Norbert Gugerbauer (* 11. Februar 1950 in Schwanenstadt) ist ein österreichischer Jurist und früherer Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).
Er war von 1983 bis 1993 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat und von 1989 bis 1992 Obmann des FPÖ-Parlamentsklubs.
Jugend Norbert Gugerbauer besuchte das Bundesrealgymnasium Vöcklabruck, wurde in der Oberstufe Chefredakteur der vom „UN-Europa-Club Vöcklabruck“ herausgegebenen Schülerzeitung „Europaforum“ und Landesobmann-Stellvertreter des „Bundes Europäischer Jugend“ Oberösterreichsparlament.gv.at (Landesobmann des BEJ OÖ war Christoph LeitlLeitl, Ich und Europa, Salzburg 2024, 30). 1969 gewann Gugerbauer gegen starke Konkurrenz (etwa Jörg Haider) zunächst auf Landesebene, dann auch auf Bundesebene (etwa gegen den späteren Vorstandsvorsitzenden der Umdasch AG, Reinhold Süßenbacher) den von der Jugendsektion der Österreichischen Liga für die Vereinten Nationen ausgeschriebenen Redewettbewerb. Das Thema seiner Rede: „Europa – Realität oder Illusion?“Der Soldat, Nr. 11, 8. Juni 1969, 3. Nach Matura und Wehrdienst (als Einjährig-Freiwilliger) studierte Gugerbauer an der Universität Wien Rechtswissenschaft, Geschichte und Philosophie. Im ersten Studienabschnitt wurde er von den Hörerinnen und Hörern der Juridischen Fakultät als einer der beiden studentischen Vertreter in die drittelparitätisch (Professoren / Mittelbau / Studenten) besetzte Studienkommission gewähltDer Ring, Wien, Nr. 3 / 1971, 2. 1972 wurde Gugerbauer Vorsitzender des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) Wien und RFS-Fraktionsobmann im Zentralausschuss der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), 1973 wurde er Stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen HochschülerschaftTangente, Wien, Heft 33/33, Dezember 1977, IX. Mit Norbert Gugerbauer als SpitzenkandidatDer Ring, Wien, Nr. 1/1974, 4 erreichte der RFS 1974 bei der Wahl des österreichischen Studentenparlaments 20,89 Prozent der Stimmen und stellte nach der ÖVP-nahen ÖSU die zweitstärkste Fraktion im Zentralausschuss der ÖHKurier, Wien, 19. Januar 1974, 4 (zum Vergleich: bei den Nationalratswahlen 1975 kam die FPÖ auf 5,41 Prozent der StimmenBMI, Die Nationalratswahl vom 5. Oktober 1975, Wien 1975, 41 ff.). Als Mitglied der Akademischen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien focht Gugerbauer eine seiner Mensuren gegen Jörg Haider (Akademische Burschenschaft Silvania Wien).Serge Pascal Morcevic: Haiders Freunde – Buberl-Partie oder Brain-Trust? In: Rolf-Josef Eibicht (Hrsg.): Jörg Haider – Patriot im Zwielicht? DS-Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-9805844-1-0, S. 196. 1974/75 gehörte er der dreiköpfigen Vorsitzmannschaft der Deutschen Burschenschaft an.Aus dem burschenschaftlichen Leben. Die Sprecher der Deutschen Burschenschaft im Geschäftsjahr 1974/5 der Vorsitzenden Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien. In: Burschenschaftliche Blätter, 89. Jg. (1974), H. 6, 166 ff. 1975, im Rahmen des Festaktes im Hambacher Schloss anlässlich der vor 160 Jahren erfolgten Gründung der Burschenschaft, hielt Gugerbauer neben dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Gemeinschaft (EGGroße-Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon, Bonn 2020) Fritz Hellwig (Burschenschaft Rheinfranken Marburg) eine AnspracheFeierstunde auf dem Hambacher Schloß, in: Burschenschaftliche Blätter, 90. Jg., H 4, Juni 1975, 96 f.. Er forderte eine zeitgemäße Rückbesinnung auf das Erbe des Hambacher Festes 1832. 1977 wurde Gugerbauer an der Universität Wien zum Dr. jur. promoviert.
