mini|Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Alban

Sachsen bei Ansbach (amtlich: Sachsen b.Ansbach, ostfränkisch SaksnE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 164.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Lage Das Pfarrdorf liegt an der Fränkischen Rezat.

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Silbermühle ist seit den 1950er Jahren eine Wüstung, die Rutzendorfer Mühle ist kein amtlich benannter Gemeindeteil.

Auf dem Gemeindegebiet liegen die Gemarkungen Alberndorf, Ratzenwinden (Gemarkungsteil 1), Sachsen b.Ansbach und Volkersdorf. Die Gemarkung Sachsen b.Ansbach hat eine Fläche von 4,686 km². Sie ist in 1629 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2876,44 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Milmersdorf.

Nachbargemeinden Lichtenau Ansbach Petersaurach

Geschichte Mittelalter 1303/1304 wurde der Ort im Würzburger Lehenbuch als „Sahsen“ erstmals namentlich erwähnt. Dem Ortsnamen liegt eine Pluralform des Stammesnamen Sachse zugrunde. Wie bei den übrigen Orten, die so heißen, handelte es sich um eine Zwangsansiedlung von Sachsen, die von Berowelf, Bischof von Würzburg, Ende des 8. Jahrhunderts durchgeführt wurde.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, S. 196 f.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 164 f.

Sachsen war Teil der Herrschaft Lichtenau der Herren von Heideck, die es 1406 der Reichsstadt Nürnberg verkauften. Im Jahr 1409 verkaufte die Stadt wegen der fortlaufenden Auseinandersetzungen mit dem Fürstentum Ansbach die Herrschaft Lichtenau und damit auch Sachsen an das Patriziergeschlecht Rummel. Diese verkauften den Ort an das „Reiche Almosen“ in Nürnberg, das seit 1472 alleiniger Grundherr im Ort war. Landesherr war die Reichsstadt Nürnberg, die 1666 einen vom Fürstentum Ansbach angebotenen Gebietstausch ablehnte.

Neuzeit Im Salbuch des nürnbergischen Pflegamtes Lichtenau von 1515 sind für Sachsen 23 Anwesen und ein Hirtenhaus angegeben. Fünf von diesen Anwesen waren Handrossgüter.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 744. In der Amtsbeschreibung des Pflegamtes Lichtenau aus dem Jahr 1748 zählt der Ort zur Hauptmannschaft Sachsen. Es gab 29 Untertansfamilien, die alle nürnbergisch waren.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 747.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Sachsen 28 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Pflegamt Lichtenau der Reichsstadt Nürnberg aus. Grundherren waren die Reichsstadt Nürnberg (Pflegamt Lichtenau: 3 Leerhäuser; Landesalmosenamt: 12 Güter, 1 Gut mit Backrecht, 5 Gütlein, 6 Leerhäuser) und das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach (1 Pfarrwiddums-Hof). Neben den Anwesen gab es die Kirche und kommunale Gebäude (Schulhaus, Ochsen-Hirtenhaus, Kuh-Hirtenhaus, Haus Nr. 15).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 906.

1806 kam Sachsen zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Sachsen gebildet, zu dem Herpersdorf, Langenloh, Milmersdorf, Rutzendorf, Rutzendorfer Mühle, Unterrottmannsdorf, Volkersdorf, Weidenmühle, Zandt und Zandtmühle gehörten. Die Ruralgemeinde Sachsen wurde im Jahr 1810 gegründetStaatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Sachsen. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden vier Ruralgemeinden gebildet: Ruralgemeinde Herpersdorf mit Langenloh, Ruralgemeinde Sachsen mit Milmersdorf, Ruralgemeinde Unterrottmannsdorf mit Weidenmühle, Zandt und Zandtmühle, Ruralgemeinde Volkersdorf mit Rutzendorf und Rutzendorfer Mühle. Von 1862 bis 1879 gehörte Sachsen zum Bezirksamt Heilsbronn, ab 1880 zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt) und zum Rentamt Heilsbronn (1919–1929: Finanzamt Heilsbronn, seit 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Heilsbronn (1879 in Amtsgericht Heilsbronn umbenannt), seit 1956 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1008. 1964 hatte die Gemeinde Sachsen eine Gebietsfläche von 3,226 km². 1979 wurde der Gemeindename von „Sachsen“ nach „Sachsen bei Ansbach“ geändert.

Eingemeindungen Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Bemerkungen Alberndorf 246 01.01.1972 mit Büchenmühle, Hirschbronn, Neukirchen und Steinbach Ratzenwinden 183 01.01.1972 Eingliederung von 126 der 183 Einwohner (mit Steinhof und Oberer sowie Unterer Walkmühle), Umgliederung der anderen Einwohner nach Lichtenau Volkersdorf 472 01.04.1971 mit Rutzendorf und Rutzendorfer Mühle

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2985 auf 3496 um 511 bzw. um 17,1 %.

Besonders hervorzuheben ist die 36-jährige Aufbauphase im Zeitraum der Amtszeit des ersten Bürgermeisters Johann Flier zwischen 1948 und 1984. In dieser Zeit erlebte die Gemeinde ihre Blütephase und wuchs um mehr als das Fünffache der ursprünglichen Dorfgemeinde, die zunächst nur aus dem überschaulichen Ortskern und das angrenzende Örtchen Milmersdorf bestand. Durch die Verschönerung und Erschließung Sachsens nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ausbau des Abwasserkanalnetzes, welches den Einbau von Spülklosetts ermöglichte, wurde Sachsen zu einem modernen Quartier u. a. für Vertriebene und andere Neuansiedler.

