Die Ferrari 250-Reihe ist eine Modellfamilie des italienischen Automobilherstellers Ferrari. Sie umfasst ein breit gefächertes Programm offener und geschlossener Straßensportwagen und schließt auch diverse Wettbewerbsfahrzeuge ein. Das erste Modell der Familie wurde 1952 verkauft, dieses blieb bis 1964 im Programm. Alle Mitglieder der 250-Familie werden von Zwölfzylindermotoren mit 3,0 Litern Hubraum angetrieben. Von dem gerundeten Hubraum eines einzelnen Zylinders (ca. 250 cm³) leitet sich die Bezeichnung der Modellfamilie ab. Die Antriebs- und Fahrwerkstechnik wurde im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Die Karosserien der Serienfahrzeuge kamen überwiegend von Pininfarina. Die 250-Modelle waren zu ihrer Zeit leistungsstarke Sportwagen, die ein Jahrzehnt lang für Konkurrenzhersteller der Maßstab waren.Matthias Braun, Ernst Fischer, Manfred Steinert, Alexander Franc Storz: Ferrari Straßen- und Rennsportwagen seit 1946. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02651-3, S. 182 f. Mit dem 1958 vorgestellten 250 GT vollzog Ferrari den Wandel vom Spezialisten zum Serienhersteller.
Hintergrund Das Modeneser Unternehmen Ferrari hat seine Wurzeln im Rennsport (Scuderia Ferrari). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann Ferrari ähnlich wie Maserati schrittweise mit dem Bau von Straßensportwagen. Die ersten Modelle waren der 166, der 195 und der 212, die allerdings nur in wenigen Exemplaren verkauft wurden. Übereinstimmendes Merkmal dieser Fahrzeuge war ein von Gioacchino Colombo konzipierter Zwölfzylindermotor, der mit unterschiedlichen Hubräumen in ihnen eingesetzt wurde. An ihre Seite trat 1951 der 340 America, der einen Zwölfzylindermotor von Aurelio Lampredi hatte. Der Lampredi-Motor unterschied sich von dem Colombo-Triebwerk unter anderem durch seine Abmessungen; er wird auch als Long Block bezeichnet, während Colombos Zwölfzylinder als Short Block bekannt ist. Der Lampredi-Motor ermögliche größere Hubräume als der kompakte Colombo-Zwölfzylinder. Die Straßenversionen des 340 America mit 4,2 Litern Hubraum und des Nachfolgers 375 America (5,0 Liter) waren vor allem für den Export in die Vereinigten Staaten bestimmt.Matthias Braun, Ernst Fischer, Manfred Steinert, Alexander Franc Storz: Ferrari Straßen- und Rennsportwagen seit 1946. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02651-3, S. 43.
Ferrari konzipierte 1953 vor allem für den europäischen MarktPeter Braun, Gregor Schulz: Das große Ferrari-Handbuch. Alle Serien- und Rennfahrzeuge von 1947 bis heute. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-501-8, S. 33. eine kleinere Baureihe mit Zwölfzylindermotoren, deren Hubraum bei 3,0 Litern lag. Im Hinblick auf den Hubraum eines einzelnen Zylinders wurde diese Baureihe Ferrari 250 genannt. Mit Ausnahme einer kleinen ersten Serie, die eine hubraumreduzierte Variante von Aurelio Lampredis Long Block hatte, stattete Ferrari alle Mitglieder der 250-Familie mit Colombo-Motoren aus.Matthias Braun, Ernst Fischer, Manfred Steinert, Alexander Franc Storz: Ferrari Straßen- und Rennsportwagen seit 1946. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02651-3, S. 180 f. Das gilt auch für die Rennsportversionen, die zu den Straßensportwagen hinzukamen. Die 250-Reihe bildete in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren den Kernbereich von Ferraris Straßensportwagen. Hinzu kamen zwar immer wieder einzelne Sondermodelle, die mit Blick auf die US-amerikanische Kundschaft entwickelt wurden; sie blieben aber in den Stückzahlen deutlich hinter den 250-Modellen zurück.
1963 begann Ferrari, die 250-Reihe durch die Baureihe 330 zu ersetzen, die neu konstruierte Zwölfzylindermotoren mit 4,0 Liter Hubraum hatte. Letzte Verwandte der 250-Reihe waren der 275 GTB und seine Cabriolet- bzw. Rennsportversionen; sie stellten Mitte der 1960er-Jahre die besonders sportlichen Gegenstücke zu den Modellen der 330-Baureihe dar. 1968 endete aber auch diese Linie.
