Dortmunder Union-Brauerei war der Name einer Brauerei in Dortmund. Sie gehört heute unter dem Namen Brauerei Brinkhoff zur Radeberger Gruppe.

Geschichte Anfänge bis 1887 mini|Fritz Brinkhoff, Chefbraumeister der Union ab 1870 und Namensgeber des heutigen Bieres Brinkhoff’s Die Ursprünge der Dortmunder Union-Brauerei lassen sich auf das Gasthaus und Brauhaus Zum weißen Ross bzw. Im weißen Pierd – Pierd ist die niederdeutsche Form von Pferd – am Westenhellweg 123 zurückführen, das 1812 von Melchior Siegenboge gegründet wurde. Heute ist die Adresse baulich in einem modernen Geschäftshaus mit der offiziellen Adresse Kampstraße 104 (Rückseite Westenhellweg 121) aufgegangen, angrenzend an das denkmalgeschützte ehemalige Fernmeldeamt (Westenhellweg 127)Christopher Jung: Georeferenzierte historische Karte Dortmund 1826, basierend auf Adreßbuch der Provinz Westfalen (Münster, 1829) und Dortmunder Häuserbuch (Robert von den Berken, 1927), abrufbar unter dortmund1826.de. Nach dem Tod des Gründers heiratete 1844 dessen Witwe Theresia, geborene Tepel, den Brauer, Bäcker und Gastwirt Wilhelm Struck aus Hagen. Die Familie Tepel war in Dortmund bereits als Gastwirts- und Brauerfamilie etabliert; unter den Verwandten befanden sich auch Hermann Tepel und Eduard Habich, spätere Gründer der Borussia-Brauerei.

1868 oder spätestens 1870 beteiligten sich der Bergwerksdirektor August Randebrock und sein Freund Heinrich Leonhard Brügman an der Brauerei Struck, die fortan als offene Handelsgesellschaft W. Struck & Comp. firmierte. Struck selbst verzichtete auf Handlungsvollmacht und schied bereits 1871 wieder aus dem Unternehmen aus; ein Jahr später verstarb er. Noch in den 1860er Jahren hatte er ein Fasslager und eine Dampfkesselanlage auf einem Grundstück an der damaligen Sedanstraße und Mälzerstraße errichtet (heute Brinkhoffstraße und Emil-Schumacher-Straße).

Ab 1869/70 ließ Brügman außerhalb der (zu dieser Zeit bereits weitgehend abgetragenen) Stadtmauern an der Übelgönne eine neue Brauerei errichten – wahrscheinlich auf oder in der Nähe des Struck’schen Grundstücks. 1870 wurde der Braumeister Fritz Brinkhoff von der Dortmunder Löwenbrauerei abgeworben. 1872 wurde die Brauerei Struck & Compagnie westlich vor die Wallanlagen in das entstehende „Brauereiviertel“ zwischen Rheinischer Straße und der Eisenbahntrasse (heute nach der Brauerei Unionviertel) verlegt, um den Betrieb erweitern und ausbauen zu können.

Am 30. Januar 1873 wurde die Dortmunder Union-Brauerei Aktiengesellschaft gegründet und ins Handelsregister eingetragen. Randebrock und Brügman brachten die Brauerei Struck & Comp. als Sachleistung in die neue AG ein. Brügman wurde Direktor und hielt rund 25 % des Grundkapitals von 275.000 Talern (825.000 Mark)Siehe: Gesetz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 (RGBl. S. 404–406) und Münzgesetz vom 9. Juli 1873 (RGBl. S. 233): 1 Vereinstaler = 3 Mark., was einer Kaufkraft von etwa 6,6 Millionen Euro im Jahr 2024 entspricht. Zu den weiteren Investoren zählten unter anderem der Rittergutsbesitzer Theodor Schulze-Dellwig vom Haus Sölde, der Ingenieur Carl Emil Herrmann aus Hamburg, der Dortmunder Bankier David Rosenberg sowie der Paderborner Bankier Emil Paderstein, der im Namen der Firma M. Paderstein & Söhne sowie als Vertreter des Hamburger Bankiers Moritz Levi Meyersberg (Inhaber der Bank M. Meyersberg) und der Kaufleute Sally Horschatz und Simon Löwenstein auftrat, mit denen er enge geschäftliche und familiäre Verbindungen unterhielt. Der Zusammenschluss dieser sieben Investoren fand seinen Ausdruck im Namen Union-Brauerei Aktiengesellschaft.

