mini|hochkant=1.4|Westgiebel und Querhaus der Wallfahrtskirche in Dettelbach Maria im Sand (auch Maria in arena; Maria in vineis) ist eine Wallfahrtskirche in der Stadt Dettelbach im Landkreis Kitzingen (Bayern). Die Wallfahrtstradition vor Ort geht auf das beginnende 16. Jahrhundert zurück und hatte zunächst einen angeblich wundertätigen Bildstock zum Ziel. Im 17. Jahrhundert ließ der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die heutige Kirche errichten und förderte die Wallfahrt, die noch heute die bedeutendste im Bistum Würzburg ist.
Geschichte Vorgängerbauten mini|hochkant|Nikolaus Lemmerer vor dem wundertätigen Bildstock, 18. Jh. Der Bau der Wallfahrtskirche hängt eng mit den Wundern zusammen, die sich an einem Bildstock im Osten der Gemarkung Dettelbachs ereigneten. Das erste Wunder ist im Jahr 1505 nachzuweisen. Damals soll der nach einer Kirchweihrauferei gelähmte Nikolaus Lemmer (auch Lemmerer) aus dem heute im Landkreis Bamberg gelegenen Melkendorf (wohl Melkendorf (Litzendorf)) eine Vision gehabt haben. Er pilgerte zu dem Dettelbacher Bildstock, entzündete eine Kerze und gesundete sehr schnell. In der Folgezeit entstand eine Wallfahrt, die, mit Unterbrechung durch die Reformation, bis heute Bestand hat.Hans Bauer: Mirakelbilder. Die Wunder der Marienwallfahrt nach Dettelbach. Dettelbach 2016. S. 9 f. (siehe auch: Wallfahrt)
Nachdem immer mehr Gläubige nach Dettelbach zogen, umgab der Stadtrat den Bildstock mit einer kleinen, hölzernen Kapelle, die auch der Abt des Würzburger Schottenklosters Johannes Trithemius in seiner Wundersammlung von Dettelbach 1511 beschrieb. Über die Vorgängerbauten der heutigen Wallfahrtskirche ist die Literatur uneins. Bereits 1506 soll Fürstbischof Lorenz von Bibra die einsetzende Wallfahrt durch den Neubau eines Gotteshauses gefördert haben, die Inschrift mit dem bischöflichen Wappen hat sich im Inneren der heutigen Kirche erhalten.Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573–1617. Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung. Regensburg 2005. S. 100.
Der Bau könnte allerdings erst unter Bibras Nachfolger Konrad II. von Thüngen fertiggestellt worden sein und wurde wohl durch die Spenden der Wallfahrer und des Bischofs gemeinsam finanziert. Die Kapelle wurde mit einem Tympanon aus dem Umfeld Tilman Riemenschneiders verziert, der sich heute im Museum für Franken auf der Würzburger Festung Marienberg befindet. Überreste der ersten Kapelle sind eventuell in den Rippengewölben des Turmuntergeschosses erhalten. Sie erinnern an die Gewölbe der Karlstädter Andreaskirche, sowie der Westempore von Königshofen.
Der Aufschwung der Wallfahrt war zunächst nicht von langer Dauer, weil die Reformation in Dettelbach starken Zulauf fand. Zwar war die Kirche bei einer Visitation im Jahr 1573 weitgehend intakt, allerdings besuchten viele Dettelbacher den lutherischen Gottesdienst in den Dörfern der Umgebung. Der Würzburger Julius Echter von Mespelbrunn forcierte die Gegenreformation. Er erkannte den Nutzen, den die Wallfahrt nach Dettelbach hierfür haben könnte. Zunächst wurden die Dettelbacher durch Zwangsmaßnahmen zur katholischen Lehre zurückgebracht.
Der Neubau (1608–1613) Bereits im Jahr 1608 begann der Fürstbischof mit dem Bau einer größeren Wallfahrtskirche. Noch im selben Jahr hatte man in den vorhandenen Kapellenbau neue Fenster einbauen lassen, für die der Iphöfer Handwerker Adam Zwinger entlohnt wurde. Die Wallfahrtskirche wurde mit einer komplizierten Bauorganisation geplant. Als Bauherr trat der Würzburger Fürstbischof auf. In Dettelbach hatten der fürstbischöfliche Keller Bartholomäus Schönkapp und der Wallfahrtspfleger Jakob Körner die Bauaufsicht. Als Vertreter von Julius Echter fungierte der Dettelbacher Spitalmeister Peter Müller. Er leitete die Befehle an die Verantwortlichen weiter.
