mini|hochkant|Erzbischof Eduard Profittlich SJ mini|hochkant|Gedenktafel in der St. Peter und Paul-Kirche Tallinn Eduard Profittlich (* 11. September 1890 in Birresdorf, heute zu Grafschaft; † 22. Februar 1942 in Kirow im Stadtgefängnis Nr. 1) war ein deutscher Jesuit, Glaubenszeuge, Märtyrer, Apostolischer Administrator für Estland und Titularerzbischof. Er wird seit dem 6. September 2025 in der römisch-katholischen Kirche als Seliger verehrt.
Sein Gedenktag ist der 21. Februar.
Leben Kindheit, Studium und erste Priesterjahre Eduard Profittlich wurde als achtes von zehn Kindern des Ehepaares Dorothea, geborene Seiwert (1850–1913), und Markus Profittlich (1846–1920) in eine alteingesessene Bauernfamilie geboren. Nach Beendigung der Volksschule in Leimersdorf wurde er ab 1904 vom dortigen Pfarrer für die Quarta des Progymnasiums in Ahrweiler vorbereitet. Von dort wechselte er zu Ostern 1909 in die Obersekunda des Gymnasiums in Linz am Rhein, wo er im Jahr 1912 seine Reifeprüfung ablegte. Ebenso wie sein Bruder Peter (1878–1915), der als Missionar in Brasilien starb, wollte er mit dem Wunsch, Ordenspriester zu werden, in die Gesellschaft Jesu eintreten. Entsprechend dem Wunsch seiner Eltern, die glaubten, von ihm als Weltpriester in finanziellen Nöten ein wenig unterstützt werden zu können, trat er jedoch in das Trierer Priesterseminar ein, um von dort aus heimlich die Aufnahmeprüfungen für den Jesuitenorden abzulegen. Auf das wiederholte Drängen ihres Sohnes stimmten die Eltern schließlich doch seinem Wunsch zu, so dass Eduard Profittlich schließlich am 11. April 1913 in das Noviziat der Jesuiten in ’s-Heerenberg eintrat. Weil er schon einen Teil seiner theologischen Studien absolviert hatte und die Ordensoberen aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges eine „Unterbrechung der gewöhnlichen Ordnung“ befürchteten, wurde er bereits am 20. September 1914 zur Hochschule der Jesuiten nach Valkenburg geschickt. Am 4. Januar 1916 empfing er im Hohen Dom zu Trier von Bischof Heinrich Döring SJ (1859–1951), Bischof von Poona, die Tonsur sowie die Weihe zum Subdiakon.
Nach einer militärischen Grundausbildung und seinem Kriegsdienst als Krankenpfleger und Operationsgehilfe im Lazarett Verviers nahm Eduard Profittlich nach Ende des Krieges wieder seine philosophischen und theologischen Studien in Valkenburg auf und wurde dort am 26. März 1922 vom Kölner Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte (1871–1941) zum Diakon geweiht. Am 27. August 1922 empfing er durch Bischof Laurentius Schrijnen (1862–1932), Bischof von Roermond, die Priesterweihe. Am 30. August 1922 feierte er in seiner Heimatpfarrkirche St. Stephan zu Leimersdorf das erste feierliche Messopfer.
Nachdem Papst Pius XI. (1857–1939) im September 1922 das Päpstliche Orientalische Institut (Pontificio Istituto di Studi Orientali) dem Jesuitenorden anvertraut hatte, meldete sich der Neupriester Eduard Profittlich freiwillig für einen Einsatz in der Russlandmission und wurde deshalb zu weiteren vorbereitenden Studien nach Krakau geschickt, wo er im Juni 1923 zum Doktor der Philosophie sowie im Juli 1924 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Inzwischen hatte sich jedoch für den Heiligen Stuhl die Notwendigkeit ergeben, aus „Opportunitäts- und partiellen Gründen“ gegen den Kommunismus in der Sowjetunion einzuschreiten, was einen dortigen Einsatz von Eduard Profittlich unmöglich machte, so dass er nach seinem Terziat in Czechowice-Dziedzice (September 1924 bis Juni 1925) vom August 1925 bis zum März 1928 als Volksmissionar, Exerzitienmeister und Prediger in Oppeln eingesetzt wurde. Dort erfuhr er schließlich am 9. März 1928 von seiner Berufung nach Hamburg, wo er Kaplan an St. Ansgar (Kleiner Michel) mit der besonderen Aufgabe der Polenseelsorge wurde.Estlands erster Seliger ist ein Jesuit aus Deutschland. In: Jesuiten, Jg. 76 (2025), Heft 4, S. 26. In der Hamburger Niederlassung der Gesellschaft Jesu legte er dann am 2. Februar 1930 die ewige Profess ab. Nicht zuletzt aufgrund seiner intensiven Arbeit und seines Einsatzes für die Menschen, weswegen ihm in Hamburg wie auch vorher in Oppeln eine besondere Hochachtung entgegengebracht worden war, vor allem aber wohl wegen seiner Erfahrungen in der Polenseelsorge (fast alle Gemeindemitglieder in Estland waren polnischer Herkunft), wurde Eduard Profittlich am 4. Dezember 1930 vom damaligen Apostolischen Administrator für Estland, Erzbischof Antonino Zecchini SJ (1864–1935), als Pfarrer an die Pfarrei St. Peter und Paul nach Tallinn (Reval) berufen.
Pfarrer, Apostolischer Administrator und Erzbischof in Estland Die katholische Kirche Estlands, in der Folge der Reformation nahezu vollständig liquidiert, gehörte seit dem 15. April 1783 mit ihren beiden kleinen Gemeinden in Tallinn und Tartu (Dorpat) zur Erzdiözese Minsk-Mahiljou, bevor sie am 22. September 1918 in die neugegründete Diözese Riga eingegliedert wurde. Im Jahr 1921 entsandte Papst Benedikt XV. (1851–1922) mit dem späteren Erzbischof Antonino Zecchini SJ einen Apostolischen Visitator für die Gemeinden in Estland, der am 25. Oktober 1922 von Papst Pius XI. zum Apostolischen Delegaten für die drei baltischen Staaten und mit der Errichtung der Apostolischen Administratur für Estland im November 1924 zum ersten Apostolischen Administrator mit Sitz in Riga ernannt wurde.
Auch mit dem Hintergrund der verstärkten Bemühungen des Heiligen Stuhls um die Orthodoxie in den Ländern, wo sich die katholische und orthodoxe Kirche räumlich begegneten, wurde Estland am 11. Mai 1931 kirchenrechtlich als „besondere Apostolische Administratur“ der Commissio Pro Russia unterstellt und Eduard Profittlich zum neuen Apostolischen Administrator ad nutum Sanctae Sedis ernannt. Auch wenn die Seelsorge durch die geringe Anzahl der Katholiken, ihre Vielsprachigkeit und ihre Zerstreuung über das ganze Land ungemein erschwert war, entwickelte sich mit dem neuen kirchenrechtlichen Status ein ereignisreicher und fruchtbarer Aufbau der katholischen Kirche in Estland. Recht schnell begann sich auch die allgemeine Öffentlichkeit für die Arbeit von Eduard Profittlich zu interessieren, seine Predigten wurden auch von Andersgläubigen gerne besucht und das katholische Monatsblatt Kiriku Elu (dt. „Leben der Kirche“), das er schon bald herausgab, wurde vor allem von der estnischen Intelligenz gerne gelesen. Recht schnell entstanden weitere Pfarreien in Narva, Pärnu, Rakvere, Petseri, Valga und Kiviõli, wobei vor allem die Anzahl der estnischen Katholiken wuchs. So wirkten in Estland im Jahr 1934 bereits zehn katholische Priester, dazu kamen polnische und tschechische Ordensschwestern, die verschiedene Kindergärten und die Administratur sowie später auch die Nuntiatur in Tallinn betreuten. Einen besonderen Schwerpunkt sah Eduard Profittlich in der religiösen Erziehung der Jugend, wobei er für regelmäßige Religionsstunden sorgte, die er in fünf Sprachen in vier verschiedenen Schulen erteilte. Außerdem machte er einen ersten Versuch mit einem Kinderheim, in dem unter der Leitung von Ordensschwestern vier Mädchen und sechs Knaben auf Kosten der Pfarrei erzogen wurden. Später strukturierte er das Kinderheim vollständig um und eröffnete mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Herausbildung eines einheimischen Klerus ein Knabenkonvikt für fünfzehn Personen, wobei die Führung des Hauses so große Anerkennung fand, dass auch nichtkatholische Eltern um die Erziehung ihrer Kinder baten. Über diese Zeit sprach Eduard Profittlich später als „schwierigsten Teil im Weinberg des Herrn“, wobei er seine Arbeit aber ebenso „als hoffnungsvoller für Christi Reich als anderswo“ bezeichnete.
Neben seiner umfassenden pastoralen Tätigkeit bemühte sich Eduard Profittlich zu dieser Zeit in langwierigen Verhandlungen um die rechtliche Absicherung der katholischen Gemeinden, was am 6. Mai 1932 zur Anerkennung eines Diözesanverbandes Eestis führte. Am 28. September 1933 honorierte Papst Pius XI. dieses vielfältige Engagement von Eduard Profittlich um den schwierigen Aufbau der katholischen Kirche in Estland und ernannte ihn während einer Privataudienz zum Apostolischen Protonotar. Neben dem weiterhin stetig steigenden Interesse der estnischen Bevölkerung an der katholischen Kirche entwickelten sich in der Folgezeit dank mehrerer Initiativen Eduard Profittlichs auch die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Estland äußerst positiv, wobei in diesem Zusammenhang vor allem seine Bemühungen um den Abschluss eines Konkordates hervorzuheben sind. Nachdem der Heilige Stuhl schließlich am 12. Juli 1935 eine Apostolische Nuntiatur in Tallinn errichtet hatte, „entsprach es der nunmehrigen Lage, als oberste Vertretung der katholischen Kirche in Estland ebenfalls einen Bischof zu ernennen.“ So wurde am 27. November 1936 der Status der Apostolischen Administratur bestätigt und Eduard Profittlich zum Titularerzbischof von Hadrianopolis in Haemimonto ernannt. Seine Bischofsweihe erfolgte am 27. Dezember 1936 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Tallinn durch Erzbischof Antonino Arata, den Apostolischen Nuntius in Estland und Lettland. Mitkonsekratoren waren Bischof Jāzeps Rancāns, Weihbischof in Riga, und Bischof Gulielmus Cobben SCJ, Apostolischer Vikar für Finnland.
Verfolgung und Verurteilung Durch die erzwungene Eingliederung Estlands in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 17. Juni 1940 erlangten auch die sowjetischen Religionsgesetze Geltung, die mit administrativen Zwangsmaßnahmen durchgesetzt wurden. Profittlich schrieb in diesem Zusammenhang am 25. und 31. Oktober 1940 nach Rom und schilderte die Situation seiner Kirche, nachdem alle in Estland lebenden Deutschen in das Gebiet des „Großdeutschen Reiches“ zurückkehren mussten, wobei er selbst damit rechnete, dass die Regierung der UdSSR in Zukunft nicht mehr als drei Priestern die Ausübung ihres Amtes erlauben würde. Zu dieser Zeit wurde Profittlich, der seit dem 20. April 1935 auch die estnische Staatsbürgerschaft besaß, von der Deutschen Gesandtschaft in Tallinn gedrängt, sich für die Rückkehr nach Deutschland zu entscheiden. Als Grund dafür machte man vor allem geltend, dass die sowjetische Zentralregierung schwerlich die Anwesenheit eines deutschstämmigen Bischofs in einem militärisch so wichtigen Gebiet dulden würde und ihm die Deportation ins Landesinnere oder nach Sibirien so gut wie sicher sei. Eduard Profittlich war jedoch nicht bereit, sich diesem Druck zu beugen, stattdessen schrieb er: „Mit innerlich vollständig ruhigem und bereitem Herzen würde ich mich gerne für das Reich Gottes hier im Lande opfern und bin bereit, alles zu tun, was sich unter den veränderten Verhältnissen für das Reich Gottes arbeiten und leiden läßt.“ Dabei wollte er jedoch nicht nach „eigenem Gutdünken handeln, sondern im Gehorsam gegen den Heiligen Vater, weil wir dann auch das Bewußtsein haben könnten, den Segen dieses Gehorsams zu haben.“ Daraufhin telegraphierte Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione (1877–1944) aus Rom, „daß der Heilige Vater Pius XII. (1876–1958) dem Administrator in Estland volle Entscheidungsfreiheit darüber belasse, was er ‚im Herrn‘ für das beste halte.“ Diese Aussage brachte Eduard Profittlich Klarheit und Sicherheit. Am 10. Februar 1941 schrieb er nach Rom: „Da ich aus dem Telegramm den Wunsch des Hl. Vaters erkannte, daß ich hier bleiben solle, habe ich mich nun endgültig entschlossen, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Ich tue das mit großer Bereitwilligkeit, ja ich kann wohl sagen, mit großer Freude. Wenn ich auch in keiner Weise voraussagen kann, wie nun mein Lebensweg verlaufen wird, welche Opfer noch auf mich warten, so gehe ich diesen Weg mit großem Vertrauen auf Gott, fest überzeugt, daß, wenn Gott mit mir gehen wird, ich nie allein sein werde.“