mini|hochkant=1.2|Das Logis Royal des Schlosses Loches mini|hochkant=1.2|Der Donjonkomplex: im Vordergrund der Donjon mit Treppenturm, rechts der Vorbau und Turm Ludwigs XI. mini|hochkant=1.2|Stiftskirche Saint-Ours

Das Schloss Loches ist ein Schloss auf einem Felsplateau am linken Ufer der Indre oberhalb der französischen Stadt Loches. Die aus drei Gebäudekomplexen bestehende Anlage, darunter einer der ältesten Donjons Frankreichs, zählt zu den besterhaltenen europäischen Architekturensembles des Mittelalters. Schon 1840 wurde die zum Schloss gehörende Stiftskirche als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt, 1862 folgte der Donjon., Zugriff am 26. Januar. Das Eingangstor zum Schlossareal wurde im Juni 1886 in die Denkmalliste aufgenommen, während das Logis Royal erst 1889 zum Denkmal erklärt wurde.

Obwohl sich das Schloss nicht direkt im Loiretal befindet, wird es trotzdem zu den Schlössern der Loire gezählt.

Gebäude mini|hochkant|Schematischer Grundriss der Schlossanlage Die Schlossanlage ist von einer fast zwei Kilometer langen Ringmauer umgeben. Am nördlichen Ende des Areals steht das sogenannte Logis Royal, während sich im Süden der Donjonkomplex mit seinen zahlreichen Anbauten befindet. An der östlichen Seite, etwa in der Mitte der nördlichen Hälfte, steht zwischen Logis Royal und Donjon die Stiftskirche Saint-Ours. Das so genannte Königstor (französisch: Porte Royale) aus dem 15. Jahrhundert bildet den einzigen Zugang zur Anlage. Es handelt sich dabei um einen geschlossenen Baukörper, der von zwei Rundtürmen aus dem 13. Jahrhundert eingeschlossen ist und rundum Maschikulis besitzt. Es wird heute als Heimatmuseum genutzt.

Donjonkomplex Der Gebäudekomplex am südlichen Ende des Felsplateaus besteht aus vier Bauten aus unterschiedlichen Epochen. Sein gut erhaltener Bauzustand ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er noch bis 1926 als Gefängnis diente.

Donjon Der gut erhaltene Donjon ist der älteste Bau der gesamten Schlossanlage. Der 25 mal 15 MeterDirection du Tourisme du Département d’Indre-et-Loire: Das Königsschloss von Loches. Saep Édition, Ingersheim 1982, Seite 16. messende viereckige Turm wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts aus Steinquadern ohne Bossen errichtet und an seiner Außenseite rundum mit romanischen Blendsäulen dekoriert. Unterirdische Schächte, die das gesamte Felsplateau durchziehen, bezeugen, dass sein Baumaterial direkt am zukünftigen Standort gewonnen wurde.

In seinen massiven Außenwänden, die an der Basis eine Mauerstärke bis zu 3,50 Meter aufweisen, liegen Kamine, Treppen und Gänge. Einige dieser Gänge enden blind und sollten mögliche Angreifer in die Irre führen. Waren sie erst einmal in einen solchen Blindgang gelaufen, konnten sie auf ihrer zwangsweisen Rückkehr leicht gestellt werden. Durch die begrenzte Breite des Ganges standen sie dem Verteidiger allein gegenüber, ganz gleich um wie viele Angreifer es sich insgesamt handelte. mini|Luftbild des Donjonkomplexes Der Turm besitzt eine Höhe von 36 Metern,Angabe gemäß einer Informationstafel am Donjon. die sich in fünf Geschosse unterteilte. Lediglich die unteren vier Etagen besaßen Decken, die jedoch heute nicht mehr erhalten sind. Einige davon lagen in einer Höhe von 7,5 Metern. Das Erdgeschoss, dessen Decke früher durch ein Gewölbe gebildet wurde, diente vermutlich als Proviantlager und war durch eine Wand in der Länge geteilt. Hier befindet sich noch immer ein Brunnenschacht aus der Anfangszeit der Anlage. Das zweite bis vierte Geschoss diente zu Wohnzwecken, worauf die Ausstattung mit Kaminen hindeutet. Auf Höhe des Treppenturmdaches befinden sich mehrere Balkenlöcher in der Außenwand. Bodo Ebhardt interpretiert diese als einen Hinweis auf einen früher vorhandenen Wehrgang.B. Ebhardt: Der Wehrbau Europas im Mittelalter, Seite 261.

Der einzige Eingang des Donjons liegt in einer Höhe von drei Metern und ist über einen niedrigeren, vier Geschosse umfassenden Tor- und Treppenturm erreichbar, der dem Donjon an seiner nördlichen Längsseite vorgebaut ist. Er ist über einen ebenerdigen Eingang an seiner Westseite zugänglich. Genauso wie dem Donjon fehlen ihm die Decken. Aus dem Erdgeschoss mit drei Schießscharten in der Nordwand führt eine steinerne Treppe mit 49 Stufen hinauf zum Donjoneingang. Das Geschoss über dem Treppenhaus wurde von einem Raum eingenommen, dessen Kaminansatz und Rundbogenfenster heute noch erhalten sind. Er diente als Vorhalle zum Rittersaal, der auf gleicher Höhe im Donjon lag. Im dritten Geschoss ist noch eine halbrunde Altarnische zu sehen, denn dort befand sich ehemals die Burgkapelle.

Turm Ludwigs XI. mini|hochkant|Einziger Zugang zur Schlossanlage: das Königstor Der Donjon wird westlich von dem halbrunden, 25 MeterJean-Jacques Deshayes: Loches. Saep Édition, Ingersheim 1986, Seite 11. hohen Turm Ludwigs XI. (französisch: Tour Louis XI.) aus der Zeit der Renaissance flankiert. Dieser wird auch Neuer Turm (französisch: Tour Neuve) genannt und wurde als Gefängnisturm errichtet. Seine vier oberirdischen Geschosse beherbergen jeweils einen einzigen, großen Raum. Ausgestattet mit Zinnen und Maschikulis, war sein terrassenartiges Dach dafür konzipiert, als Standort für Kanonen zu dienen.

In einem Kellerverlies des Turms ist die Rekonstruktion eines Gefangenenkäfigs ausgestellt, dessen Original von dem Geschichtsschreiber Philippe de Commynes im Auftrag des französischen Königs Ludwig XI. konstruiert wurde.B. Ebhardt: Der Wehrbau Europas im Mittelalter, Seite 257. Bei solchen sogenannten filettes handelte es sich um Käfige aus Holz und Eisen, die nur 1,75 Meter lang und 1,5 Meter hoch waren und in etwa zwei Meter Höhe unter der Decke aufgehängt wurden. Möglicherweise wurde Philippe de Commynes selbst in seiner eigenen Erfindung gefangen gehalten, zumindest schmachtete er einige Jahre im Turm Ludwigs XI., nachdem er sich gegen die Regentschaft Anne de Beaujeus aufgelehnt hatte. Unter Historikern ist jedoch umstritten, ob die filettes tatsächlich zur dauerhaften Unterbringung von Gefangenen oder lediglich zu ihrem Transport dienten.Werner Rau: Mobil reisen. Loiretal. 1. Auflage. Rau Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-926145-27-7, Seite 96. Die letzte authentische filette wurde während der Französischen Revolution zerstört, sodass heute nur eine Nachbildung besichtigt werden kann.

Martelet-Turm Im Südwesten des Donjonkomplexes steht ein polygonaler Turm, der Martelet genannt wird. Möglicherweise erhielt er seinen Namen nach Gottfried Martel. Wie der Turm Ludwigs XI. diente auch er als Gefängnis. Mit 20 Metern Höhe besitzt er drei oberirdische Geschosse. Unterirdisch verteilen sich zahlreiche in den Fels gehauene Verliese über mehrere Etagen. Bekanntester Gefangener war der mailändische Herzog Ludovico Sforza, der seine Zelle während seines achtjährigen Aufenthaltes mit zahlreichen Fresken und Inschriften verzierte. Noch heute ist ein Teil dieser Malereien an der Westwand seiner Zelle erhalten. Seine berühmte Inschrift „Celui qui net pas contan(t)“ (deutsch: Derjenige, der nicht zufrieden ist) ist jedoch seit den 1980er Jahren nicht mehr erhalten, da der Putz an dieser Stelle der Wand abbröckelte. Weitere bekannte Insassen des Martelet waren Jean de Poitiers, Vater Diane de Poitiers’, und der Kardinal Jean de La Balue.

Gouverneurshaus Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Gouverneurshaus schließt sich dem Turm Ludwigs XI. an dessen südlichem Ende an. Der große Saal des Hauses wird heute für Ausstellungen genutzt.

Logis Royal mini|Schematischer Grundriss des Logis Royal mini|Das Logis Royal, Blick von Südwesten Das Logis Royal (deutsch: Königliches Logis) besteht aus einem Hauptgebäude mit zwei Flügeln aus unterschiedlichen Epochen und dem Turm der Agnès Sorel (französisch: Tour Agnès Sorel). Den ältesten Teil bildet sein Südflügel, das so genannte Alte Logis (französisch: Vieux Logis), dem sich nördlich das Neue Logis (französisch: Nouveau Logis) aus dem 16. Jahrhundert anschließt. Der Turm der Agnès Sorel bildet den südöstlichen Eckpunkt des Gebäudes und ist über einen niedrigen Verbindungstrakt mit dem Alten Logis verbunden.

Äußeres An der heutigen äußeren Gestalt des Wohnhauses lassen sich die zwei verschiedenen Bauphasen des Gebäudes ablesen, die besonders gut von der östlich gelegenen Terrasse sichtbar sind. Die Fassade des dreigeschossigen Alten Logis ist durch einen militärisch strengen Stil geprägt und weist Bestandteile von Befestigungsanlagen wie Zinnen und Schießscharten auf. Sein Dachgeschoss ist an den Ecken von vier Rundtürmen umgeben und besitzt einen südlichen Treppengiebel.

mini|links|Hundestatuen weisen auf die Funktion als Jagdschloss hin Die zum Portal hinaufführende Treppe wird von steinernen Hundeskulpturen gesäumt, welche die Funktion der Anlage als Jagdschloss unter Karl VIII. und Ludwig XII. verdeutlichen. Über dem Eingang befindet sich das Wappen des französischen Königshauses mit den drei Lilien.

Das ebenfalls dreigeschossige Neue Logis bildet den nördlichen Teil des Wohnhauses. Seine Fassade weist durch einen Fries unter der Traufe Merkmale des Flamboyants auf. Sein Dachgeschoss besitzt ein leicht abgeknicktes Steildach mit drei Lukarnen auf der östlichen Seite, die reich verzierte Giebel aufweisen. Architektonisch etwas vom übrigen Teil des Neuen Logis abgehoben, diesem jedoch zugehörig, ist die Privatkapelle Anne de Bretagnes, die das nördliche Ende des Wohnhauses bildet.

Über eine niedrige, dicke Mauer ist das Alte Logis mit dem runden Turm der Agnès Sorel verbunden, der seinen Namen im 19. Jahrhundert erhielt. Von 1809 bis 1970 beherbergte er das Grabmal Agnès Sorels, der Mätresse Karls VII. Der viergeschossige Turm mit Kegelhelm wurde bereits im 13. Jahrhundert erbaut und besitzt einen halbrunden Treppenturm, dessen skulptierte Konsole ein Liebespaar darstellt.

Innenräume mini|Die Tapisserie Allégorie de la musique im Saal Karls VII. Durch das Hauptportal des Alten Logis betritt man den Saal Karls VII., der früher sein Privatgemach war. Dort ist eine Kopie der Handschrift zu sehen, die den Prozess gegen Jeanne d’Arc 1431 in Rouen protokolliert. Blickfang ist die aus Brüssel stammende Tapisserie Allégorie de la musique. Die Kopie eines Porträts Karls VII., dessen Original im Louvre zu sehen ist, komplettiert die Ausstattung.

Nördlich davon schließt sich der Saal der Jeanne d'Arc mit großem Kamin an, der als Festsaal genutzt wurde. Zur Zeit Karls VII. reichte er bis zum Dachstuhl und wies damit eine Höhe von 14 Metern auf.

mini|links|Der Saal der Jeanne d'Arc Vom Saal der Jeanne d’Arc ist über eine Tür in der Nordwand ein Raum erreichbar, der von 1970 bis April 2005 das Grabmal Agnès Sorels beherbergte. An der Wand ist eine Kopie ihres berühmten Porträts Jungfrau von Melun von Jean Fouquet zu sehen. Mit Ausnahme eines Kamins ist dieser Saal vollkommen schmucklos. Ihm schließt sich ein Raum an, in dem sich ein Triptychon der Leidensgeschichte Jesu befindet. Es stammt ursprünglich aus der Kirche Saint-Antoine, datiert auf das Jahr 1485 und wird der Schule Jean Fouquets zugeschrieben. Die Flachmalerei auf Holz a tempera zeichnet sich durch ihren hohen Realismus der Darstellung aus.

Neben diesem Raum befindet sich der Saal Karls VIII., in dem neben seinem Porträt auch eines seiner Frau Anne de Bretagne zu sehen ist, sowie ein Gemälde, das Maximilian I. von Habsburg mit seiner Familie zeigt.

Das heute vollständig restaurierte Oratorium der Anne de Bretagne ist über einen separaten Eingang im Norden des Logis Royal zu betreten. Unter König Ludwig XII. für seine Frau erbaut, besitzt die Kapelle aus Stein gehauene, flächendeckende Wandreliefs. Sie zeigen neben dem Hermelin, dem Wappenmotiv der Herzöge der Bretagne, den Knotenstrick des Heiligen Franziskus, den Anne de Bretagne zusätzlich als Emblem in ihr Wappen übernommen hatte. Die Kapelle besitzt darüber hinaus ein Spitzbogengewölbe und einen kleinen gotischen Altar.

Stiftskirche Saint-Ours