mini|Spielmaterial und Grundaufstellung (nach der Variante von Gliński) Die Bezeichnungen Hexagonales Schach, Hexagonalschach oder Sechseck-Schach stehen für eine Reihe von Schachvarianten, die von verschiedenen Autoren entwickelt wurden. Wie beim klassischen Schachspiel handelt es sich auch bei den Varianten des Hexagonalschachs um strategische Brettspiele, bei denen die Spieler abwechselnd nach festgelegten Regeln Spielfiguren auf einem Spielbrett bewegen. Die Figuren sind zu Beginn eines Spiels in einer vorgegebenen Startaufstellung angeordnet und unterscheiden sich in ihren Bewegungsmöglichkeiten. Ziel ist es, die als König bezeichnete Spielfigur des gegnerischen Spielers so anzugreifen, dass diesem keine Abwehr durch Schlagen (Entfernen) der angreifenden Figur, Schützen des Königs mithilfe einer eigenen Figur oder Ausweichen des Königs auf ein nicht angegriffenes Feld mehr möglich ist. Dies wird als Schachmatt bezeichnet und bedeutet das Ende des Spiels mit dem Sieg des angreifenden Spielers.

Gemeinsam ist den verschiedenen Hexagonalschach-Varianten ein aus sechseckigen Feldern bestehendes Spielbrett anstelle eines quadratischen Bretts mit einer Aufteilung in 64 Quadrate und einer Kantenlänge von acht Feldern wie beim klassischen Schachbrett. Bei vielen Varianten ist das Spielfeld aus 91 Sechsecken aufgebaut, die in der Form eines regelmäßigen Sechsecks mit einer Kantenlänge von jeweils sechs Feldern angeordnet sind. Statt der zwei Farben eines normalen Schachbretts weisen die Felder eines hexagonalen Schachbretts drei verschiedene Farben auf. Die klassische Einteilung der Zugrichtungen nach Horizontalen (Reihen), Vertikalen (Linien) und Diagonalen ist hier unpassend. Als orthogonal werden stattdessen alle Züge senkrecht zu einer Kante des Ausgangsfeldes bezeichnet, wobei die Feldfarbe von Schritt zu Schritt wechselt, diagonale Züge verlaufen gerade durch die Ecken eines Feldes in Richtung auf die nächsten Felder gleicher Farbe. Sechseck-Schach kann je nach Variante mit zwei oder drei Teilnehmern gespielt werden.

Glińskis Sechseck-Schach mini|Schema eines Spielbretts. Felder gleichen Typs sind entsprechend gefärbt.

mini|Aufstellung der Figuren in der Spielvariante von Gliński

Die bekannteste und populärste Hexagonalschach-Variante wurde 1936 vom Polen Władysław Gliński entworfen. Sie wird heute meist als Glińskis Sechseck-Schach bezeichnet und durch die International Hexagonal Chess Federation, unter anderem im Rahmen von Welt- und Europameisterschaften, organisatorisch betreut. Die Zahl aktiver Spieler wird auf rund eine halbe Million Menschen vorwiegend in Mittel- und Osteuropa geschätzt. Der bisher erfolgreichste Spieler ist Marek Maćkowiak aus Polen, der neben zwei Europameistertiteln auch die bisherigen zwei Weltmeisterschaften gewann.

Der Figurensatz beider Spielparteien besteht in dieser Variante jeweils aus neun Bauern, zwei Springern, drei Läufern, zwei Türmen, einer Dame und einem König. Das Spielbrett ist aus 91 Feldern aufgebaut und hat die Form eines regelmäßigen Sechsecks. Die Bewegungsmöglichkeiten der Figuren werden in orthogonale und diagonale Züge unterschieden. Ein orthogonaler Zug verläuft entlang von Feldern, die jeweils eine gemeinsame Kante haben, während bei einem diagonalen Zug die Felder nicht direkt benachbart, sondern nur durch eine Linie miteinander verbunden sind. Während bei einem orthogonalen Zug auf ein unmittelbar benachbartes Feld ein Wechsel der Feldfarbe erfolgt, bleibt eine Figur bei einem diagonalen Zug stets auf der gleichen Farbe. Die orthogonalen Züge entsprechen also in der Spiellogik den waagerechten und senkrechten Zügen des normalen Schachspiels.

