Die norwegischen Streitkräfte ( Forsvaret, „Verteidigung“) sind die für die militärische Verteidigung zuständige Organisation Norwegens. Sie bestehen aus den vier Teilstreitkräften Heer, Marine, die die Küstenwache mit umfasst, Luftwaffe (Luftforsvaret) und Heimevernet, der milizartig organisierten Heimwehr, sowie weiteren Behörden.
Stärke und Organisation mini|links|Norwegische Soldaten mini|links|Norwegischer Soldat in Afghanistan Die Friedensstärke der gesamten Streitkräfte Norwegens beträgt etwa 27.000 aktive Soldaten. Dazu kommen etwa 5000 zivile Mitarbeiter. Bei Mobilmachung steigt die Gesamtzahl auf etwa 83.000 an, von denen 50.000 Angehörige der Heimwehr sind. Zudem stehen bis zu 140.000 Reservisten zur Verfügung.
In Norwegen besteht eine Wehrdienstpflicht für alle Männer und Frauen ab 19 Jahren, die Dienstzeit beträgt zwölf Monate in den regulären Streitkräften, an die sich sechs Monate in der Heimwehr anschließen. Von 63.841 Frauen und Männern, die 2012 gemustert wurden, wurden 9256 wehrpflichtige Männer einberufen. Seit 2009 sind auch Frauen verpflichtet, sich mustern zu lassen, der Wehrdienst blieb aber vorerst freiwillig. Der Frauenanteil lag 2009 bei rund 7 %. Am 14. Juni 2013 beschloss das norwegische Parlament, ab 2015 die Wehrpflicht auch für Frauen einzuführen, wodurch Norwegen das erste NATO-Mitglied und das erste europäische Land mit Wehrpflicht für beide Geschlechter werden sollte. Wehrpflichtige Frauen wurden erstmals im Sommer 2016 einberufen. Laut Verteidigungsministerin Ine Eriksen Soreide sei es das Ziel, den Frauenanteil zu steigern; die Gesamtzahl der Soldaten solle gleich bleiben.diepresse.com – Norwegen führt Wehrpflicht für Frauen ein. Artikel vom 14. Oktober 2014, abgerufen am 14. Oktober 2014. Die tatsächliche Einberufung findet vergleichsweise selektiv statt, so dass nur diejenigen Wehrpflichtigen mit herausragender körperlicher und geistiger Eignung tatsächlich den Dienst antreten müssen. So wurden 2012 rund 13 % der Tauglichen eingezogen.James Kenneth Wither: Back to the future? Nordic total defence concepts, In: Defence Studies 20:1, S. 71 f.
Wie andere skandinavische Staaten befindet sich Norwegen seit der Krim-Annexion, dem russischen Krieg gegen die Ukraine und russischen Militärübungen an der Grenze zum Baltikum in einem Prozess der erneuten Aufrüstung zur Abwehr möglicher russischer Aggressionen. Strategisch steht dabei eine frühzeitige, entscheidende Abwehr russischer Angriffe im Blickpunkt, um Zeit für die Anlandung von US-amerikanischen See- und Luftverbänden sowie die Verlegung von US-Militärschiffen zu schaffen. Dies soll über moderne Aufklärungs- und Waffensysteme mit großer Reichweite sowie durch die Stärkung der einzigen vorhandenen Kampfbrigade des Heeres erreicht werden, die das Gefecht unter den besonderen Bedingungen des hohen Nordens in der Finnmark führen soll.James Kenneth Wither: Back to the future? Nordic total defence concepts, In: Defence Studies 20:1, S. 72.
Nomineller Oberbefehlshaber der norwegischen Streitkräfte ist der König von Norwegen, derzeit Haakon VIII. Geführt wird das Militär jedoch vom Verteidigungsminister und einem Generalstabschef (Forsvarssjefen) in beratender Funktion. Das „Vereinigte Oberkommando“ der norwegischen Streitkräfte befindet sich in Stavanger und die Militärakademie Krigsskolen in Oslo.
