Carnivàle []Durch viele Audiokommentare der Produzenten auf den DVDs ist eine von 2003 bis 2005 für den Bezahlsender HBO produzierte US-amerikanische Fernsehserie. Namensgeber der Serie ist der Carnival, eine Art vagabundierender Jahrmarkt, der im Amerika des 19. und 20. Jahrhunderts von reisenden Schaustellern betrieben wurde, die von Ort zu Ort zogen. In der übergreifenden Handlung, die während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren spielt, geht es um den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, aber auch um Themen wie freien Willen und Schicksal. Die Serie vermischt christliche Theologie und Gnostizismus mit mythischen und magischen Elementen wie Tarotwahrsagung, Telepathie und Freimaurereiüberlieferungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Templerorden.

Carnivàle wurde von HBO produziert und lief zwei Staffeln lang vom 14. September 2003 bis zum 27. März 2005 in den Vereinigten Staaten. Die Serie wurde von Daniel Knauf kreiert, der auch neben Ronald D. Moore und Howard Klein als Executive Producer diente. Die Musik wurde von Jeff Beal komponiert. Hauptdarsteller waren Nick Stahl und Clancy Brown als Ben Hawkins und Brother Justin Crowe. Gefilmt wurde in Santa Clarita und Südkalifornien.

Die erste Episode der Serie erreichte zu der Zeit die höchste Einschaltquote für eine HBO-Serie, konnte aber während der zweiten Staffel diese nicht halten. Nach 24 Folgen wurde Carnivàle abgesetzt. Die Serie gewann 2004 fünf Emmys und war von 2004 bis 2006 für weitere zehn nominiert.

Handlung und Mythologie

Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise (Great Depression) in den 1930er Jahren im Dust Bowl des US-amerikanischen Mittelwestens angesiedelt, erzählt Carnivàle die Geschichte des ewigen Konflikts zwischen dem Guten und dem Bösen.

In jede Generation wird laut Mythologie der Serie eine Kreatur des Lichts und eine der Dunkelheit geboren. In Carnivàle handelt es sich dabei um den jungen Ben Hawkins (Nick Stahl), der bei einem reisenden Carnival arbeitet und für das Gute steht. Die böse Kreatur wird durch den Methodistenprediger Brother Justin Crowe (Clancy Brown) verkörpert. Beide haben Visionen von zukünftigen Ereignissen. Hawkins kann zudem durch übernatürliche Fähigkeiten Menschen heilen, sogar vom Tod wiederauferstehen lassen, während Crowe sie dazu bringen kann, seinem Willen zu folgen. In Kalifornien sendet Crowe seine Predigten über Radio aus und erhält so immer mehr Einfluss, während der Wanderzirkus sich langsam von Oklahoma dorthin begibt. Die zwei Hauptfiguren begegnen sich erst zum Ende der Serie persönlich. Ihre Handlungsstränge laufen vorher getrennt voneinander ab.

Fast jede Folge hat eine unterschiedliche Geschichte mit einem anderen Ort, an dem der Carnival gerade gastiert, jedoch ist die übergreifende Geschichte vom „Guten gegen das Böse“, die zum Ende der zweiten Staffel ihren Höhepunkt nimmt, in jeder Folge präsent. Viele Handlungsstränge werden über einige Zeit nicht beantwortet oder im Unklaren gelassen, so etwa die genealogische Verbindung zwischen den Hauptcharakteren und die Handlung rund um den Templerorden. Selbst die Gut- oder Boshaftigkeit der Charaktere bleibt in der ersten Staffel zum Teil unklar.

Daniel Knauf beruhigte Kritiker, dass Carnivàle von Anfang an eine anspruchsvolle Serie mit viel Subtext werden sollte. Die Autoren hatten vor jeder Staffel die grundlegenden Handlungsbögen geschaffen, gaben den Charakteren aber die Möglichkeit, ihr Schicksal noch zu ändern.

Figuren und Besetzung

mini|Michael J. Anderson auf der CarneyCon (2006)

Die Handlung von Carnivàle findet in den 1930ern im Dust Bowl statt und dreht sich um die langsame Zusammenführung eines reisenden Carnivals und eines kalifornischen Priesters. Von 17 Darstellern gehörten während der ersten Staffel 15 zum Carnival. In der zweiten Staffel gab es 13 Hauptdarsteller und mehrere wiederkehrende Rollen.Die Zahlen berufen sich auf die Anzahl der Namen während der Credits Obwohl die große Besetzung das Produzieren teurer machte, profitierten die Autoren von der Flexibilität der Handlung. Die Hintergründe der meisten Figuren wurden vor dem Dreh von Carnivàle vollständig entwickelt, waren aber nicht Teil der „sichtbaren“ Struktur der Serie. Sie wurden im Pitch Document nachträglich veröffentlicht.

