war ein Flugzeugprojekt der Schweizer Bertrand Piccard und André Borschberg sowie die Bezeichnung der zwei gebauten Solarflugzeuge.

Ziel des Projekts war es, eine Kommunikationsplattform für neue technische, ökologische und ökonomische Wissenschaften zu errichten und nach der Erprobungsphase umweltschonende Motorflugzeuge ohne Verbrauch von Brennstoff zu konstruieren. Die Erlangung eines Weltrekordes war ausdrücklich nicht im Fokus.

2012, drei Jahre nach dem Erstflug in der Schweiz, gelang dem ersten Flugzeug Solar Impulse HB-SIA der erste Interkontinentalflug eines mit Solarenergie betriebenen Flugzeuges.

Vom 3. Mai bis 6. Juli 2013 überflog sie die Vereinigten Staaten in fünf Etappen.Solarflugzeug gelingt USA-Überquerung trotz Flügelriss. In: Golem.de, 8. Juli 2013, abgerufen am 30. Juni 2015. In: solarimpulse.com, abgerufen am 30. Juni 2015., In: solarimpulse.com, abgerufen am 8. Juli 2013.

Mit dem zweiten gebauten Modell, der HB-SIB, sollte von März bis August 2015 eine Weltumrundung in mehreren Etappen stattfinden.Vorstellung der „Solar Impulse 2“: Bertrand Piccard will mit Solarflieger die Welt umrunden. In: Spiegel Online, 10. April 2014. Dieser Flug musste im Juli 2015 auf Hawaii für etwa neun Monate unterbrochen werden. Vom 21. bis 23. April 2016 wurde mit dem Weiterflug nach Kalifornien die Pazifiküberquerung erfolgreich abgeschlossen. Die Weltumrundung endete erfolgreich am 26. Juli 2016 mit der Landung in Abu Dhabi.

Projektziel Das Ziel des Projekts war, die Menschen für die Notwendigkeit des Energiesparens und der Nutzung und Förderung von erneuerbaren Energien zu sensibilisieren. Der Flug sollte die dazu notwendige Aufmerksamkeit erzeugen.

Vision des Hauptinitiators Bertrand Piccard mini|Bertrand Piccard (1999)

Das Projektziel, umweltschonend fliegende Motorflugzeuge ohne Verbrauch von Brennstoff zu konstruieren, entstand, nachdem Piccard eine Nonstop-Weltumrundung im Heissluftballon Breitling Orbiter 3 im Jahr 1999 erfolgreich vollendet hatte.Smithsonian National Air and Space Museum.

In seinen öffentlichen Auftritten betonte Bertrand Piccard immer wieder die visionären Ambitionen des Projekts: die Neuorientierung des Lebensstils der industrialisierten Gesellschaft, die unverantwortlich mit den natürlichen fossilen Ressourcen des Planeten umgeht. Er wollte aufzeigen, dass eine verantwortliche, nachhaltige Energiewende möglich und zwingend notwendig sei; es sei bereits mit der verfügbaren Technik möglich, den Energieverbrauch mehr als zu halbieren. Das Projekt sei nicht nur als Flugzeug zu verstehen, sondern als wirtschaftliche, umweltpolitische und wissenschaftliche Botschaft und Symbol, berichtete er vor einer Kommission der französischen Nationalversammlung.Anhörung von Herrn Bertrand Piccard, Initiator des Programmes Solar Impulse in der Kommission zur Nachhaltigen Entwicklung der französischen Nationalversammlung am 19. Januar 2011.

Eine besondere Erkenntnis gewann Piccard nach der Landung der Non-Stop-Ballonfahrt rund um die Erde in Ägypten. Als er sah, dass von den 3,7 Tonnen Flüssiggas, welches der Ballon beim Start an Bord hatte, nur noch 40 Kilogramm übrig waren, gab er sich nach eigener Aussage das Versprechen, seine nächste Weltumrundung ohne Treibstoff zu unternehmen, um von der Bedrohung der Begrenztheit von fossiler Energie unabhängig und sicher zu sein. Diese Abhängigkeit sei auch für die Menschheit eine grössere Gefahr als das Abenteuer der Weltumrundung. Nach der längsten Etappe von Japan nach Hawaii über den Pazifik betonte er, dass diese länger als alle anderen einsitzigen Flüge mit Treibstoff war. Inzwischen könne man länger ohne Treibstoff fliegen als mit. Das sei nicht nur erstmals in der Geschichte der Luftfahrt, sondern auch in der Geschichte der erneuerbaren Energien.LIVE: Solar Impulse Airplane – Landing in Hawaii - #RTW Attempt, Livesendung zur Landung am 3. Juli 2015 in Hawaii bei 5h 15m 10s

Das Projekt wurde von einer breiten Presseberichterstattung weltweit getragen. Media Coverage auf YouTube.

