Der Heumarkt ist der zweitgrößte Platz in Köln und liegt im Stadtteil Altstadt-Nord. Er ist einer der zentralsten und ältesten Plätze in der Kölner Altstadt. Seine Fläche ist größtenteils gepflastert und wird von zahlreichen Gassen und Verkehrsstraßen gesäumt.
Geschichte Der Heumarkt und seine nördliche Fortsetzung Alter Markt bildeten bis ins Mittelalter eine Einheit, erst später erfolgte ihre Abtrennung.
Römerzeit Im Bereich von Heumarkt und Alter Markt lag während der Römerzeit die etwa 13 Meter tiefe Sohle eines Rheinarms, so dass sich dieser Teil auf einer etwa 1000 Meter langen Rheininsel befand. Ein Fund während des Ausbaus der Kölner U-Bahn brachte im Dezember 2007 aus 12 Meter Tiefe ein Transportschiff (Prahm) aus der Römerzeit zwischen 50 und 100 nach Christus hervor. Es transportierte Steine, die man zum Bau der Stadt benötigte. Der römische Hafen befand sich während der Römerzeit etwa in Höhe des heutigen Kölner Rathauses. Durch die Verlängerung des Rheinarms nach Osten gelang es den Römern, den Gewässerabschnitt ausreichend als Hafen zu sichern und eine Wasserfläche von etwa 60000 m² als Anlegestelle für 200 Schiffe zu nutzen.Römisch-Germanisches Museum: Kölner Römer-Illustrierte, Band 1 und 2, 1974, S. 33. Der ausgebaute Hafen erstreckte sich etwa vom heutigen Breslauer Platz bis zum Holzmarkt, wo sich der Rheinarm wieder mit dem Hauptfluss vereinte.Matthias Riedel: Köln – ein römisches Wirtschaftszentrum, 1982, S. 110. Die Ostmauer der römischen Stadtmauer verlief westlich von Heumarkt und Alter Markt am Fuß des heute noch erkennbaren Hügels, auf dem sich das Prätorium befand und heute das Rathaus steht. Während der Römerzeit lag der Heumarkt außerhalb der Rheinmauer, denn Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus entstand hier die Stadtmauer, ein mächtiges Bauwerk von bis zu drei Meter Stärke und acht Metern Höhe. Zum Festland hin begrenzte die rheinseitige Stadtmauer den Rheinarm. Im 3. Jahrhundert hatte sich eine Sandbank im Rhein bis an die Stadtmauer ausgebreitet, so dass man den Hafen aufgab. Die beiden Plätze entstanden, nachdem dieser Rheinarm verlandete und sich der Boden für eine Bebauung als zu nachgiebig erwies.
Mittelalter und frühe Neuzeit Erster Name und Anlage mini|Arnold Mercator: Der Heumarkt in der Kölner Stadtansicht von 1570 mini|Trachyt-Relief über dem Tor zur Fleischhalle (1401–1450) Sein alter Name „Inselmarkt“ erinnert daran, dass er sich einst auf einer der Stadt vorgelagerten Rheininsel befand.Ferdinand Dümmler: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, Bände 13–14, 1963, S. 49. Die Anlage der ersten Marktfläche auf dem Heumarkt wird anhand von Fundhölzern auf das Jahr 957 oder kurz danach datiert,Kölnischer Geschichtsverein: Jahrbuch Band 74, 2004, S. 274. nachdem man dieses Gelände von dort stehenden Bauten vollständig geräumt hatte. Die Umgestaltung des Heumarkts ist damit auf Erzbischof Brun zurückzuführen. Die Anlage einer zweiten Marktfläche erfolgte 1024 unter Pilgrim von Köln (dem auch die Anlage des Neumarktes zugeschrieben wird), eine dritte Marktfläche entstand 1082 unter Erzbischof Sigewin von Are, der hier eine 40 cm dicke Lage aus Feuchtböden aufschütten ließ; eine vierte Marktfläche folgte wohl 1106. Durch einen schiedsrichterlichen Spruch des Kaisers Friedrich I. vom Jahre 1164 musste der „Inselmarkt“ unbebaut bleibenFriedrich Everhard von Mehring/Ludwig Reischert: Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein, 1838, S. 44., was seine Stellung als zentraler Marktplatz stärkte.
Trennung vom Alte(r)n Markt Ursprünglich waren Alter Markt und Heumarkt ein einheitlicher Marktplatz unter dem Namen Alter Markt.Friedrich Lintz: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, Band 20, 1901, S. 26. Ihre Trennung erfolgte durch Eingliederung des Bezirks Unterlan. Unterhalb des Marstors (porta Martis, kölsch Marsporz; durch Ratsbeschluss 1545 abgerissen) hieß er „Hühnermarkt“ oder „Unterlan“. Eine besondere Form des Gaddems ist die „La“, ein kistenförmiger Behälter, die auch für den Bezirk „Unterlan“ namensgebend ist.Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band I, 1910, S. 114. Zum Bezirk Unterlan gehörten Buttermarkt, Salzgasse, Unter Käster, der Nordosten des Heumarktes und der Nordwest-Teil des Marsplatzes. Der Name „vetus forum“ (Virnemarkt; Alter Markt) wird noch bis um 1400 häufig auch auf diesen Südteil bezogen.Wilhelm Janssen/Margret Wensky: Mitteleuropäisches Städtewesen in Mittelalter und Frühneuzeit, 1999, S. 74.
Zunächst setzte sich nach Trennung vom Alter Markt bei den Stadtschreibern für den Heumarkt um 1150 einfach forum durch.Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Ausgabe 60, 1971, S. 90. „Ubi pabulum vendebatur“ (wo das Essen verkauft wird) hieß er in der frühen lateinischen Phase des Mittelalters, etwa um 1250 kam „forum feni“ (feni lat. = Heu) auf und gilt ab 1400 für den gesamten Heumarkt. Die Kölner bezeichnen ihn in Deutsch schließlich als Heuwemart, in der Kölner Stadtansicht von 1570 heißt er bei Arnold Mercator Hewmarckt. Hierauf ist der Heumarkt noch als einheitlicher Platz zu erkennen, abgegrenzt im Norden zum Alten Markt durch Unter Käster (Unter Kesteren)/Salzgasse, im Süden durch den Malzbüchel. Mercator versäumte nicht, im Norden des Heumarkts den dort stehenden Pranger und Galgen einzuzeichnen.
Bauwerke mini|hochkant|Heumarkt 6 – Brauerei zur Malzmühle mini|hochkant|links|Heumarkt 12 – Handwerkskammer zu Köln mini|Heumarkt 20 – Maritim Hotel mini|links|Heumarkt 20 – Maritim Hotel mini|hochkant|Heumarkt 48 – Portal Das Haus Zum Stern wurde erstmals spätestens 1159 erwähnt, als ein Hermann Stella das Grundstück erwarb. 1163 erwähnten die Schreinsbücher erstmals das Haus Minnefuss (heutige Nr. 77), seit 1351 Zabelbank genannt. Eiko von Halle tauchte 1184 in den Schreinsbüchern als Besitzer des Hauses Airsbach auf, das später eine Namensumwandlung in Haus Oversburg vollzog und an der Malzmühle lag. Im Jahre 1247 erwerben die Linwaitmenger das Leinwandhaus, es folgten 1278 die Wollweber mit dem Haus Aachen und 1322 die Tuchverkäufer mit dem benachbarten Haus Oversburg. Das Leinwandhaus gilt als eines der ersten öffentlichen Kaufhäuser der Stadt.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, 2003, S. 95. Am 20. November 1371 marschierten über den Heumarkt in Richtung Malzbüchel die bewaffneten Gegner der Weber zur Endphase des Kölner Weberaufstandes. Nachdem die Stadt die beiden letztgenannten Häuser erworben hatte, mussten sie – als Folge des Weberaufstands – im Jahre 1372 einer Fleischhalle weichen.Hermann M. Wollschläger: Hansestadt Köln: Die Geschichte einer europäischen Handelsmetropole, 1998, S. 68.
Die größte städtische Fleischhalle mit einer Fläche von 825 m² befand sich auf der Westseite des Heumarkts (bei Mercator Vleischhauß), wo sich die Bürger an etwa 35 Fleischbänken versorgen konnten.Yvonne Leiverkus: Köln: Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt, 2005, S. 114. Sie war durch einen Torbogen (Relief aus dem Jahre 1401) mit dem Heumarkt verbunden. Am 15. März 1568 beschloss der Rat, den Überbau des alten Fleischhauses abzubrechen und eine neue Halle zu schaffen. Die südliche Halle diente ab 1887 als Freibank für minderwertiges Fleisch („Kotzbank“). Das gesamte Bauwerk musste 1910 dem Durchbruch der Gürzenichstraße weichen.
Haus Brüssel (heutige Heumarkt Nr. 19) hatte seinen Namen durch Goswin Leo von Brüssel, der es um 1200 erworben hatte. Zunächst verfiel es, spätestens 1426 wurde es aufgegeben. Im Jahr 1595 ließ hier Ratsmitglied Baltasar von Berchem einen Neubau errichten. Der Brabanter Hof gehörte dem Herzog von Brabant, der ihn 1237 an Hermann von Uthe und 1359 an Constantin von Lyskirchen verlehnte. Der Patrizier Gerhard zum Pütz erwirbt 1228 ein großes Anwesen am Heumarkt. 1295 übernahm Henricus de Caldario drei Häuser an der Ecke zur Markmannsgasse.Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, 1927, S. 159.
Gaffeln hatte es bereits lange vor dem Verbundbrief gegeben, denn 1365 nahm die Gaffel Eisenmarkt das Haus Brüssel am Heumarkt in Erbleihe.Ludwig Röhrscheid: Rheinische Vierteljahresblätter, Bände 47–48, 1983, S. 125. Die Kaufleutekorporation societas de societate furce, dicte vulgariter de gaffelen super forum Ferrifurca ist die Gabel, so dass Gaffel wohl aus Gabel abgeleitet ist; übersetzt: „Vereinigung der Unternehmen Gabel, im Volksmund Gaffel Eisenmarkt“. nahm ein Haus auf dem Heumarkt in Erbpacht. Haus Starkenberg (Starkimberg; Nr. 10) diente seit 1370 als Versammlungsort der Zunft Eisenmarkt, die damit über zwei Versammlungshäuser verfügte. Starkenberg gehörte seit 1784 der Kölner Großkaufmannsfamilie Jakob Johann Lyversberg (Wein- und Tabakhandel) und wurde 1907 abgerissen. 1416 erwarben Gaffelmitglieder das Haus zome Wynke und richteten hier das Gaffelhaus Hemelriche (Himmelreich) an der Südostecke des Heumarkts ein.Es stand in der Straßburger Gasse, die später der Rampe für die Hindenburgbrücke weichen musste. Das Zunfthaus der Fleischer befand sich seit 1426 unweit der Fleischhalle südlich vom Leinwandhaus in einer Hälfte des Hauses Zum Stern.Julie Schmidt: Die Zunft der Fleischer zu Köln, 1917, o. S.
Haus Nr. 6 befand sich spätestens seit dem 3. Februar 1543 im Besitz von Peter von Halveren(s), ein Turm hinter dem Haus ist seit 1393 urkundlich belegt. Ein großbürgerliches Wohnhaus Haus Erpe stand in Nr. 28, unter dem Namen Zum Ochsen gelangte es 1519 iin den Nachlass der Eheleute Hase, deren Haus von Christian Wickrath umgebaut wurde. Das Haus Zur Drachenburg in Nr. 50 entstand 1556, das Wohnhaus Zum Drachen in Nr. 52 wurde 1596 erstmals geannt, Nr. 35 entstand im Jahre 1594. Das Haus St. Peter in Nr. 77 entstand 1568 für den Ratsherren Johann Peter Terlaen (oder ter Lahn) von Lennep, das erstmals 1891 erneuert wurde und im 21. Jahrhundert weitgehend erhalten geblieben ist. Haus Sternenberg in Nr. 7 (Sterrenberg) galt 1464 als eine der renommierten Hotels für Messegäste; der holländische Eigentümer und Wirt Johann van Lenderinchusen erwarb das Anwesen 1458. Bürgermeister Gerhard Pilgrum d. Ä. wohnte um 1541 in Haus Pilgrum (Nr. 16), zudem besaß der Weinhändler hier die komplette Häuserreihe 14–20;Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Ausgabe 60, 1971, S. 572. das Hotel Vanderstein-Bellen entstand um 1542 in Nr. 16 (früher Nr. 20). Frau Bellen starb im Oktober 1899 und vererbte das 1880 renovierte Haus an Jakob und Aloys Vanderstein; es galt seinerzeit als das schönste Haus der Stadt.Martin Rüther: Köln 31. Mai 1942: Der 1000 Bomber-Angriff, 1992, S. 133. Anstelle der Häuser Zum großen und kleinen Bär (Nr. 20, früher Nr. 24) errichtete Buchdrucker Johann Gymnicus 1614 ein Haus mit Stufengiebeln.
Auf dem Heumarkt und Alten Markt konzentrierte sich das eigentliche Marktgeschehen.Hermann M. Wollschläger: Hansestadt Köln: Die Geschichte einer europäischen Handelsmetropole, 1998, S. 65. Hier bot man Gemüse, Käse, Hülsenfrüchte, Fisch und Gewürze an, weiter südlich verkauften die Händler ihr Getreide und Heu, das dem Heumarkt seinen Namen gab. Hier stand seit 1492 eine Kornwaage. Festinstallierte Stände und Verkaufsbuden (Gaddemen) gab es wenige, weil hier zweimal wöchentlich der kleine und der große Viehmarkt in der Nähe der Tränke stattfand. Freitags gab es einen Pferdemarkt, wöchentlich einen Hühnermarkt.Yvonne Leiverkus: Köln: Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt, 2005, S. 115.
Hinrichtungsstätte mini|links|hochkant|Heumarkt 52 – Geschäftshaus mini|hochkant|Reiterstandbild für den preußischen König Friedrich Wilhelm III., 2016 mini|links|hochkant|Heumarkt 60 – Wohn- und Geschäftshaus mini|hochkant|Heumarkt 62 – Brauerei zum Pfaffen mini|links|hochkant|Heumarkt 77 – Gilden im Zims mini|hochkant|Heumarkt 77 – Haus St. Peter