mini|hochkant=1.5|St-Bénigne (Dijon), WestwerkDie römisch-katholische Kathedrale von Dijon ist ein burgundischer Kirchenbau der Gotik. Der Bau dient seit 1792 als Kathedrale, er entstand als Abteikirche des Klosters Saint-Bénigne. Im Mittelalter gehörte Dijon zur Diözese Langres. Seit der Etablierung des Bistums Dijon 1731 diente die Kirche Saint-Etienne, welche heute profaniert ist und ein Kunstmuseum birgt, als Kathedrale. Danach übernahm die gotische ehemalige Abteikirche Saint-Bénigne die Aufgabe als Kathedrale von Dijon und damit den Bischofssitz der Stadt. Sie liegt westlich des Stadtkerns.
Der romanische Vorgängerbau der gotischen Kirche Saint-Bénigne, der heute bis auf einige Reste zerstört ist, zählte zu den größten und ungewöhnlichsten Kirchen des christlichen Abendlandes und barg das heute leere Grab ihres Kirchenpatrons des heiligen Benignus ().Tomann, Laule, Bednarz. Er bestand im Westen aus einer großen fünfschiffigen und siebenjochigen Basilika mit Tribünen, einem weit ausladenden Querhaus und einem aus Säulen gebildeten halbrunden Chor mit zwei gestaffelten Apsiden zu beiden Seiten. Dem Westwerk war ein geräumiges Eingangsatrium vorgelagert. Er existierte etwa 280 Jahre, zwischen 1001 und 1280.
Im Osten des Chors schloss sich eine weite dreischiffige und dreigeschossige Rotunde (auch Zentralbau, frz. Rotonde) an, die im Osten durch einen rechteckigen Kapellenanbau abgeschlossen wurde. Das unterirdische Geschoss der Rotunde, die Krypta, ist in beachtlichen Teilen heute noch erhalten. Die Krypta erstreckte sich ursprünglich noch weit unter die Basilika, im Bereich des Mittelschiffs etwa bis zum vierten Joch. Die Rotunde wurde bis zu ihrem Abbruch etwa 760 Jahre alt, die erhaltenen Reste der Krypta sind es heute etwa 980 Jahre.
Der Verlust dieser Kirche ist ebenso beklagenswert wie jene der Klosterkirche von Flavigny und der drei aufeinander folgenden von Cluny.
Dennoch kann man in den erhaltenen originalen Resten der Krypta, zusammen mit den Gewölberekonstruktionen, eine ungefähre Vorstellung von Größe und Würde des Vorgängerbauwerks gewinnen. Von den weitläufigen Klosteranlagen hat sich nur der Ostflügel des Kreuzgangs mit dem auf schweren Bruchsteinpfeilern gewölbten Kapitelsaal und dem eleganten rippengewölbten Dormitorium erhalten. Geschichte
Patrozinium mini|hochkant=0.7|Buchmalerei: Benignus als Initiale seiner Passionsgeschichte, 1. Viertel 12. Jh. Der heilige Benignus gilt als „Apostel Burgunds.“ Er stammte nach der Legende aus Kleinasien und war ein Schüler des Bischofs Polykarp von Smyrna und wurde von ihm als Missionar nach Gallien gesandt. Nach seinem apostolischen Wirken in Autun, Langres und zuletzt in Dijon wurde er dort gefangen gesetzt, gemartert und zuletzt mit einer Lanze durchbohrt. Dies geschah unter Kaiser Marc Aurel (161–180), oder im Jahr 150 oder 169 (je nach Quellen). Über seinem Grab wurde später eine Kirche, ein Vorgängerbau der heutigen, errichtet. Schon im 6. Jahrhundert begann man diesen Heiligen auf einem weitläufigen, zum galloromanischen Dijon gehörenden Friedhof zu verehren. In der Krypta der heutigen Kirche ist ein stark beschädigter leerer Steinsarg erhalten, der nach der Überlieferung als Sarkophag des Märtyrers gilt. Die Gebeine sind vermutlich während der Revolution verschwunden. Der heilige Benignus ist Patron von Piemont und Dijon.
Abgebildet wird Benignus in priesterlichem Gewand, mit einem Schlüssel und mit Hunden an seiner Seite. Die Herkunft des Schlüssels ist nicht belegt. Die Hunde gehen auf eine Überlieferung zurück, nach der ausgehungerte Kampfhunde auf den Gefangenen gehetzt wurden, die vergeblich versuchten, ihn zu zerfleischen.
Ende 5. bis Anfang 11. Jahrhundert Eine erste GroßbasilikaTomann Köln 2000, S. 42. wurde Ende des 5. und zu Beginn des 6. Jahrhunderts errichtet und 525 oder 535 geweiht. Diese Basilika war Ausgangspunkt für das Kloster Saint Bénigne. 670 übernahmen die Mönche die Regeln des hl. Benedikt, das Kloster wurde Benediktinerabtei.