Straßensportwagen Gran Turismos Von 1953 bis 1963 hatte Ferrari fünf verschiedene Gran-Turismo-Modelle im Programm, die teilweise in kurzen Abständen aufeinander folgten, sich aber nicht überschnitten. Sie waren üblicherweise die Grundmodelle der 250-Reihe, die durch die besonders sportlichen Berlinettas und die offenen Spyder ergänzt wurden.
250 Europa mini|Ferrari 250 Europa Das erste Serienmodell der 250-Familie ist der 1953 hergestellte Ferrari 250 Europa. Das Modell hat als einziges Mitglied der 250-Familie nicht den kurzen Colombo-Motor, sondern den im Hubraum auf 2963 cm³ reduzierten Long Block von Aurelio Lampredi, der in dieser Form werksintern die Bezeichnung Tipo 103 trägt.
Der Motor ist quadratisch ausgelegt (Bohrung × Hub: 68 × 68 mm). Er hat eine obenliegende Nockenwelle, eine Einfachzündung und eine Nasssumpfschmierung. Die Gemischaufbereitung erfolgt über drei Weber-Doppelvergaser (Typ 36 DCF). Die Motorleistung beträgt , die bei 7000 Umdrehungen pro Minute anfallen. Das Chassis wird werksintern ebenfalls als Tipo 103 bezeichnet. Es gleicht weitgehend dem des größeren 375 America und hat auch den gleichen Radstand von 2800 mm. Die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt. Es gibt Querlenker und eine quer angeordnete Blattfeder. Hinten ist eine Starrachse eingebaut, die mit längs angeordneten Blattfedern verbunden ist.
1953 entstanden insgesamt 20 Exemplare des 250 Europa. Die Produktion verteilt sich auf die Fahrgestellnummern 0295EU bis 0353EU. 14 Fahrgestelle erhielten Coupé-Karosserien von Pininfarina, die sich in Details voneinander unterschieden. Einige Versionen hatten hintere Panoramascheiben, andere ein konventionelles Heckfenster. Darüber hinaus entwarf Pininfarina zwei Cabriolets mit jeweils individueller Formgebung. Vier Fahrgestelle erhielten Aufbauten von Vignale; die Entwürfe gingen jeweils auf Giovanni Michelotti zurück. Drei Vignale-Modelle waren Coupés, eines war ein Cabriolet.
250 Europa GT
1954 löste Ferrari den 250 Europa durch den 250 GT Europa ab. Er hatte eine auf 2953 cm³ (Bohrung × Hub: 73 × 58,8 mm) vergrößerte Version des Colombo-Zwölfzylindermotors, der kürzer und leichter war als das im Vorgänger verwendete Lampredi-Aggregat. Im 250 Europa GT kam eine Tipo 112 genannte Version zum Einsatz, die ebenso wie der Lampredi-Motor leistete. Es handelte sich bei ihm um eine leistungsreduzierte Variante des Motors, der im Rennsportwagen 250 MM eingesetzt wurde.Peter Braun, Gregor Schulz: Das große Ferrari-Handbuch. Alle Serien- und Rennfahrzeuge von 1947 bis heute. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-501-8, S. 37. Der 250 Europa GT hatte ein neu konstruiertes Chassis (Tipo 508). Anstelle der bisherigen querliegenden Blattfeder waren – abgesehen von den allerersten Exemplaren – vorn nun Schraubenfedern eingebaut, wodurch sich der Fahrkomfort verbesserte. Der Radstand war auf 2600 mm verkürzt. Der 250 Europa GT war etwa 100 kg leichter als sein Vorgänger. Das machte sich in einer höheren Spitzengeschwindigkeit bemerkbar, die nun bei 215 km/h lag.
Der 250 Europa GT wurde von 1954 bis 1955 produziert. Insgesamt entstanden 27 Fahrzeuge, die Karosserien von Pininfarina erhielten. Sie entsprachen in den Grundzügen den Aufbauten des 250 Europa. Hinzu kamen drei Show Cars und vier Wettbewerbsversionen von Pininfarina. Ein weiteres Chassis (Nummer 0359GT) erhielt eine Vignale-Karosserie. Dieses Fahrzeug war eine Auftragsarbeit für das belgische Königshaus; Abnehmerin war die belgische Prinzessin Prinzessin von Réthy.