Die Union-Brauerei startete mit einer Jahresproduktion von etwa 20.000 Hektoliter, während die vorherige Brauerei Struck & Comp. lediglich eine Kapazität von rund 3.000 Hektolitern aufwies. Die Gründerkrise, die ab 1875 die Brauwirtschaft erreichte, brachte die junge Aktiengesellschaft jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, die unter anderem durch die Unterstützung des Bamberger Hopfenhändlers Simon Lessing überwunden wurden. Nach schwierigen Jahren konnte 1881 erstmals wieder eine Dividende ausgeschüttet werden. In diesem Jahr lag der Bierausstoß bereits bei 44.000 Hektolitern.

Der Fehlsud und der Übergang zum hellen Biertyp In der offiziellen Unternehmensgeschichte der Dortmunder Union-Brauerei und in Werbedarstellungen wie dem Brinkhoff’s No. 1-Marketing wird Fritz Brinkhoff als Erfinder des hellen Dortmunder Biertyps dargestellt. Demnach sei Ende der 1880er Jahre versehentlich ein zu hell eingebrautes Bier – ein sogenannter Fehlsud – an eine mit der Union verbundene Gaststätte in Aachen geliefert worden, wo es beim Publikum unerwartet gut ankam. In der Folge habe der Braumeister Brinkhoff den Bierstil dauerhaft umgestellt.

Tatsächlich enthält die populäre Darstellung einen wahren Kern: Fritz Brinkhoff erkannte in Aachen, dass helles Bier – etwa aus dem fränkischen Kulmbach – dem dunklen Dortmunder Stil zunehmend vorgezogen wurde, was sich auch in rückläufigen Verkaufszahlen der Union bemerkbar machte. Er war damit nicht der erste Dortmunder Brauer, der helles Bier herstellte, sondern reagierte auf einen überregionalen Trend. Seit den frühen 1870er Jahren hatte sich das helle, untergärige Bier vor allem in Berlin und im Rheinland durchgesetzt; in Dortmund wurde dieser Wandel etwa von der Dortmunder Actien-Brauerei vorangetrieben, die den goldfarbenen Wiener Typ (ein bernsteinfarbenes Lager, das bereits in Wien zunehmend vom hellen Lagerbier verdrängt wurde) schrittweise durch ein helleres Bier ersetzte. Auch die Union-Brauerei nahm diese Entwicklung wahr: Fritz Brinkhoff hielt zunächst an der traditionellen dunklen Brauart fest, passte sich aber schließlich dem veränderten Geschmack der Kundschaft an.

Aufstieg zur größten Brauerei Westdeutschlands (1887–1914) Ab 1885 begann die Dortmunder Union-Brauerei eine Phase intensiver Investitionen in Technik und Architektur: Das Aktienkapital wurde auf zwei Millionen Mark erhöht, was einer Kaufkraft von etwa 17,4 Millionen Euro im Jahr 2024 entspricht – ein Zuwachs von 140 % gegenüber dem Gründungsjahr 1873. In der Folge wurden unter anderem die Lagerkeller der Lindenbrauerei übernommen, neue Dampf- und Kälteanlagen installiert und zahlreiche Neubauten errichtet. Dazu zählten ab den 1890er Jahren unter anderem Gär- und Kesselhäuser, ein Eiserzeugungsgebäude (1900), ein dekorativ ausgestattetes Sudhaus (1907–1908), ein Verwaltungsgebäude (1912) sowie sieben neue unterirdische Lagerkeller (1913). Die Planung übernahm größtenteils das Dortmunder Architekturbüro Emil Moog.

Parallel dazu sicherte sich die Brauerei frühzeitig Immobilien und Gastronomiebetriebe in deutschen Großstädten, etwa einen Union-Ausschank in Berlin, den Fritz Brinkhoff persönlich auswählte. 1910 entstand mit dem Union-Hotel in Dortmund ein eigener, repräsentativer Beherbergungsbetrieb nahe der Brauerei, erbaut durch das Architektenduo Steinbach und Lutter.

Der Bierausstoß stieg bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf rund 250.000 Hektoliter, womit die Union in Westdeutschland gemeinsam mit der Dortmunder Actien-Brauerei führend war. Auf nationaler Ebene lag sie damit zwar hinter Großbetrieben wie Schultheiss in Berlin oder Löwenbräu in München zurück, gehörte jedoch zu den zehn profitabelsten Brauerei-Aktiengesellschaften des Kaiserreichs. Zwischen 1887 und 1910 lag die Dividende stabil zwischen 18 % und 20 %, in den Jahren vor 1914 sogar bei 25 %. Die Rücklagen überstiegen 60 % des Aktienkapitals – ein Wert, der weit über dem Branchendurchschnitt lag.

