Byfang [] ist ein südöstlicher Stadtteil der Stadt Essen. Er hat dörflich-ländlichen Charakter und liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 114 Meter ü. NN (zwischen 50 (Ruhrufer) und 190 m (i.d.N.d. Byfanger Wasserturms), St.-Barbara-Kirche 130 m, Feuerwehrwache/Friedenseiche 140 m, Nierenhofer Straße 70 m).
Der Ort gehört gesellschaftlich zur Ruhrhalbinsel (historisch auch Hattingen-Niederwenigern). Der Zuläufer der Deipenbecke (ugs. „Köttelbecke“ genannt) bildet die Grenze zwischen Byfang und Burgaltendorf sowie die historische Grenze zwischen Westfalen und Rheinland (andere Historiker sehen den Deilbach als Grenze). Byfang zählte historisch zeitweise zum „Bergischen Land“ (Herzogtum Berg), mit der Ruhr als Grenze. Die Siedlungsstruktur des Stadtteils wird durch seine eigenartige Topographie bestimmt. Deutlich erkennbar ist das Gebiet dem Niederbergisch-Märkischen Hügelland zuzuordnen. Byfang liegt geologisch in der naturräumlichen Einheit des Ruhrschichtrippenlandes.http://geographie.giersbeck.de/karten/109.pdf
Geschichte Früh-Geschichte Die Essener Äbtissin Mathilde (Mechthild I.), eine Enkelin des Kaisers Otto I. gründete um das Jahr 996 in Rellinghausen ein Damenstift, in dem die unverheirateten Töchter des niederen Adels Aufnahme finden sollten. Dieses neue Stift musste zu seinem eigenen Unterhalt mit Gütern ausgestattet werden. Da die Stifte Essen und Werden hierzu keinen Raum liefern konnten, erhielt das Stift Rellinghausen die auf der anderen Ruhrseite gelegenen Gebiete von Hinsel und Holthausen sowie den angrenzenden Byfang und einige Höfe in Rellinghausen und im Hardenbergischen. In dieser Schenkungsurkunde taucht im Jahr 1124 erstmals der Name Rellinkuoser biefang auf. Es wird angenommen, dass die Freiherren von Hardenstein Byfang gründeten. Die Stiftsdamen ließen ihren weltlichen Besitz sowie die Gerichtsbarkeit durch einen Stiftsvogt verwalten.
Diese Vögte errangen mit der Zeit immer mehr Macht. Auch versuchte das Stift Rellinghausen, sich vom Stift Essen unabhängig zu machen. Nach langen Streitigkeiten zwischen dem Mutter- und dem Tochterstift kehrte man schließlich im Jahr 1661 mit einem Vergleich zum Mutterstift nach Essen zurück. Der Stiftsvogt hatte zuvor auf seine Erbvogtei verzichtet und als Entschädigung 1800 Thaler und die Bauerschaft Byfang als eigenes Herrschafts- und Gerichtsgebiet als Lehen erhalten. Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte Byfang zum Herzogtum Berg – daher wird auch heute noch die Ruhr als nördliche Grenze des „Bergischen Landes“ gesehen.
Namensherkunft Der Ortsname Byfang leitet sich von der altdeutschen Bezeichnung Bifang (von befangen: umfangen, einschließen) für ein eingefriedetes Feld bzw. in die Feldflur eines bestehenden Ortes einbezogenes Ackerland ab, in diesem Falle des Stiftes Rellinghausen (s.o. Rellinkuoser biefang).
Eigenständigkeit und Gerichtsbarkeit Der Grundherr war auch oberster Gerichtsherr, was erklärt, warum die Bauerschaft Biefang ein eigenes Gericht hatte. Richter war der Vogt des Stiftes Rellinghausen. Ort des Gerichtes war zunächst der Breuerhof Ecke Niederweniger Straße/Düschenhofer Wald, und später ein Gerichtshaus. Bis 1661 trug die Gerichtsbarkeit Byfangs die Essener Fürstäbtissin Anna Salome. 1661 war die Gerichtsbarkeit Alexander von Drimborn zu Baldeney in einem Vergleich mit Fürstäbtissin Anna Salome zugestanden worden. Der letzte Richter (Franz Forst) wurde im Jahr 1805 ernannt. Das Byfanger Gericht hatte bis 1. Februar 1812 Bestand. Dann fiel der Bereich unter das Friedensgericht der französischen Gerichtsverfassung und 1815 wieder zu Preußen, gehörig unter das Landgericht Werden. Das Byfanger Gericht wurde nach einem Brand 1817 abgerissen. Das Gerichtshaus diente auch als Gemeindehaus, in dem sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens Byfangs abspielte und das somit lange Zeit politischer und sozialer Mittelpunkt der Bauerschaft war.
