Als Notfunk (oder auch Katastrophenfunk) bezeichnet man den Funkbetrieb, mit dem Funkamateure im Rahmen ihrer Kommunikationsmöglichkeiten in Not- und Katastrophensituationen Hilfe leisten. Funkamateure unterstützen dann Hilfsorganisationen und andere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), oder leiten empfangene Notrufe an diese weiter.
Allgemeines Der Amateurfunkdienst ist ein internationaler Funkdienst gemäß der Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk).
In Deutschland sagt Nr. 2 des Amateurfunkgesetzes aus: „Im Sinne dieses Gesetzes ist Amateurfunkdienst ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird. Der Amateurfunkdienst schließt die Benutzung von Weltraumfunkstellen ein. Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten sind keine Sicherheitsfunkdienste …“. der Amateurfunkverordnung führt zu den technischen und betrieblichen Rahmenbedingungen für Amateurfunkstellen weiter aus: „...der Gebrauch internationaler Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitszeichen des See- und Flugfunkdienstes ist nicht zulässig...“. Damit scheidet z. B. der Gebrauch des Notzeichens MAYDAY im Amateurfunkdienst aus.
Von jeher haben Funkamateure weltweit ihre Gerätschaften und ihr Wissen für Hilfeleistungen zur Verfügung gestellt. Für Notrufe, bei Naturkatastrophen, in Entwicklungsländern, bei Kriegen, dringend benötigten Medikamenten, Seenotfällen. Gleichgültig bei welcher Krisenlage, Funkamateure sind bei einem Ausfall der kommerziellen Telekommunikationsnetze weltweit oft die ersten, die wieder Kontakt zur Außenwelt herstellen können.
Um eine interkontinentale Funkverbindung auf Kurzwelle aufzubauen, reichen – neben den nötigen Kenntnissen über die Ausbreitungsbedingungen – einige Meter Draht als Antenne (notfalls zwischen Trümmern und Bäumen gespannt), eine (Auto-)Batterie oder Solarzelle, ein (selbst gebautes) Funkgerät mit rund 1 bis 5 W Sendeleistung und eine Morsetaste oder ein Mikrofon aus. Allerdings erreicht man nicht immer eine Gegenstation, trotz rund zwei Millionen Funkamateuren weltweit.
Viele Funkamateure nehmen regelmäßig an internationalen Wettbewerben (Fielddays) teil, wo es darum geht, unabhängig vom Stromnetz mit portablen Antennen von der grünen Wiese aus innerhalb von 24 Stunden so viele internationale Funkverbindungen wie möglich, mit größtmöglicher Distanz zu tätigen. Funkamateure tragen auch ohne offizielle Anforderung in Krisensituationen dazu bei, Kommunikationsnetze zu errichten und zu betreiben. Genau wie jeder andere sind auch Funkamateure zur Hilfeleistung verpflichtet, dazu gehört auch das Absetzen oder Weiterleiten von (empfangenen) Notrufen.
Hochwasser, Erdbeben, Stürme, Großfeuer und andere schwere Katastrophen zerstören und beschädigen fast immer Telekommunikationseinrichtungen oder überlasten diese durch massiv gesteigerte Inanspruchnahme. Dabei ist es irrelevant, ob die Technik neu oder alt ist. Ohne die entsprechende Infrastruktur und ohne Strom- und Telefonleitungen funktioniert sie nicht mehr. Besonders hier zeigt sich die Stärke des Amateurfunks. Manche Funkamateure betreiben ihre Station unabhängig von einer Infrastruktur. Sie verfügen regional und länderübergreifend über zahlreiche Kontakte und leisten damit einen der wichtigsten Beiträge bei der Unterstützung von Behörden und Hilfsorganisationen in der Notfallkommunikation.
Ein großer Vorteil des Amateurfunkdienstes sind hierbei weltweit zugewiesene Frequenzbereiche. Somit ist eine unkomplizierte, grenzüberschreitende Kommunikation jederzeit möglich, während die Zusammenarbeit verschiedener Hilfskräfte – wie beispielsweise BOS, Bundeswehr, örtliche Energieversorger etc. – schon bei regionalen bzw. nationalen Großschadenslagen immer wieder an den unterschiedlichen Funkdiensten und Frequenzen scheitert.
Geschichte Neben der technischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat sich auch der Notfunk der Funkamateure und seine Bedeutung gewandelt. Funkamateure betrieben bereits mobile Funkanlagen vom Auto aus, während die meisten noch nicht einmal ein Autoradio besaßen. Sie gehörten damals zu den Privilegierten, die mobil kommunizieren konnten, lange bevor es CB-Funk oder gar Mobilfunknetze gab.
Spätestens seit den späten 1990er Jahren ist es durch den besseren Netzausbau der D- und E-Netze sowie den Kosteneinbruch auf dem Mobilfunkmarkt heute für jedermann selbstverständlich, ein Mobiltelefon bei sich zu tragen und sich in der Sicherheit zu wiegen, jederzeit einen Notruf absetzen zu können. Die Feststationen in den Mobilfunknetzen sind aber überwiegend nur kurzzeitig gegen Ausfall der Netzstromversorgung gesichert. Die verbleibenden Basisstationen sind dann schnell überlastet, Handys sind deshalb bei einem längeren Stromausfall nutzlos. Funkamateure können jedoch auch dann noch Notrufe mit ihren mobilen und portablen Geräten weiterleiten. Auch heute noch haben CB-Funk und Amateurfunk zum Absetzen von Notrufen den Vorteil gegenüber Mobiltelefonen, dass sie auf Frequenzen mit besseren Ausbreitungsbedingungen arbeiten und somit auch Verbindungen unter Umständen herstellen können, wenn Mobiltelefone keine Basisstation mehr erreichen können.
Jahrzehntelang nutzten Hilfsorganisationen und Entwicklungshelfer den internationalen Amateurfunkdienst zur zuverlässigen Nachrichtenübertragung. Bei den Hilfsorganisationen setzt man bei internationalen Einsätzen heute auf Satellitentelefone. Ebenfalls nutzen aber auch Korrespondenten der internationalen Presse diese Systeme, sodass teilweise die Hilfsorganisationen auch bei internationalen Hilfseinsätzen wieder auf Funkamateure als Rückfallebene zurückkommen.
Im Jahr 1998 wurde im Übereinkommen von Tampere geregelt, dass in Katastrophenfällen Amateurfunkausrüstung ohne weiteres auch ins Ausland transportiert und dort betrieben werden darf.
Der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) hat mit dem Landesverband Bayern des Technischen Hilfswerks (THW) am 13. Oktober 2014 einen Kooperationsvertrag geschlossen. Darin wird vereinbart: die Unterstützung des DARC für das THW durch die Herstellung von drahtlosen Fernmeldeverbindungen soweit andere Fernmeldeverbindungen nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen zur Vorbereitung auf eventuelle Unterstützungseinsätze werden gemeinsame Ausbildungsveranstaltungen und Funkübungen durchgeführt
Notfunkfrequenzen
Ausgewiesene und durch internationales Recht verbindlich vereinbarte Notruffrequenzen wie bei den Sicherheitsfunkdiensten (Flugfunkdienst und Seefunkdienst), die ständig von den für Suche und Rettung zuständigen Organisationen abgehört werden, existieren im Amateurfunkdienst nicht. Grundsätzlich ist jede Funkfrequenz, auf der ein Notruf empfangen wird, von den anderen Frequenznutzern für den sich anschließenden Notverkehr freizuhalten. Analog gilt auch im Amateurfunkdienst, dass Notfunkfrequenzen von anderen Stationen freigehalten werden.
International sind folgende Notfunkfrequenzen im Amateurfunkdienst empfohlen (Notfunkfrequenzen nach IARU Empfehlung vom 1. Januar 2006). Kurzwelle (KW) 80 m 3760 kHz alle Betriebsarten – Aktivitätszentrum Region 1 Notfunk 40 m 7110 kHz alle Betriebsarten – Aktivitätszentrum Region 1 Notfunk 20 m 14300 kHz alle Betriebsarten – Aktivitätszentrum weltweiter Notfunk 17 m 18160 kHz alle Betriebsarten – Aktivitätszentrum weltweiter Notfunk 15 m 21360 kHz alle Betriebsarten – Aktivitätszentrum weltweiter Notfunk 11 m 27065 kHz alle Betriebsarten – weltweiter Notfunkkanal 9 CB
Ultrakurzwelle (UKW) 2 m 144,260 MHz USB 2 m 145,500 MHz FM (S20) – (mobil) Anruf 2 m 145,525 MHz FM (S21) 2 m 145,550 MHz FM (S22) 70 cm 433,500 MHz FM – Anruf international
Zusätzlich hat man in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch die folgenden Frequenzen empfohlen: 160 m 1873 kHz LSB (Deutschland, Österreich, Schweiz) 80 m 3643 kHz LSB (Deutschland, Österreich, Schweiz) 40 m 7085 kHz LSB (Deutschland, Österreich, Schweiz) 30 m 10138 kHz USB (Deutschland, Österreich, Schweiz) 20 m 14180 kHz USB (Deutschland, Österreich, Schweiz) 10 m 28238 kHz USB (Deutschland) 70 cm 434,000 MHz FM (Deutschland, Österreich, Schweiz)
Technik mini|Ausgemusterter Militär-Funkwagen eines Funkamateurs mini|Improvisierter Funkbetrieb mit Autobatterie
Funkamateuren steht eine Fülle von technischen Möglichkeiten zur Krisenkommunikation zur Verfügung. Dabei handelt es sich immer um unverschlüsselte PMP-Verbindungen (Point to Multipoint, d. h. Punkt zu Mehrpunkt). Der Vorteil ist, dass ausgesendete Nachrichten immer eine Gruppe von Empfängern erreichen können – vergleichbar mit einer Telefon-Konferenzschaltung mit beliebig vielen Teilnehmern. Funkdisziplin ist daher sehr wichtig.
Frequenzen Ultrakurzwelle UKW direkt – lokale Verbindungen Amateurfunkrelais oder Transponder – regionale Verbindungen Amateurfunksatelliten – interkontinentale Verbindungen Echolink-Konferenzserver. Echolink ist ein System, um mittels Internet (VoIP) weltweit UKW-Relais und PCs zu verbinden. Hier gibt es diverse Notfunk-Konferenzserver. Diese Technik ist nicht autark und benötigt funktionierende Internetverbindungen. Kurzwelle KW Hier sind weltweite Verbindungen mit geringer Sendeleistung möglich, vorausgesetzt der Störpegel ist nicht zu groß. Verursacht werden die Störungen unter anderem durch PLC, Breitbandkabel, Plasmabildschirme, unzureichend funkentstörte technische Anlagen wie Motoren etc.
landesweite Funkverbindungen europaweite Funkverbindungen weltweite Funkverbindungen
Betriebsarten Im Amateurfunk werden zahlreiche Betriebsarten genutzt. es gibt keine Beschränkung, welche Beschränkung, welche Betriebsarten im Notfunk genutzt werden dürfen.
Sprechfunk Frequenzmodulation FM SSB (Single Side Band) Einseitenbandmodulation
Digitale Betriebsarten Morsen CW (continuous wave), ist eine digitale Betriebsart, die jederzeit ohne Hilfsmittel (wie z. B. einen PC) möglich ist. WinLink Winlink Global Radio Email, funkbasierter Mailversand in Verbindung mit einem PACTOR-, VARA-, Winmor-, ARDOP-, PacketRadio-Modem bzw. HAMNET über IP-Protokoll. VarAC Digitales Echtzeit-Chat-, Mail- und EmComm-System in Verbindung mit den VARA-Soundkarten-Modems mit einer Nutzerzahl von 80.000 Amateurfunkern. (Stand Juli 2025) PACTOR, fehlerfreie, schnelle, TNC-basierte Datenübertragung über Kurzwelle VARA HF fehlerfreie, schnelles Soundkarten-Modem über Kurzwelle oder UKW SSB mittels Soundcard-erzeugtem Signal VARA FM fehlerfreie, schnelles Soundkarten-Modem über UKW FM VARA SAT fehlerfreie, schnelles Soundkarten-Modem über Satellit (QO100) AMTOR, fehlerfreies, TNC- oder Soundcard-basiertes Amateurfunkfernschreiben (RTTY) mit verhältnismäßig langsamer Datenübertragungsrate WINMOR, fehlerfreies Soundkarten-Modem über Kurzwelle mittels Soundcard-erzeugtem Signal ARDOP, Weiterentwicklung des veralteten WINMOR-Protokolls Automatic Link Establishment, ein Protokoll zur Etablierung von Sprach- und Datenkommunikation via Kurzwelle basierend auf der US-amerikanischen technischen Militärnorm MIL-STD-188-141 und MIL-STD-188-110 Packet Radio, deutschlandweit betreiben Funkamateure ein engmaschiges Packet-Radio-Netz, ein privates Amateurfunk-Datenfunknetz über viele Knotenpunkte und Richtfunkstrecken unabhängig vom Internet. HAMNET, breitbandiger Nachfolger des Packet-Radio-Netzes. APRS ist eine spezielle Packet-Radio-Anwendung um Positionsdaten, Wetterdaten und Kurztexte zu übertragen. D-STAR Digitalfunk, Sprache und Daten DMR Digitalfunk - Europaweit Sprechgruppe 9112 (USA Sprechgruppe 9911) im Brandmeister-Netzwerk Funkruf, digital via POCSAG im 70-Zentimeter-Band, oder analog mit 5-Ton-Folgeruf meist im 2-Meter-Band, siehe auch Abschnitt „Amateurfunk“ in Funkmeldeempfänger Bildübertragung