Am 9. April 1611 unterschrieb der Maurermeister Lazaro Agostino einen Vertrag, der ihn verpflichtete nach der bereits vorliegenden Skizze zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war man bereits mit der Aufmauerung des Querflügels beschäftigt. Als Steinmetzen zog man, neben Adam Zwinger, den Volkacher Jobst Pfaff heran, der bereits das Schloss in Gaibach neu errichtet hatte. Noch 1611 machten erste Schwierigkeiten am Bau die Änderung der Pläne erstmals notwendig. Im August des Jahres 1611 begann man das Vierungsgewölbe zu bauen.
Obwohl es zwischen Agostino und dem Würzburger Fürstbischof in den folgenden Monaten immer wieder zu Auseinandersetzungen über den genauen Bauablauf kam, wurde in einem Baubericht vom 19. März 1612 bereits eine Zwischenbilanz gezogen. Die Langhausmauer steht bereits bis auf eine Höhe von mehreren Metern. Nachdem sich Pfaff krankheitsbedingt aus dem Projekt zurückziehen musste, übernahm der Kitzinger Maurer Peter Meurer die Arbeiten. Bis Ende Mai wurde am Langhausdach gearbeitet, sodass der alte Gnadenaltar aus der Kapelle vor Regen geschützt, untergestellt werden konnte.
In den folgenden Monaten tauchte erstmals der Forchtenberger Künstler Michael Kern in Zusammenhang mit der Wallfahrtskirche auf. Er hatte dem Fürstbischof ein Angebot für das Westportal unterbreitet. Zugleich wurden in den Rechnungen nun auch viele andere Handwerker genannt, weil es nun galt den Innenraum zu tünchen oder den Turmknauf aufzurichten. Bis zum 13. August schienen die Arbeiten an der Kirche wie geplant voran zu gehen. Allerdings meldete Peter Müller am 18. August 1612 nach Würzburg, dass das westliche Langhausjoch am frühen Morgen eingestürzt sei.Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573–1617. Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung. Regensburg 2005. S. 114–128.
Deshalb arbeitet man auch noch 1613 an der Kirche. Bis Ende Januar waren die Gewölberippen versetzt worden. Der Einsturz machte einige Anpassungen an den bestehenden Plänen notwendig, weswegen in der Folgezeit viele schriftliche Auseinandersetzungen zwischen dem Fürstbischof und einzelnen Handwerkern vorliegen. Der Bau der Kirche hatte Kosten von 15.000 Gulden verursacht. Am 8. September 1613 konnte die Wallfahrtskirche vom Würzburger Weihbischof Eucharius Sang konsekriert werden. Julius Echter war unter den Gästen und ließ alle Anwesenden, angeblich 4.000 Menschen, mit Speisen versorgen, darunter auch lutherische Bewohner der Umgebung.Hans Bauer: Mirakelbilder. Die Wunder der Marienwallfahrt nach Dettelbach. Dettelbach 2016. S. 16.
Kirche und Kloster
Der Plan des Julius Echter, mit dem Neubau auch die Wallfahrt wiederzubeleben, ging auf. Im Jahr 1616 rief der Fürstbischof mehrere Franziskanerpatres aus der Oberdeutschen (Straßburger) Ordensprovinz Argentina nach Dettelbach und baute neben der Kirche ein Kloster des Ordens auf. Die Franziskaner waren fortan für die Betreuung der Pilger vor Ort zuständig. Im Jahr 1629, während des Dreißigjährigen Krieges, sind bereits 12.987 Hostien an die Wallfahrer ausgegeben worden und es wurden insgesamt 3.459 Messen in der neuen Kirche gefeiert. mini|Kirche und Kloster auf einer Zeichnung des 18. Jahrhunderts Zwei Jahre später wurde die Wallfahrtskirche von den protestantischen Schweden ausgeraubt, die Dettelbach zeitweise zu ihrem fränkischen Hauptquartier machten. Die Wallfahrt blieb bestehen und für 1634 ist die Anwesenheit des späteren Kaisers Ferdinand III. in Dettelbach nachzuweisen. Er besuchte eine heilige Messe in der Kirche und brachte der Muttergottes ein Opfer dar. Erst nach dem Ende des langen Krieges konnte die Ausstattung des Gotteshauses ergänzt werden. 1659 erhielt das nördliche Seitenschiff einen eigenen Chor, 1666 weihte man einen neuen Hochaltar.
