mini|Das Hauptstadion auf dem Turniergelände in der Aachener Soers am Abend des 31. August 2006. Die Weltmeisterschaften Aachen 2006 im Pferdesport (Weltreiterspiele 2006) fanden vom 20. August bis 3. September 2006 in Aachen statt.
Organisation Vorbereitung Der Aachen-Laurensberger Rennverein bewarb sich während der Generalversammlung des Weltreiterverbandes am 25. April 2002 in Rabat für die Ausrichtung der Weltreiterspiele im Jahr 2006. Am 18. September 2002 gab das Exekutivkomitee des Weltverbandes der Aachener Bewerbung den Vorzug vor den Mitbewerbern aus Lexington (USA), die stattdessen Ausrichter der Weltreiterspiele 2010 wurden, Rio de Janeiro (Brasilien) sowie der dezentralen Bewerbung aus dem Vereinigten Königreich, die die Orte Hickstead, Badminton House und Goodwood einschloss. Der Aachen-Laurensberger Rennverein erwartete daraufhin 500.000 Besucher zu den unter der Schirmherrschaft Angela Merkels ausgetragenen Weltreiterspielen , welche erwartete 230 Millionen Euro zusätzliche Wirtschaftskraft in die Region bringen würden . Eine Woche vor Beginn der Reiterspiele waren 425.000 Karten verkauft worden.
Im Rahmen des CHIO 2003 wurde am 17. September 2003 das offizielle WM-Logo vorgestellt, im Dezember 2005 das offizielle WM-Maskottchen „Karli“.
Durchführung Am 20. August 2006 eröffnete Prinzessin Haya von Jordanien die Weltreiterspiele 2006 in Aachen. Die Eröffnungsfeier mit 350 Pferden wurde von 37.500 Zuschauern im Hauptstadion Aachen des Aachen-Laurensberger Rennvereins und weiteren 1,8 Millionen Zuschauern in der Übertragung des ZDF verfolgt, das damit einen Marktanteil von 12,4 Prozent erzielte . Am 30. August erzielte das ZDF mit 3,41 Millionen Zuschauern (12,9 Prozent Marktanteil) die höchste Quote .
Insgesamt übertrugen der WDR, die ARD, das ZDF sowie Eurosport 70 Stunden aus Aachen, zusätzlich wurden 157 Übertragungen ins Ausland durchgeführt. 1.200 Journalisten und 300 Fotografen berichteten über die 852 teilnehmenden Pferde und 773 teilnehmenden Sportler aus 61 Nationen. Mit 570.000 Zuschauern an den Wettkampfstätten konnten die im Vorfeld gesteckten Erwartungen trotz vergleichsweise schlechten Wetters (73 Liter Regen pro m² fielen während der Reiterspiele) noch übertroffen werden .
Wettkämpfe Distanzreiten 159 Teilnehmer
Als erster Titelträger der Aachener Weltreiterspiele konnte der Spanier Miguel Vila Ubach mit einer Zeit von 9 Stunden, 12 Minuten und 27 Sekunden am 21. August die Goldmedaille im Distanzreiten über 160 km erringen, den zweiten und dritten Platz belegten die Französinnen Virginie Atger (9:16:13) und Elodie Le Labourier (9:16:14). Als bestplatzierter Schweizer belegte Urs Wenger (9:38:56) den zehnten Platz, die bestplatzierte deutsche Teilnehmerin war Sabrina Arnold auf Platz dreizehn (9:59:32). Als bestplatzierte Österreicherin erreichte Marguerita Fuller (11:57:37) als fünfzigste das Ziel.
Die Mannschaftswertung im Distanzreiten gewann das französische Team mit 28 Stunden, 11 Minuten und 27 Sekunden vor den Teams aus der Schweiz (29:57:01) und Portugal (30:38:32). Deutschland (30:51:30) belegte den vierten Platz.