Ort des Gerichts und Alt-Byfang Bei Bauarbeiten in den 1970er-Jahren brach ein Bagger in das unterirdische Verlies des Gerichts ein. Der aus Bruchstein gemauerte Raum war im unteren Bereich verputzt, die Deckenöffnung zugemauert. An das Gericht zu Byfang erinnert heute die Siedlung am Gerichtshaus.Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 5. Januar 2017 Das Gebiet, in dem das ehemalige Gerichtshaus stand, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus verkehrstechnischen Gründen dem Stadtteil Essen-Kupferdreh zugeschlagen. Die Gemarkung gehört indes weiterhin zum Stadtteil Byfang. Die historische Grenze zwischen Byfang und Kupferdreh (bis 1875: Hinsbeck (Ruhr)) bildete der hier verlaufende namenlose Bach, der heutzutage z. T. unterirdisch verläuft. Sein Verlauf ist auf der Höhe der Wendeschleife der Ruhrbahn-Omnibus-Linie 155.
Die in diesem Zusammenhang Kupferdreh zugeschlagene Gegend der ehemaligen Herrlichkeit (altes Wort für freie gerichtliche Bauerschaft) wird heute umgangssprachlich Alt-Byfang genannt. Zu diesem Gebiet gehören die Byfanger Straße ab der Buswendeschleife, Bissenkamp, ein Teil der Straße Engelssiepen, Hirtental (ein Teil gehört auch heute noch zum Stadtteil E.-Byfang), Scharpenhang, Am Gerichtshaus (hier stand früher das Byfanger Gericht, das zugleich auch als Gemeindehaus diente; s. o.), Brackmannhang, Drimbornweg, Lothumweg, Niederweniger Straße (ungefähr ab Mündung Beisemannhang), oberer Schliepersberg, Am Stöcken sowie der mittlere/obere Reulsbergweg (ab den ersten Häusern im Wald, von oben kommend). Der oberste Reulsbergweg gehört auch heute noch zum Stadtteil Essen-Byfang.
Schulen mini|links|Ehemaliges Schulgebäude in Oberbyfang
Seit 1769 gab es in Oberbyfang einen ersten Schulbetrieb. Der Unterricht wurde jeweils in den Gehöften erteilt, der Schulmeister dort auch beköstigt und bezahlt. Schulpflicht gab es noch nicht, aber die Anfänge der Industrie durch den aufkommenden Bergbau gegen Ende des 18. Jahrhunderts forderten geschulte Kräfte. In dieser Zeit baute man das erste Schulhaus mit einer gemischten Klasse. Später wurde ein neues Schulgebäude errichtet, das schließlich vier Klassenräume und eine Lehrerwohnung hatte. Heute ist dieses Gebäude, das noch bis 1968 als Schule diente, ein Wohnhaus. Von 1968 bis 2007 war eine Taubenklinik des Verbandes der Deutschen Brieftaubenzüchter dort untergebracht. Aus Unterbyfang mussten die Kinder bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts den weiten Weg zur Schule nach Oberbyfang in Kauf nehmen. Nachdem seit 1869 der Saal Sperrbaum (später Schnitzler) als Schule genutzt worden war, eröffnete man im November 1874 ein neues Schulgebäude. Die Schülerzahl in Unterbyfang stieg stetig an. Allein im Jahr 1904 wurden über 250 Schüler in nur vier Klassenräumen von vier Lehrern unterrichtet. Seitdem das Gebäude als Volksschule geschlossen ist, befindet es sich in Privatbesitz.
Kirchengeschichte und Kindergarten Ursprünglich gehörte Byfang zur Pfarre Niederwenigern. Der Weg dorthin war allerdings recht weit. So gründete man im Jahr 1898 einen Kapellenverein. Der damalige Wirt des heutigen Restaurants Schnitzler stiftete 1902 einen Bauplatz, auf dem 1928/29 die Kirche St. Barbara errichtet und am 12. August 1929 geweiht wurde, komplett aus Ruhrsandstein gemauert, der damals in Steinbrüchen im Ruhrtal abgebaut wurde. Hinzu kam im Oktober 1945 ein Friedhof und 1973 der katholische Kindergarten. Im Jahre 2006 fusionierte die römisch-katholische Pfarrgemeinde St. Barbara, Essen-Byfang (eigentlich nur Unter-Byfang (s. u.)), mit fast allen anderen katholischen Pfarr-/ Kirchengemeinden der Ruhrhalbinsel zur neuen großen Kirchen- und Pfarrgemeinde St. Josef, Essen Ruhrhalbinsel. Mit der Ausnahme von Niederwenigern gehören alle Orte der Ruhrhalbinsel zu der neuen „Ruhrhalbinsel-Gemeinde“. Es gibt Bestrebungen, diesen orthografischen und lokal-kulturellen Fehler zu korrigieren und Niederwenigern in die Ruhrhalbinsel-Gemeinde umzupfarren.
Politische Neuzeit Die Gemeinde Byfang gehörte im 19. Jahrhundert zunächst zur Bürgermeisterei Werden.Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung; Düsseldorf : Stahl, 1817Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, Jahrgang 1865, Nr. 4., S. 23 Seit dem 1. Oktober 1896 gehörte Byfang zur neuen Bürgermeisterei Kupferdreh. Die Gemeinden Byfang und Kupferdreh wurden am 1. April 1922 zur vergrößerten Gemeinde Kupferdreh zusammengeschlossen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1922, S. 139 Am 1. August 1929 wurde Kupferdreh samt Byfang in die Stadt Essen eingemeindet, in der Byfang später wieder zu einem eigenen Stadtteil ernannt wurde.Stadt Essen (PDF; 2,6 MB)
Wappen mini|hochkant=0.4|links|Wappen von Byfang Blasonierung: „In Silber (Weiß) ein rotes Andreaskreuz, belegt linksschräg mit einem silbernen (weißen) Zepter und darüber rechtsschräg drei silberne (weiße) Rosen.“
Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter, wobei Byfang seit der Gründung bzw. Schenkung im Jahr 1124 ein Wappen innehatte. Dieses hatte dieselbe Form und ebenso drei Rosen. Statt Zepter wies das Ursprungswappen ein Schwert auf und war in den Farben Blau und Gelb gehalten. Das einzige Exemplar, welches es heute noch zu sehen gibt, ist in der Kerzenkapelle in Kevelaer verewigt (Anmerkung: In den Fenstern der Kerzenkapelle sind alle Wappen der traditionellen Pilgerorte, die nach Kevelaer pilgern (Byfang seit 1836), eingelassen.). Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden.
Das Wappen zeigt ein altes Rechtssymbol, ein Andreaskreuz, welches mit einem Zepter belegt ist. Diese Symbole deuten auf die gerichtliche Eigenständigkeit hin. Die Rosen stammen vom Wappen der Herren von Drimborn, welche 1661 die Herrschaft Byfang vom Stift Rellinghausen erhielten.Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile Essen 2009, S. 97
Bevölkerung Am 31. März 2025 lebten 2.053 Einwohner in Byfang.Bevölkerungszahlen der Stadtteile
Strukturdaten der Bevölkerung in Byfang (Stand: 31. März 2025):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 14,4 % (Essener Durchschnitt: 16,9 %)Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 32,0 % (Essener Durchschnitt: 21,7 %)Anteil der Bevölkerung von 65 Jahren und älter Ausländeranteil: 2,7 % (Essener Durchschnitt: 20,6 %)Ausländeranteil in den Stadtteilen
Byfang heute Geografie und Charakter Byfang, geprägt von Landwirtschaft, dörflichen Strukturen, aktivem Gemeinde- und Vereinsleben, gehört zu den dünn besiedelten Stadtteilen Essens.
An Byfang grenzen die Stadtteile Burgaltendorf im Nordosten (Grenze ca. bei den Straßen Deipenbecktal und Laurastraße), Überruhr im Norden (Grenze ca.: der Straße Deipenbecktal), Kupferdreh im Südwesten und Süden (Grenze ca.: Deilbach, Eisenhammerweg, Reulsbergweg, Düschenhofer Wald sowie die Bushaltestelle „Fahrenberg“ (Beginn der Kupferdreher-Straße)) sowie Heisingen im Westen, wobei hier die Ruhr die Grenze bildet.Stadtteile und Bezirke in Essen (PDF-Datei 154 kB) Im Osten grenzen die Hattinger Stadtteile Niederwenigern und Niederbonsfeld an Byfang, hier ist die Kohlenstraße die ungefähre Grenze.
In dem hier skizzierten Gebiet leben ca. 2.100 Menschen, wovon am 31. März 2007 446 Einwohner evangelisch, 1251 römisch-katholisch und 421 andersgläubig waren.