Es gibt viele verschiedene Zählmethoden für das Verfahren der übertragbaren Einzelstimmgebung.

Stimmabgabe

Jeder Wähler ordnet Kandidaten in der Reihenfolge seiner Präferenzen.

+ Beispielstimmzettel1Andrea3Bernd2Christian4Doris

Bestimmung der Quote

Die Quote ist die Anzahl von Stimmen, die ein Kandidat benötigt, um gewählt zu sein. Da es sich um einen absoluten Grenzwert und nicht um einen prozentualen Wert handelt, wird sie manchmal auch Hürde genannt. Sie berechnet sich aus den Anzahlen abgegebener gültiger Stimmen und zu besetzender Sitze. Es sind zwei verschiedene Berechnungsverfahren üblich, eine nach Hare und eine nach Droop.

Bei der Hare-Quote wird mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens ein Kandidat mit weniger als einer ganzen Quote gewählt, selbst wenn jeder Wähler für alle Kandidaten eine Präferenz angibt.

Wenn jeder Wähler eine vollständige Liste seiner Präferenzen angibt, garantiert die Droop-Quote, dass jeder gewählte Kandidat die Quote erreicht und nicht bloß gewählt wird, weil er der letzte verbleibende Kandidat ist, nachdem schwächere Kandidaten ausgeschieden sind. Daher wird bevorzugt die Droop-Quote gewählt. Sie ist die kleinste Zahl, die sicherstellt, dass kein weiterer Kandidat die Quote erreichen kann, sobald genau so viele Kandidaten jeweils eine Quote an Stimmen haben wie Sitze zu besetzen sind.

Die überzähligen Stimmen eines Kandidaten werden entsprechend den nächsten verfügbaren Präferenzen auf andere Kandidaten übertragen. Bei Meeks Methode muss die Quote im Laufe der Auszählung neuberechnet werden.

Hare-Quote Als Thomas Hare seine Version der übertragbaren Einzelstimmgebung erdachte, stellte er sich die Verwendung einer einfachen Quote vor, die daher unter dem Namen Hare-Quote bekannt geworden ist:

Sie erfordert, dass am Ende alle abgegebenen Stimmen gleichmäßig zwischen den gewählten Kandidaten aufgeteilt sind. Der einzige Unterschied zwischen den für jeden Kandidaten erhaltenen Stimmen würde auf der Verteilung der Wähler zwischen den Wahlkreisen beruhen – Hares ursprünglicher Vorschlag sah nur einen einzigen landesweiten Wahlkreis vor – sowie der Anzahl der nicht vollständigen Stimmen, d. h. der Leute, die nicht alle Kandidaten in ihr Ranking einbezogen haben, was heißt, dass einige Kandidaten als letzte verbleibende mit weniger als der Quote gewählt wären.

Im Spezialfall nur eines zu vergebenden Sitzes müssen sämtliche Präferenzen ausgewertet werden, indem in jeder Runde der schwächste Kandidat eliminiert wird und seine Stimmen verteilt werden, bis nur noch einer übrig bleibt.

Droop-Quote Heutzutage wird meist die Droop-Quote verwendet. Sie wird meist folgendermaßen angegeben:

Im Unterschied zur Hare-Quote verlangt diese nicht, dass alle Präferenzen zur Wahl eines Kandidaten beitragen. Es reicht aus, dass genügend Stimmen zusammenkommen, damit kein anderer noch im Rennen befindlicher Kandidat gewinnen kann. Dadurch bleiben Stimmen im Umfang fast einer ganzen Quote nicht zugeteilt, aber es heißt, dass diese Quote das Wählen vereinfacht und die Auszählung dieser Stimmen das letztliche Ergebnis nicht verändern würde.

Im Spezialfall nur eines zu vergebenden Sitzes reichen dafür 50 % + 1 Stimme.

Auszählung der Stimmen

Zuteilung (Vorgang A): Die Erstpräferenzen werden ausgezählt. Wenn ein oder mehrere Kandidaten mehr Wählerstimmen erhalten als die Quote beträgt, werden sie für gewählt erklärt. Nachdem ein Kandidat gewählt ist, kann er keine weiteren Stimmen erhalten (siehe jedoch eine Modernisierung weiter unten).

Die überschüssigen Stimmen des erfolgreichen Kandidaten werden den Kandidaten zugeteilt, die auf dem Stimmzettel des gewählten Kandidaten den nächsthöheren Platz erhalten haben. Für die Übertragung der überschüssigen Stimmen gibt es verschiedene Methoden (siehe unten).

Vorgang A wird wiederholt, bis es keine weiteren Kandidaten gibt, die die Quote erreicht haben.