Der König kann sich orthogonal oder diagonal auf die jeweils genau um ihn herum liegenden Felder bewegen. Die Zugmöglichkeiten des Turms sind auf orthogonale Züge in alle Richtungen und mit beliebiger Weite beschränkt, analog dazu kann ein Läufer nur diagonal ziehen. Die Dame kombiniert die Zugmöglichkeiten des Turms und des Läufers. Der Springer bewegt sich zunächst zwei Felder orthogonal von seinem Ausgangsfeld weg, und anschließend ein weiteres Feld in orthogonaler Richtung nach links oder rechts auf ein Feld, das nicht die Farbe seines Ausgangsfeldes hat. Der Bauer zieht orthogonal um ein Feld in Richtung der gegnerischen Spielbrettseite, beim Schlagen einer Figur jedoch orthogonal um 60 Grad nach links oder rechts von seinem Standort aus. Wie beim normalen Schachspiel kann ein Bauer bei seinem erstmaligen Zug, aus der Grundstellung heraus, um ein oder zwei Felder gezogen werden. Eine Rochade gibt es bei Glinskis Sechseck-Schach nicht. Ein Patt wird mit 0,75 für den pattsetzenden zu 0,25 Punkten für den pattgesetzten Spieler gewertet statt mit 0,5 zu 0,5 wie beim Standardschach.

Obwohl Gliński das Spiel bereits 1936 entwickelte, wurde es erst ab dem Anfang der 1970er Jahre bekannt. Gliński, der seit 1946 in Großbritannien lebte, stellte das Spiel im Dezember 1973 auf einer Pressekonferenz vor und veröffentlichte in den Jahren 1973 und 1974 zwei Bücher zu den Regeln und zur Theorie des Spiels. 1976 wurde die British Hexagonal Chess Federation gegründet und die erste Britische Meisterschaft ausgetragen. Ein Jahr später fand zwischen Großbritannien und Polen der erste offizielle Länderwettkampf statt.

mini|Marek Maćkowiak

Am 18. August 1980 wurde die International Hexagonal Chess Federation (IHCF) gegründet. Die erste Europameisterschaft im Sechseck-Schach fand im gleichen Jahr in London (Großbritannien) statt, vier Jahre später die zweite in Warschau (Polen), 1986 in Poznań (Polen) die dritte und 1989 in Tatabánya (Ungarn) die vierte. Nach dem Tod von Gliński im Februar 1990 kam die organisierte Hexagonalschach-Bewegung nahezu zum Erliegen. Trotzdem fand von Dezember 1990 bis Januar 1991 in Peking (China) die erste Weltmeisterschaft statt. Seit der Neuorganisation der IHCF im August 1996 und dem Wechsel des Sitzes nach Budapest (Ungarn) sind wieder verstärkte Aktivitäten und ein Anstieg der Popularität zu verzeichnen. Im Jahr 1998 wurde in Tatabánya die fünfte Europameisterschaft ausgetragen, ein Jahr später in Rowy (Polen) die zweite Weltmeisterschaft.

Liste der bisherigen Welt- und Europameister

EM 1980: Marek Maćkowiak (Polen) EM 1984: Laszlo Rudolf (Ungarn) EM 1986: Laszlo Rudolf (Ungarn) und Marek Maćkowiak (Polen) EM 1989: Laszlo Somla (Ungarn) WM 1991: Laszlo Rudolf (Ungarn) und Marek Maćkowiak (Polen) EM 1998: Sergej Korchitsky (Weißrussland) WM 1999: Marek Maćkowiak (Polen)

Variante von McCooey

mini|Aufstellung der Figuren in der Variante von McCooey

Eine weitere Hexagonalschach-Variante wurde 1978/1979 von Dave McCooey in Zusammenarbeit mit Richard Honeycutt entwickelt. Ihr Ziel war es dabei, Taktik, Strategie und Spielweise des Standardschachs so weit wie möglich auf eine Sechseck-Variante zu übertragen. Bei der Variante von McCooey wird ebenfalls das regelmäßig geformte 91-Felder-Brett verwendet. Im Vergleich zu Glińskis Sechseck-Schach ist die Aufstellung der Bauern in der Grundstellung jedoch dichter und ohne unbesetzte Felder zwischen den Figuren. Frei bleiben die beiden äußersten Felder der beiden Grundlinien auf jeder Seite. Die Springer stehen jeweils vor und die Türme unmittelbar neben der Dame und dem König. Durch diese Aufstellung sind nur sieben Bauern auf jeder Seite vorhanden. Die Zahl der anderen Figuren ist identisch mit der bei Glińskis Variante, ebenso die Züge der Figuren mit Ausnahme des Bauern. Dieser zieht beim Schlagen einer Figur diagonal, da dies nach Ansicht von McCooey eher den Verhältnissen beim normalen Schach entspricht. Der Mittelbauer kann bei dieser Variante im ersten Zug nur um ein Feld vorgezogen werden. Wie bei Glińskis Sechseck-Schach gibt es keine Rochade. Ein Patt wird mit 0,5 zu 0,5 Punkten bewertet.