Einzelwertung Rang Reiter Pferd Zeit 1 20px|Spanien Miguel Vila Ubach Hungares 9:12:27 2 20px|Frankreich Virginie Atger Kangoo d'Aurabelle 9:16:13 3 20px|Frankreich Elodie Le Labourier Sangho'Limousian 9:16:14 4 20px|Spanien Jaume Punti Dachs Elvis HB 9:22:07 5 20px|Frankreich Phillipe Benoit Akim du Boulve 9:24:30 … 10 20px|Schweiz Urs Wenger Zialka 9:38:56 11 20px|Deutschland Sabrina Arnold Madaq 9:48:15 … 19 20px|Schweiz Anna Lena Wagner Tessa IV 10:09:02 20 20px|Schweiz Nora Wagner Temir 10:09:03 21 20px|Schweiz Karin Maiga Platyn 10:09:04 … 25 20px|Deutschland Susanne Kaufmann Fay el Rat 10:31:37 26 20px|Deutschland Belinda Hitzler Iris de Soult 10:31:38 … 50 20px|Österreich Marguerita Fuller Kalacsnyikov 11:57:37
Mannschaftswertung Rang Land ReiterZeit 1 Virginie Atger, Phillipe Benoit, Pascale Dietsch 28:11:27 2 Urs Wenger, Anna Lena Wagner, Nora Wagner 29:57:01 3 Joao Raposo, Ana Margarita Costa, Ana Teresa Barbas 30:38:32 4 Sabrina Arnold, Susanne Kaufmann, Belinda Hitzler 30:51:30 5 Jeanne Linneweever, Jannet van Wijk, Anita Lamsma 31:38:11
Dressur 89 Teilnehmer
Am Ende des dritten WM-Tages führte die deutsche Equipe im Gesamtklassement der Disziplin Dressur. Am vierten WM-Tag, dem 23. August, konnte sie diesen Vorsprung verteidigen und wurde mit 223,625 Prozentpunkten zum achten Mal in Folge Dressur-Weltmeister. Den zweiten und dritten Platz belegten die Niederlande (217,917 Prozentpunkte) und die Vereinigten Staaten (213,917 Prozentpunkte). Die Schweiz belegte Rang acht mit 203,709 Prozentpunkten, Österreich mit 194,459 Prozentpunkten Rang elf.
Bei der zugleich als Qualifikationsprüfung zur Einzelwertung geltenden Mannschaftsweltmeisterschaft – die 30 bestplatzierten Dressurreiter nahmen am Grand Prix Special am 25., die bestplatzierten 15 zusätzlich am Grand Prix Kür am 26. August teil – erzielte der Däne Andreas Helgstrand mit 76,333 Prozentpunkten die höchste Punktzahl vor der Deutschen Heike Kemmer (75,792 Prozentpunkte) und den gleichplatzierten Anky van Grunsven aus den Niederlanden und Isabell Werth aus Deutschland (je 75,000 Prozentpunkte).Beim am 25. August ausgetragenen Grand Prix Special erreichte schließlich Isabell Werth mit 79,480 Prozentpunkten die Goldmedaille vor Anky van Grunsven (77,800) und Andreas Helgstrand (76,560). Silvia Iklé wurde mit 73,720 Prozentpunkten bestplatzierte schweizerische Teilnehmerin auf Rang sechs, die bestplatzierte Österreicherin war Victoria Max-Theurer mit 65,240 Prozentpunkten auf Rang 29.Beim Grand Prix Kür am 26. August siegte Anky van Grunsven mit 86,100 Prozentpunkten vor Andreas Helgstrand (81,500). Dritte im extra mit einem Dressurviereck versehenen Hauptstadion wurde Isabell Werth mit 80,750 Prozentpunkten, während Silvia Iklé als erneut beste schweizerische Reiterin Platz elf belegte (74,750 Prozentpunkte).
Einzelwertung Special Rang Reiter Pferd Prozent 1 20px|Deutschland Isabell Werth Satchmo 79,480 2 20px|Niederland Anky van Grunsven Keltec Salinero 77,800 3 20px|Dänemark Andreas Helgstrand Blue Hors Matiné 76,560 4 20px|Vereinigte Staaten Steffen Peters Floriano 75,200 5 20px|Deutschland Nadine Capellmann Elvis VA 74,760 6 20px|Schweiz Silvia Iklé Salieri CH 73,720 7 20px|Deutschland Heike Kemmer Bonaparte 73,200 … 13 20px|Deutschland Hubertus Schmidt Wansuela Suerte 71,040 … 16 20px|Schweiz Christian Pläge Regent 69,200 … 23 20px|Schweiz Marie-Line Wettstein Le Primeur 66,440 … 29 20px|Österreich Victoria Max-Theurer Falcao 65,240
Kür Rang Reiter Pferd Prozent 1 20px|Niederland Anky van Grunsven Keltec Salinero 86,100 2 20px|Dänemark Andreas Helgstrand Blue Hors Matiné 81,500 3 20px|Deutschland Isabell Werth Satchmo 80,750 4 20px|Deutschland Nadine Capellmann Elvis VA 79,900 5 20px|Deutschland Heike Kemmer Bonaparte 78,850 … 11 20px|Schweiz Silvia Iklé Salieri CH 74,750 … 14 20px|Schweiz Christian Pläge Regent 71,100
