mini|200px|Phoenix-Reporter Heinz Abel bei einer Liveübertragung aus München mini|200px|Gebäude des Hauptstadtstudios der ARD in Berlin mini|200px|MDR-Zentrale in Leipzig Das Fernsehen in Deutschland stellt einen kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Teil der deutschen Medienlandschaft dar. 98,9 Prozent der deutschen Haushalte verfügten 2023 über mindestens einen Fernsehempfänger. Das Fernsehen zählt in Deutschland heute zu den Leitmedien.

Geschichte

Am 22. März 1935 wurde in Deutschland das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt live über den Fernsehsender Paul Nipkow in Berlin ausgestrahlt. Der Betrieb war anfangs auf etwa zwei abendliche Stunden an drei Wochentagen beschränkt. Hierbei wurde zunächst ein 180-Zeilenbild ausgestrahlt, welches lediglich Bilder von mäßiger Qualität lieferte. Die Zahl der Fernsehzuschauer war mit schätzungsweise 250 (bei 75 angemeldeten Empfangsgeräten) äußerst gering. Mit der Eröffnung der ersten öffentlichen Fernsehstuben in Berlin, Potsdam und Neuruppin wurde das neue Medium erstmals einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Resonanz war allerdings angesichts der zunächst relativ schlechten Bildqualität eher verhalten.

Ein erster Höhepunkt bei der Frequentierung der Fernsehstuben und Großbildstellen stellte sich bei den Olympischen Sommerspielen 1936 ein. Zeitweilig über 10.000 Zuschauer monatlich stellten während dieser Zeit das erste Massenpublikum dar. Mit der Einführung des 441-Zeilen-Verfahrens am 1. November 1938 wurde die Bildauflösung und damit die Qualität der Bilder deutlich verbessert. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Ausstrahlungen zwischen dem 3. September 1939 und dem 11. November 1939 zunächst eingestellt, um dann (vorwiegend zum Zwecke der Truppenunterhaltung) wieder aufgenommen zu werden. Im Herbst 1944 wurden diese Fernsehsendungen im Deutschen Reich schließlich kriegsbedingt endgültig eingestellt.

Mit der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg setzt sich die Geschichte des deutschen Fernsehens in unterschiedlicher Weise fort. Sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik Deutschland begannen 1952 mit einer Ausstrahlung von Fernsehprogrammen. In der DDR startete 1952 das „öffentliche Versuchsprogramm“, 1956 ersetzt durch den Deutschen Fernsehfunk (DFF). In der Bundesrepublik startete 1952 das Deutsche Fernsehen (heute: Das Erste) der ARD, 1963 folgte als zweiter Sender das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und Mitte bis Ende der 1960er Jahre nahmen die regionalen dritten Programme der ARD ihren Betrieb auf. In den 1980er Jahren erfolgte ein grundlegender Wandel: 1981 wurde der private Rundfunk zugelassen und infolge das duale Rundfunksystem etabliert. 1984 ging der erste private Fernsehsender an den Start, rund zehn Jahre später war der Fernsehmarkt aufgeteilt. Es hatten sich die vier großen Sender Das Erste, ZDF, RTL und Sat.1, und die kleineren Sender ProSieben, RTL 2, Kabel 1 und Vox sowie das jeweilige dritte Programm herausgebildet. Hinzu kommt eine Vielzahl kleiner Sender, die überwiegend Spartenprogramme anbieten.

Mit dem 2010er Jahrzehnt wurden zunehmend Streaming-Dienste, überwiegend US-amerikanischer Anbieter, in Anspruch genommen. So haben im Jahr 2019 laut einer von ARD und ZDF in Auftrag gegebenen Studie die 14- bis 29-Jährigen in Deutschland erstmals mehr Zeit mit Streaming verbracht als mit den Programmen linearer Sender.

Sender

Es gibt über 145 Fernsehsender, die hauptsächlich Wirtschaftsunternehmen sind und somit auf Gewinn­erzielung aus sind.Die TV-Sender im Medienland Deutschland – abgerufen am 1. Juni 2024 Den Markt teilen sich ungefähr zur Hälfte die öffentlich-rechtlichen Sender (u. a. Das Erste, ZDF und die regionalen „Dritten Programme“) und die seit 1984 existierenden Privatsender.

Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mini|Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten leisten die Grundversorgung der Bevölkerung an Information, mittlerweile jedoch mit einem sehr großen Anteil an Unterhaltung. Sie finanzieren sich größtenteils durch Rundfunkgebühren sowie zu einem geringen Anteil aus Werbeeinnahmen.

Die 1950 gegründete ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) ist ein Zusammenschluss der neun deutschen Landesrundfunkanstalten. Diese veranstalten als Gemeinschaftsprogramm den Fernsehsender Das Erste sowie jeweils eigene Regionalprogramme, die so genannten Dritten Programme. Das Ausländerprogramm der ARD erfüllt Aufgaben der Information und Integration für Migranten in Deutschland.

Die Sparte ARD Digital betreibt deutschlandweit eine eigene Digitalplattform unter der Bezeichnung „ARD-Digital“. Sie beinhaltet 17 Sender, darunter die digitalen Zusatzprogramme tagesschau24 und One. Die Landesrundfunkanstalten tauschen über das vom ARD-Stern betriebene, eigene Breitbandnetz HYBNET untereinander Dateien sowie Rundfunk- und Fernsehbeiträge aus.

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wurde 1963 gegründet und ist eine gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Mainz (Rheinland-Pfalz). Das ZDF bietet seit 1997 auch ZDFvision mit einem Bouquet von sieben Fernsehprogrammen, darunter den digitalen Zusatzkanälen ZDFinfo und ZDFneo.

Als deutschsprachiges Gemeinschaftsprogramm betreiben ARD und ZDF gemeinsam mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) und dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) den 1984 gestarteten Kultursender 3sat. ARD, ZDF und ARTE France sowie zu einem geringen Teil auch das SRF betreiben seit 1992 den deutsch-französischen Kultursender Arte.

ARD und ZDF betreiben darüber hinaus gemeinsam den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix, den Kinderkanal KiKA sowie das Online-Medienangebot funk für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren.

Kommerzielle Fernsehsender

Im frei empfangbaren Fernsehen gibt es in Deutschland neben den öffentlich-rechtlichen Sendern eine Vielzahl von Privatsendern. Diese finanzieren sich ausschließlich über Werbeeinnahmen und strahlen aus diesem Grund wesentlich mehr Werbung aus.

Mit der ProSiebenSat.1 Media und der RTL Group gibt es auf dem deutschen Fernsehmarkt zwei große Konzerne.

Zur ProSiebenSat.1 Media SE mit Sitz in München gehören die Sender Sat.1, ProSieben, kabel eins und sixx sowie weitere kleinere Sender. Die Sender der ProSiebenSat.1 Media hatten 2006 einen Gesamtmarktanteil von knapp 21 %.

Zur RTL Group mit Sitz in Köln, die zu 90,4 % im Besitz der Bertelsmann SE & Co. KGaA ist, gehören zu 100 % die Sender RTL Television und der Nachrichtensender n-tv. Außerdem hält die RTL Group Anteile an den Sendern RTL II, VOX und Super RTL. RTL Television hatte 2006 einen Marktanteil von 12,8 % (Zuschauer über 3 Jahren).

Daneben gibt es Spartenprogramme wie Musiksender (z. B. Deluxe Music, MTV, VIVA), Nachrichten und Information (z. B. Welt), Sport (z. B. Eurosport 1, Sport1), Fiktionale Unterhaltung (Tele 5), Gamingsender (z. B. K1010) oder Homeshopping (z. B. HSE24). Ferner hat sich ein breites Angebot an Regionalfernsehsendern etabliert (z. B. NRW.TV, Saar TV, Sachsen Fernsehen, TV.Berlin), die in der Regel ein regionsbezogenes Programm anbieten.

Bezahlfernsehen/Pay-TV Marktführer der Sparte Bezahlfernsehen/Pay-TV ist der Sender Sky (bis Juli 2009 Premiere) mit Sitz in Unterföhring.

Für die Zielgruppe Auslandsdeutsche gibt es (hauptsächlich in deutscher Sprache und nur über Satellit) den Sender DW-TV, der von der Deutschen Welle weltweit (nur Satellit) ausgestrahlt wird, sowie ProSiebenSat.1 Welt von SAT.1 und ProSieben (nur Vereinigte Staaten). Von 2002 bis 2005 gab es den Sender German TV (ARD/ZDF/DW) mit Sitz in Berlin.