Die Ähnlichkeiten zwischen McCooeys Variante und dem Hexagonalschach nach Gliński sind bemerkenswert, da McCooey und Honeycutt nach eigenen Angaben ihre Version ohne Kenntnis von Glińskis Regeln entwarfen. Dies kann als Indiz dafür gelten, dass die meisten der in beiden Varianten identischen Spielprinzipien das Optimum für eine Schachvariante auf einem sechseckigen Spielbrett darstellen. Insbesondere sind die Feldnummerierungen und daraus folgend die Notation bei beiden Varianten identisch; sie folgen einem Fischgräten-Muster mit der f-Linie als Symmetrieachse, wobei die a-Linie bis a6 reicht, die anschließenden Linien bis zur f-Linie um je ein Feld aufsteigen und dann bis zur l-Linie wieder auf sechs Felder fallen.

Sechseck-Schach nach Schafran

Eine 1939 vom sowjetischen Geologen Isaak Grigorjewitsch Schafran vorgeschlagene Variante weicht bereits im Brettformat von den beiden erstgenannten Varianten ab. Während die Seitenlinien aus sechs Feldern bestehen, weisen die Grundlinien jeweils nur fünf Felder auf. Das damit aus 70 statt 91 Feldern bestehende Spielfeld ist also kein regelmäßiges Sechseck. Die Zahl der Figuren entspricht den Regeln von Glińskis Sechseck-Schach, allerdings weicht die Grundstellung deutlich von Glińskis Version ab. Die Züge der Figuren entsprechen den Regeln von Gliński, bis auf die Bauern. Diese schlagen wie bei der Variante von McCooey diagonal und dürfen im ersten Zug bis zu dem Feld gezogen werden, das sich von ihrer Grundposition aus am dichtesten an der Mittellinie befindet. Im Gegensatz zu den Varianten von Gliński und McCooey sind, wie beim normalen Schach, mit König und Turm Rochaden sowie mit den Bauern En-passant-Züge möglich. Ein Patt wird als Unentschieden gewertet.

Ein weiterer Unterschied zu den obengenannten Varianten ergibt sich aus der Notation; die Bezeichnung der Felder ist bei Schafran an die Linien und die von links nach rechts fallenden Orthogonalen geknüpft und erinnert so an ein Rautenmuster, im Gegensatz zum Fischgräten-Muster der Varianten von Gliński und McCooey.

Potentiale der Figuren

König und Bauern

Der König bleibt die zentrale Figur des Spiels. Zieht er sowohl orthogonal als auch diagonal je einen Schritt weit, kann er diagonal eine Orthogonale passieren, ohne dabei im Schach zu stehen. Dadurch können ihn weder Dame noch Turm allein an einen Rand drängen. Der König gewinnt sozusagen „an Macht“, hat also ein stärkeres Potential als im Standard-Schach. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass der König auf dem Weg von einer Spielfeldecke zur gegenüberliegenden orthogonal ziehend anderthalb Mal so viele Züge zum gegenüberliegenden Feldrand benötigt, als wenn er ausschließlich diagonal zieht. Zieht er von einem Spielfeldrand zum gegenüberliegenden, braucht er orthogonal sogar doppelt so viele Züge wie diagonal. Im Standardschach wirkt sich die Art der Züge (orthogonal bzw. diagonal) von Rand zu Rand dagegen nicht auf deren Mindest-Anzahl aus.

Es gibt Varianten des Hexagonalen Schachs, in denen der König nicht diagonal ziehen kann und somit „teilweise entmachtet“ wird; er entspricht damit dem "Wesir" aus dem Märchenschach, nur eben hexagonal. In solchen Fällen ist der König deutlich schwächer als selbst im Standard-Schach und kann sogar durch eine Dame allein in eine Ecke gedrängt und anschließend dort mattgesetzt werden.

Aus der besonderen Rolle des Königs resultiert, dass für ihn üblicherweise keine Bewertung in Bauerneinheiten angegeben wird. Zumindest im Endspiel und vor allem beim Mattsetzen mit nur einer schweren oder wenigen leichten Figuren, wenn der König aktiv am Mattsetzen des gegnerischen Königs beteiligt ist, wird aber auch dem König eine Stärke in der Größenordnung einer Leichtfigur zugerechnet.