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Sachsenhausen () ist ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Er liegt am linken Mainufer gegenüber der Altstadt und gehört bereits seit dem Mittelalter zu Frankfurt. Verwaltungstechnisch ist Sachsenhausen in Sachsenhausen-Nord und Sachsenhausen-Süd eingeteilt, wird in der Regel aber als Einheit betrachtet und hat eine Einwohnerzahl von . Die Grenze zwischen Nord und Süd bildet die teilweise parallel zum Bahndamm verlaufende Mörfelder Landstraße, die im Osten als Offenbacher Landstraße weitergeführt wird.Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, Übersichtskarte Sachsenhausen-Nord

Der Norden Sachsenhausens ist ein dicht bebautes Gründerzeitviertel, während der flächenmäßig größere Süden überwiegend locker bebaut ist. Zudem gehört zu Sachsenhausen ein großer Teil des Frankfurter Stadtwaldes.

Sachsenhausen ist für seine Apfelweinwirtschaften bekannt, insbesondere ist Alt-Sachsenhausen durch eine Ballung von Gaststätten einer der Anziehungspunkte für Frankfurts Besucher. Die Radeberger Gruppe hat ihren Sitz in Sachsenhausen, die benachbarten Brauereien Henninger und Binding wurden 2001 bzw. 2023 stillgelegt.

Lage Sachsenhausen liegt am südlichen Mainufer gegenüber der Frankfurter Altstadt und gehört seit dem Mittelalter rechtlich und territorial zum Stadtgebiet, in deren Befestigungsanlagen es bis zu deren Niederlegung 1812 einbezogen war. Der Stadtteil grenzt im Osten an Oberrad, bildet im Südosten und Süden die Stadtgrenze zu den Nachbarstädten Offenbach am Main und Neu-Isenburg und grenzt im Westen an die Stadtteile Niederrad, Schwanheim und Flughafen. Während der nördliche Teil von Sachsenhausen eine relativ hohe Bevölkerungsdichte aufweist, nimmt der Frankfurter Stadtwald den größten Teil des Südens ein.

Im Frankfurter Dialekt nennt man Sachsenhausen auch Dribb de Bach oder Dribbdebach, also „drüben vom Bach“, auf der anderen Mainseite. Hibb de Bach heißt „hüben vom Bach“, also auf der nördlichen Seite des Mains.

Geschichte Entstehung

Anders als viele andere der Frankfurter Stadtteile war das südlich des Mains gelegene Sachsenhausen nie eigenständig, sondern gehörte schon im Mittelalter zu Frankfurt. Einer Legende nach siedelte der in den Sachsenkriegen siegreiche Karl der Große besiegte Sachsen am Main gegenüber der von ihm gegründeten Königspfalz Frankfurt an. Dafür gibt es jedoch keine historischen Belege. Zur Herkunft des Ortsnamens gibt es daneben verschiedene weitere Deutungen. Die Wahrscheinlichste darunter ist die Annahme, dass sich der Name von Sassenhusen herleitet, also einem Ort, wo „Beisassen“ hausten – so wurden bis 1866 Einwohner ohne volle Bürgerrechte bezeichnet.

Im frühen 12. Jahrhundert ließen sich Ministerialen der Pfalz Frankfurt am südlichen Mainufer nieder. Daran erinnern heute noch die Große und Kleine Rittergasse im alten Ortskern von Sachsenhausen. Zum ersten Mal wird der Ort im Jahre 1193 urkundlich erwähnt. In einer am 29. März in Speyer ausgestellten Urkunde schenkte Heinrich VI. dem in Sassenhusen prope Franchenfurt ansässigen, 1190 von dem Ministerialen Kuno von Münzenberg zu Ehren der glorreichen Mutter Gottes errichteten Hospital das königliche Allodialgut am Frauenwege, den Sandhof. Das Hospital sowie die zugehörige Kirche musste Kunos Sohn Ulrich I. von Münzenberg 1221 Kaiser Friedrich II. überlassen, da sich das Gut auf Reichsboden befand. Der Kaiser übertrug es im November 1221 dem Deutschen Orden auf ewige Zeiten.

