alternativtext=|mini|Elisabeth von Hessen-Darmstadt (1887) Prinzessin Elisabeth Alexandra Luise von Hessen-Darmstadt und bei Rhein, Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna VA (, Schreibweise vor 1918 ; * 1. November 1864 in Darmstadt; † 18. Juli 1918 in Alapajewsk, RSFSR), war eine deutsche Prinzessin und Enkelin von Königin Victoria. Sie war die ältere Schwester der letzten russischen Zarin Alexandra und durch Heirat mit Großfürst Sergei Alexandrowitsch auch selbst Mitglied der kaiserlichen Familie von Russland.

Nachdem ihr Mann 1905 einem Attentat zum Opfer gefallen war, wandte sie sich verstärkt der russisch-orthodoxen Kirche zu, in die sie 1891 übergetreten war. Sie gründete das Martha-Maria-Kloster in Moskau und stand ihm als Äbtissin vor. In den Wirren des Bürgerkriegs in Russland wurde sie 1918 zusammen mit anderen Mitgliedern der Zarenfamilie verbannt und ermordet. Heute wird sie in der russisch-orthodoxen Kirche als Neumärtyrin und Heilige verehrt (5. Juli). Die russisch-orthodoxe Kirche verwendet die alte Schreibweise des Namens Jelissaweta Feodorowna (russisch ). Auch die englische Staatskirche nennt sie eine Märtyrerin des 20. Jahrhunderts und widmete ihr ein Bildnis am Westportal der Westminsterabtei in London.

Leben Frühe Jahre alternativtext=|mini|276x276px|Prinzessin Elisabeth als Kind (1871) Elisabeth von Hessen-Darmstadt wurde am 1. November 1864 als zweite Tochter des großherzoglichen Paares Ludwig und Alice von Hessen-Darmstadt geboren. Sie wurde am 28. November 1864 evangelisch-lutherisch getauft. Ihre Taufpaten waren Kaiser Alexander II. von Russland, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Großherzogin Anna von Mecklenburg-Schwerin, Prinzessin Alexandra, Princess of Wales, Prinz Alfred von Großbritannien und Irland, Prinzessin Helena von Großbritannien und Irland und Prinz Karl von Hessen-Darmstadt.

Mit vollem Namen hieß sie Elisabeth Alexandra Luise Prinzessin von Hessen und bei Rhein, die Familie rief sie schlicht Ella. Die Kinder des Großherzogs erhielten eine sehr strenge Erziehung und wurden zur Bescheidenheit angehalten. Neben einer guten Ausbildung legte der hessische Hof Wert auf Religiosität. Einen großen Einfluss auf die Erziehung der großherzoglichen Kinder übte auch Königin Victoria von Großbritannien, die Großmutter mütterlicherseits, aus. Als Elisabeth vierzehn Jahre alt war, grassierte in Hessen die Diphtherie. Sie blieb als einzige der Geschwister verschont. Ihre erst fünfunddreißigjährige Mutter Alice infizierte sich bei der Pflege der Kinder und starb einen Monat nach dem Tod der vierjährigen Jüngsten Marie. Nach dem Tod der Mutter musste Elisabeth zusammen mit ihrer älteren Schwester Viktoria die Obhut über die jüngeren Geschwister übernehmen.Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 147–149.

Elisabeth in Russland miniatur|Elisabeth und Sergei im März 1884 Die junge Prinzessin hatte viele Verehrer. Einer von ihnen, der auch um ihre Hand anhielt, war ihr Cousin, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm II. Zum russischen Hof bestand nicht zuletzt seit der Zarin Marie von Hessen-Darmstadt, einer Schwester ihres Großvaters, eine besondere Beziehung. Elisabeth verliebte sich auf einem der zahlreichen Familientreffen in den russischen Großfürsten Sergei Alexandrowitsch Romanow, den fünften Sohn von Zar Alexander II. und Bruder von dessen Nachfolger Zar Alexander III. Sergei eilte ein schlechter Ruf voraus. Mit seiner rauen Art und seinem herrischen Auftreten galt er als Sonderling. Elisabeths Verwandtschaft stand dieser Verbindung ablehnend gegenüber. Insbesondere Königin Viktoria, die bereits den Erbprinzen Friedrich von Baden als Bräutigam ausgewählt hatte,Heresch, Elisabeth: Alexandra – Tragik und Ende der letzten Zarin, 1993, Seite 31–37 erhob Einwände. Sie hegte Vorbehalte gegen Russland und die Romanows, hielt die Zaren für Tyrannen und betonte, Russland fehle es an einer parlamentarischen Monarchie. In ihre Ablehnung dürfte auch Russlands gegen englische Interessen gerichtete Politik in Asien mit eingeflossen sein. Gegen alle Widerstände setzte Elisabeth ihre Liebesheirat durch. Das Paar heiratete am in der Kapelle des Winterpalastes in Sankt Petersburg. Auf ihrer Hochzeit lernte Elisabeths Schwester Alix den russischen Thronfolger Nikolaus Alexandrowitsch kennen. Elisabeths Russisch-Lehrerin wurde Catharina Schneider.