Während des gesamten 18. Jahrhunderts hindurch erlebte die Wallfahrt in die Sandkirche eine Blüte. Erst 1796 zogen Franzosen während der Revolutionskriege durch den Ort. Die Kirche entging nur knapp einer Plünderung. In den Quellen ist davon die Rede, dass mehrere französische Soldaten das Gotteshaus bereits als Stall für ihre Pferde ausersehen hatten, aber ihre Meinung änderten, als sie das wundertätige Muttergottesbild im Gnadenaltar erblickten. Obwohl das Kloster in dieser Zeit häufig von Einquartierungen fremder Truppen bedroht war, blieb die Kirche davon verschont.Raphael Konrad: Die Wallfahrt und die Franziskaner in Dettelbach. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 80.
Obwohl der Franziskanerkonvent im Zuge der Säkularisation am Beginn des 19. Jahrhunderts von der Auflösung bedroht war, gelang es den Ordensbrüdern, die Seelsorge der Wallfahrer weiterhin zu gewährleisten. Erst 1826 gelang es durch ein Regierungsdekret des bayerischen Königs Ludwig I., das Kloster dauerhaft zu erhalten; es gehörte jetzt zur Bayerischen Franziskanerprovinz Bavaria. Im 19. und 20. Jahrhundert nahm man mehrere Renovierungen an der Kirche vor. So erneuerte man 1955 bis 1958 und 1975 das Kircheninnere. Die letzte Außenrestaurierung fand 1982 bis 1985 statt.Hugo Schnell: Wallfahrtskirche Maria im Sand. Dettelbach am Main (= Schnell Kunstführer Nr. 679). Regensburg10 2005. S. 16. Im Jahr 2017 wurde das Franziskanerkloster von der 2010 durch Fusion der Ordensprovinzen in Deutschland entstandenen Deutschen Franziskanerprovinz wegen Personalmangels aufgelöst. Die Kirche wird fortan vom Dettelbacher Stadtpfarrer betreut.
Architektur Die Kirche präsentiert sich heute als kreuzförmiger Bau mit Vierung und Querhaus. Ältestes Bauteil ist der aus der Vorgängerkirche übernommene Chor. Im Inneren prägen gotische Rippengewölbe das Langhaus, die Fenster sind mit reich verziertem Maßwerk gearbeitet. Die Kirche besitzt einen kleinen Glockenturm, der im Norden des Chores angebaut wurde. Daneben besteht ein Dachreiter auf dem Langhausdach nahe der Vierung. Besondere kunsthistorische Bedeutung besitzt das im Westen angebrachte Hauptportal der Kirche, das 1612/1613 an das Langhaus angebaut wurde.
Baukörper Die Wallfahrtskirche hat eine Länge von 48 Metern. Der ältere Chor wurde um ein Zwischenjoch erweitert. Daran wurde ein breites Querhaus angebaut. Auf der Südseite, die in Richtung des Maintales ausgerichtet ist, wurde ein prächtiger Giebel angebracht. Das Langhaus besitzt drei Joche und wird durch mehrere Strebepfeiler gegliedert. Auf der Westseite ist ein weiterer Giebel errichtet worden, der mit Beschlagwerk verziert ist. Darunter erhebt sich das Hauptportal von Michael Kern.
mini|Die Wallfahrtskirche in der Seitenansicht Der Chor aus dem 16. Jahrhundert besteht aus zwei Jochen und schließt mit einem ⅜-Chor ab. An der westlichen Seite des Chores brachte man die Sakristei an. Oberhalb der Sakristei erhebt sich der niedrige Glockenturm mit vier Geschossen. Der Chor weist eine doppelte Kehlung auf, die auch die Strebepfeiler umläuft. Die Fenster des Chores sind dreibahnig und schließen mit nachgotischem Maßwerk ab. Das Zwischenjoch auf der Südseite besitzt die gleichen Fenster, wobei das Maßwerk jedes einzelnen Fensters sich unterscheidet.
Dagegen wurden die Fenster der Südseite vierbahnig gestaltet. Das Maßwerk wird allerdings fortgesetzt. Hier wurde insbesondere die Gewändekehlung ebenfalls verziert, sodass hier ornamentierte Sockel und skulptierte Konsolen zu finden sind. Das Skulpturenprogramm ist unklar, weil sich die Figuren nicht mehr erhalten haben. Die Laubwerkkapitelle mit phantastischen Tiergestalten sind stark verwittert. Die Unheimlichkeit der Kapitelle führte in der Dettelbacher Bevölkerung zu Sagen und Erzählungen. So sollen sie auf Todesfälle während des Baus hinweisen, deren Gesichter hier verewigt sind.