250 GT Boano und 250 GT Ellena
mini|Ferrari 250 GT Ellena Nachfolger des 250 Europa GT war das Modell 250 GT, dessen Produktion im Herbst 1955 begann. Im Hinblick auf die beteiligten Karosseriebauunternehmen werden die Autos auch als 250 GT Boano und 250 GT Ellena bezeichnet. Das Fahrgestell (Tipo 508) entspricht der Konstruktion des Vorgängers. Als Antrieb dient eine weiterentwickelte Version des Short-Block-Zwölfzylinders von Colombo (Tipo 128), bei der die Zündkerzen im Innern des V liegen, das die beiden Zylinderreihen bilden. Die Motorleistung beträgt . Die von Pininfarina entworfene Karosserie hat eine annähernd waagerecht verlaufende Gürtellinie. Hinten ist eine Panoramascheibe eingebaut. Die Karosserie besteht bei den meisten Exemplaren aus Stahl; nur etwa ein Dutzend Fahrzeuge haben Aufbauten aus Aluminiumblechen. Die Produktion dieses Modells übernahmen unterschiedliche Hersteller. Die ersten zehn Exemplare fertigte Pininfarina 1956 noch selbst. Danach ging der Herstellungsauftrag aus Kapazitätsgründen an die Carrozzeria Boano in Turin. Ein besonderes Merkmal der Boano-Modelle ist eine außergewöhnlich niedrige Dachlinie, aufgrund derer die Autos in der Ferrari-Szene auch als Low Roof Coupés bezeichnet werden.Peter Braun, Gregor Schulz: Das große Ferrari-Handbuch. Alle Serien- und Rennfahrzeuge von 1947 bis heute. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-501-8, S. 43. Boano fertigte insgesamt 63 (nach anderen Quellen: 79) Coupés und zwei Fahrzeuge mit Sonderkarosserien. Ab Sommer 1957 war die Carrozzeria Ellena, die Boanos Werk übernommen hatte, der Hersteller der Coupés. Die ersten fünf Ellena-Coupés entsprachen stilistisch den Boano-Versionen mit niedrigem Dach. Bei den folgenden Exemplaren wurde die Dachlinie dagegen um 5 cm angehoben. Entsprechend änderten sich die Glasflächen. Der Rest der Karosserie blieb unverändert. Bis 1958 entstanden 49 Ellena-Coupés. Ferrari stellte den Boano/Ellena-Coupés ab 1955 mit dem 250 GT Berlinetta LWB eine betont sportliche Variante mit reduzierten Komfortdetails zur Seite, die erfolgreich im Rennsport eingesetzt werden konnte. Zudem gab es die offene Version 250 GT Cabriolet.
250 GT Coupé
mini|Ferrari 250 GT 1959 1958 erschien als Nachfolger des 250 GT Boano/Ellena das 250 GT Coupé mit Stufenheck-Karosserie von Pininfarina auf dem langen Radstand von 2600 mm. Er war der erste Ferrari, der industriell gefertigt wurde. In zwei Jahren entstanden so in Pininfarinas neuem Werk in Grugliasco 350 weitestgehend standardisierte Exemplare. Das 250 GT Coupé nutzte wie schon der Vorgänger das Chassis Tipo 508, das im Laufe des Produktionszyklus schrittweise weiterentwickelt wurde. So wurden 1959 die bisherigen Trommel- durch Scheibenbremsen ersetzt, 1960 kamen hinten Teleskopstoßdämpfer hinzu. Auch der Motor (Tipo 128) erfuhr sukzessive Modifikationen im Bereich der Zündverteiler und der Positionierung der Zündkerzen. Die Motorleistung lag weiterhin bei . Die Karosserie war komplett neu entworfen worden. Es gab keine hintere Panoramascheibe mehr. Stattdessen war der Dachaufbau kantig und folgte der streng wirkenden Trapezlinie. An der Frontpartie gab es eine neu gestaltete horizontale Kühleröffnung, die über die gesamte Wagenbreite reichte. Die Gestaltung der Frontpartie übertrug Pininfarina 1959 auf die zweite Serie des 250 GT Cabriolet.
250 GTE 2+2
mini|Ferrari 250 GTE 2+2 1963