Elisabeth führte mit Sergei eine unglückliche Ehe, die kinderlos blieb.Radsinski, Edward: Nikolaus – Der letzte Zar und seine Zeit, 1992, Seite 31 Als jedoch ihre Schwägerin Alexandra, Ehefrau von Sergeis Bruder Paul, 1891 kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes verstarb, nahmen sie deren Kinder Maria und Dmitri zeitweise in Pflege. Als Paul 1902 aufgrund seiner Heirat mit Olga Palei ins Exil gehen musste, kamen sie erneut zu ihnen in Pflege.Radsinski, Edward: Nikolaus – Der letzte Zar und seine Zeit, 1992, Seite 68

Im Gegensatz zu den meisten ausländischen Ehefrauen russischer Großfürsten war Elisabeth nicht vor der Hochzeit zur russisch-orthodoxen Kirche übergetreten. Im Oktober 1888 reiste Elisabeth gemeinsam mit Sergei und Paul nach Palästina und wohnte unter anderem der Weihe der Maria-Magdalena-Kirche in Jerusalem bei, Tage später legten sie und ihr Gatte den Grundstein der Apostel-Petrus-Kirche in Abu Kabir. Auf dieser Reise fasste sie den Entschluss, der Konfession ihres Mannes beizutreten. Am 12. April 1891 trat sie in die russisch-orthodoxe Kirche ein und war fortan in Russland unter dem Namen Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna bekannt.Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 153 Sie selbst behielt ihren alten Vornamen bei.

mini|300px|Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt mit seinen Schwestern und Schwägern am 8. Oktober 1903: (von links) Ernst Ludwig, Zarin Alexandra Feodorowna und Zar Nikolaus II. von Russland; Prinzessin Irene Luise Maria Anna und Prinz Heinrich von Preußen; Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna und Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow; Prinzessin Viktoria Alberta Elisabeth Mathilde Marie und Prinz Ludwig Alexander von Battenberg

1891 erhob Zar Alexander III. Sergei Alexandrowitsch zum Generalgouverneur von Moskau. Der konservative Sergei verwaltete Moskau in einem despotischen Stil. Besonderes Augenmerk legte er auf die Verfolgung von Anhängern revolutionärer Ideen.Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 150 In Moskau waren, wie auch in anderen russischen Städten, Kreise von Intellektuellen, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten entstanden, die die Autokratie in Russland zu beenden versuchten. Nikolaus II. hielt wie sein Vater an der autokratischen Regierungsform fest. Dies und die infolge der Industrialisierung aufgetretenen sozialen Probleme sowie der Russisch-Japanische Krieg führten zur Revolution von 1905. Am kam es in St. Petersburg zu Demonstrationen von Arbeitern für eine Volksvertretung, Bodenreformen und bessere Arbeitsbedingungen, die im Petersburger Blutsonntag eskalierten. Sergeis harter Kurs in Moskau blieb vor diesem Hintergrund nicht ohne Folgen.

Am 4. Februar 1905 verübte Iwan Kaljajew, ein Terrorist der revolutionären Bewegung, ein Attentat auf den Großfürsten. Im Kreml nahe dem Nikolaus-Tor explodierte eine Bombe, die den Großfürsten Sergei Alexandrowitsch sofort tötete. Unmittelbar nach diesem Mord suchte die Witwe fünf Tage lang Trost im Gebet.

Vor der Beerdigung besuchte sie den Attentäter im Gefängnis und überreichte ihm eine Ikone. Bei ihrem Gespräch mit Kaljajew bezeichnete dieser ihren Mann als Unterdrücker und Werkzeug der Tyrannei. Elisabeth widersprach ihm:

„Ihr irrt, mein Mann liebte das Volk und dachte nur an dessen Wohl. Daher ist euer Verbrechen nicht gerechtfertigt. Lasst ab von eurem Hochmut und bereut.“Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 164–65 – aus den Aufzeichnungen von Maurice Paléologue