Der erste Handlungsstrang in der ersten Staffel ist der von Ben Hawkins, gespielt von Nick Stahl, einem jungen Okie, der sich dem Carnival anschließt. Michael J. Anderson, bekannt vor allem durch die Filme David Lynchs, spielt Samson, den kleinwüchsigen Manager des Carnivals. Clayton „Jonesy“ Jones, der verkrüppelte Co-Manager, wird von Tim DeKay verkörpert. Patrick Bauchau spielt den blinden Gedankenleser Lodz, während Debra Christofferson seine Geliebte Lila „die bärtige Dame“ ist. Diane Salinger stellt die katatonische Wahrsagerin Apollonia dar, Clea DuVall ihre Tarotkarten legende Tochter Sofie. Die Schlangenbeschwörerin Ruthie wird von Adrienne Barbeau gespielt. Ihr Sohn ist Gabriel, gespielt von Brian Turk. John Fleck spielt Gecko, „den Eidechsenmann“. Karyne und Sarah Steben sind die siamesische Zwillinge Alexandria und Caladonia. Die Dreifuss-Familie wird von Toby Huss und Cynthia Ettinger als Felix „Stumpy“ und Rita Sue dargestellt; Carla Gallo spielt die Tochter Libby. Amanda Aday spielt Dora Mae Dreifuss in einer Nebenrolle. John Savage verkörpert den mysteriösen Henry Scudder in mehreren Folgen, während Linda Hunt ihre Stimme dem ebenso mysteriösen Management leiht.

Der zweite Handlungsstrang wird angeführt von Clancy Brown, der den methodistischen Priester Brother Justin Crowe spielt. Seine Schwester Iris wird von Amy Madigan dargestellt. Robert Knepper spielt ab Mitte der ersten Staffel den erfolgreichen Radiomoderator Tommy Dolan und Ralph Waite Reverend Norman Balthus, Brother Justins Mentor.

Während der ersten Staffel gab es einige, schon im Vorfeld geplante, Änderungen. John Fleck, Karyne Steben und ihre Schwester Sarah hatten ihren letzten Auftritt im ersten Staffelfinale, während Patrick Bauchaus und Diane Salingers Rolle nur noch zu Nebenrollen wurden. Ralph Waite hingegen wurde zum Hauptdarsteller. Mehrere Nebenrollen wurden eingefügt, vor allem John Carroll Lynch als den flüchtigen Verbrecher Varlyn Stroud und Bree Walker als Sabina „die Skorpionenfrau“.

Produktion Konzept mini|Daniel Knauf mini|Ronald D. Moore bei der San Diego Comic-Con International 2013 Daniel Knauf schrieb das erste Skript zwischen 1990 und 1992, als er mit seinem Job als Krankenversicherungsmakler unglücklich war und hoffte, ein Drehbuchautor zu werden. Er hatte sich schon immer für Carnivals interessiert und erkannt, dass dieses Thema bislang noch nicht dramatisiert worden war. Die darauffolgende Geschichte und die Behandlung von „Freaks“ wurde stark von seiner Kindheit geprägt, in der er mit seinem körperlich behinderten Vater zusammen lebte.Carnivàle: The Complete First Season – Making-of Carnivàle

Knauf nannte den beabsichtigten Spielfilm wegen seines Handlungsrahmens Carnivàle, änderte aber die Schreibweise etwas, damit er etwas außergewöhnlicher aussieht. Er hatte schon früh die gesamte Handlung sehr genau geplant, bis hin zur letzten Szene. Aber er hatte nicht erwartet, dass das daraus resultierende Skript mit 180 Seiten doppelt so lang war wie ein normales Skript für einen Film. Trotzdem hatte er immer noch das Gefühl, dass es zu kurz war, um der Geschichte gerecht zu werden. Er gab die Idee erst einmal auf und sah es als lernende Erfahrung. In der Zwischenzeit wurden alle Werke Knaufs von großen Hollywood-Studios abgelehnt, oft aus dem Grund, dass sie „zu verrückt“ seien.

