und war Raum für die Bewegung der Gewichte des mechanischen Werks, die täglich aufgezogen werden mussten. Drittes Geschoss ist die Glockenstube mit viermal vier Schallöffnungen, jeweils zwei übereinander.Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Hrsg. Stadt Mülheim-Kärlich, 2009, S. 69.Franz-Josef Risse, Lothar Spurzem: Pfarrei und Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich. Hrsg. Kath. Kirchengemeinde St. Mauritius Kärlich, Mülheim-Kärlich 1991, S. 11.

Neue Kirche Die Kirche von 1930/31 ist eine dreischiffige Halle mit nach Norden ausgerichtetem Chor, über dem sich ein breiter Chorturm erhebt. Das Hauptschiff ist – gemessen von den inneren Abschlusstüren bis zum Chor – 26 Meter lang, einschließlich der Seitenschiffe bzw. Seitengänge 18,80 Meter breit und in der Mitte bis zum höchsten Punkt des Gewölbes 13 Meter hoch. Der Chor ist 9 Meter tief und 14 Meter breit. Außen ist die Kirche von Süden nach Norden 40 Meter lang und von Westen nach Osten (ohne Turm und altem Ostchor) 31 Meter breit.

Nach Nordosten macht die nur von einem Kreuz unterbrochene Fassade mit einem breiten Chorturm die Kirche weithin sichtbar, während nach Westen der Glockenturm und das Kirchendach vorherrschen. Der über dem Altar offene Chorturm bzw. Choraufbau mit zwölf Fenstern gab dem Raum eine dezente indirekte Beleuchtung. Diese Wirkung entfiel, als 1976 ein Kreuzgratgewölbe eingebaut und der ursprüngliche Flachbogen am Übergang zum Kirchenschiff durch einen tiefer angesetzten Rundbogen ersetzt wurde.

Die Mauern der Kirche bestehen bis zum Fußboden aus Beton und darüber aus Bimsstein. Das durch Rippen in sieben Joche gegliederte Flachgewölbe des Kirchenschiffs wie auch das Kreuzgratgewölbe des Chors sind Rabitzkonstruktionen.Franz-Josef Risse, Lothar Spurzem: Pfarrei und Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich. Hrsg. Kath. Kirchengemeinde St. Mauritius Kärlich, Mülheim-Kärlich 1991, S. 13–16.

Ausstattung Altar Der Sakramentsaltar im hinteren Teil des 14,15 m breiten und 9,00 m tiefen Chors ist aus Dolomit; er trägt den Tabernakel und ein aus Holz gefertigtes Retabel des früheren Hochaltars mit zwölf Figuren. Auf einer Breite von rund fünf Metern zeigt es von links nach rechts aus Holz geschnitzt Vertreter der unterschiedlichen Stände: den Jugenderzieher Giovanni Bosco mit einem Jungen, Kaiser Heinrich II. (Namenspatron des Altarstifters Carl Heinrich Mannheim), Agnes, Papst Pius X., Margareta Maria Alacoque, Elisabeth von Thüringen, Josef von Nazaret, Kaiserin Helena, Vinzenz Pallotti, Notburga und den Pfarrpatron Mauritius. Im Gegensatz zu den anderen Heiligen trägt Pius X. keinen Heiligenschein; denn er wurde erst 1951 selig- und 1954 heiliggesprochen, hätte also eigentlich noch nicht auf dem Altar dargestellt werden dürfen, als das Werk 1937 in der Bildhauerei Johann Mettler in Morbach (Hunsrück) entstand. Um die Entstehungszeit des Altars erkennbar zu lassen, wurde der Heiligenschein später nicht ergänzt.

Die zweiflügelige Tabernakeltür aus Bronze symbolisiert die biblische Erzählung vom brennenden Dornbusch (Ex 3,1–6). An der Rückwand des Chors über dem Altar hängt eine Kreuzigungsgruppe (ebenfalls von Mettler) mit dem Kruzifix, Maria und Johannes sowie Maria Magdalena und dem römischen Hauptmann. Sie ist gegenüber der ursprünglichen Form mit Engelsköpfen an den Konsolen geringfügig verändert und der Neugestaltung des Raums angepasst. Ebenso wurde die Bekrönung des Tabernakels bzw. des Expositoriums mit einem Phönix entfernt.