Loose Change (wörtlich „(loses) Wechselgeld“ oder „Kleingeld“, sinngemäß etwa „losgelöster, beginnender Wandel“) ist ein zuerst 2005 in den USA produzierter Amateurfilm, der als Dokumentarfilm aufgemacht ist und Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 verbreitet. Danach sollen Teile der US-Regierung die Terroranschläge am 11. September 2001 selbst geplant und durchgeführt haben („inside job“).

Dylan Avery ist der Drehbuchautor, Erzähler und Regisseur; er, Korey Rowe und Jason Bermas sind die Filmproduzenten der ersten Ausgabe; für die zweite kam Matthew Brown hinzu. Ihr Film beruht zum großen Teil auf Videomaterial von Fernsehsendern und Amateurfilmern. In der zweiten Ausgabe (2nd edition) und deren Überarbeitung von 2006 (2nd recut) wurden einige urheberrechtlich angefochtene Passagen und als falsch kritisierte Aussagen weggelassen, andere Passagen näher ausgeführt und ihre Aussagen bekräftigt. Diese Fassung ist der bekannteste und mit etwa 10 Millionen Mal am häufigsten gesehene verschwörungstheoretische Film über die Terroranschläge.Karin Kails: Doku „Loose Change“: Internetfilm über 9/11 bricht alle Rekorde. Spiegel Online, 30. Juli 2006. Jonathan Curiel: In: San Francisco Chronicle, 3. September 2006 Er wurde 2007 (Final Cut) und 2009 (An American Edition) nochmals überarbeitet. Die darin enthaltenen Verschwörungsthesen wurden vielfach widerlegt.

Das Produktionsteam Dylan Avery kommt aus Oneonta (New York). Korey Rowe stammt ebenfalls aus Oneonta und diente vor der Produktion als US-Soldat sechs Monate in Kandahar, Afghanistan, und ein Jahr in Kuwait und im Irak. Jason Bermas ist ein Grafikdesigner, Filmproduzent sowie der Webmaster der Gruppe und wohnt ebenfalls in Oneonta, New York. Er trat bei späteren öffentlichen Debatten um den Film oft als Wortführer des Teams auf.

Avery wurde zweimal von der Purchase College Filmschule abgewiesen. Danach plante er einen fiktiven Spielfilm über eine Gruppe Jugendlicher, die entdecken, dass 9/11 ein „Inside Job“ war. Bei den Recherchen für diesen Film, so stellte er es später dar, sei er zur Überzeugung gelangt, dass es tatsächlich so war und die wahren Hintergründe vertuscht würden. Daher änderte er das Filmkonzept zu einer Dokumentation, und nach mehreren Gesprächen stieg sein Kindheitsfreund Korey Rowe mit ein. Jason Bermas wurde der Rechercheur für den Film.

Nach dessen Veröffentlichung haben Avery, Rowe und Bermas eine unabhängige Filmproduktion mit dem Namen Louder than Words gegründet. Die Gesellschaft unterstützt das „9/11 Truth Movement“ und veranstaltet jährliche Proteste am 11. September in New York City. Avery und Bernas traten seit 2006 bei dessen VeranstaltungenAmericanscholarssymposium.org sowie in einigen Talkshows von Mainstream-Medien auf.

Fassungen Die im April 2005 erschienene Erstfassung dauerte eine Stunde und 22 Minuten und kostete etwa 2.000 US-Dollar.Mark Baildon, James S. Damico: Social Studies as New Literacies in a Global Society: Relational Cosmopolitanism in the Classroom. Routledge Chapman & Hall, 2010, ISBN 0-415-87367-3, S. 92 Sie behauptete, unter dem Rumpf von United 175 (dem Flugzeug, das in den Südturm des World Trade Centers flog) sei auf Filmmaterial eine Hülle sichtbar, die beweise, dass die Flugzeuge als Bombenträger benutzt worden seien.

Die zweite, stark überarbeitete Fassung wurde für 6.000 Dollar produziert und im November 2005 veröffentlicht. Sie enthielt eine neue Einführung sowie weiteres Videomaterial, das Avery über eBay gekauft hatte.Nancy Jo Sales: Click Here for Conspiracy. In: Vanity Fair, August 2006 Die Hüllen-These wurde herausgeschnitten und durch die These ersetzt, die Flugzeuge seien als Passagierflugzeuge getarnte ferngelenkte Drohnen gewesen.Farhad Manjoo: True Enough: Learning to Live in a Post-Fact Society. John Wiley & Sons, 2008, S. 87 Die Erstversion, wonach Flug UA 93 durch einen Kampfjet abgeschossen worden sei, wurde ersetzt durch die These, das Flugzeug sei in Cleveland auf dem Hopkins Airport gelandet und die etwa 200 Passagiere seien in ein NASA-Gebäude evakuiert worden. Erst diese Fassung erhielt größere Aufmerksamkeit, nachdem sie in Binghamton (New York) von dem lokalen Sender WICZ-TV des FOX-Network gezeigt wurde. Im August 2006 wurde die 2nd-Recut-Version veröffentlicht, die weitere Details veränderte und Filmausschnitte vom ersten Flugzeugeinschlag wegließ, die aus einem Video der Brüder Jules und Gédéon Naudet stammten. Diese hatten am 26. Mai 2006 per Einschreiben eine Urheberrechtsklage angedroht.

