Wilhelm Dieter Siebert (* 22. Oktober 1931 in Berlin; † 19. April 2011 ebendaTodesanzeige im Tagesspiegel. 8. Mai 2011 (, abgerufen am 20. Oktober 2011).) war ein deutscher Komponist. Im Bereich von Jazz und Unterhaltungsmusik wirkte er unter dem Pseudonym Bert Landers. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die 1979 an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführte Oper Untergang der Titanic.
Werdegang Siebert studierte am Konservatorium und an der Musikhochschule Berlin Klarinette, Komposition, Instrumentation und Dirigieren. Ende der 1950er Jahre spielte er Jazz. Er war als Altsaxophonist Leiter der Jazzgruppe The Bertlanders Starband, unter anderem zusammen mit dem Schlagzeuger Kurt Giese und dem Trompeter Heinz Wulfestieg, die erfolgreich am Deutschen Amateur-Jazz-Festival in Düsseldorf teilnahm und Schallplatten einspielte. Unter dem Pseudonym Bert Landers leitete er dann ein Orchester, das im Unterhaltungsbereich tätig war und die Schallplattenserie Schlagerrunde aufnahm. Siebert belegte Zwölftonmusik-Kurse bei Josef Rufer, anschließend Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg im Breisgau. Er experimentierte mit Jazz und Elektronik.
1965 gründete Siebert mit Kollegen Gerald Humel, Karl Heinz Wahren, Roland Pfrengle und Jolyon Brettingham-Smith die über Jahrzehnte hinweg erfolgreiche Gruppe Neue Musik Berlin.Siehe auch (undatiert; aufgeführt als Mitglieder sind: Gerald Humel, Jonathan Tunnell, Karl Heinz Wahren, Thomas Jahn, Wilhelm Dieter Siebert); die Gruppe erhielt 1978 den Förderungspreis beim Kunstpreis Berlin der Westberliner Akademie der Künste. Er erhielt mehrere Arbeitsstipendien (Darmstadt 1967, Cité des Arts – Paris 1972, P. S. I. in New York 1978).
Siebert lebte in Berlin und Griechenland. Er komponierte auch Filmmusik, z. B. für Rosa von Praunheims Film Anita – Tänze des Lasters (1987). Sein Nachlass befindet sich in der Berliner Akademie der Künste.
Wirken Zu Sieberts Werken gehören Opern, Musical, Ballette, Kammermusiken, Lieder, Orchesterstücke und Experimentelle Musiktheaterstücke mit Aufführungen in Deutschland, den Niederlanden, England, Italien, Griechenland, Frankreich, den USA, Japan und Korea.
Sieberts bekanntestes Werk ist die 1979 an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführte Oper Untergang der Titanic (Regie: Winfried Bauernfeind). Weitere Inszenierungen in Los Angeles, Rennes, Freiburg, Cottbus, Plauen, Halle, Greifswald und Altenburg.
Einem breiteren Publikum ist die Titelmelodie von 100 bzw. 1000 Meisterwerken bekannt.
Preise und Auszeichnungen Kunstpreis der Akademie der Künste 1974 Preis des Internationalen Carl-Maria-von Weber-Wettbewerbes Dresden 1990 Bundesverdienstkreuz am Bande 2001.