Generelle Struktur Die norwegischen Streitkräfte werden offiziell einfach „Die Verteidigung“ (Forsvaret) genannt. Nach der norwegischen Verfassung ist der König ihr Oberster Befehlshaber. Norwegen ist ein konstitutionelles Königreich, Parlament und Regierung sind für die Verteidigungspolitik verantwortlich. Die zum 1. Januar 2017 gültigen Rahmenbedingungen für den Verteidigungssektor sind die folgenden:
Königreich Norwegen (Staten) Norwegisches Parlament (Stortinget) Norwegische Regierung (Regjering, von dem Premierminister (Statsministeren) geleitet) Verteidigungsministerium (Forsvarsdepartementet, vom Verteidigungsminister (Forsvarsministeren) geleitet) Militärorganisation der Verteidigung (Forsvarets militære organisasjon) Cyberverteidigung (Cyberforsvaret, Teilstreitkraft, von einem Generalmajor / Konteradmiral geführt) Aufklärungsdienst (Etterretningstjenesten, von einem Generalleutnant / Vizeadmiral geführt, als Staats- und Militäraufklärungsdienst) Militärgeografischer Dienst der Verteidigung (Forsvarets militærgeografiske tjeneste) Hochschule der Verteidigung [Militärakademie] (Forsvarets høgskole, von einem Generalmajor / Konteradmiral geführt) Stabsschule der Verteidigung (Forsvarets stabsskole) Aufklärungshochschule der Verteidigung (Forsvarets etterretningshøgskole) Fernstudiumsabteilung der Verteidigung (Forsvarets fjernundervisning) Institut für Verteidigungsstudien (Institutt for forsvarsstudier) Logistikorganisation der Verteidigung (Forsvarets logistikk organisasjon integrierte militär-zivile Struktur) Operatives Hauptquartier der Verteidigung (Forsvarets operative hovedkvarter), das norwegische gemeinsame Streitkräfteführungskommando, in Reitan (Bodø, von einem Generalleutnant / Vizeadmiral geführt) Sanität der Verteidigung (Forsvarets sanitet, der gemeinsame Sanitätsdienst der Streitkräfte, von einem Arzt im Range eines Generalmajors / Konteradmirals geführt) Stab der Verteidigung (Forsvarsstaben, der norwegische Generalstab, von einem Generalleutnant / Vizeadmiral geführt, unterstützt den norwegischen Verteidigungschef, einen General / Admiral) Feldpriesterkorps (Feltprestkorpset) Kultur- und Traditionsabteilung der Verteidigung (Forsvarets avdeling for kultur og tradisjon) Lohnverwaltung der Verteidigung (Forsvarets lønnsadministrasjon) Medienzentrum der Verteidigung (Forsvarets mediesenter) Personal- und Wehrdienstzentrum der Verteidigung (Forsvarets Personell- og Vernepliktssenter) Personaldienste der Verteidigung (Forsvarets personelltjenester) Wohndienst der Verteidigung (Forsvarets boligtjeneste) Wohlfahrtsdienst der Verteidigung (Forsvarets velferdstjeneste) Buchhaltungsverwaltung der Verteidigung (Forsvarets Regnskapsadministrasjon) Militärische Sicherheitsabteilung (Forsvarets sikkerhetsavdeling) Computerisierungsprogramm (LOS-programmet, kommt aus Ledelse, Organisasjon, Styring – Führung, Organisation, Kontrolle, von einem Brigadegeneral / Flaggenkommodore geführt) Militärmission in Brüssel (Militærmisjonen i Brussel, die norwegische Vertretung bei der NATO, von einem Generalmajor / Konteradmiral geführt) Norwegisches Heer (vom Generalinspekteur für das Heer (Generalinspektøren for Hæren), einem Generalmajor, geführt) Brigade Nord (Brigade Nord, die einzige norwegische Heeresbrigade, im Norden von Norwegen (Stab in Bardufoss) stationiert, mit einem kleinen Anteil im südöstlichen Norwegen (Rena)) Garde Seiner Majestät des Königs (Hans Majestet Kongens Garde, die Garde des Königs und Garnisoneneinheit von Oslo, stationiert im Stadtviertel Huseby, mit der Ausbildungskompanie in Terningmoen bei Elverum) Garnison in Sør-Varanger (Garnisonen i Sør-Varanger, gemeinsame zivil-militärische Operation, agiert als Grenzwache (Grensevakten) für die Sicherung der norwegisch-russischen Grenze mit einer Stabskompanie, einer Garnisonskompanie und zwei Grenzjägerkompanien, Stab in Høybuktmoen, von einem zivilen Polizeidirektor geführt) Heereswaffenschule (Hærens våpenskole, bringt alle Kampf- und Kampfunterstützungsheereseinheiten für Grund-, Kampf- und Weiterausbildung und für Doktrinsentwicklung zusammen, Stab in Østerdal) Kompetenzzentrum der Verteidigung für Logistik und Einsatzunterstützung (Forsvarets kompetansesenter