Mit der Neuerrichtung des „Haus der Bäuerin“ im Jahr 1952 im Ortskern wurde mit finanzieller Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika eine Dorfmitte geschaffen und günstiger Grunderwerb für Neusiedler möglich, so dass die Siedlung „Am Vorderberg“ erschlossen werden konnte.

Ein weiterer Teil der positiven Entwicklung Sachsens ist auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und geschäftsfreundlichen Infrastruktur mit einer Zentrierung Sachsens als strategisch gut gelegenen Wirtschaftsstandort, wie durch die Einrichtung der ersten Sparkasse in Sachsen, zunächst im Geschäftshaus des Bürgermeisters selbst angebundenDokument: Danksagung Vorstand Vereinigte Sparkassen Stadt und Landkreis Ansbach, 20. Juni 1984 oder durch die Ansiedlung des „EDEKA Zentrallager Nord“ mit Gleisanbindung im Jahr 1960 zurückzuführen. In diesem Zuge wurde die Wohnsiedlung „Nord“ mit Neubau des Wasserturms ins Leben gerufen.

Später, um 1970, wurde das Abwasserkanalsystem mit Stauraum und einem Pumpwerk versehen, so dass ein Anschluss an das Klärwerk in Lichtenau erfolgten konnte, das für den weiteren Ausbau des Ortes, nun durch Erschließung des Baugebiets „Weinberg-Schlossberg“ wichtig war.

Zunächst konnte den aufgeschlossenen Bürgern im Jahr 1972 im Zuge der bayrischen Gebietsreform für ca. 800 Einwohner eine leistungsfähigere Gemeinde geschaffen werden, in dem die Ortsteile Alberndorf, Volkersdorf und Ratzenwinden Anschluss an das mittelfränkische Sachsen fanden, bevor nur ein Jahr später trotz redlicher Bemühungen die Wohnsiedlung Katterbach mit rund 300 Wohnungen der Gemeinde Sachsen entzogen und der Stadt Ansbach zugeführt wurden.

Durch den Neubau der Rusam-Grundschule und dem angrenzenden Kindergarten wurde Sachsen immer attraktiver für Familien, weshalb auch die Entwicklung eines zentralen Sportareals für Vereine und Schule mit viel Eigeninitiative und Einsatz der mittlerweile über 570 Vereinsmitglieder vorangetrieben wurde.

Nach dem Verwaltungszusammenschluss mit dem Markt Lichtenau und einer anschließenden Korrektur der Gebietsreform im Jahr 1980 wuchs Sachsen in den letzten Amtsjahren des ersten Bürgermeisters auf beinah 3.000 Einwohner an und wächst seitdem stetig. Auch die darauffolgenden Amtsinhaber schufen stetig neues Bauland, nebst des Schul- und Sportgeländes, was für junge Familien weiter attraktiv wirkte und zu einer Ausdehnung der Gemeindemitglieder beitrug. Mittlerweile ist die Gemeinde auf ca. 3.626 Gemeindemitglieder (Stand 31. Dezember 2020) gewachsen.

Gemeinde Sachsen Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2015Einwohner 213 268 271 305 302 294 368 351 383 362 375 387 380 370 362 359 373 385 554 569 831 1434 2985 3304 3287 3410HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 40 46 52 68 67 67 69 78 141 805 1040Quelle Für die Gemeinde Sachsen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Milmersdorf (S. 59).

Ort Sachsen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 176 232 260 253 292 346 317 508 754 1264 2224Häuser 34 40 53 60 63 72 126 606Quelle

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Sachsen bei Ansbach hat 17 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters. Jahr SPD CSU UWG Gesamt 2020 2 10 5 17 Sitze 2014 3 7 7 17 Sitze 2008 3 7 7 17 Sitze 2002 3 9 5 17 Sitze

Bürgermeister 1946–1984: Johann "Hans" Flier (CSU) Johann Schuh Immo Weigl Erwin Weinmann 2008–2020: Hilmar Müller (UWG) seit 2020: Bernd Meyer (CSU)

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Sachsen hat eine schwarz-weiß-rote Gemeindeflagge.

Sonstiges Von 2003 bis 2016 war Sachsen b.Ansbach Teil der Kommunalen Allianz LiSa, zu der die politische Gemeinde Lichtenau gehörte. Seit 2016 ist die Gemeinde Teil der Allianz Kernfranken,www.kernfranken.eu die aus dem Zusammenschluss von LiSa und Komm,A (Bruckberg, Dietenhofen, Heilsbronn, Neuendettelsau, Petersaurach und Windsbach) entstand.

Bau- und Bodendenkmäler

Verkehr Die Staatsstraße 2223 verläuft nördlich von Lichtenau und führt zur Anschlussstelle 53 der Bundesautobahn 6 (4,5 km östlich) bzw. an Alberndorf vorbei nach Eyb (4,5 km nordwestlich). Die Kreisstraße AN 12 führt an Volkersdorf vorbei und die St 2223 kreuzend nach Lichtenau (2 km südöstlich) bzw. nach Neukirchen (2,3 km nördlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Rutzendorf (0,5 km südlich), nach Volkersdorf (0,6 km östlich), nach Hirschbronn (1,8 km westlich) und nach Milmersdorf (0,7 km nordöstlich).

Sachsen hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim, die zugleich von der S 4 bedient wird.

Die Handelskette EDEKA betreibt im Ort eines ihrer Zentrallager.

Persönlichkeiten Peter Bauer (* 1949), Politiker (Freie Wähler) und seit 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags. Marcel Eger (* 1983), Fußballspieler Georg Rusam (1867–1946), Pfarrer Georg Volkert (1945–2020), Fußballspieler, Nationalspieler

Literatur Monographien

Artikel und Aufsätze

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ersterwähnung 1303 Kategorie:Ort an der Fränkischen Rezat Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach