Anatoli Alexandrowitsch Roschtschin (, wiss. Transliteration ; * 10. März 1932 in Gawerdowo, Oblast Rjasan; † 5. Januar 2016 in Sankt Petersburg) war ein sowjetischer Ringer.
Werdegang Anatoli Roschtschin begann als Jugendlicher mit dem Ringen. Als Neunzehnjähriger wurde er zur Roten Armee eingezogen. Da er bei der Roten Armee gute Trainingsbedingungen fand und gute Fortkommenschancen sah, wurde er Berufssoldat. Beim Armeesportklub in Leningrad, wo er stationiert war, waren hervorragende Trainer tätig, die Anatoli langsam an die sowjetische Spitze der Schwergewichtsringer im griechisch-römischen Stil heranführten. Seine ersten Erfolge feierte er zunächst als Sambo-Ringer, ein an Judo angelehntes Ringen. 1956 und 1960 wurde er in dieser Sportart sowjetischer Meister im Schwergewicht. Von 1957 bis 1959 konnte er verletzungsbedingt wenig trainieren und stagnierte in diesen Jahren. Erst ab 1960 konnte er wieder voll trainieren und erreichte bald die sowjetische Spitzenklasse. Sein Trainer war damals Nikolai Below (Ringer). Anfang der 1960er Jahre hatte er in Iwan Bogdan, Anatoli Parfenow und Sergei Zaluski Konkurrenten auf nationaler Ebene, die er noch nicht besiegen konnte. Erst 1962, mit bereits 30 Jahren, wurde er erstmals sowjetischer Meister und begann in diesem Jahr auch seine internationale Laufbahn, die noch sehr erfolgreich werden sollte. Sein Hauptkonkurrent in der Sowjetunion war in jenen Jahren Nikolai Schmakow.
Anatoli Roschtschin gewann sechs WM-Medaillen und schaffte bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München seinen größten Triumph, als er Olympiasieger im Schwergewicht wurde. Er war damals schon 40 Jahre alt. Bei den Olympischen Spielen 1964 und 1968 hatte er schon jeweils eine Silbermedaille hinter dem Ungarn István Kozma errungen, der später bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Roschtschin rang gegen Kozma insgesamt sechs Mal Unentschieden, auch 1964 und 1968, aber Kozma hatte jedes Mal ein etwas besseres Punkteverhältnis als Roschtschin und wurde so in jenen Jahren Olympiasieger. Auch gegen Wilfried Dietrich, den deutschen Olympiasieger von 1960, stand Roschtschin viermal auf der Matte, gewann zweimal und rang zweimal gegen ihn Unentschieden.
Nach 1972 trat der Offizier in der Sowjetarmee Anatoli Roschtschin vom aktiven Ringersport zurück. Er starb am 5. Januar 2016 im Alter von 83 Jahren.
Internationale Erfolge
Jahr Platz Wettbewerb Gewichtsklasse Ergebnisse 1962 1. "Iwan-Poddubny"-Turnier in Moskau Schwer vor Bohumil Kubát, Tschechoslowakei und Milic Stojkow, Jugoslawien 1962 2. WM in Toledo/USA Schwer mit Siegen über Ragnar Svensson, Schweden, Francisc Balla, Rumänien und Radoslaw Kassabow, Bulgarien und Unentschieden gegen István Kozma, Ungarn und Wilfried Dietrich, BRD 1963 1. WM in Helsingborg Schwer mit Siegen über Bohumil Kubát, Tschechoslowakei, Wilfried Dietrich, Bekir Aksu, Türkei, Ragnar Svensson und James Raschke, USA und einem Unentschieden gegen Istvan Kozma 1964 1. "Iwan-Poddubny"-Turnier in Moskau Schwer vor Petr Kment und Radoslaw Kassabow 1964 Silber OS in Tokio Schwer mit Siegen über Ștefan Stîngu, Rumänien, Ragnar Svensson, Taisto Kangasniemi, Finnland, Petr Kment, CSSR und Wilfried Dietrich und einem Unentschieden gegen Istvan Kozma 1965 2. "Iwan-Poddubny"-Turnier in Moskau Schwer hinter Nikolai Schmakow, Sowjetunion, vor Roland Bock, Bundesrepublik Deutschland 1966 1. EM in Essen Schwer mit Siegen über Bekir Aksu, Ragnar Svensson, Petr Kment, Osmo Hekkala, Finnland und Unentschieden gegen Roland Bock, BRD und Istvan Kozma 1967 5. "Iwan-Poddubny"-Turnier in Moskau Schwer hinter Anatoli Kuchniew und Wladimir Susietsch, beide Sowjetunion, Radoslaw Kassabow und Anatoli Motin, Sowjetunion, vor Istvan Kozma und Heinz Eichelbaum, BRD 1967 2. WM in Bukarest Schwer mit Siegen über Stefan Petrow, Bulgarien, Osmo Hekkala und Unentschieden gegen Petr Kment und Istvan Kozma 1968 Silber OS in Mexiko-Stadt Schwer mit Siegen über Edward Wojda, Polen, Roland Bock, Stefan Petrow, Robert Roop, USA und Petr Kment und einem Unentschieden gegen Istvan Kozma 1969 1. WM in Mar del Plata Schwer mit Siegen über Merv Holden, Kanada, Hugo Bravo, Argentinien und Petar Donew, Bulgarien und einem Unentschieden gegen Wilfried Dietrich 1970 1. WM in Edmonton Schwer mit Siegen über Edward Wojda, József Csatári, Ungarn, Omar Topuz, Türkei, Nicolae Martinescu, Rumänien und einem Unentschieden gegen Roland Bock 1971 2. WM in Sofia Schwer mit Siegen über Omar Topuz, József Csatári, Franz Labjon, DDR, Petr Kment und Unentschieden gegen Victor Dolipschi, Rumänien und Alexandar Tomow, Bulgarien 1972 Gold OS in München Schwer mit Siegen über Victor Dolipschi, Petr Kment, Alexandar Tomow und Wilfried Dietrich
Erfolge bei Sowjetischen Meisterschaften
Jahr Platz Gewichtsklasse Ergebnisse 1961 2. Schwer hinter Iwan Bogdan, vor Nikolai Schmakow 1962 1. Schwer vor Nikolai Schmakow und A. Abramjan 1963 1. Schwer vor Nikolai Schmakow und T. Chabalischwili 1964 2. Schwer hinter Nikolai Schmakow, vor Wladimir Schkaran 1965 2. Schwer hinter Nikolai Schmakow, vor Wladimir Schkaran 1967 1. Schwer vor Nikolai Schmakow und Waleri Anissimow 1968 2. Schwer hinter Wladimir Susietsch, vor B. Abelentschew 1971 1. Schwer vor Anatoli Selenko und Anatoli Kotschniew 1972 2. Schwer hinter Anatoli Selenko, vor Alexander Motin
Erläuterungen
alle Wettkämpfe im griechisch-römischen Stil OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft Schwergewicht, bis 1961 über 87 kg, ab 1962 über 97 kg Körpergewicht
Literatur
Diverse Ausgaben der Fachzeitschrift "Athletik" aus den Jahren 1961 bis 1972, Documentation of International Wrestling Championships der FILA, 1976
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Ringer (Sowjetunion) Kategorie:Olympiasieger (Ringen) Kategorie:Olympiateilnehmer (Sowjetunion) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1964 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1968 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1972 Kategorie:Weltmeister (Ringen) Kategorie:Europameister (Ringen) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann