miniatur|Stich-, Hieb- und Schusswaffen miniatur|Die Zwille wurde als Spielgerät erdacht und später als Waffe benutzt; in den 1970er Jahren wurde sie in Deutschland als solche eingestuft. Waffe ist ein Oberbegriff zur Waffen-Typologie und für Legaldefinitionen. Bezeichnet werden Waffen unter anderem als Gegenstände, die dazu bestimmt oder geeignet sind, Lebewesen physisch (meist durch mechanische Einwirkung) infolge Verletzung oder Tod bzw. psychisch in ihrer Handlungsfähigkeit zu beeinträchtigen oder handlungsunfähig zu machen. Ebenfalls zu Waffen zählen Mittel, die Gegenstände oder immaterielle Güter beschädigen, zerstören oder gebrauchsunfähig machen können.
Der Waffenbesitz und der Waffengebrauch sowie die Waffenwirtschaft (die Waffenherstellung und der Waffenhandel) werden unter anderem durch das Waffenrecht geregelt. Sportwaffen sind wegen ihres Gefährdungspotentials ebenfalls davon betroffen.
Fachlich mit Waffen befassen sich unter anderem die Wehrtechnik und die historische Waffenkunde.Vgl. etwa Zeitschrift für historische Waffenkunde.
Etymologie Das Wort Waffe ist eng verbunden mit dem Wort Wappen. Mittelhochdeutsch waren wâfen und wâpen gleichbedeutend mit dem heutigen Wort für Waffe.
Der Landesgerichtsrat Paul Fritsch ging noch einen Schritt weiter und legte eine gleiche Bedeutung der beiden Worte nahe. Wafen sei lediglich die oberdeutsche Form und Wapen die niederdeutsche. Im Hochmittelalter seien unter Wappen im Wesentlichen die individuellen Helm- und Schildzeichen verstanden worden, im Frühmittelalter hingegen die „Rüstung eines Gewaffneten (heute Bewaffneten), an welcher er im Heere von einem andern Gewaffneten unterschieden wurde“.
Gleicher Ansicht war auch der Jurist Paul Friedrich von Wyss, der zur Veranschaulichung der Wortgeschichte auch die englischen (arms = Wappen, Waffen, armory = Waffen) bzw. französischen Bezeichnungen (armes = Waffen; armoiries = Wappen) nannte. Das Wort Waffe komme von dem Wort Wappen.
Andy Schalms Überlegungen schließen sich dem an, jedoch präzisierte er: Das Wort Wappen bedeutete von Anfang an die auf den Schutzwaffen (Helm und Schild) angebrachten farbigen Zeichen zum Ausdruck der jeweiligen Zugehörigkeit.
Definition Allgemeine Definition Die Definition des Waffenbegriffs hängt von kulturellen und technischen Ansichten ab und ist daher in verschiedenen Epochen und Ländern unterschiedlich.
Im Allgemeinen sind Waffen Mittel, die ein Lebewesen in einer Konfliktsituation seiner Handlungsfähigkeit und Unversehrtheit sowohl psychisch als auch physisch berauben können und deren Anwendung im Extremfall zum Tod des betroffenen Lebewesens führt. Die als Waffen eingesetzten Mittel können ebenso Güter beschädigen, zerstören oder in ihrer Gebrauchsfähigkeit einschränken. Waffen können weiterhin ein Mittel sein, um eine Person durch Zwang (z. B. Drohung mit einer Waffe) ihrer Entscheidungs- und Handlungsfreiheit zu berauben.
Aus soziologischer Sicht sind Waffen Gegenstände der materiellen Kultur, welche die Körperkraft bei Gewaltanwendungen umsetzen und/oder steigern bzw. ersetzen und so bei bestimmten Formen der Auseinandersetzung mit Jagdwild oder Gegnern der eigenen Spezies zu einem Vorteil führen sollen. Diese Definition entspricht weitestgehend dem allgemeinen Sprachgebrauch.
Im weiteren Sinne werden auch Gegenstände, die dem Schutz dienen, als Waffen bezeichnet. Man spricht dann von passiven oder Schutzwaffen.
Der Begriff „Waffe“ ist auch im nicht-materiellen Sinn zu definieren. In der psychologischen Kriegführung können beispielsweise alle Mittel, die der Schädigung der Moral der gegnerischen Soldaten, aber auch der Zivilbevölkerung des Gegners dienen, als Waffe bezeichnet werden. Weiterhin können alle den Kriegs- und Kampfeinsatz unterstützenden Mittel der Information, Desinformation, Unterwanderung, Sabotage und Ausübung psychologischen Drucks auf Kombattanten als Einsatz von Waffen betrachtet werden.
Auch Computerprogramme können als Waffe dienen. Der Einsatz von Malware (Viren, Würmer, Trojaner und so weiter) als elektronischer Angriff auf Datenverarbeitungsanlagen dient der Zerstörung von Daten. Die direkte Wirkung betrifft nur immaterielle Güter, die Auswirkungen können je nach Angriffsziel (z. B. eine Kraftwerkssteuerung, ein Großlager, eine Produktionssteuerung einer Firma) jedoch immens sein. Dabei gilt der 2010 gegen das iranische Atomprogramm eingesetzte Computerwurm Stuxnet als die erste Cyberwaffe.Kim Zetter: An Unprecedented Look at Stuxnet, in: Wired 11.03.14
Der Jäger bezeichnet die Hauer des Wildschweins insgesamt als „Waffen“ oder Gewaff, wobei die Zähne im Unterkiefer „Gewehre“ heißen; auch das Geweih und Horn eines Tieres kann als „Waffe“ oder „Spieß“ bezeichnet werden.
Abgrenzung Potenziell gefährliche Gegenstände Bei der Definition einer Waffe ist es ein wichtiges Kriterium, dass die ursprüngliche Bestimmung einer Waffe die Verletzung/Tötung von Lebewesen oder die Beschädigung/Zerstörung von Gütern ist. Viele Gegenstände können als Waffe verwendet werden, wurden aber zu einem anderen Zweck hergestellt. Beispielsweise ist ein Skalpell in der Regel für die medizinische Anwendung, ein Fahrzeug primär für Transport und Fortbewegung und ein Baseballschläger als Spielgerät konzipiert. Diese Mittel können jedoch zweckentfremdet zur Verletzung von Lebewesen oder Beschädigung von Gütern eingesetzt werden. Was eine Waffe ist, richtet sich demnach auch nach der Art des Gebrauchs oder der offensichtlich unmittelbar beabsichtigten Wirkung durch den Einsatz eines Gegenstandes.
Der kulturelle Hintergrund bei der Definition wird im Bereich von Messern offensichtlich. In den meisten Kulturen wird das Messer (z. B. Küchenmesser) nicht als Waffe angesehen, sondern als Werkzeug (hier: Küchengerät). Ein Schnitzmesser ist in erster Linie als Werkzeug zu sehen, welches der Holzbearbeitung dient. In einigen landwirtschaftlichen Regionen ist das Mitführen einer Machete üblich, in anderen Regionen wird das gleiche Verhalten als Bedrohung angesehen. Den Gebrauchsmessern stehen Messer mit einem Waffencharakter entgegen, wobei eine technische Abgrenzung in den meisten Fällen nicht möglich ist. Viele Staaten reglementieren den Besitz dieser Messer, wobei sich die Verbote an Messertypen, die bei Straftaten verwendet wurden, orientieren.
Ebenso sind Dreschflegel, Mistgabel oder Sense sicher als Werkzeuge der Landwirtschaft zu sehen, wurden in entsprechenden Konfliktsituationen (z. B. Deutscher Bauernkrieg) aber auch als Waffen zweckentfremdet.
Der juristische Begriff, der im deutschen Strafrecht für in konkreten Situationen – als Waffe benutzte – zweckentfremdete Gegenstände verwendet wird, ist „gefährliches Werkzeug“.§ 224 I Nr. 2 StGB: Waffe und gefährliches Werkzeug. In: Lecturio, abgerufen am 17. Juni 2024.
Folter- und Hinrichtungsinstrument Waffen werden als Mittel im Kampf verstanden. Mittel, die allein Schmerzen oder den Tod eines wehrlosen Opfers herbeiführen sollen, werden als Folter- bzw. Hinrichtungsinstrument verstanden. Analog dazu sind Schlachtinstrumente, z. B. Schlachtschussapparate, gegenüber einer Jagdwaffe zu sehen.
Munition Munition wird oft als der eigentliche Wirkungsträger im Zusammenhang mit einer Fernwaffe definiert. Diese Definition ist bei einfachen Waffen beziehungsweise Geschossen eindeutig: z. B. Bogen/Pfeil oder Feuerwaffe/Patrone. Bei zunehmendem Verhältnis der Technisierung zwischen dem Geschoss und dem Startgerät wird der Wirkungsträger als Waffe bezeichnet, z. B. bei einem Lenkflugkörper oder einer Kernwaffe.
Waffensystem Militärisches Großgerät, vor allem bewaffnete Fahr- und Flugzeuge, wird als Waffensystem bezeichnet. Mindestens ein Teil des Waffensystems ist die eigentliche Waffe, z. B. die Kanone eines Kampfpanzers. Dieser Teil wird auch als Effektor bezeichnet, im Gegensatz zu einem Sensor, der der Zielerfassung dient, wie z. B. einem Radar.
Übertragene Bedeutung Im militärischen Bereich werden auch verschiedene Einheiten als Waffe bezeichnet. So bezeichnet man die Infanterie als Hauptwaffe im Bodenkampf. In Deutschland werden die Luftstreitkräfte als Luftwaffe bezeichnet.
Im übertragenen Sinn werden als Waffen auch Ideen und andere nichtmaterielle Güter (Informationen) angesehen. Mit rhetorischen Strategien versuchen z. B. Politiker, ihre politischen Gegner in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, hier ist auch schnell die Rede von „verbalen Angriffen“ und „Wortgefechten“, in denen das gesprochene Wort der verbalen Aggression dient. Der Begriff „Aggression“ setzt eine soziale Interaktion voraus, die einen Angreifer und ein Opfer kennt. Vom Angreifer wird angenommen, dass er in feindseliger Absicht vorgeht, eine negativ intendierte Handlung vollführt. Während beim Fluchen das Opfer in der Regel verschont bleibt, ist die Drohung eine Vorstufe der tätlichen Auseinandersetzung.Franz Kiener: Das Wort als Waffe. Zur Psychologie der verbalen Aggression. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1983, ISBN 3-525-01406-6. Gleichzeitig können Worte auch verletzend wirken. Sie wirken sich auf die psychische Lage des Opfers aus, z. B. auf das Selbstwertgefühl, Angstzustände und so weiter.
Die Kunst wird ebenfalls als Waffe bezeichnet und verwendet, ob in Literatur oder Bildern, als Auftragsarbeit für Propagandazwecke oder als freie Kunst. So ist die Aussage von Friedrich Wolf „Kunst ist Waffe“ bekannt.Friedrich-Wolf-Gesellschaft
Juristische Definition in Deutschland Das Waffengesetz (WaffG) der Bundesrepublik Deutschland definiert den juristischen Waffenbegriff und regelt den Umgang mit Waffen. Hinzu kommt das Sprengstoffgesetz (SprengG), das explosionsgefährliche Stoffe umfasst. Für militärische Zwecke konstruierte Waffen werden durch das Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG) reglementiert.
Weitere unter die allgemeine Definition einer Waffe fallende Mittel (z. B. Gift) besitzen eigene Gattungsbegriffe und Definitionen und finden z. B. im Strafgesetzbuch (StGB) Erwähnung.
„Gesundheitsschädliche Stoffe“, „Gift“ und „Gefährliches Werkzeug“ sind nicht näher definierte Begriffe der §§ 224, 314, 330a und 177 StGB.
In anderen europäischen Ländern (Österreich, Schweiz) ist die juristische Definition von Waffen ähnlich.
Waffenwirkung Die Waffenwirkung ist die physische oder psychische Wirkung, die eine Waffe gegenüber einem Lebewesen oder Objekt entfaltet.
Physische Wirkung Die physische Wirkung von Waffen bzw. ihrer Munition beruht auf verschiedenen physikalischen, biologischen und chemischen Wirkweisen.
Bei durch kinetische Energie wirkenden Waffen gibt es zwei Prinzipien:
Energie großflächig übertragen: Die in einem Bewegungsablauf, z. B. beim Schwingen einer Keule, aufgenommene Bewegungsenergie wird bei Auftreffen auf einen Körper in kürzester Zeit großflächig abgegeben. Die Folgen sind schwere Prellungen und Knochenbrüche.
Energie konzentrieren: Die Spitze eines Messers, Speers oder Geschosses konzentriert die aufgewendete Kraft auf eine sehr kleine Fläche. Es tritt ein hoher Druck auf, denn Druck ist Kraft pro Fläche. Dadurch kann ein Ziel penetriert werden bzw. die Eindringtiefe erhöht sich (siehe Erstechen, Schussverletzung).
Bei konventionellen Bomben und Minen wird ein Sprengstoff zur Detonation gebracht. Diese extrem schnelle Verbrennung führt zur Bildung großer Mengen von Gasen, so dass eine Detonationswelle entsteht. Diese wirkt entweder direkt durch Lungenriss, Knalltrauma, Verbrennung oder indirekt durch kinetische Energie, wenn Splitter (Bestandteile der Hülle oder bereits enthaltene vorgeformte Splitter) bzw. am Explosionsort befindliche Objekte mit hoher Geschwindigkeit in die Umgebung geschleudert werden.
Brandvorrichtungen aller Art wirken vor allem durch Verbrennungen oder durch den Entzug von Sauerstoff, was zur Erstickung führt.
Atom- oder Kernwaffen wirken gleichzeitig auf unterschiedliche Weise. Bei einer Kernwaffenexplosion wirken u. a. Detonationswelle, Wärmestrahlung, ionisierende Strahlung und elektromagnetischer Puls.