Fernsehsender der alliierten Streitkräfte mini|Logo des AFN Je nach Sektor gibt es oder gab es Fernsehsender mit (fast immer) geringer Sendeleistung für die alliierten Streitkräfte auf deutschem Boden: American Forces Network (AFN) für die Angehörigen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit Sitz in Mannheim British Forces Broadcasting Service (BFBS) für die Angehörigen der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs Radio Forces Françaises de Berlin (FFB) für die Angehörigen der französischen Streitkräfte mit Sitz in Berlin – bis 1994 Radio Wolga (UdSSR) für die Angehörigen der russischen Streitkräfte – bis 1994

Im Falle des Empfangs über Satellit sind die Sendungen verschlüsselt und nur mittels Decoder empfangbar, der nur für Militärangehörige legal zu erwerben ist.myAFN FAQ: „Q: Who is authorized to acquire an AFN decoder? A: … Authorized viewers are limited to: active duty military assigned/deployed overseas; direct-hire Department of Defense and Department of State employees serving overseas; military retirees living overseas; and, the family members accompanying these personnel overseas. The commercial television program owners and distributors license their products for distribution on AFN based upon this limited audience. United States Department of Defense regulations and policies enable authorized AFN viewers to acquire the AFN decoder necessary to receive the AFN radio and television services. By restricting access we protect the licenses and copyrights of the programming provided to AFN by U.S. broadcast networks and distributors. If you are not an authorized viewer, you are ineligible to acquire an AFN decoder.“ (aufgerufen am 13. Februar 2008) Die Bedeutung der Sender sank seit den 1990er Jahren, da immer weniger Angehörige ausländischer Streitkräfte in Deutschland stationiert sind.

Marktanteile Nach Einführung des Privatfernsehens stiegen die Marktanteile der privaten Sender stetig. Nach der Wiedervereinigung erreichten RTL und Sat.1 im Osten Deutschlands besonders hohe Einschaltquoten und RTL war zeitweise in ganz Deutschland Marktführer. Auch heute noch wird in Ostdeutschland deutlich mehr Privatfernsehen geschaut als im Rest des Landes. Während RTL im Jahresdurchschnitt 2006 im Osten mit einem Marktanteil von 14,3 Prozent deutlich Marktführer vor dem Ersten mit 12,0 Prozent war, verhielt es sich im Westen umgekehrt: Dort erreichte das Erste 14,9 Prozent und RTL stand mit 12,3 Prozent noch hinter dem ZDF an dritter Stelle.

Die Erhebungen zeigen, dass der als Oberschicht definierte Bevölkerungsteil mit rund zwei Stunden täglich am seltensten fernsieht und dabei klar die öffentlich-rechtlichen Sender bevorzugt, während sich die zur Unterschicht gezählte Bevölkerung im Schnitt knapp fünf Stunden am Tag vor dem Fernseher aufhält und überproportional oft private Fernsehsender einschaltet. So hatte das Erste 2004 in der Oberschicht einen Marktanteil von 20,5 Prozent, in der Unterschicht hingegen nur 7,7 Prozent. Dagegen kam RTL in der Oberschicht nur auf 9,8 Prozent Marktanteil im Vergleich zu 15,2 Prozent in der Unterschicht.

Die Dritten Programme hatten durch die Einführung des Privatfernsehens deutliche Verluste bei den Zuschauerzahlen. Sie haben ihre Marktanteile seit Mitte der 1990er Jahre wieder steigern können und erreichen in ihren jeweiligen Sendegebieten zwischen fünf und neun Prozent der Zuschauer.

Die Privatsender weisen neben ihren Marktanteilen beim Gesamtpublikum die Quoten in der bei der Werbewirtschaft relevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer aus, bei der sie aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung meist höhere Werte erreichen als bei der Gesamtheit der Zuschauer. Das Angebot des Bezahlfernsehens Premiere hatte 2006 insgesamt einen Marktanteil von etwa 2,1 Prozent.

Prozentzahlen für Deutschland gesamt, ganzer Tag, Zuschauer ab 3 Jahre, von 1988 bis 2025: