Die Chemin de fer Martigny–Orsières (MO) war eine Bahngesellschaft im Kanton Wallis in der Schweiz. Sie fusionierte 2000 mit der Chemin de fer Martigny-Châtelard (MC) zu den Transports de Martigny et Régions (TMR), welche die gut 19 km lange MO-Strecke von Martigny über Sembrancher nach Orsières im Val d’Entremont und die 6 km lange Stichstrecke von Sembrancher nach Le Châble im Val de Bagnes betreiben.

Geschichte mini|links|Aktie der Compagnie du Chemin de fer Martigny-Orsières vom 31. Juli 1908 mini|links|Gemischter Zug aus der Eröffnungszeit 1906 erhielt die MO die Konzession zum Bau einer normalspurigen Eisenbahnstrecke vom Bahnhof Martigny nach Orsières. Die Bahngesellschaft verdankte ihre Entstehung ausländischer Initiative. British Aluminium Ltd. plante in Orsières den Bau eines Aluminiumwerks. Am 23. Juli 1907 erfolgte der erste Spatenstich, am 1. September 1910 wurde der Betrieb aufgenommen. Seit Betriebsbeginn war die Bahn mit 8000 V 15 Hz Wechselstrom elektrifiziert. Weil weder das Aluminiumwerk noch die geplante Verbindung ins Aostatal zustande kamen, blieb der Verkehr bescheiden. Als eine der ersten Bahngesellschaften ergänzte die MO ihre Tätigkeit mit einem Autobusbetrieb. Die Bahn ging in das Eigentum der öffentlichen Hand über.

mini|links|Triebzug NINA in der Endstation Le Châble Am 4. März 1949 erfolgte die Umstellung auf das SBB-Stromsystem 15'000 V 16 ⅔ Hz. Damit konnten auch Triebfahrzeuge der SBB auf der MO eingesetzt werden. Am 5. August 1953 wurde die Stichstrecke von Sembrancher nach Le Châble eröffnet. Sie diente dem Bau des Mauvoisin-Kraftwerks. Die Zementzüge wurden von Lokomotiven der SBB befördert.

Ursprünglich dominierte der Güterverkehr den Betrieb auf der MO. Seit den 1970er-Jahren sorgt der aufkommende Tourismus für vermehrten Personenverkehr.

Am 1. September 1984 stiessen zwei Züge bei Martigny-Bourg mit den ABDe 4/4 6 und 8 frontal zusammen. Der Zugführer gab dem Richtung Orsières fahrenden Zug trotz geschlossenem Ausfahrsignal den Abfahrbefehl. Der Triebfahrzeugführer und fünf Passagiere waren auf der Stelle tot, 24 Personen wurden verletzt. Die beiden Triebwagen konnten wieder aufgebaut werden. Der zerstörte Steuerwagen Bt 31 wurde durch ein gleiches Fahrzeug des Régional du Val-de-Travers (RVT) ersetzt.

Am 1. Januar 2000 fusionierte die MO mit der Chemin de fer Martigny-Châtelard zur Transports de Martigny et Régions (TMR).

Rollmaterial Zur Betriebsaufnahme beschaffte die MO zwei Personentriebwagen BCFe 4/4 1–2 und zwei Gepäcktriebwagen CFe 4/4 11–12 mit Klappsitzen zur Personenbeförderung. Alle vier Fahrzeuge besassen die gleiche elektrische Ausrüstung mit Déri-Repulsionsmotoren. 1949, mit der Umstellung des Stromsystems, wurden die Triebwagen grundlegend umgebaut. Aus den beiden Gepäcktriebwagen entstanden die Personentriebwagen BCFe 4/4 3–4.

1955 konnte der Triebwagenpark mit dem ABDe 4/4 5 ergänzt werden. 1962 bis 1965 fand eine umfassende Erneuerung des Fahrzeugparks statt. Die MO beschaffte drei EAV-Triebwagen ABDe 4/4 6–8, drei zugehörige Steuerwagen Bt 31–33 und zwei Einheitspersonenwagen. 1983 wurde ein vierter, baugleicher Triebwagen vom Régional du Val-de-Travers (RVT) übernommen und als ABDe 4/4 9 in den Triebfahrzeugpark eingereiht. Die EAV-Triebwagen erhielten später die Bezeichnung ABDe 537 506–509.

Seit 2002 sind auf den Strecken der MO die bereits durch das Nachfolgeunternehmen TMR beschafften NINA-Triebwagen RABe 527 511–513 im Einsatz.

Baureihe Hersteller Baujahr Herkunft Stückzahl Ausrangiert Bemerkungen Serie Nummern total heute Triebwagen BCFe 4/4 1–2 SWS/BBC 1910/1949 2 0 1966–1967 an RVT und CJ verkauft BCFe 4/4 3–4 SWS/BBC 1910/1949 2 0 1982–1990 ex CFe 4/4 11–12; Nr. 4 an CJ abgegeben ABDe 4/4 5 ACMV/BBC 1955 1 0 2002 2002 an Bahnmuseum Kallnach verkauft, 2024 von der Association des Trains Historiques du Chablais übernommen ABDe 4/4 6–8 SIG/SWSSAAS/BBC/MFO 1965 3 0 2008–2024 EAV-Triebwagen. Nr. 6 von DSF übernommen 9 1965 RVT (1983) (Üb)1 0 2014 (Defekt) EAV-Triebwagen; ex RVT 103 RABe 527 511–513 BT/Alstom 2002–2003 3 0 2009 Nina; an RA verkauft 514 BLS (2012) (Üb)1 0 2012 Nina; direkt an RA weiterverkauft Steuerwagen Bt 31 SWP 1965 3 0 1984 EAV (EW I); Unfall 32–33 2014 EAV (EW I); an DSF übergeben Bt 31II 1964 RVT (1985) (Üb)1 0 2014 ex RVT 201; an DSF übergeben Personenwagen BCF 21–22 SWS 1910 2 0 1965–1966 B 41 1962 2 0 2000 EW I; an TPF verkauft 42 1963 2005 EW I; an CSG verkauft Traktoren Tm 11 SLM/? 1928 Sersa (1953) (Üb)1 0 1990 ex SBB Em 2/2 101, PTT 2; 1994 abgebrochen Tm 12 SBB (1965) (Üb)1 0 1982 ex SBB Tm 531; an Privaten verkauft Tm 237 554 RACO/? 1995 STAG (2005) (Üb)1 1 Prototyp «Ameise», Werkslok WinproTm 234-4355Windhoff202311 Üb = Übernahme aus fremden Bestand (Gebrauchtfahrzeug); Um = Umbau aus eigenem Bestand

Betrieb mini|Die Züge auf der MO-Strecke werden als Saint-Bernard Express vermarktet. NINA bei Sembrancher. Der stündlich verkehrende «Saint-Bernard Express» benötigt 26 Minuten für die Fahrt von Martigny nach Le Châble, von wo aus man mit dem Postauto oder der Luftseilbahn den Ferienort Verbier erreichen kann.

In Sembrancher vermittelt eine zweite Komposition schlanke Anschlüsse nach Orsières. Von dort führen Buslinien der TMR weiter nach Champex-Lac, ins Val Ferret oder auf den Grossen Sankt Bernhard.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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