Elimination (Vorgang B): Der Kandidat mit der geringsten Unterstützung wird eliminiert, seine Stimmen werden auf jene Kandidaten übertragen, die auf den eliminierten Stimmzetteln am nächsthöchsten platzierten waren. Nachdem ein Kandidat eliminiert ist, kann er keine weiteren Stimmen erhalten.

Nach Abschluss jedes Durchlaufs von Vorgang B, beginnt, falls nun Kandidaten gewählt sind, wieder Vorgang A. Dies wird so lange fortgeführt, bis alle Kandidaten entweder gewählt oder eliminiert sind. Vorgang B kann noch nicht wieder aufgenommen werden, solange es noch einen gewählten Kandidaten gibt, dessen überschüssige Stimmen noch übertragen werden müssen.

Neuzuteilung des Überschusses Die Stimmen, die ein gewählter Kandidat über die Quote hinaus erhält, bilden einen Überschuss. Damit möglichst wenig Stimmen verschwendet werden, werden diese in den meisten Varianten auf die verbleibenden ungewählten Kandidaten übertragen. Dies geschieht entsprechend der nächsten angegebenen Präferenz.

Es gibt verschiedene Methoden, um zu entscheiden, welche der Stimmen des Kandidaten übertragen werden sollen. Einige werden für gewöhnlich nur auf den Anfangsüberschuss angewendet, wenn ein ungewählter Kandidat erstmals die Quote überschreitet. Andere werden auch auf nachfolgende Überschüsse angewendet, wenn ein gewählter Kandidat weitere übertragene Stimmen erhält.

Zufallsauswahl Einige der Methoden zur Verteilung des Überschusses beruhen darauf, Stimmen per Zufall auszuwählen. Die Gewährleistung der Zufälligkeit geschieht auf verschiedene Weisen. In vielen Fällen werden alle zu berücksichtigenden Stimmen einfach von Hand gemischt.

In Cambridge wird jeweils ein Wahlbezirk ausgezählt; dadurch entsteht eine künstliche Reihenfolge der Stimmen. Um zu verhindern, dass alle zu übertragenden Stimmen aus dem gleichen Wahlbezirk ausgewählt werden, wird jeder te Stimmzettel ausgewählt, wobei der auszuwählende Bruch ist.

Übertragung nur des Anfangsüberschusses

Angenommen, Andrea hat an einem bestimmten Punkt der Auszählung 190 Stimmen und die Quote beträgt 200. Nun erhält Andrea 30 Stimmen von Bernd übertragen (nachdem Bernd entweder gewählt oder ausgeschieden ist). Das ergibt für Andrea insgesamt 220 Stimmen, d. h. ein Überschuss von 20 Stimmen ist zu übertragen. Aber welche 20 Stimmen sollen übertragen werden?

Hare-Methode Aus den 30 Stimmen, die von Bernd übertragen wurden, werden 20 Stimmen per Zufallsauswahl gezogen. Jede dieser 20 Stimmen wird auf die nächste verfügbare Präferenz übertragen, die nach Andrea auf dem Stimmzettel angegeben ist. Bei einer Auszählung von Papierstimmzettel von Hand ist diese Methode die am einfachsten umzusetzende; sie war 1857 Thomas Hares ursprünglicher Vorschlag. Sie wird in der Republik Irland (außer bei Senats-Wahlen) verwendet.

Es gibt allerdings keine Garantie dafür, dass die späteren Präferenzen der 30 von Bernd übertragenen Stimmen denen der anderen 190 Stimmen ähneln, die Andrea zuerst erhalten hatte. Daher ist diese Methode potentiell unfair und eröffnet die Möglichkeit taktischen Wählens. Außerdem werden erschöpfte Stimmzettel ausgeschlossen. Wenn also bei mehr als 10 der 30 Stimmen nach Andrea keine weitere Präferenz angegeben ist, können keine 20 Stimmen zur Übertragung ausgewählt werden, so dass einige Stimmen verschwendet werden müssen.

Cincinnati-Methode 20 Stimmen werden per Zufallsauswahl aus allen 220 Stimmen gezogen. Dieses Verfahren wird in Cambridge verwendet. (Dort würde jede 11. Stimme (220-200)/220 = 1/11) zur Übertragung gezogen werden. Diese Methode ist mit größerer Wahrscheinlichkeit repräsentativ als Hares Methode und weniger anfällig für zu viele erschöpfte Stimmen. Allerdings gibt es weiterhin ein Element des Zufalls. Dies kann bei einem knappen Wahlausgang entscheidend dafür sein, wer gewinnt. Außerdem muss im Falle einer Neuauszählung der Stimmen sichergestellt werden, dass dabei genau dieselbe Zufallsauswahl verwendet wird. (Das heißt, die Neuauszählung ist nur dazu da, Fehler in der ursprünglichen Auszählung zu prüfen, und nicht dazu, eine erneute Zufallsauswahl zu treffen.)