Zeitplan mini|Konzept aus dem Jahr 2004

Am 28. November 2003 verkündeten Piccard und Borschberg offiziell den Beginn des Projekts, nachdem eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) die Machbarkeit bestätigt hatte. 2004 folgte die Gründung der Solar Impulse SA. Die EPFL, die ESA und der französische Flugzeughersteller Dassault Aviation konnten als Partner gewonnen werden.

Im Juni 2007 begann der Bau des ersten Prototyps HB-SIA. Sein Erstflug fand am 3. Dezember 2009 auf dem Militärflugplatz Dübendorf statt.

Ab 2011 wurde an einem zweiten Prototyp HB-SIB gearbeitet. Dieser sollte neben anderen Verbesserungen auch über eine Druckkabine verfügen. Weil beim letzten Strukturtest im Juli 2012 ein Flügelholm des Prototyps brach, verschob sich der Zeitplan der Weltumrundung. Sie fand ab dem 9. März 2015 in zwölf Etappen statt – ein Jahr später als geplant. In: solarimpulse.com am 19. Juli 2012.

Prototyp HB-SIA mini|Solar Impulse HB-SIA

Die Konstruktion und der Bau des ersten Prototyps mit dem Luftfahrzeugkennzeichen HB-SIA begann 2007. Das Ziel war, im Jahr 2010 den ersten Nachtflug durchzuführen. Das Flugzeug wurde 2009 fertiggestellt.

Aufbau Die HB-SIA ist ein freitragender viermotoriger Schulterdecker mit hoher Flügelstreckung. Die Spannweite beträgt 63,40 Meter, etwa entsprechend dem Airbus A340, bei einem Gewicht von lediglich 1,6 Tonnen. Die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit beträgt ca. 70 km/h. Das einsitzige Cockpit hat keine Druckkabine, somit ist die maximale Flughöhe auf 8500 Meter beschränkt. Der Pilot benötigt aufgrund der grossen Flughöhe Wärmekleidung und eine Sauerstoffmaske. Um die geforderten Flugleistungen zu erreichen, ist ein extremer Leichtbau notwendig. Der Rumpf ist ein Gitterfachwerk aus mit Kohlenstoff-, Aramid- und Glasfasern verstärktem Kunststoff und ist wie Leitwerke und Flügelunterseite mit einer dünnen Kunststofffolie bespannt, die Unterseite der Querruder sogar nur mit einem Netz. Die Tragfläche ist aus einem Kastenholm und 120 formgebenden Rippen aufgebaut. Von den 11.628 Solarzellen sind 10.748 auf der Tragflächenoberseite (etwa 200 m²) und 880 auf dem Höhenleitwerk angebracht. Die Elektromotoren sind in vier langgestreckten Motorgondeln unter der Tragfläche montiert und treiben über ein Getriebe die niedertourigen zweiblättrigen Zugpropeller mit lediglich 200 bis 400/min an. Ebenso sind in jeder Motorgondel 70 LiPo-Akkumulatorzellen sowie deren Lade- und Überwachungselektronik untergebracht. Das Fahrwerk besteht aus einem zentralen, einziehbaren Hauptrad an einem hohen Ausleger unter der Rumpfgondel, zwei nach hinten einklappbaren Stützrädern an den Tragflächen zwischen den Motorgondeln und einem festen Spornrad am unteren Ende des Seitenleitwerkes. Durch die sehr geringe Flächenbelastung (8 kg/m²) ist das Flugzeug empfindlich gegenüber Turbulenzen.

Flugerprobung und Rekordflüge mini|HB-SIA hebt erstmals im Dezember 2009 in Dübendorf ab mini|Landeanflug der HB-SIA auf den Flughafen Brüssel-Zaventem im Mai 2011 mini|Die HB-SIA auf dem Flughafen Brüssel

Am 6. November 2009 verliess der Prototyp HB-SIA zum ersten Mal den Hangar des Flughafens in Dübendorf. Es wurden verschiedene Tests zu elektromagnetischen Interferenzen bei laufenden Motoren durchgeführt. Am 19. November legte das Flugzeug die ersten Meter auf der Startbahn aus eigener Kraft zurück. Der erste kurze Flug über eine Distanz von 350 Metern gelang am 3. Dezember 2009 und dauerte 30 Sekunden.

Am 7. April 2010 folgte der erste ausführliche Jungfernflug in Payerne. Er dauerte etwa 1½ Stunden, wobei der Testpilot 1200 Meter Flughöhe erreichte. Die Erwartungen wurden übertroffen, das Flugzeug zeigte ein äusserst stabiles Flugverhalten. In: SWR cont.ra, 7. April 2010 In: solarimpulse.com, 7. April 2010Spektakuläre Landung der Solar Impulse – Jubel und Tränen in Payerne. In: Basler Zeitung

Der erste Flug über Tag und Nacht (mit 26 Stunden Flugzeit) und damit auch der erste Nachtflug fand vom 7. auf den 8. Juli 2010 statt. Die Solar Impulse mit dem Piloten André Borschberg stieg zunächst am Tag auf über 9000 Meter und lud dabei die Akkus. Nach Sonnenuntergang sank sie in der Nacht zunächst ohne Motoren wieder auf 1500 Meter ab, um dann mit dem Strom aus den Akkus bis zum Sonnenaufgang die Höhe zu halten (Akkuladung bei Sonnenaufgang über 40 %).– Der Prototyp stellte somit neue Rekorde unter den Solarflugzeugen auf. Im September 2010 startete der Prototyp erstmals einen Schweizer „Städteflug“ abseits eines Militärflugplatzes. Er landete auf den internationalen Flughäfen Genf, Zürich und flog über Bern und Luzern.Touchdown der «Solar Impulse» in Kloten. In: SF Tagesschau, 22. September 2010Solar Impulse besucht Zürich. In: NZZ Online, 22. September 2010Solarflugzeug landete auf Schweizer Flughäfen. In: Der Standard, 22. September 2010

Der erste europäische Flug führte im Mai 2011 von Payerne in der Schweiz über Frankreich, Deutschland, Luxemburg nach Belgien, um in Brüssel zu landen.Von der Schweiz nach Belgien mit Sonnenkraft. In: Deutsche Welle, 13. Mai 2011 Dort fanden einige politische Gespräche statt, die Europäische Kommission ist Schirmherrin des Projekts. Im Juni war die HB-SIA „Spezialgast“ bei der Pariser Luftfahrtschau. In: Tagesschau.de, 15. Juni 2011«Solar Impulse» in Paris gelandet. In: NZZ Online, 14. Juni 2011

Interkontinentalflug Im Mai/Juni 2012 unternahm die HB-SIA den ersten Interkontinentalflug über die Strasse von Gibraltar. Nach ihrem Start in Payerne flog sie zunächst nach Madrid. Auf der ersten Etappe nach Madrid konnten zwei weitere Rekorde zur Fluglänge am Stück aufgestellt werden: 1116 Kilometer. In: solarimpulse.com, 26. September 2012

Der erste Interkontinentalflug eines mit Solarenergie betriebenen Flugzeuges führte dann am 5. Juni 2012 in rund 19 Stunden über 830 Kilometer von Madrid (Spanien) nach Rabat (Marokko). Die Besatzung landete auf dem Flughafen der marokkanischen Hauptstadt. In: solarimpulse.com„Solar Impulse“: Solarflugzeug schafft ersten Interkontinentalflug. In: Spiegel.de, 6. Juni 2012.Erster interkontinentaler Flug Solarflugzeug fliegt von Madrid nach Marokko. In: Spiegel Online, 6. Juni 2012Solarflugzeug: Weltumrundung ohne einen Tropfen Kerosin. dpa 22. Juni 2012Flieger tankt Sonne. In: 3sat-nano, 6. Juni 2012«Solar Impulse» in Marokko gelandet. In: Schweizer Radio DRS, 6. Juni 2012 In: DPA/T-Online, abgerufen am 6. Juni 2012. Der Besuch in Marokko ist auf Einladung der Marokkanischen Agentur für Solarenergie (, MASEN) anlässlich des Baubeginns des solarthermischen Kraftwerks in der Provinz Ouarzazate erfolgt. Die Anlage soll im Rahmen von Desertec 500 Megawatt Solarstrom liefern und hätte 2014 zeitgleich mit der Erdumrundung den Betrieb aufnehmen sollen. In: solarimpulse.comFliegen mit Sonnenenergie: «Solar Impulse» bricht zu Reise nach Afrika auf. In: Spiegel Online, 25. Mai 2012.Schweizer Sonnenflieger schneller als geplant in Madrid. In: SF Tagesschau, 24. Mai 2012. Der marokkanische König Mohammed VI. treibt mit der MASEN den marokkanischen Solarplan voran, der bis 2020 zwei Gigawatt Solarstrom vorsieht., MASEN.org.ma (englisch)The first concentrated solar power in Ouarzazate (Morocco) will be approved shortly. In: marocco tomorrow, 9. Mai 2012 (englisch). In: SolarServer.de, 24. Mai 2012, abgerufen am 8. Juli 2012.Solarflugzeug fliegt nach Marokko. In: Golem.de, 23. Mai 2012, abgerufen am 8. Juli 2012. Zu diesem Zweck flog das Solarflugzeug am 21. Juni von Rabat nach Ouarzazate In: solarimpulse.com, 22. Juni 2012, abgerufen am 8. Juli 2012. und am 30. Juni zurück nach Rabat, In: solarimpulse.com, 30. Juni 2012, abgerufen am 8. Juli 2012. bevor es schliesslich am 6. Juli 2012 in einem 17-stündigen Flug über 898 Kilometer nach Spanien zurückflog. Am 24. Juli 2012 kehrte das Flugzeug in die Schweiz zurück.Solarflugzeug in die Schweiz zurückgekehrt. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25. Juli 2012, abgerufen am 26. Juli 2012.