Wendelin Freiherr von Maltzahn (* 10. Mai 1815 in Berlin; † 5. Juli 1889 ebenda) war ein deutscher Literaturhistoriker.
Leben Wendelin entstammte einer Nebenlinie der Freiherren Maltzahn von Wartenberg und Penzlin mit Hauptsitz in Penzlin. Durch Mehrfachheirat des Urgroßvaters Jospeph Freiherr Maltzahn von Wartenberg und Penzlin (1735–1805) zu Penzlin, Oberst in Hessen-Kassel, Ober-Stallmeister des Prinzen Heinrich von Preußen, wurde der Penzliner Besitz im Minorat an seine jüngere Söhne weitergegeben, zu der nicht Wendelins Vorfahren gehörten.
Die Eltern des Wendelin von Maltzahn waren Heinrich von Maltzahn (1788–1857) aus Saatzke und als Ehefrau die Kaufmannstochter Marie (Marie Dorothea) geb. Hoffmann (1787–1860). Der Vater war preußischer Leutnant, zeitweilig im Elite-Regiment der Gardes du Corps. Die Eltern heirateten erst 1832 in Berlin. Wendelin, bereits 1815 geboren, und seine Geschwister Heinrich und Luise waren somit l.m.p.s. (legitimus masculus postgenitus filius). Der Großvater Heinrich von Maltzahn (1764–1793) war Generalmajor, Domherr zu Brandenburg, Ober-Kammerherr in Mecklenburg-Strelitz und Gutsbesitzer in Tarnow, die aus Schlesien stammende Großmutter Wilhelmine wiederum war eine geborene von Achard (1764–1808).
Wendelin stand zunächst standesgemäß in preußischen und in österreichischen Diensten. Er brach aber diese konventionelle Militärkarriere, für die er sich entschieden hatte, ab, und widmete sich von 1840 an in Berlin literarhistorischen Studien, die sich namentlich auf das Volkslied, die schlesischen Dichterschulen und die klassische Periode der deutschen Literatur bezogen. Seit 1868 lebte er in Weimar, später kehrte er nach Berlin zurück.
Im Umgang mit wertvollen Handschriften und seltenen Büchern stand Maltzahn in dem Ruf, „an allen Untugenden eines Sammlers“ zu leiden. So soll er wiederholt leihweise überlassene Originale als sein Eigentum deklariert haben.Heinrich Düntzer: Mein Beruf als Ausleger. 1835–1868. Ed. Wartig's Verlag Ernst Hoppe, Leipzig 1899, S. 163 ff.
Aus Dankbarkeit für viele nützliche Hinweise widmete ihm Emil Palleske am 1. Mai 1858 seine Friedrich-Schiller-Biographie Schiller’s Leben und Werke.Vgl. Vorsatzblatt zu Eduard Palleske: Schiller’s Leben und Werke. Band 1, Franz Duncker, Berlin 1858, (Blatt vom 1. Mai 1858.)
Herausgeberschaft Das Gustav-Adolphs-Lied von 1633. Mit einer literarischen Einleitung und historischen Anmerkungen. Adolf, Berlin 1846. (Digitalisat) Zehn schöne neue Lieder aus dem Siebenjährigen Kriege. Zur Erinnerung an den 31. Mai 1851. Trowitzsch & Sohn, Berlin 1851. (Digitalisat) Gotthold Ephraim Lessing’s sämmtliche Schriften. Herausgegeben von Karl Lachmann. Auf’s Neue durchgesehen und vermehrt von Wendelin von Maltzahn. 12 Bände. Göschen, Leipzig 1853–1857. Eduard Boas: Schiller’s Jugendjahre. 2 Bände. Jolowicz, Berlin 1855. Band 1: (Digitalisat); Band 2: (Digitalisat) Schiller’s und Goethe’s Xenien-Manuscript. Zum ersten Mal bekannt gemacht von Eduard Boas. Hirsch, Berlin 1856. (reader.digitale-sammlungen.de; Digitalisat) Friedrich von Schiller: Wallenstein. Nach den Handschriften und Veränderungen des Verfassers vom Jahre 1799. Cotta, Stuttgart 1861. Schiller's Werke. Nach den vorzüglichsten Quellen revidirte Ausgabe. Herausgegeben von Wendelin von Maltzahn [und Robert Boxberger]. 16 Teile. Hempel, Berlin [1868–1874]. Schiller’s Briefwechsel mit seiner Schwester Christophine und seinem Schwager Reinwald. Veit, Leipzig 1875. (Digitalisat) Deutscher Bücherschatz des sechszehnten, siebenzehnten und achtzehnten bis um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Gesammelt und mit bibliographischen Erläuterungen herausgegeben. 3 Bände. Mauke, Jena 1875–1882. (Digitalisat) (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1966). Theodor Wilhelm Danzel, Gottschalk Eduard Guhrauer: Gotthold Ephraim Lessing. Sein Leben und seine Werke. Herausgegeben von Wendelin von Maltzahn und Robert Boxberger. 2 Bände. 2. (berichtigte und vermehrte) Auflage. Hofmann, Berlin 1880–1881.
Familie Wendelin von Maltzahn heiratete am 5. Mai 1855 in Berlin die gebürtige Berlinerin Luise Grolmann (1829–1891). Sie hatten sechs Kinder: Anna (* 13. September 1851) – wie er selbst unehelich geboren –, Marie (* 24. Juli 1855), Friedrich Wendelin Ernst, Gertrud Marie Luise (* 1858), Marie Luise Margarete (* 1859) und Luise Albertine Wilhelmine Dorothea (* 1863).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1912. Jahrgang 62, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 473. Von seinen Nachfahren wurde der Neffe Oskar von Maltzahn als bisher wenig beschriebener königlich preußischer Generalleutnant bekannt, ebenso dessen Tochter Charlotte (* 1887), die mit Werner Ferdiand von Siemens (1885–1937) eine Familie gründeteHans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1956. Band II, Band 13 (713) der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv. C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1956, , S. 305 f. und teils lange das Herrenhaus Correns in Berlin-Lankwitz bewohnte.
Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser (auf das Jahr). 1858. Jahrgang 8, Justus Perthes, Gotha 1857, S. 414. Meyers Konversations-Lexikon. Fünfte Auflage, Band 11, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1896, S. 839. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1908. Jahrgang 58, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 463. Christoph Freiherr von Maltzahn: Maltza(h)n, von. - Familienartikel In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 15. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 740–743.
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