Ab 870 wurde die Kirche vergrößert und teilweise erneuert. Weder über das erste Bauwerk noch über diese Erweiterung verraten die bekannten Quellen nähere Angaben über das Erscheinungsbild der Kirche, die über die Angaben „groß“ und „Basilika“ hinausgehen. Nach weiteren 130 Jahren, um das Jahr 1000, war das bis zu 460 Jahre alte Gebäude von stärkerem Zerfall bedroht.
Um die Jahrtausendwende fing man nahezu überall an, die Kirchen neu zu errichten, obwohl die Vorgängerbauten durchaus noch funktionstüchtig waren. Und jedes Bauvorhaben versuchte, die Konkurrenz der näheren und weiteren Umgebung zu überbieten.
Im Allgemeinen wird in der Kunstgeschichte der Beginn der Romanik mit dem Jahr 1000 angesetzt. In den nächsten anderthalb Jahrhunderten entstanden dann die monumentalen Kirchen, die den Ruhm der romanischen Kunst ausmachen. Burgund spielt in diesem „Bauboom“ eine herausragende Rolle aufgrund seiner besonderen Lage und seiner dynastischen Beziehungen.
990 wurde Wilhelm von Volpiano (962–1031) aus Cluny zum Priester geweiht und zum Abt von Saint-Bénigne bestellt. Die rastlose Reform- und Bautätigkeit wie die wenige Jahre vorher fertiggestellte Kirche Cluny II des Mutterklosters im Blick, machte Wilhelm die Abtei Saint-Bénigne zum Zentrum einer eigenen Reformgruppe von etwa 60 Klöstern.
Anfang bis Mitte 11. Jahrhundert Neubau der Abteikirche Saint-BénigneTomann, Laute, Bednarz. Köln 2000, S. 42. mini|hochkant=1.8|links|Abteikirche St-Bénigne (Dijon), Rekonstruktion, Grundriss, Handskizze Abmessungen (zirka, ohne Wandvorlagen, aus Plänen entnommen)
Länge über alles, inkl. Eingangsatrium und Portalvorbau: 114,00 m Länge Basilika´+ Rotunde + Ostanbau: 89,00 m Länge Basilika: 53,0 m Langhausbreite Basilika, außen: 25,00 m Durchmesser Rotunde, außen: 23,50 m, innen: 18,90 m Höhe Kuppelscheitel Rotunde, über Boden der Krypta:18,00 m
Im Jahr 1001 begann der Abt, Klosterreformer und Architekt, mit einem umfassenden Neubau. Dabei rezipierte er nicht etwa, wie man vielleicht erwarten könnte, Cluny II, sondern wählte den Bautyp der großen fünfschiffigen Querhausbasilika mit gestaffeltem Ostchor, in Kombination mit einer im Osten unmittelbar anschließenden dreigeschossigen Rotunde, die in Frankreich keinen Vorgänger kannte.
Die Basilika bestand aus einem siebenjochigen Langhaus mit dreigeschossigem Aufriss, aus Seitenschiffen, echten Tribünen mit Halbtonnenwölbung, Obergadendurchfensterung und einem tiefen Ostquerhaus mit gestaffelten Querhauskapellen zu beiden Seiten eines aus Säulen gebildeten halbrunden Chors.
Eine Wölbung des Mittel- und Querschiffs wird bei den gegebenen Abmessungen kaum je beabsichtigt gewesen sein. Das ist umso erstaunlicher, als sich in Burgund seit etwa 1000 jeder sakrale Großbau um eine steinerne Wölbung bemühte.
Das Langhaus war nach dem vierten Joch durch eine Krypta unterkellert, zunächst nur in Breite des Mittelschiffs, die ab dem Querhaus in die gesamte Langhausbreite überging und den Grundriss des Erdgeschosses aufwies. Der östliche Teil des Mittelschiffs, der wegen der Krypta hoch über den Seitenschiffen lag und von Westen nicht zugänglich war, blieb vermutlich den Mönchen vorbehalten.
Dem Westwerk vorgelagert war ein erdgeschossiges quadratisches Eingangsatrium in Art eines Kreuzgangs, mit einem zentralen Haupteingang und zwei Seiteneingängen. Der Haupteingang wurde umschlossen durch einen offenen Portalvorbau. Der Außenbau besaß offenbar ein Turmpaar im Westen, ein zweites vermutet man an der Westseite des großen Querhauses.
Die Basilika wurde im Jahr 1016 eingeweiht und 1018 fertiggestellt.
Im Osten, jenseits der Chorapsis, ging das Bauwerk der Basilika in das der Rotunde über, die im Grundriss einer überdimensional großen Chorapsis glich. Der Anschluss wurde von einem kurzen dreigeschossigen Trakt übernommen, dessen Breite dem des Langhauses, abzüglich derjenigen den beiden äußeren Seitenschiffen entsprach. Dessen südliche und nördliche Wände gingen in jedem Geschoss in die Außenwände über, die die Rotunde halbkreisförmig umschlossen. Die innenseitig auf den Außenwänden halbkreisförmig aufgereihten Blendarkaden setzten sich im weiteren Verlauf des kreisrunden Umrisses in offenen Arkaturen fort, aus insgesamt 24 Arkaden und Säulen. Die Durchlässe zwischen Basilika und Rotunde waren in den Geschossen deutlich breiter als in der Krypta und erstreckten sich fast über den ganzen Halbkreis. Der mittlere Arkadenkranz, der die beiden etwa gleich breiten Umgänge in den beiden unteren Geschossen trennte, bestand aus 16 Arkaden und Säulen. Im oberen Geschoss gab es nur einen Umgang, der doppelt so breit war wie die unteren. Die Gewölbe in den beiden unteren Geschossen waren vermutlich eine Mischung aus ringförmigen Tonnengewölben und Kreuzgratgewölben, das des obersten Geschosses eine viertelkreisförmige Tonne. Die innere Galerie umstand den über alle Geschosse durchgehenden zentralen Schacht mit jeweils acht Arkaden und Säulen. Am oberen Ende des Schachtes gab es noch eine vierte aber niedrigere Galerie, die ein weiteres Geschoss vortäuschte. Sie öffnete sich aber in den oberen Bereich des halben Tonnengewölbes des dritten Geschosses. Über dem Scheitel dieses Gewölbes ragte eine kreisrunde Kuppel auf mit halbkugelförmiger Kalotte. In ihrem Scheitel öffnete sich ein kreisrundes Opaion, das möglicherweise noch von einer Laterne witterungsgeschützt abgedeckt war.
Im Norden und Süden war dieser Rotunde je ein runder Treppenturm angefügt, dessen Außenwände auf dreiviertelkreisförmigem Grundriss aus den Wänden der Rotunde hervortraten. Die Treppen verbanden alle drei Geschosse untereinander.
Im Osten wurde ein dreigeschossiger Anbau auf einem langgestreckten rechteckigen Grundriss angefügt, der in jedem Geschoss kapellenartige Räume barg.
Das Gesamtgebäude war im Jahr 1031 fertiggestellt.
Abteikirche Saint-Bénigne, ihre Vorbilder und Nachfolger mini|hochkant=1.3|Pantheon Rom, Grafik Ende 19. Jahrhundert Die romanische Abteikirche Saint-Bénigne, aus einer großen Basilika mit einer Chorerweiterung durch einen Zentralbau, hatte im westlichen Europa keine Vorbilder.
Manche Kunsthistoriker, so auch Wilhelm SchlinkWilhelm Schlink: Saint-Bénigne in Dijon : Untersuchungen zur Abteikirche Wilhelms von Volpiano. Mann, Berlin 1978. sehen das Pantheon in Rom (erbaut 118 – 125 n. Chr.), ab 609 katholische Kirche „Santa Maria ad Martyres“, ein mögliches Vorbild für Saint-Bénigne, was kürzlich von der Amerikanerin Carolyn Marino Malone bestätigt worden ist.vgl. engl. Zusammenfassung ihres Buches,
Andere sehen eher in der ursprünglich byzantinischen Grabeskirche von Jerusalem ein mögliches Vorbild für Dijon. Bis um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts war das eher eine umstrittene These, weil man bis dahin nur die heute erhaltene Grabeskirche kannte, die zwischen 1009 und 1170 wieder errichtet worden war, mit der aber Saint-Bénigne nur geringe Ähnlichkeiten aufwies. In den 1960er Jahren erforschten Wissenschaftler das Gelände und den Untergrund der Ursprungsgrabeskirche (335 eingeweiht und 1009 zerstört), aus deren Ergebnissen eine Rekonstruktion erarbeitet werden konnte, die in einer Grundrisszeichnung von Virgilio Corbo festgehalten wurden (siehe Skizze). mini|hochkant=1.5|links|Rekonstruktion Grabeskirche nach V. Corbo, Grundriss
Abmessungen (zirka, ohne Wandvorlagen, aus Plänen entnommen)
Länge über alles, inkl. Eingangsatrium: 137,00 m Länge Basilika: 57,00 m Breite Basilika, außen: 37,00 m Außendurchmesser Rotunde: 35,00 m
Die Ursprungsbauten der Grabeskirche wurden Anfang des 4. Jahrhunderts über den damals vermuteten Stätten der Kreuzigung (Felsen von Golgatha) und des Grabes Christi errichtet, die unter einem römischen Tempel aus dem 2. Jahrhundert nach Christus aufgefunden worden sind. Die 335 eingeweihte Grabeskirche wurde in allen Einzelheiten von Eusebius von Caesarea, einem zeitgenössischen Historiker und Biographen, beschrieben.