Wenn ein Kandidat allein mit den Erstpräferenzen die Quote überschreitet, gibt es zwischen Hares Methode und der Cincinnati-Methode keinen Unterschied, denn alle Stimmen des Kandidaten befinden sich im „letzten erhaltenen Stapel“, aus welchem der Hare-Überschuss gezogen wird.

Clarke-Methode Alle 220 Stimmzettel werden entsprechend der nächsten angegebenen Präferenz in getrennte Stapel aufgeteilt. Von jedem Stapel wird ein gleich großer Anteil der Stimmen per Zufallsauswahl gezogen und auf den betreffenden Kandidaten übertragen.

Wenn wir in dem Beispiel annehmen, dass auf 40 Stimmzetteln nach Andrea keine weitere Präferenz angegeben ist, beträgt der Anteil . Wenn beispielsweise 54 von Andreas 220 Stimmen als nächste Präferenz Bernd angeben, 90 Christian und 36 Doris, dann werden 6, 10 bzw. 4 Stimmen von den entsprechenden drei Stapeln gezogen und auf die entsprechenden Kandidaten übertragen.

Diese Methode wird in Australien verwendet. Bei nicht ganzzahligen Stimmen wird in Australien abgerundet: Bei einer Aufteilung von 52 : 88 : 40 (also 5,8 : 9,8 : 4,4) würde die Übertragung im Verhältnis 5 : 9 : 4 erfolgen, so dass nur 18 statt 20 Stimmen übertragen werden. Die Anzahl solcher „verlorener“ Stimmen ist immer kleiner als die Anzahl verbleibender Kandidaten; in der Praxis ist das ein sehr kleiner Teil, da die Anzahl der Stimmen viel größer als die Anzahl der Kandidaten ist.

Die Clarke-Methode verringert das Problem des Zufalls der Cincinnati-Methode, beseitigt es aber nicht.

Gregory-Methode / Senats-Regeln Eine weitere Methode ist sowohl als Senatsregeln (nach ihrer Verwendung für die meisten Sitze bei Wahlen zum Irischen Senat) als auch als Gregory-Methode (nach ihrem Erfinder J. B. Gregory) bekannt. Diese beseitigt jeden Zufall und wendet praktisch Clarkes Methode auch bei allen folgenden Übertragungen an. Statt einen Teil der Stimmen mit vollem Wert zu übertragen, werden alle Stimmen mit einem Teil ihres Wertes übertragen. Der betreffende Anteil ist derselbe wie bei der Clarke-Methode, d. h. in dem Beispiel .

Es sei angemerkt, dass ein Teil der insgesamt 220 Stimmen für Andrea bereits aus anteiligen Stimmen aus früheren Übertragungen zusammengesetzt sein kann; z. B. war Bernd vielleicht mit 250 Stimmen gewählt worden, 150 mit Andrea als nächster Präferenz, so dass die Übertragung von 30 Stimmen eigentlich 150 Stimmen mit einem Wert von jeweils war. In diesem Fall würden diese 150 Stimmen jetzt mit einem kombinierten Anteilswert von erneut übertragen. In der Praxis würde der übertragene Wert einer Stimme normalerweise nicht als gemeiner Bruch, sondern als Dezimalbruch mit zwei oder drei Nachkommastellen angegeben werden. Um die Auszählung der Stimmen zu vereinfachen, kann man den ursprünglichen Stimmen einen Zahlenwert von 100 oder 1000 geben, um dann mit ganzen Zahlen arbeiten zu können.

Kombinierte Brüche zu berechnen ist arbeitsintensiv. Daher wird diese Methode in Irland nur für den Senat verwendet, bei dem nur etwa 1500 Ratsleute wahlberechtigt sind. In Nordirland wird diese Methode allerdings seit 1973 bei allen STV-Wahlen verwendet; dabei finden bis zu 7 Übertragungen (in Local Councils mit 8 Sitzen) statt, und bis zu 700.000 Stimmen werden gezählt (bei der Europawahl mit 3 Sitzen).

Übertragung auch späterer Überschüsse Alle obigen Methoden gelten nur für die Übertragung eines ursprünglichen Überschusses, wenn ein zunächst noch nicht gewählter Kandidat die Quote an Stimmen zum ersten Mal während der Zählung überschreitet. Eine ähnliche Frage stellt sich da, wo Stimmen zu übertragen sind und die als Nächstes angegebene Präferenz auf einen bereits gewählten Kandidaten lautet. Die übliche Praxis bestand immer darin, diese Präferenz zu ignorieren und die Stimmen stattdessen auf den nächsten noch nicht gewählten (und nicht eliminierten) Kandidaten zu übertragen. Das läuft auf Hares Methode hinaus und leidet unter all den Unzulänglichkeiten dieser Methode.