Werke Bühnenwerke (Auszug) Frankenstein, der neue Arbeitnehmer, Multi-Media-Oper für Sänger, Schauspieler, Kammerorchester & Rockband, Projektionen, Filme etc. Songtexte: Yaak Karsunke. Uraufführung Akademie der Künste Berlin 1974 Des Kohlhas letzte Nacht, Szenisches Madrigal, Multimedia Theater. Text: Yaak Karsunke. Uraufführung Berliner Festwochen 1978 Untergang der Titanic, Große Oper mit Salonorchester. Libretto von Hartmann Schmige und Christian Rateuke, Uraufführung am 6. September 1979 in Berlin. 1984, Liebe, Tod und Tango, Kammeroper nach Walter Serners Die Tigerin. Libretto: Michael Fröhling. Uraufführung Staatstheater Kassel 1986. Preis des Internationalen Carl Maria von Weber Wettbewerbs für Kammeropern, Dresden 1990, 2 LPS, ; 2 CDs, Schlemihl, Magische Operette nach Motiven der Deutschen Romantik. Libretto: Hartmann Schmige und Christian Rateuke. Uraufführung Berlin 1987 Der Pilot von Hiroshima. Missa Apokalypsis für Tenor, Violoncello und Tonbänder, szenisch. Uraufführung Berlin 1991 Meister Kater, Groteske Oper, Uraufführung Frankfurt/Oder 1994 The Bankers Opera, Eine DreiGroschen-Revue. Regie Volker Kühn, Uraufführung Düsseldorf 1998, Die Maske des Roten Todes, Ballett nach Edgar Allan Poe mit großem Orchester und Tonband. Libretto: Hans Nicklisch. Uraufführung Rostock 2005 Faustina, Singspiel für Tenor, eine singende Schauspielerin, einem Kleinen Chor und Kammerorchester, CFDS gewidmet. Uraufführung 2007 Podewil-Berlin
Kammermusiken und Orchesterwerke (Auszug) Konzert für Oboe (und Kammerorchester) Violine & Klavier 1948, Eichen Musikverlag, 2015, Concertino in Jazz, für Klarinette, Tenorsaxophon, Bigband und Symphonieorchester, 1959 Flute by Flute. Komposition für Flöte und Tonband, 1965, Variationen einer Elegie, für Klarinette, Harfe, Violine und Violoncello, 1966 Potsdamer Sonate, nach Themen Friedrichs des Zweiten für drei Klarinetten, und Streichorchester, 1966 Pennergesang für Bariton, Gitarre und kleines Orchester nach Günter Bruno Fuchs, 1968 Paganini-Variationen für Flöte, Streichtrio, Klavier und Tonband, 1968 James Bond Oratorium, Akustisch-optische Meditation über die Lust und die Herrlichkeit zu töten. Für Sänger, Schlagzeuger, Tonbänder, Projektionen und Filme. Bildgestaltung: Peter Sorge, 1969 Der Untergang der Titanic für Violine und Schlagwerk, Ein-Mann-Orchester, 1971; 1976, Manipul, Drama für zwei Schlagzeuger und manipulirendes Tonband, szenisch, 1972 Die letzten Tage der Kunstgeigerin Berenice von L. für Violine, Ensemble und Tonbänder, 1973 Der Untergang der Titanic für Blechbläserquintett, 1973; 1984, Antiphon, Lamentatio zur Geschichte eines Berliner Gotteshauses, für Ensemble und Tonbänder, 1975 Flute by flute für Flöte und Tonband, 1976, Der Trunk des Poseidon, szenische Allegorie für Tenor und Barockorchester, 1977, ; Großstadt, Komposition zu einem Environment von H. J. Diehl für Sopran, Saxophon, Violoncello und Schlagzeug. Text: Yaak Karsunke, 1978 Berliner Hinterhofmusik, 1978, Eichen Musikverlag, 2014, Hollywoodmusik für Bläsertrio, 1978 Der letzte Paso Doble in der Alhambra-Bar am Kurfürstendamm vor ihrer endgültigen Zerbombung im Jahre 1944 für Kammerorchester, 1981 Missa funerale for Al Capone für Violoncello und Kontrabass, 1982 Someday für Chor und Solo-Violoncello, nach Texten von Pablo Neruda, 1983 32 Meter unter der Oper Psychodrama für Violoncello und Kontrabass, szenisch, 1984 I Virtuosi del Diavolo Doppelkonzert für Flöte, Violine und Orchester, 1984 12 leichte Stücke für die schwere Hand, Klavier solo, 1984, Eichen Musikverlag, 2015, Bleistaubkantate – Cantata barocca e moderna – aus gegebenem Anlass. Für Soli, Chor und Orchester, szenisch, 1985 Sapphos Traum für Sopran und Kammerorchester nach Texten der Sappho, 1990, Eichen Musikverlag, 2014, Der Tag der Zikaden für Streichquartett, 1991, Eichen Musikverlag, 2015, Rondeau de Blech, für 11 Blechbläser. Auftragswerk des Berliner Philharmonischen Orchesters, 1992, Eichen Musikverlag, 2015, Über die ALpen!, Oktett, 1992, Eichen Musikverlag, 2015, Est modus in rebus… für Sopran und Raumorchester, 1993 Schatten für Flöte, Violoncello und Tonband, 1993 Perpetuum mortale für Flöte, Violoncello und Schlagwerk, 1994 Der Tod des Orpheus für Sopran, Flöte, Violoncello und Tonband, 1996 An die Kunst für Posaune, Harfe und Orchestergruppen, 1997 Il Basso die Napoli für Kontrabass und Zupforchester, 1999 The Lost Century – Abgesang. Meditation mit Fragmenten für Flöte, Violoncello und Schlagzeug; Matthias Koeppel gewidmet, 2000 Die Totenfidel für Viola und Streichorchester, 2000, Eichen Musikverlag, 2015, Dialektisches Requiem für Chor und kleines Orchester, 2002 Choral auf das Ende der Kriege für Violine und Orchester, 2004 Lamento für Bariton, Viola und Orgel, 2004 Existenzfiguren, Epigramme auf Plastiken von Georg Kolbe für Flöte, Oboe, Violine, Violoncello mit Harfe, 2004 Griechische Ballade für Bassklarinette, Violine, Violoncello und Schlagzeug, 2006 Rose and Nightingale, nach einem Märchen von Oscar Wilde für Flöte, Violoncello und Klavier / Harfe, 2009/2010, Eichen Musikverlag, 2015,
Film- und Fernsehmusik zu Max Willutzki: Der lange Jammer, 1973 zu Max Willutzki: Vera Romeyke ist nicht tragbar, 1975/76 zu Der Umsetzer, 1976 zu Krawatten für Olympia, 1976 zu Ulrike Ottinger: Freak Orlando, 1981 zu Aribert Weis: Das Haus im Park, 1981 zu Christian Rateuke und Hartmann Schmige: Der Mann im Pyjama, 1981 zu Wer spinnt denn da, Herr Doktor?, 1981 zu Claudia Schröder: Konrad aus der Konservenbüchse, 1982/1983 zu Der Schnüffler 1982/1983 zu Großstadtrevier, 1986 zu Rosa von Praunheim: Anita – Tänze des Lasters, Film über die Tänzerin Anita Berber mit Lotti Huber, 1987 zu Ulrike Ottinger: Johanna d’Arc of Mongolia, 1988/1989 zu Die Piefke-Saga, 1990
Anderes Unser Ludwig, für Chor, Klavier und Sprecher (1970) Opus 50, drei Stücke für Klavier (1972) the tape (1974) Elektronische Nachtmusik im Jagdschloss Grunewald, mit Karl Heinz Wahren, Gerald Humel, Roland Pfrengle und Jolyon Brettingham-Smith Unser schönes Amerika, mit Yaak Karsunke (1979), Mit Musik geht alles besser (1933–1983). (mit Karl-Heinz Wahren)
Literatur Deutsches Theater-Lexikon. Band III: Pallenberg – Singer. A. Francke Verlag 1992 A. Dümling, Die Titanic auf der Opernbühne. Zum Tod des Komponisten Wilhelm Dieter Siebert. Neue Musikzeitung 60/6 (2011)
Weblinks
Untergang der Titanic bei boosey.com
Einzelnachweise
Kategorie:Jazz-Saxophonist Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Musiker (Berlin) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Geboren 1931 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann