The Joshua Tree ist das fünfte Studioalbum der irischen Rockband U2 und wurde am 9. März 1987 von dem Label Island Records veröffentlicht. Die Produzenten waren Brian Eno und Daniel Lanois. Gewidmet ist das Album Bonos Freund und Roadie Greg Carroll, der 1986 im Alter von 26 Jahren bei einem Motorradunfall in Dublin starb.

Die Band verbindet bei The Joshua Tree den selbstbewusst-aggressiven Ton der Alben Boy und War sowie den eher stimmungsvollen und verästelten Ansatz von October und The Unforgettable Fire mit einer erhöhten Experimentierfreudigkeit sowie einfachen Melodien und musikalischen Strukturen.vgl. The Joshua Tree erhielt 2003 vom Rolling Stone den 26. Platz unter den 500 besten Alben der Popmusik. 2020 wählten die Redakteure des BBC Radio das Album als „beste Platte der 1980er-Jahre“.

Mit über 25 Millionen Verkäufen gehört The Joshua Tree zu den weltweit erfolgreichsten Musikalben.

Geschichte mini|Brian Eno und Daniel Lanois produzierten das Album und arbeiteten das zweite Mal mit U2 zusammen Nachdem U2 mit dem 1984 erschienenen Album The Unforgettable Fire und dem Live-Aid-Konzert im Juli 1985 einen ersten Karrierehöhepunkt erreicht hatte, begann die Band 1985 mit der Realisierung des Nachfolgealbums. Um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, nahm die Band das Album nicht in einem Tonstudio, sondern in einem abgelegenen Haus (Danesmoate House) auf, in dem inzwischen der Bassist Adam Clayton lebt. Zu dieser Zeit empfanden die Bandmitglieder die Entwicklung der Musik der 1980er-Jahre als eher negativ. Deshalb wollten sie ihrem neuen Album ein neuartiges Klangbild geben. Adam Clayton äußerte sich dazu wie folgt:

Das Album führt die akustischen Experimente von The Unforgettable Fire fort. So beginnt beispielsweise der erste Albumtitel Where the Streets Have No Name mit einer sanften Orgeleinleitung, ähnlich dem Ende von MLK, dem letzten Song des Albums The Unforgettable Fire, über die der Gitarrist The Edge ein einfaches, echogeladenes Arpeggio spielt. Dabei lässt er jede einzelne Note zwei- bis dreimal erklingen, was ein sehr dichtes Klangbild zur Folge hat. Dies wird durch eine Aufteilung (Splitting) des Eingangssignals in mehrere Einzelsignale erreicht, die dann mittels Verzögerungstechniken (Delay) zwischen 200 und 600 ms gegeneinander versetzt aufgenommen werden. Die einzelnen Echos wechseln dabei im Stereopanorama zusätzlich abwechselnd von rechts nach links.Tim Darling zu Edge’s Delaytechnik

mini|zentriert|500px|Intro des Songs Where the Streets Have No Name() With or Without You, die erste Single des Albums und einer der bekanntesten Songs der Band, nutzt die oben erwähnte von Michael Brook entwickelte Technik namens „infinite guitar“, bei der ein auf das Feedback reagierender elektronischer Sensor die Erzeugung einer beliebig langen Ausklangsphase des Tones samt einer Veränderung der Obertonstruktur mittels eines Equalizers ermöglicht.

mini|Bassist Adam Clayton Musikalisch begann die Band amerikanischen Folk und Blues in ihr Songwriting mit einzubeziehen. Dieser Einfluss ist vor allem in der Ballade Running to Stand Still erkennbar, in der es um die Drogenproblematik in Dublin geht,Niall Stokes: The World About Us. Hot Press, 26. März 1987. und im Blues Trip Through Your Wires.

Der Rolling Stone bezeichnete das Album als eines der „drei Meisterwerke“ der Band, neben Achtung Baby und All That You Can’t Leave Behind; es tauchte auch in der Rolling-Stone-Liste der „500 besten Alben aller Zeiten“ auf Platz 26 auf. 2001 wurde The Joshua Tree vom CCM Magazine auf Platz 6 in der Liste der „bedeutendsten zeitgenössischen christlichen Musikalben aller Zeiten“ gewählt.

Dem Album folgte die weltweit ausverkaufte Joshua Tree Tour. Die Videos zu With or Without You und Where the Streets Have No Name (Regie: Meiert Avis) sowie zu I Still Haven’t Found what I’m Looking For (Regie: Barry Devlin) wurden auf MTV ausgestrahlt.

Themen und Titelliste TitellisteSeite 1: Where the Streets Have No Name (5′37″) I Still Haven’t Found What I’m Looking For (4′37″) With or Without You (4′56″) Bullet the Blue Sky (4′32″) Running to Stand Still (4′18″) Seite 2: Red Hill Mining Town (4′52″) In God’s Country (2′57″) Trip Through Your Wires (3′32″) One Tree Hill (5′23″) Exit (4′13″) Mothers of the Disappeared (5′14″) Musik von U2 / Text von Bono Die elf Titel des Albums umkreisen einzelne Themengebiete und deren Beziehungen zueinander mit unterschiedlichen sprachlichen und musikalischen Gestaltungsmitteln.

Auf einer realen Ebene handelt das Album von der Aussöhnung mit dem Tod von Greg Carroll. Dies stellt sich auf einer allgemeingültigeren Ebene als eine Meditation über Verlust und Erlösung dar, welche sich zum Beispiel in den Symbolen von Wasser und Wüste sowie diversen biblischen Bezügen ausspricht.

Aus einer eher politisch-sozialen Sichtweise lobt und kritisiert das Album die USA sowohl ideell als auch in seinen realen Erscheinungsformen als ein gespaltenes, eher „fragwürdiges Land“. Der gleiche Konflikt wird wiederum in Liedern, welche die „menschliche Zerrissenheit“ schildern, aus einem eher persönlichen Blickwinkel reflektiert.

Der Produzent Brian Eno beschreibt dies zusammenfassend in folgenden Worten: „Das Ergebnis ist einfach eine reiche und dicht verflochtene Hülle, die Album genannt wird.“Brian Eno auf der DVD The Joshua Tree, 1999, TDK Mediaactive in der Serie Classic Albums

Politisches und Soziales Das Album The Joshua Tree ist stark von U2s politischem und sozialem Engagement geprägt. Es werden Themen aufgegriffen, die im Album War, bei dem es zum Beispiel um den Nordirlandkonflikt (Sunday Bloody Sunday) oder die Gefahr eines Atomkrieges (Seconds) ging, nicht behandelt wurden.

Bullet the Blue Sky ist ein Angriff auf die damalige US-amerikanische Politik im mittelamerikanischen Staat El Salvador. Die USA unterstützten dort gegen erhebliche innen- und außenpolitische Widerstände die rechtsgerichtete, diktatorische Militärregierung. Diese führte einen Schmutzigen Krieg gegen Aufständische und politische Gegner und ermordete dabei Anfang der 1980er-Jahre etwa 40.000 Oppositionelle – etwa 0,8 % der Bevölkerung – quasi unter den Augen der zahlreichen US-Militärberater.Benjamin Schwarz: Dirty Hands. The success of U.S. policy in El Salvador -- preventing a guerrilla victory -- was based on 40,000 political murders. Buchrezension zu William M. LeoGrande: Our own Backyard. The United States in Central America 1977–1992. in: The Atlantic, Dezember 1998. Die auf den – von der US-Regierung offiziell bestrittenen bzw. verharmlostenAnthony Lewis: Abroad at Home; Fear Of the Truth. The New York Times, 2. April 1993. – Massenmord an den Oppositionellen folgende relative innenpolitische Ruhe in El Salvador erklärte die Reagan-Regierung der amerikanischen Öffentlichkeit mit der Notlüge, dass die erfolgreich durchgeführte Landreform der dortigen Regierung zu einer allgemeinen Befriedung geführt habe. Zur Zeit der Entstehung des Albums 1987 war die staatliche, US-gestützte Unterdrückung noch in vollem Gang, bis Ende des Jahrzehnts stieg die Opferzahl auf etwa 70.000. Das Lied nutzt zur Unterstützung der textlichen Aussage einen aggressiven Schlagzeugrhythmus, eine dominante Bassline und einen klagenden Gitarrensound, der an das Geräusch fallender Bomben erinnert (). mini|Steinkohlenbergbau – Thema von Red Hill Mining Town Dies liegt auch daran, dass das Lied aus zwei Aufnahmen besteht, die – auf The Edges Wunsch – ineinander übergehen, was in der damaligen Zeit (ohne Sampler) technisch nur schwer zu realisieren war und zu Ungenauigkeiten in Bezug auf das Timing führte. Die Intentionen der Band werden auch an der Tatsache ersichtlich, dass sie diesen Titel auf der folgenden Tour mit einer Einspielung von Jimi Hendrix’ Version von The Star-Spangled Banner begannen.

Der Song Mothers of the Disappeared ist eine Klage für die Mütter der zehntausenden „Desaparecidos“ (aus dem Spanischen, wörtlich: „Die Verschwundenen“) – meist völlig unschuldigen Menschen, die in den 1970er- und 1980er-Jahren von lateinamerikanischen Militärdiktaturen als angebliche Staatsfeinde heimlich entführt und dann meist gefoltert und umgebracht wurden. Das bekannteste Beispiel ist die argentinische Militärdiktatur unter Videla und Galtieri ab 1976, Bono war sehr beeindruckt gewesen von der dortigen Mütterorganisation Madres de Plaza de Mayo. Auf späteren Konzerten in Südamerika wurden als Protest gegen die erneute Wahl des – ebenso wie die Argentinier belasteten – chilenischen Generals Augusto Pinochet in den dortigen Senat einige der Mütter auf die Bühne geholt, die dort Bilder ihrer verschwundenen Angehörigen und Freunde hochhielten. Bono wurde auch durch Reisen nach El Salvador und Nicaragua zu diesem Song inspiriert, womit ein enger Zusammenhang mit dem politischen Thema von Bullet the Blue Sky (siehe oben) besteht.

Der Titel Red Hill Mining Town wurde vom mit einer Niederlage der Gewerkschaft endenden Bergarbeiterstreik der britischen National Union of Mineworkers im Jahr 1984 inspiriert. Die Band legte dabei den Schwerpunkt eher auf die Schilderung der persönlichen und familiären Auswirkungen als auf politisch-soziale Analyse oder Anklage.Bono in Cactus World View von Adrian Thrills, New Musical Express, 14. März 1987

Zusätzlich zur politischen Thematik gibt es viele persönliche Songs. Zum Beispiel I Still Haven’t Found What I’m Looking For, in dem es um Bonos innere Kämpfe in Bezug auf Glaube und Versuchung geht, oder Where the Streets Have No Name, in dem Ausbruchsversuche der Jugend aus einer als „anonym empfundenen Großstadt“ beschrieben werden.

Wasser und Wüste mini|Zabriskie Point an der Stelle fotografiert, an der das Coverfoto entstand Zahlreiche Aspekte des Albums sind mit den Themen Wasser und Wüste verbunden. Auf dem Cover ist beispielsweise eine Schwarz-Weiß-Fotografie der Band im Death-Valley-Nationalpark in der Wüste von Kalifornien zu sehen, die Anton Corbijn produzierte. Auch der titelgebende Joshua Tree selbst verweist auf die Thematik der Wüste.

Darüber hinaus gibt es im ganzen Album eine Vielzahl von lyrischen Bezügen zu Wasser und Wüste. Es sind 46 zu den Wörtern rain, raining, rainin’, rainfall, flood, water, well, sea, ocean und river und 17 zu den Begriffen desert, dry, plain, heat, dust, sunlight und sun. Am auffälligsten sind diese Bezüge bei dem Lied In God’s Country. Alleine schon in den ersten vier Versen gibt es eine Vielzahl von Anspielungen auf Wasser und Wüste:

Wasser und Wüste, die schon im Alten Testament verwendeten poetischen Metaphern für Leben und Tod, Verlust und Erlösung und andere diametral entgegengesetzte, aber dennoch aufeinander bezogene Begriffe werden zur Darstellung verschiedenster Inhalte verwendet. Zusätzlich stellen sie eine cineastische Verbindung zum amerikanischen Südwesten dar, der eine filmhafte Kulisse für die Musik bildet – „eine Leinwand auf die gemalt wird“ (Bono). Damit sollen Assoziationen zu Begriffen wie Ländlichkeit, Reinheit, Erdverbundenheit, Frömmigkeit geweckt werden, um das „Blues- und Country-Feeling“ zu verstärken.

Amerika Als die Band mit der Arbeit am Album begann, kam das Gespräch auf Amerika und im Besonderen auf die Wüste im Südwesten. Schließlich beschlossen die Bandmitglieder, den Schauplatz ihres Albums dorthin zu verlegen, und sprachen mit dem Produzenten Brian Eno über den „filmischen Aspekt von Musik, wo … wo Musik tatsächlich eine Landschaft oder einen Ort vor dem geistigen Auge entstehen lassen kann und … dich wirklich dorthin bringen kann.“The Edge auf der DVD The Joshua Tree, 1999, TDK Mediaactive in der Serie Classic Albums