Mitte der 1990er traf Knauf einige Schreiber der Writers Guild of America, die ihm dazu rieten, die Geschichte von Carnivàle für eine Fernsehserie zu überarbeiten. Knauf änderte in der Tat den ersten Akt des Skripts in eine Pilotepisode. Wegen des Fehlens von Kontakten ins Fernsehgeschäft musste er die Geschichte abermals einstellen und in seinem bisherigen Beruf weiter arbeiten. Einige Jahre später, nachdem er erkannt hatte, dass seine alte Karriere nicht mehr funktionierte, gab er seinen Drehbuchautorfähigkeiten eine letzte Chance und bot die Pilotepisode von Carnivàle auf seiner Website an. Das Skript wurde anschließend zu Howard Klein über Scott Winant, einem gegenseitigen Freund der zwei Männer, geschickt. Nach mehreren Treffen und Gesprächen war Klein zuversichtlich, dass Carnivàle eine gute Fernsehserie werden würde, die viele Jahre bestehen könnte. Klein machte Chris Albrecht und Carolyn Strauss von HBO darauf aufmerksam, die sofort interessiert waren.Carnivàle: The Complete Second Season – The Museum of Television & Radio’s William S. Paley Television Festival CARNIVALE, Clea DuVall, Carolyn Strauss Aber das Network erachtete Knauf als zu unerfahren im Fernsehgeschäft, um ihm die gesamte Kontrolle über das Budget zu geben, und ernannten Ronald D. Moore zum Showrunner. Nach der ersten Staffel ersetzte Knauf Moore in dieser Position, da dieser wieder bei Battlestar Galactica eingestellt wurde. Die Pilotfolge, die in 21 Tagen gedreht wurde, diente als Grundlage für weitere Handlungsstränge. Wegen vielen Diskussionen zwischen Autoren und HBO wurde die zweite Episode erst 14 Monate später gedreht. Zusätzliches Material wurde hauptsächlich für Brother Justin geschrieben, der ursprünglich nur ein Prediger und ein immer wiederkehrender, anstatt regelmäßiger Charakter, war. Aber Knauf und die Produzenten erkannten, nachdem sie den vorläufigen Piloten gesehen hatten, dass er keinen Platz hatte in der Serie „zu wachsen“. Also wurde entschieden, dass Brother Justin zu einem gewöhnlichen methodistischen Priester in einer Kleinstadt zu machen und setzten ihn dafür ungefähr ein oder zwei Jahre in seiner Karriere zurück. Die Rolle von Brother Justin eröffnete neue Möglichkeiten und seine Schwester Iris wurde als Charakter erschaffen. Nur wenig wurde auf Ben Hawkins Seite geändert, bis auf die Einführung der „Cootch“-(Striptease) Dreifuss-Familie. Ein Carnivàle-Berater hatte die Produzenten begeistert, indem er Aufmerksamkeit auf seine Nachforschungen über Familien, die mit „Cootch-Shows“ in den 1930ern ihr Geld verdienten, lenkte.Daniel Knauf im Audiokommentar zu der Episode Milfay (Welt aus Staub)

Casting Der Castingansatz für Carnivàle war, die beste verfügbare Besetzung zu finden die möglichst „echt“ wirken sollte, im Gegensatz zu den „Freaks“. Die beiden Castingdirektoren John Papsodera und Wendy O’Brien hatten bereits von vorherigen Projekten Erfahrung mit dem Casten von außergewöhnlichen Menschen. Die Produzenten suchten Schauspieler, die man nicht gleich mit anderen Filmen oder Serien in Verbindung bringen würde. Eine Ausnahme hierbei war Adrienne Barbeau in der Rolle der Ruthie.

Das Skript für die Pilotepisode war die Grundlage für das Castingverfahren, das wenig von der späteren Handlung offenbarte. Das führte zu einigen kleinen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Erfindern der Serie und den Produzenten, besonders in Hinblick auf die Rollen von Ben, Brother Justin und Sofie. Ben sollte immer der Hauptcharakter und Held der Serie werden, doch wurde gewünscht, dass er ebenso jung, unschuldig und ein Anti-Held ist. Nick Stahl hatte den stärksten Konsens zwischen den Produzenten. Die Rolle der Sofie war anfangs mehr eine exotische Zigeunerin, doch Clea DuVall, genau wie Stahl eine Filmschauspielerin, bekam die Rolle nach vier Vorsprechen. Tim DeKay wurde als Jonesy gecastet, weil die Produzenten der Meinung waren, dass er sehr wie ein amerikanischer Baseballspieler der damaligen Zeit aussehe. Der einzige Schauspieler, der keine Konkurrenz hatte, war Michael J. Anderson, den Daniel Knauf von Anfang an in der Rolle von Samson haben wollte.

Ausstrahlung Die Carnivàle-Geschichte bestand ursprünglich aus drei „Büchern“, jedem sollten zwei Staffeln gewidmet werden. Dieser Plan musste jedoch geändert werden, als HBO die Serie nach nur zwei Staffeln einstellte. Jede Staffel besteht aus zwölf Episoden.