Ihre Hoffnung, der Attentäter werde sein Unrecht einsehen, erfüllte sich nicht. Trotzdem richtete sie ein Gnadengesuch an ihren Schwager Zar Nikolaus II. Doch der Verurteilte selbst lehnte eine Begnadigung ab, da er hoffte, dass sein Tod der revolutionären Bewegung weiteren Auftrieb geben würde.Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 156

Äbtissin Elisabeth Das Attentat stellte einen Wendepunkt im Leben der Großfürstin dar. Nach dem Trauerjahr entschied sie sich, ihr Leben den Leidenden und Armen zu widmen. Sie teilte ihren gesamten Besitz auf und behielt nicht einmal ihren Ehering. Ein Teil ging an die Krone, ein anderer an Verwandte und den größten Teil benutzte sie für ihre wohltätige Arbeit.Radsinski, Edward: Nikolaus – Der letzte Zar und seine Zeit, 1992, Seite 138

mini|Elisabeth, Äbtissin des Martha-Maria-Klosters der Barmherzigkeit in Moskau

Elisabeth gründete an der Großen Ordynka in Moskau ein Kloster. Sie hatte die Vision eines neuen Schwesterntyps, der Gebet und Sozialarbeit nach dem Vorbild der Diakonissen vereinigte. Die Konservativen der orthodoxen Kirche betrachteten die Ideen der Großfürstin mit Argwohn und warfen ihr protestantische Tendenzen vor. In den daraufhin angepassten Regeln für die Schwesternschaft wurde auf umstrittene Punkte wie die Diakonissenweihe gänzlich verzichtet, und die Zweifel konnten ausgeräumt werden. So entstand die Gemeinschaft der Schwestern der Liebe und Barmherzigkeit. Das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit begann mit seiner Tätigkeit am 10. Februar 1909.Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 158 Die strengen Regeln und Pflichten der Schwestern galten auch für die Äbtissin Elisabeth. Am Gründungstag sagte sie:

„Ich verlasse die schillernde Welt, in der ich eine hohe Stellung eingenommen habe, und jetzt bin ich zusammen mit Euch dabei, hinabzusteigen in eine viel größere Welt – die Welt der Armen und Leidenden.“Zitiert nach: Methodius Völkel: Rezension des Buches Großfürstin Elisabeth von Rußland. Heilige Neumärtyrin unter dem kommunistischen Joch von Lubov Millar. In: Erbe und Auftrag, Jg. 81 (2005), S. 258–259, hier S. 258.

Zum Kloster gehörte ein Krankenhaus, in dem Bedürftige kostenlos behandelt wurden, eine Apotheke, ein Waisenhaus sowie eine Bibliothek. Die Schwestern versorgten Kranke unentgeltlich mit Medikamenten und speisten Arme und Bedürftige.

Als Äbtissin sah Elisabeth sich den Traditionen der russisch-orthodoxen Kirche verbunden und lehnte übertriebenen Mystizismus ab. Dies zeigte sich unter anderem darin, dass sie Bewerberinnen für die Schwesternschaft ablehnte, die ihr von Visionen und mystischen Erfahrungen berichteten. Diese Überzeugung entfremdete sie auch von ihrer Schwester, der Zarin Alexandra, da sie auch den Wunderheiler und Wanderprediger Rasputin entschieden ablehnte. Elisabeth verwendete sich 1917 bei Zar Nikolaus II. sogar für die Mörder Rasputins,Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 192 – abgedruckter Brief Elisabeths an Zar Nikolaus II. speziell für ihren Neffen und einstigen Pflegesohn Dmitri Pawlowitsch Romanow.Buranow, Chrustaljow: Die Zarenmörder, 1993, Seite 22/24 In ihrem Brief an Nikolaus II. schrieb sie:

„… zehn Tage habe ich täglich immer wieder für euch alle gebetet, … Auch der Name dieses unglückseligen Mannes war auf meiner Liste, damit Gott ihn erleuchten möge.- Als ich zurückkam, hörte ich die Nachricht, dass Felix ihn getötet hat, … was er durchgemacht haben muss, diese Tat zu vollbringen, und wie er von Patriotismus bewegt beschlossen hat seinen Herrscher und sein Land vor dem zu retten, worunter alle litten …“Barkowez, Fedorow, Krylow: „Peterhof ist ein Traum …“, 2001, Seite 182 – abgedruckter Brief Elisabeths

1914 begann der Erste Weltkrieg, und einige Schwestern des Klosters begaben sich an die Front und arbeiteten in Feldlazaretten. Die Großfürstin sammelte auf teils von ihr selbst organisierten Wohltätigkeitsveranstaltungen Spenden für Kriegsversehrte und deren Angehörige.