Berufliche Laufbahn Gugerbauer war ab 1981 selbstständiger Rechtsanwalt in Schwanenstadt, verlegte den Sitz seiner Rechtsanwaltskanzlei 1995 nach Wien, wurde aber auch Mitglied der belgischen Rechtsanwaltskammer (Ordre des Avocats du Barreau de Bruxelles) und eröffnete in Brüssel eine zweite Rechtsanwaltskanzlei. Er vertrat Unternehmen in Kartellrechtssachen vor der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission in Brüssel und dem Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg. Er erhielt Lehraufträge der Fachhochschule Management Center Innsbruck, der Universität Wien (Institut für Recht der Wirtschaft) und der Schweizer Universität St. Gallen und ist seit 2006 Honorar-Professor für Wettbewerbsrecht am Institut für Unternehmensrecht der Universität Linz. Im Februar 2018 wurde er zum Mitglied im Aufsichtsrat der ÖBB-Holding AGorf.at: ÖBB-Aufsichtsrat neu konstituiert. Artikel vom 28. Februar 2018, abgerufen am 28. Februar 2018, bestellt, jenes österreichischen Unternehmens, das damals mit den meisten Kartellrechtsverfahren konfrontiert war. Nach seinem Schlaganfall legte er sein Mandat mit 19. März 2018 wieder zurück.ÖBB-Holding mit neuem Kontrollor. trend, Ausgabe 13/2018, Seite 9.
Politische Karriere Seine politische Karriere begann Gugerbauer 1979 (bis 1986) als Mitglied des Gemeinderates und des Stadtrates von Schwanenstadt. 1983 folgte seine Wahl zum Abgeordneten zum Nationalrat. Der junge Abgeordnete, Reserveoffizier des Österreichischen Bundesheeres (Hauptmann d. Res.), wurde gleich zum Obmann des parlamentarischen Ausschusses für Landesverteidigung gewähltparlament.gv.at. Gugerbauer unterstützte die Bildung einer rot-blauen Koalitionsregierung mit Norbert Steger als Vizekanzler und wirkte als Mitglied des ProgrammausschussesSteirische Nachrichten, 1.3.1984, 8 an der Ausarbeitung des 1985 vom Freiheitlichen Bundesparteitag beschlossenen neuen Parteiprogramms („Freiheit gilt uns als der höchste Wert“Programm der Freiheitlichen Partei Österreichs, FBW Informationen, Wien, Folge 4/85) mit. In einzelnen Fragen ging er aber einen eigenständigen Weg. Etwa beim sogenannten „Privilegienabbau“ (er stimmte am 29. November 1983 als einziger von 183 Abgeordneten gegen eine Scheinreform, der ebenfalls kritisch eingestellte sozialdemokratische Jungpolitiker Josef Cap hatte den Sitzungssaal vor der Abstimmung verlassen)Sten. Protokoll Nationalrat, XVI. GP, 21. Sitzung, 29.11.1983, 1741, 1733. Oder im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung gestützten Bau von zwei großen Speicherkraftwerken mit rund 100 m hohen Staumauern im Reichraminger Hintergebirge: Er verteidigte als Rechtsanwalt „pro bono“, also unentgeltlich, wegen „Besitzstörung“ angeklagte junge Umweltschützer vor GerichtOtto Harant / Wolfgang Heitzmann, Reichraminger Hintergebirge, 3. Aufl., Steyr 1987, 172 f. und brachte im Nationalrat den Antrag ein, statt des Kraftwerks einen Nationalpark Kalkalpen zu schaffenII-8677 der Beilagen zu den Sten. Protokollen des Nationalrates, XVII. GP. 1986 gründete Gugerbauer den Verein „Mitteleuropa-Institut“, der unter Mitwirkung einiger Wissenschaftler der Universität Wien und in Kooperation mit der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (Österreichische Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) Studien über die kulturelle, politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit in Mitteleuropa fördern sollteSicherheitsdirektion für Wien, Bescheid vom 8.8.1986, Zl.: I-SD/1160 BVP/86.
Die Bundesregierung war allerdings unpopulär, bei den Landtagswahlen wirkte sich ein negativer Bundestrend aus. Beide Regierungsparteien, SPÖ und FPÖ, mussten bei den Wahlen vom Oktober 1983 in NiederösterreichArbeiter-Zeitung, 17.10.1983, 1, vom März 1984 in SalzburgBMI, Wahlstatistik, Die Wahlen in den Bundesländern seit 1945, 8. Aufl., 98, vom Juni 1984 in TirolBMI, Wahlstatistik, Die Wahlen in den Bundesländern seit 1945, 8. Aufl., vom Oktober 1984 in VorarlbergBMI, Wahlstatistik, Die Wahlen in den Bundesländern seit 1945, 8. Aufl., 108 f. und vom Oktober 1985 in OberösterreichOberösterreichische Nachrichten, 7.10.1985, 1 empfindliche Verluste verzeichnen. Einzig bei den Kärntner Landtagswahlen gab es eine Ausnahme: Jörg Haider, Landesparteisekretär der FPÖ Kärntens, war 1983 an Stelle des als Staatssekretär nach Wien berufenen Mario Ferrari-Brunnenfeld Mitglied der Kärntner Landesregierung geworden und konnte 1984 bei den Kärntner Landtagswahlen als freiheitlicher Spitzenkandidat einen Zugewinn verbuchenKleine Zeitung, 1.10.1984, 1. Meinungsumfragen deuteten darauf hin, dass die FPÖ, die bei den Nationalratswahlen 1983 4,98 Prozent der Stimmen erreicht hatte, bei den nächsten Wahlen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr schaffen würdeprofil, 2.6.1986, 19.