Im Juli 2007 erschien Loose Change Second Edition als 2-DVD-Set (auch in Deutschland) im Handel; teilweise fehlt Material, da nicht alle Rechteinhaber ihr Einverständnis für die DVD gegeben hatten. Seit dem 11. November 2007 kann die Fassung Loose Change: Final Cut auf der Website der Produzenten gegen eine Streamnutzungsgebühr heruntergeladen werden. Sie wurde von Alex Jones und Tim Sparke als Kino-Version produziert. Sprecher für die Second Edition und den Final Cut war der Schauspieler Daniel Sunjata.Barna William Donovan: Conspiracy Films: A Tour of Dark Places in the American Conscious. Mcfarland & Co Inc, 2011, ISBN 0-7864-3901-7, S. 207 2009 wurde unter dem Titel Loose Change 9/11: An American Coup eine dritte Version veröffentlicht, die ebenfalls auf DVD veröffentlicht wurde. Besonders die Final-cut-Version wird im Internet verbreitet, auch mit Untertiteln in mehreren Sprachen. Nachahmer haben ihre Videos zu anderen Themen ebenfalls mit dem Schlagwort „Loose Change…“ betitelt.

Kritiker wie Mark Iradian und George Monbiot wiesen darauf hin, dass die Macher ihren Anspruch einer „Dokumentation“ und Darstellung von „Wahrheit“ mit mehreren erheblich voneinander abweichenden Fassungen bereits selbst entkräftet hätten. Avery habe durch Missbrauch von urheberrechtlich geschütztem Material, die Notwendigkeit ständiger Selbstkorrekturen und die manipulative Verwendung von Quellen jedes Vertrauen in die Seriosität seiner filmischen Berichterstattung zerstört. Aufgrund zahlreicher Verdrehungen und Verfälschungen könne der Film nicht in die Kategorie einer Dokumentation, sondern müsse als Agitprop-Mittel zum Anwerben von Aktivisten gegen die damalige US-Regierung unter George W. Bush eingeordnet werden.Jane Chapman: Issues in Contemporary Documentary. Polity Press, 2009, ISBN 0-7456-4009-5, S. 25

Inhalt Der Film besteht hauptsächlich aus Bildmaterial aus Nachrichtensendungen, die um einige Tricksequenzen ergänzt und mit Hip-Hop-Musik und der Stimme eines Sprechers (im Original: Dylan Avery) ergänzt werden, die erklärt, wie das Gezeigte zu deuten sei.Michael Butter: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Suhrkamp, Berlin 2018, S. 183.

Vor- und Nachspann Loose Change zeigt öffentlich zugängliches Filmmaterial und Fotografien. Der Vorspann weist auf übernommenes, zum Teil nicht lizenziertes Filmmaterial hin, dessen Autoren die Ansichten von Loose Change nicht teilen. Das Foto- und Filmmaterial stammt zu einem großen Teil von CNN, NBC, dem Fox News Channel sowie weiteren Fernsehsendern. Der Film sei denen gewidmet, die ihr Leben am 11. September 2001 verloren haben. Einige nicht datierte Zitate von Regierungsvertretern behaupten mal keine, mal viele Vorwarnungen zu den Anschlägen. Zum Schluss ruft Jason Bermas vor dem American Scholar’s Symposium in Los Angeles am 25. Juni 2006 zu friedlichen Demonstrationen am Ground Zero auf.

Operation Northwoods Der Film beginnt mit der Operation Northwoods von 1962, die 1998 durch Freigabe von CIA-Dokumenten bekannt geworden war. Dabei plante das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten eine Falsche-Flagge-Operation, die kubanische Terroranschläge auf zivile und militärische US-Schiffe und Passagierflugzeuge vortäuschen sollte, um so einen Vorwand für die Invasion Kubas zu schaffen. Präsident John F. Kennedy lehnte den Plan jedoch ab; dieser blieb unausgeführt.