Mannschaftswertung RangLand Reiter Prozent 1 Heike Kemmer, Isabell Werth, Nadine Capellmann, Hubertus Schmidt 223,625 2 Anky van Grunsven, Imke Schellekens-Bartels, Edward Gal, Laurens van Lieren 217,917 3 Steffen Peters, Debbie McDonald, Guenter Seidel, Leslie Morse 213,917 4 Andreas Helgstrand, Anders Dahl, Nathalie zu Sayn-Wittgenstein, Lone Jörgensen 208,874 5 Jan Brink, Tinne Vilhelmson, Louise Nathorst, Kristian von Krusenstierna 208,750 … 8 Silvia Iklé, Christian Pläge, Marie-Line Wettstein, Marcela Krinke Susmelj 203,709 … 11 Victoria Max-Theurer, Evelyn Haim-Swarovski, Nina Stadlinger, Caroline Kottas-Heldenberg 194,459
Vielseitigkeit 79 Teilnehmer
Die Wettkämpfe der Vielseitigkeitsreiter begannen mit dem ersten Teil der Dressurprüfung am fünften WM-Tag, dem 24. August, die am Folgetag fortgesetzt wurde und mit drei Deutschen auf den ersten drei Plätzen endete (Bettina Hoy mit 36,5, Ingrid Klimke mit 39,1 und Andreas Dibowski gleichplatziert mit der US-Amerikanerin Kimberley Severson mit je 40,90 Minuspunkten). Mit der Geländerittprüfung am 26. August fiel Bettina Hoy mit 43,7 Minuspunkten auf den zweiten Rang hinter die Britin Zara Phillips mit 41,7 Minuspunkten zurück, Rang drei belegte der Deutsche Frank Ostholt (46,9 Minuspunkte). Zara Phillips hielt ihren Vorsprung durch die Springprüfung am 27. August und gewann mit 46,7 Minuspunkten die Gesamtwertung vor dem Australier Clayton Fredericks (48,9 Minuspunkten) und der US-Amerikanerin Amy Tyron (50,7 Minuspunkte). Frank Ostholt kam als bester Deutscher knapp um 0,3 Minuspunkte geschlagen auf den vierten Platz.
In der Mannschaftswertung führte Deutschland (122,5 Minuspunkte) nach der Dressur vor Australien (136,1) und dem Vereinigten Königreich (138,6) und blieb auch nach der Geländeprüfung 143 Minuspunkten führend. Die Vereinigten Staaten belegten mit 190,10 Minuspunkten hinter der nun zweitplatzierten Equipe aus dem Vereinigten Königreich mit 175 Minuspunkten den dritten Rang. Mit 156,0 Minuspunkten sicherte sich die deutsche Equipe nach der Springprüfung Gold in der Gesamtwertung, es folgten die Briten mit 180,0 Minuspunkten auf Platz zwei und die Australier (197,3 Minuspunkten) auf dem Bronzerang.
Einzelwertung Rang Reiter Pferd Minuspunkte 1 20px|Vereinigtes Königreich Zara Phillips Toy Town 46,7 2 20px|Australien Clayton Fredericks Ben Along Time 48,8 3 20px|Vereinigte Staaten Amy Tryon Poggio 50,4 4 20px|Deutschland Frank Ostholt Air Jordan 2 50,7 5 20px|Deutschland Hinrich Romeike Marius Voigt-Logistik 52,7 6 20px|Deutschland Bettina Hoy Ringwood Cockatoo 52,8 … 31 20px|Österreich Harald Ambros Miss Ferrari 92,7 … 34 20px|Deutschland Ingrid Klimke Sleep Late 96,7 … 36 20px|Österreich Harald Siegl Nebelwerfer 97,3
Mannschaftswertung RangLand Reiter Minuspunkte 1 Frank Ostholt, Hinrich Romeike, Bettina Hoy, Ingrid Klimke 156,0 2 Zara Phillips, Daisy Dick, William Fox-Pitt, Mary King 180,0 3 Clayton Fredericks, Megan Jones, Andrew Hoy, Sonja Johnson 197,3 4 Amy Tryon, Kimberley Severson, Will Faudree, Heidi White 198,1 5 Magnus Gällerdal, Albert Dag, Linda Algotsson, Viktoria Calerbäck 218,2 … 10 Harald Ambros, Harald Siegl, Harald Riedl 1190,0
Voltigieren 80 Einzelteilnehmer plus 80 Longenführer 120 Gruppenteilnehmer
Die Voltigierwettbewerbe in der Albert-Vahle-Halle begannen am 24. August mit der Pflichtprüfung, bei welcher sich in der Mannschaftswertung das deutsche Team (RSV im SC 36 Neuss-Grimlinghausen) mit 7,183 Punkten vor Österreich (RC Wildegg; 7,169 Punkte) und der Schweiz (St. Gallen; 6,789 Punkte) platzierte. Nach der am 26. August erfolgten Kürprüfung lag weiterhin das deutsche Team mit 7,999 Punkten in Führung vor den Teams aus Österreich (7,818 Punkte) und den Vereinigten Staaten (F.A.M.E.; 7,774 Punkte). In der am 27. August erfolgten zweiten Kürprüfung sicherte sich die deutsche Equipe mit 8,189 Punkten die Goldmedaille vor den Teams aus den Vereinigten Staaten (8,161 Punkte) und Österreich (8,152 Punkte). Die Schweiz belegte mit 7,785 Punkten Rang vier.