Nachdem die SPÖ im Juni 1986 Bundeskanzler Fred Sinowatz durch Franz Vranitzky abgelöst hatte, sorgte im September Norbert Gugerbauer „mit souveräner Strategie und Redekunst“Der Standard, 30.11./1.12.2002, 40 auch in der FPÖ für eine Wende. Er stellte im Rahmen des Freiheitlichen Bundesparteitages am Schluss „einer dialektischen, brillanten Rede“Wochenpresse, 16.9.1986, 17 den Antrag, dass Steger Vizekanzler bleiben, aber der Kärntner Landesparteiobmann Haider neuer Parteivorsitzender werden solle. Der Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen. Gugerbauer ließ sich vom Bundesparteivorstand in die Pflicht nehmen, wurde als ehrenamtlicher Generalsekretär tätig. Der Ring Freiheitlicher Jugend Wien erklärte im Freiheitlichen Pressedienst, „die liberale Komponente“ innerhalb der Freiheitlichen Partei sei weiterhin gesichert, denn der neue Generalsekretär habe insbesondere durch seine langjährige kritische Haltung zum Apartheidregime in Südafrika und durch seine Haltung in Menschenrechtsfragen bewiesen, dass er „eine gefestigte ideologische Position auf der Grundlage eines humanen Liberalismus vertrete“Freiheitlicher Pressedienst, 33. Jahrgang, Folge 623, 15.9.1986. Doch Franz Vranitzky löste die Koalition auf, es kam zu Neuwahlen.
Gugerbauer, „ein Polit-Stratege der Extraklasse“Basta, Juni 1990, 53 organisierte als Generalsekretär den Nationalratswahlkampf der FPÖ. Er ließ die im Frühjahr 1986 in Oberösterreich für ihn entwickelte Werbelinie „Ein Politiker der neuen Art“Freiheitlicher Gemeindekurier, 15. Jahrgang, Folge-Nr. 350 auf die Person des neuen Bundesparteiobmanns zuschneiden. Der Bundestrend konnte umgedreht werden, die Freiheitlichen gewannen 4,75 Prozent dazuBMI, Die Nationalratswahl vom 23.11.1986, Wien 1987. Im Frühjahr 1988 studierte Gugerbauer im Rahmen des International Visitor Programms der US-amerikanischen Administration neue Werbekampagnen im Vorwahlkampf zu den US-PräsidentschaftswahlenDie Presse, 4.5.1988, 4. Bei seiner Rückkehr nach Österreich wurde er damit konfrontiert, dass nach dem Streit um den bekannten Rechtsextremisten Robert Dürrderstandard.at (Haider hatte sich dafür eingesetzt, dass Dürr bei den burgenländischen Landtagswahlen vom Oktober 1987 freiheitlicher Spitzenkandidat werdeDie Presse, 24./25.10.1987, 4, Gugerbauer hatte dagegen gehalten: „Solange ich Generalsekretär bin, hat ein Dürr als Mandatar innerhalb der FPÖ nichts verloren“profil, 28.3.1988, 31) der Führer der rechtsextremen NDP, Dr. Burger, nach einem vertraulichen Treffen mit Haider – unwidersprochen – erklärt hatte „Man ist in der FPÖ kein Außenseiter mehr, wenn man sich zu den Grundsätzen der NDP bekennt“Basta, April 1988, 30. Diese Entwicklung wollte Gugerbauer nicht mitverantwortenDie Presse, 27.5.1988, 1, am 21. Mai 1988 erklärte er seinen Rücktritt als Generalsekretär: „Ich habe es satt!“profil, 30.5.1988, 21. Im Juni 1988 wurde der NDP vom Verfassungsgerichtshof auf Basis von Artikel 9 des Österreichischen Staatsvertrages (Auflösung nazistischer Organisationen) die Rechtspersönlichkeit als politische Partei aberkanntVfGH, 25.6.1988, B 999/87.