Im 13. Jahrhundert lassen sich neben den Herren von Hagen-Münzenberg weitere Familien von Reichsrittern in Sachsenhausen nachweisen, darunter die Herren von Sachsenhausen, von Praunheim, von Urberg, von Schweinsberg und von Stockheim. Das einzige, was von den Rittern von Sachsenhausen übrig ist, ist ihr Wappen (vereinigt mit dem derer von Praunheim). Dies wird von der Brunnengesellschaft Sachsenhausen als Andenken verwendet. Zu den Aufgaben der Ministerialen gehörte die Verwaltung der Frankfurter Pfalz und der auf dem südlichen Ufer liegenden Reichsgüter des Wildbanns Dreieich. Die Namen der Geschlechter finden sich daher auch in der Liste der Reichsschultheißen von Frankfurt. mini|Fachwerkhaus Große Rittergasse 79 (2014), einst typisch für Alt-Sachsenhausen mini|Sachsenhäuser Ufer mit Dreikönigskirche um 1905 Die weitere Besiedlung Sachsenhausens scheint auch in Zusammenhang mit dem Bau der Alten Brücke über den Main zu stehen, die 1222 erstmals urkundlich erwähnt wurde, deren Bau aber möglicherweise bereits Ende des 12. Jahrhunderts durch Kuno von Münzenberg, der große Besitzungen beiderseits des Mainufers besaß, veranlasst wurde. Die erste Holzkonstruktion wurde Mitte des 13. Jahrhunderts durch eine Steinbrücke ersetzt.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts wuchs Frankfurt von einer kleinen Siedlung um die staufische Pfalz, den Saalhof, zu einer selbstverwalteten Stadt heran, die sich mehr und mehr Privilegien erwerben konnte, z. B. durch die Auslösung verpfändeter Regalien, königlicher Vorrechte wie Steuern und Zölle. 1220 wurde die Frankfurter Landvogtei abgeschafft und ein Reichsschultheiß eingesetzt. Ab 1266 ist ein aus 43 Mitgliedern bestehender Rat urkundlich bezeugt, der ab 1311 jährlich zwei Bürgermeister wählte. Während dieser Zeit entwickelte sich die Vorstadt Sachsenhausen zu einem Teil der Stadt Frankfurt. Erstmals wird es im Stadtfrieden von 1318 (einer Rechtsverordnung des Rates) ausdrücklich als Teil Frankfurts erwähnt.

Spätmittelalter und Neuzeit mini|links|hochkant|Sachsenhäuser Warte mini|Kuhhirtenturm Nachdem sich zunächst nur Ritterfamilien in Sachsenhausen niedergelassen hatten, siedelten Ende des 13. und im 14. Jahrhundert auch Fischer, Landarbeiter und Handwerker am südlichen Mainufer an. Die Sachsenhäuser Deutschordenskommende wurde zum Schauplatz bedeutender reichspolitischer Ereignisse. Noch im 13. Jahrhundert fanden hier mindestens drei Versammlungen des Generalkapitels, des höchsten Leitungsgremiums des Ordens, statt. Der spätere Kaiser Ludwig der Bayer veröffentlichte am 22. Mai 1324 die Sachsenhausener Appellation, in der er den Anspruch des Papstes auf die Approbation einer Königswahl zurückwies. Fortan genügte die Zustimmung der Mehrheit der Kurfürsten für die rechtmäßige Wahl eines Königs. Ein unbekannter Priester der Kommende (der Frankfurter) verfasste eine mystische Schrift in deutscher Sprache, die später als Theologia deutsch von Martin Luther herausgegeben wurde und weite Verbreitung fand. 1338 stiftete der Sachsenhausener Bürger Heile Dymar eine Kapelle, aus der später die Dreikönigskirche entstand.

Im Juli 1342 zerstörte das Magdalenenhochwasser die Mainbrücke und setzte ganz Sachsenhausen sieben bis zwölf Schuh hoch unter Wasser, so dass sich die gesamte Einwohnerschaft Sachsenhausens auf die Anhöhe des Mühlbergs flüchten musste.

1372 erwarb Frankfurt einen Teil des Reichsforstes Dreieich, den heutigen Frankfurter Stadtwald, von Kaiser Karl IV. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Sachsenhausen in die Frankfurter Stadtbefestigung einbezogen. Zu dieser Zeit hatte Sachsenhausen etwa 2700 Einwohner. Unter den vierzehn ratsfähigen Zünften fanden sich in Sachsenhausen insbesondere die Lohgerber, Fischer, Schiffer und Gärtner, auch Förster, Vogelfänger, Säger, Korbmacher und Besenbinder.

1414 wurde auf dem Mühlberg ein hölzerner Beobachtungsturm durch eine neue, steinerne Warte ersetzt, welche bereits im Jahre 1416 vom Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein (1388–1418) zerstört wurde. Auf dem höher gelegenen Sachsenhäuser Berg konnte in den Jahren 1470/71, auf dem höchsten Punkt der nach Süden führenden Straße, die neue Sachsenhäuser Warte als Teil der Frankfurter Landwehr gebaut werden, einer der vier heute noch erhaltenen Frankfurter Warttürme. Nach dem Vorbild der schon bestehenden Gallus- und bzw. Bockenheimer Warte errichtete man eine kleine Burg mit Häusern, Waffenlager, Wachtturm und Brunnen.

Die Stadttore und die Tore der Brückentürme blieben nachts verschlossen, so dass niemand hinein oder hinaus gelangen konnte. Auch der Verkehr von und nach Frankfurt war unmöglich. Da es keinen Pfarrer in Sachsenhausen gab, sondern die Pfarrrechte für kirchliche Amtshandlungen in der ganzen Stadt ausschließlich dem Pleban des Bartholomäusstiftes zustanden, war somit des Nachts auch kein seelsorgerlicher Beistand für die Sachsenhäuser möglich. Dies führte zu großer Unzufriedenheit der Bürger in Sachsenhausen. Erst 1452 erreichte die Stadt auf Vermittlung des Kardinals Nikolaus von Kues die Erhebung der Dreikönigskirche zur Filialkirche von St. Bartholomäus. Die Reformation fand in Sachsenhausen rasch viele Anhänger. 1525 wurde die Dreikönigskirche zur ersten Kirche in Frankfurt, an der ausschließlich reformierte Prediger wirkten. 1531 erhielt die Kirche mit Petrus Pfeiffer einen evangelischen Prediger fest zugewiesen, der zuvor letzter Guardian des Frankfurter Barfüßerklosters gewesen war.

Im Zuge der Stadtbefestigung wird 1490 als weiterer Wehrturm am Mainufer der Kuhhirtenturm, auch Elefant genannt, gebaut. Ihre größte Bewährungsprobe hatte die Stadtbefestigung im Spätsommer 1552 während der dreiwöchigen Belagerung durch Truppen des Kurfürsten von Sachsen zu bestehen.

17. und 18. Jahrhundert mini|Kupferstich von Matthäus Merian, 1628 Nach dem Fettmilch-Aufstand von 1614 erließ der Rat eine neue Quartierordnung zur Einteilung des Stadtgebiets innerhalb der alten Stadtmauern in 14 Quartiere.Eines Erbarn Raths Der Statt Franckfurt am Mayn Quartir-Ordnung, Frankfurt am Main, 25. Oktober 1614. Eine ausführliche Darstellung der Quartiersgeschichte findet sich in: Wolfgang Klötzer, Vom Stadtquartier zum Stadtteil, abgedruckt in: Keine liebere Stadt als Frankfurt. Studien zur Frankfurter Geschichte Band 45, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-7829-0509-1. Ähnlich wie heute noch die Contraden in Siena oder die Sestieri in Venedig bildeten die Quartiere soziale Gemeinschaften innerhalb der Stadtgesellschaft. Jedes Quartier bestand aus 170 bis 270 Häusern, die innerhalb der Quartiere durchnummeriert waren. Ein modernes Nummernsystem nach Straßen wurde erst in preußischer Zeit eingeführt. 12 Quartiere (A bis M) lagen nördlich des Mains, die Quartiere N und O in Sachsenhausen. Die Grenze zwischen dem östlichen Quartier N – auch Oberhausen genannt – und dem westlichen Unterhausen (Quartier O) bildete die Brückengasse.

1769 fiel der Sachsenhäuser Brückenturm als Verkehrshindernis.

19. Jahrhundert mini|hochkant|links|Sachsenhausen um 1833 mini|Villa Metzler – eine der ersten im 19. Jahrhundert erbauten Villen am Schaumainkai alternativtext=Gründeraktie der Hippodrom-A.-G. über 1.000 Mark vom 21. Juni 1897 mit Unterschrift des Frankfurter Privatbankiers Eduard von Grunelius als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Zweck der Gesellschaft war die Förderung des Sports, insbesondere des Reit- und Fahrsports. Auf der Aktie abgebildet ist das pompöse Gebäude an der Ecke Wilhelmstraße und Forsthausstraße, heute Stresemann- und Kennedyallee, im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen und 1956 abgerissen.|mini|Gründeraktie der Hippodrom-A.-G. über 1.000 Mark vom 21. Juni 1897 mit Unterschrift des Frankfurter Privatbankiers Eduard von Grunelius als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Zweck der Gesellschaft war die Förderung des Sports, insbesondere des Reit- und Fahrsports. Auf der Aktie abgebildet ist das pompöse Gebäude an der Ecke Wilhelmstraße und Forsthausstraße, heute Stresemann- und Kennedyallee, im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen und 1956 abgerissen.