for logistikk og operativ støtte, Ausbildungsorganisation für Logistikeinheiten und Militärpolizei, Stab in Sessvollmoen) Heeresabteilung für Operative Unterstützung (Operasjonsstøtteavdelingen for Hæren, Logistikunterstützung für die Heereseinheiten und für ausländische Militäreinheiten (Host Nation Support), infrastrukturelle Betreuung der Heeresstützpunkte, Stab in Bardufoss) Norwegische Luftstreitkräfte (wörtlich Luftverteidigung (Luftforsvaret), vom Generalinspekteur für die Luftwaffe (Generalinspektøren for Luftforsvaret), einem Generalmajor, geführt) 131. Fliegergeschwader (131 Luftving, Luftstützpunkt Sørreisa (Sørreisa flystasjon)), keine fliegenden Einheiten, das Geschwader ist ein Control and Reporting Centre (CRC) und hat Radarpunkte als Außenstellen. 132. Fliegergeschwader (132 Luftving, Luftstützpunkt Ørland (Ørland flystasjon), mit Außenstellen in Bodø (Stasjonsgruppe Bodø) und Banak (Stasjonsgruppe Banak)), Hauptverband der norwegischen Luftwaffe mit Jagdfliegern, NASAMS-Flugabwehrbataillon, Objektschutztruppen und Luftwaffenpionieren, vorgeschobener NAEW&CFC-Stützpunkt. 133. Fliegergeschwader (133 Luftving, Luftstützpunkt Andøya (Andøya flystasjon), P-3 Orion-Seeaufklärungs- und U-Boot-Abwehrflugzeuge, wird nach Evenes verlegt) 135. Fliegergeschwader (135 Luftving, Luftstützpunkt Gardermoen (Gardermoen flystasjon), Lufttransport- und Elektronische Kampfführungseinheit) 139. Fliegergeschwader (139 Luftving, Luftstützpunkt Bardufoss (Bardufoss flystasjon) und Außenstellen in Rygge (Stasjonsgruppe Rygge), Sola, Haakonsvern (beide Avdeling Sola) und Banak (Teil der Stasjonsgruppe Banak unter dem 132. Fliegergeschwader)), Hubschrauberverband der norwegischen Streitkräfte, unterstützt die Brigade Nord des Heeres (Bell 412 SP in Bardufoss), die Marinefregatten (NH90NFH in Haakonsvern), die Küstenwache (NH-90NFH in Bardufoss), die Spezialkräfte der Terrorkampfbereitschaft nahe Oslo (Bell-412 SP in Rygge) und das Justizministerium bei Luftrettung mit (Sea King Mk43B in Sola sowie vorgeschobene in Banak, Bodø, Ørland, Florø und Rygge. Auch die Schule für die Fliegerausbildung (Luftforsvarets flygeskole) gehört zum 139. Fliegergeschwader.) Norwegische Marine (wörtlich Seeverteidigung (Sjøforsvaret), vom Generalinspekteur für die Marine (Generalinspektøren for Sjøforsvaret), einem Konteradmiral, geführt) Marine (Marinen, von 2002 bis 2016 Küstengeschwader (Kysteskadren) genannt) Küstenwache (Kystvakten, die Überwachungseinheiten der Marine) Schulen der Marine (Sjøforsvarets skoler) Norwegische Heimwehr (vom Generalinspekteur für die Heimwehr (Generalinspektøren for Heimevernet), einem Generalmajor, geführt) 11 Heimwehrdistrikte Spezialkräfte der Verteidigung (Forsvarets spesialstyrker, vom Chef der Spezialkräfte (Chefen for Spesialstyrker), einem Generalmajor / Konteradmiral, geführt) Spezialkommando der Verteidigung (Forsvarets Spesialkommando, die Heeresspezialeinheit, stationiert in Rena bei Elverum) Marinejägerkommando (Marinejegerkommandoen, die Kampfschwimmereinheit, stationiert in Haakonsvern und Ramsund)
Heer mini|Gliederung des norwegischen Heeres August 2025 mini|Norwegische Leopard-1-Panzer
Das norwegische Heer verfügt über rund 7500 aktive Soldaten und befindet sich wie die anderen Teilstreitkräfte in einem Modernisierungsprozess. Es gliedert sich in die Brigade Nord (Hauptquartier im nordnorwegischen Heggelia, bestehend aus acht Bataillonen verschiedener Waffengattungen einschließlich Unterstützungstruppen), das Landkommando Finnmark in Regimentsgröße (1 mechanisiertes Infanteriebataillon, 1 Jägerbataillon als Grenzwache), die Hans Majestet Kongens Garde („Die Garde seiner königlichen Majestät“, ein Jägerbataillon), die in Huseby Leir stationiert ist und vorrangig als Protokolleinheit dient. das Spezialkommando. Moderne Ausrüstung befindet sich im regelmäßigen Zulauf, so wurden die Panzer des Typs Leopard 1 A5NO durch mindestens 52 Leopard 2 A4NO ersetzt. Ferner stehen Panzerhaubitzen M109 A3GN (36 Stück) Schützenpanzer CV9030N (144 Stück, 20 weitere bestellt) Mannschaftstransportwagen M113 (440 Stück) Transportpanzer Sisu Pasi (75 Stück) gepanzerte Radfahrzeuge ATF Dingo (20 DINGO 2A3) in den Bestandslisten des Heeres.