Den wirtschaftlichen Erfolg verdankte die Union vor allem der konsequenten Modernisierung der Produktion sowie der Expansion durch sogenannte „Wirtehatz“ – der vertraglichen Bindung von Wirten und Gastronomen durch Darlehen. Dank ihrer Kapitalstärke konnte die Brauerei dabei meist die Konkurrenz überbieten und sich gezielt neue Absatzgebiete sichern.

Expansion und Fusionen im Ersten Weltkrieg und der Nachkriegszeit (1914–1924) Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte die Dortmunder Union-Brauerei über solide Rücklagen, die zunächst halfen, die kriegsbedingten Einschränkungen zu überstehen. Bereits 1915 musste die Produktion infolge der Einführung von Produktionskontingenten auf 60 % des Vorkriegsniveaus gesenkt werden. Durch Zukäufe kontingentfreien Auslandsmalzes – allerdings unter hohen Preisverlusten – konnte die Union weiterhin Heer und Stammkundschaft beliefern.

Trotz schwindender Rohstoffzuteilungen (1917 nur noch 10 % des Vorkriegsbedarfs) sank der Ausstoß der Union lediglich um etwa 50 %. Ein Grund dafür waren Heereslieferungen sowie die Herstellung sogenannter beer extra light-Produkte – Biere mit stark verminderter Stammwürze oder ersatzstoffbasierte Getränke, die in der Statistik mitgezählt wurden.

Zwischen 1917 und 1922 setzte die Union eine Reihe von Übernahmen um, die sie zur dominierenden Brauerei Dortmunds machten. Anders als die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB), die nur eine größere Dortmunder Brauerei übernahm, gliederte die Union mehrere bedeutende Konkurrenten vollständig ein:

Jahr Kontingentsübernahme Angliederung Fusion 1917 Brauerei Marlinghaus, Hagen;Union-Brauerei, Horst;Zweilöwenbrauerei, Münster – Gildenbrauerei AG, Dortmund 1918 Exportbrauerei, Moers;Brauerei Höfflinghaus, Lünen – – 1920 – Dortmunder Löwenbrauerei Victoria-Brauerei AG, Dortmund 1922 – – Germania-Brauerei AG, Dortmund

Gildenbrauerei AG

Die Gildenbrauerei AG war ursprünglich als Brauerei Ross & Co. 1876 an der Ackerstraße (heute Harnackstraße) gegründet worden und firmierte seit 1912 unter ihrem späteren Namen bis zu ihrer Übernahme 1917. Anfang des 20. Jahrhunderts lag ihr Jahresausstoß bei rund 55.000 Hektolitern. Trotz veralteter Technik brachte sie ein relevantes Absatzpotenzial in die Union ein.

Victoria-Brauerei AG

Die Victoria-Brauerei AG entstand 1869/70 durch die Initiative des Bauunternehmers Berthold Speer und des Bahnhofswirts Jean Manger. 1883 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, erreichte sie 1911 einen Ausstoß von 140.000 Hektolitern. 1922 wurde die Produktion eingestellt. Der Familie Speer entstammte unter anderem der Architekt Albert Speer, dessen Vater Albert Friedrich Speer bis nach dem Zweiten Weltkrieg dem Aufsichtsrat der Union angehörte.

Dortmunder Löwenbrauerei

Die Dortmunder Löwenbrauerei war um 1845 gegründet worden und zählte zu den ersten Braustätten der Stadt, die untergäriges Bier nach bayerischer Art herstellten. Sie war zeitweise die größte Brauerei Dortmunds und exportierte in den 1860er Jahren bis in die USA. Ihr wirtschaftlicher Erfolg stagnierte jedoch ab der Jahrhundertwende, vor allem wegen mangelnder Investitionen in Erweiterung und Technik.

Germania-Brauerei

Die Germania-Brauerei AG hatte ihren Ursprung in einer Hausbrauerei von Fritz Kusenberg, die in den 1870er Jahren an der Rheinischen Straße neu aufgebaut wurde. Nach dem frühen Tod Kusenbergs übernahm Moritz Engelhard die Leitung und wandelte die Brauerei 1888 in eine Aktiengesellschaft um. Die Germania führte moderne Kälte- und Gärtechnik ein und besaß ab 1908 eine Kapazität von 250.000 Hektolitern. Mit eingebracht wurden zudem die Phoenix Exportbierbrauerei, die Mülheimer Actien-Brauerei und eine Mehrheitsbeteiligung an der Iserlohner Brauerei. Die Germania wurde fortan als Abteilung II der Union geführt.

Die Übernahmen sicherten der Union nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch ein weitverzweigtes Netz an Braurechten, Absatzverträgen und Immobilien. Bis zum Zweiten Weltkrieg zählte die Union rund 50 eigene Hotels und Gaststätten unter anderem in Dortmund, Köln, Bremen und Berlin.