Der Film stellt nur die Planung der unausgeführten Aktion dar, ohne einen Zusammenhang zu den Ereignissen des 11. September 2001 herzustellen. Er suggeriert dadurch, auch diese könnten ein von US-Militärs vorgetäuschter Terroranschlag gewesen sein.

Vorbereitungssequenz In den folgenden etwa sechs Minuten reiht der Film in rascher Folge verschiedene Ereignisse aneinander, ohne ihren Bezug zu den Anschlägen zu erläutern:

1984 habe die Luftfahrtbehörde Start-, Flug- und Landeversuche mit einem unbemannten ferngelenkten Passagierflugzeug gemacht, 1997 sei das WTC in ein Antiterrorprogramm aufgenommen worden, 1998 sei eine Drohne erfolgreich getestet worden, 1999 habe die Flugaufsichtsbehörde NORAD Flugzeugentführungen simuliert, 2000 habe die WTC-Aufsicht ein Handbuch zum Umgang beim Fund von Massenvernichtungswaffen im Gebäude erhalten, im selben Jahr habe das Verteidigungsministerium ein Modell für einen Flugzeugabsturz auf sein Gebäude erstellt, später im Jahr habe NORAD diesen Fall als unrealistisch ausgeschlossen, der mögliche Abschuss entführter Flugzeuge sei im Juni 2001 dem direkten Befehl des Verteidigungsministers unterstellt worden, Justizminister Ashcroft habe FBI-Agenten zum Schutz vor Entführern bei seinen Dienstflügen erhalten, Osama bin Laden sei im Juli 2001 in einem Krankenhaus in Dubai gewesen und habe sich dort mit einem CIA-Agenten getroffen. Dass Bin Laden diesen Zeitungsbericht später als erfunden zurückwies,Richard Miniter: Osama debunks a myth. In: Washington Times, 3. Januar 2006 lässt der Film aus.

In dieser Sequenz zitiert der Film auch einen Satz aus einem 90-seitigen Strategiepapier von 2000 des neokonservativen Project for the New American Century (PNAC), dem einige Mitglieder der damaligen US-Regierung angehörten: (PDF; 873 kB)

Welcher revolutionäre Umwandlungsprozess hier gemeint war, lässt der Film aus: nämlich neue Informationstechnologien, die Gesellschaft und Militär weltweit verändern würden. Gefordert wurde daher ein Ausbau der Raketenabwehr, keine konventionellen Interventionen mit Bodentruppen in Ländern, wo ein Bürgerkrieg möglich oder im Gange ist.

Pentagon-Einschlag Es folgt eine Darstellung des Einschlags in das Pentagon. Der Film behauptet, dass die zerstörte Gebäudefassade zu schmal sei für den Einschlag einer Boeing 757; man sehe keine Flugzeugtrümmer und Schäden an der Umgebung. Man habe zu wenig Teile geborgen, um den Einschlag einer Boeing 757 nachzuweisen. Ein gefundenes Turbinenrad könne nicht vom Hilfstriebwerk der Boeing stammen, sondern eher von einer Douglas A-3, einem Flugzeug der United States Air Force. Der angegebene Pilot Hani Hanjour habe bereits Probleme gehabt, eine Cessna zu fliegen. Das Flugmanöver im Tiefflug in das Pentagon hätte nach Aussage eines erfahrenen Boeing-Piloten zu einem Strömungsabriss (high speed stall) geführt. Die US-Regierung habe die Veröffentlichung der kompletten Aufnahmen der Sicherheitskameras verweigert.

Diese Thesen stammten aus Thierry Meyssans Buch The Big Lie von 2002 und waren seither schon oft widerlegt worden: Tatsächlich hatte sich Hanjour gar nicht für das Starten und Landen der Boeing ausbilden lassen und musste nach Zeugenaussagen und Flugschreiber eine 360-Grad-Kurve fliegen, um das Gebäude im richtigen Winkel zu treffen. Die Einschlagszone entsprach der Breite des Flugzeugs nach Abriss eines Flügels beim Aufschlag gegen ein Generatorhaus vor der Fassade, den Zeugen beobachteten, sowie der in der Mitte konzentrierten Hauptmasse des Flugzeugs, wie Computersimulationen bestätigten. Die US-Regierung gab das Parkplatzvideo 2006 nach Abschluss des Prozesses gegen Zacarias Moussaoui frei; da es nur ein Standbild pro Sekunde festhielt, ließ es den Flugkörper kaum erkennen und zeigte fast nur eine Explosion.David Dunbar, Brad Reagan: Debunking 9/11-Myths, Popular Mechanics, 2006, S. 59–70

World Trade Center