miniatur|hochkant|Hubert Wilkins (1931)
Sir George Hubert Wilkins MC & Bar (* 31. Oktober 1888 in Netfield, Mount Bryan East bei Hallett, South Australia; † 30. November 1958 in Framingham, Massachusetts) war ein australischer Polarforscher, Fotograf, Kameramann, Pilot, Geograph und Reporter. Er absolvierte 1928 den ersten Motorflug in der Antarktis.
Wilkins’ Interesse an der Polarforschung war breit gestreut. Seine Schwerpunkte lagen auf der Erforschung des Einflusses der Polargebiete auf das globale Klima und auf der Erkundung unbekannter Gebiete aus der Luft.Under the North Pole, Digitale Ausstellung der Bibliotheken der Ohio State University (englisch). Er war aber auch der Erste, der mit einem Unterseeboot unter das arktische Packeis tauchte.
Leben Frühe Jahre Hubert Wilkins wurde als jüngstes von 13 Kindern in der Familie des Schafzüchters Henry Wilkins (genannt Harry, 1837–1914) und dessen Frau Louisa geb. Smith (1863–1928) geboren. Sein Großvater, William Wilkins (1810–1845), gehörte zu den ersten 200 Siedlern der britischen Kolonie South Australia, als diese am 28. Dezember 1836 feierlich proklamiert wurde. Mit seiner schwangeren Frau Mary hatte er die Überfahrt von England auf der Brigg Emma unternommen und war am 5. Oktober 1836 auf Kangaroo Island an Land gegangen. Harry Wilkins war das erste europäischstämmige Kind, das in der neuen Kolonie geboren wurde.
Hubert Wilkins wuchs auf der elterlichen Farm in Mount Bryan East auf und erlebte die schweren Dürrejahre von 1896 bis 1902, die sein Interesse an Wetterphänomenen weckten. An seinem 17. Geburtstag verkaufte sein Vater die Farm und zog in ein Cottage in der Nähe von Adelaide. Hubert Wilkins studierte an der dortigen Australian School of Mines and Industries, heute als South Australian Institute of Technology (SAIT) Teil der University of Adelaide. Bald änderten sich aber seine Interessen. Nachdem er 1905 seinen ersten Film gesehen hatte, gab er 1906 das Studium auf und nahm Arbeit in einem Zeltkino an. Als blinder Passagier fuhr er auf einem Schiff nach Sydney, dem damaligen Zentrum der australischen Filmindustrie, wo er als Kameramann zu arbeiten begann.
Fotograf und Kameramann im Auftrag der Gaumont-Studios 1911 reiste Wilkins nach England. Als Kameramann der Gaumont-Studios und Reporter des Daily Chronicle bereiste er mehrere Länder, darunter auch Deutschland. Er lernte beim britischen Flugpionier Claude Grahame-White (1879–1959), ein Flugzeug zu fliegen, und experimentierte mit der Luftbildfotografie.R. A. Swan: Wilkins, Sir George Hubert (1888–1958), Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University (abgerufen am 4. Februar 2013). Während des Ersten Balkankriegs filmte er Kampfhandlungen an der türkisch-bulgarischen Front.Philip Gibbs, Bernard Grant: The Balkan war. Adventures of war with cross and crescent, Small, Maynard & Co., Boston 1913 1913 war er für Gaumont in Trinidad, um einen Film über die dortige Kakao-Industrie für den britischen Schokoladenhersteller Cadbury zu drehen. Von 1913 bis 1916 nahm Wilkins als Fotograf an der Kanadischen Arktisexpedition von Vilhjálmur Stefánsson in die kanadische Arktis teil. Als die Karluk, das Schiff der Nordgruppe, vom Eis eingeschlossen wurde und nach Westen driftete, gehörte er zu den fünf Männern, die das Schiff mit Stefánsson verließen, um auf dem Festland Karibus zu jagen und nach spätestens zehn Tagen zur Karluk zurückzukehren. Als nach zwei Tagen ein Orkan das Eis zwischen dem Schiff und dem Festland aufriss, war eine Rückkehr aber unmöglich.William Laird McKinlay: Karluk. Die Geschichte einer Arktis-Expedition. Lamuv, Bornheim 1987, ISBN 3-88977-117-3, S. 63 Wilkins entging damit dem Schicksal der auf dem Schiff verbliebenen 25 Personen, von denen elf nach dem Untergang der Karluk ums Leben kamen, bevor die letzten Überlebenden am 7. September 1914 auf der Wrangel-Insel gerettet werden konnten. Er spielte im weiteren Verlauf der Expedition eine wichtige Rolle, indem er mit den Schiffen Mary Sachs und North Star die Verbindung zwischen der vom kanadischen Zoologen Rudolph Anderson (1876–1961) geleiteten Südgruppe am Coronation Gulf und Stefánssons Nordgruppe hielt, deren Basislager Wilkins am Kap Kellett auf Banks Island errichtet hatte.David Gray, Sally Gray: Canadian Arctic Expedition, 1913–1918. In: Mark Nuttall (Hrsg.): Encyclopedia of the Arctic, Band 1 (A–F), Routledge, New York und London 2005. ISBN 1-57958-437-3, S. 308–310 (englisch) Daran erinnern heute die Namen Wilkins Bay (73° 37′ N, 124° 10′ W)Wilkins Bay, Eintrag auf canmaps.com (englisch, abgerufen am 3. Februar 2013). für eine Bucht von Banks Island und Wilkins Strait (78° 10′ N, 111° 0′ W)Wilkins Strait, Eintrag auf geographic.org (englisch, abgerufen am 2. Februar 2013). für die Meeresstraße zwischen Borden Island im Norden sowie Brock Island und Mackenzie King Island im Süden.
Erster Weltkrieg mini|hochkant|Hubert Wilkins (1918) Von der Expedition zurückgekehrt, meldete Wilkins sich 1917 zum Kriegsdienst und wurde als Second Lieutenant in das Australian Flying Corps aufgenommen. Seine Aufgabe war es, Captain Frank Hurley, dem Fotografen von Douglas Mawsons Australasiatischer Antarktisexpedition und Ernest Shackletons Endurance-Expedition, beim Filmen von Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs für den Einsatz in Wochenschauen zu unterstützen. Trotz seiner Weigerung, Waffen zu tragen, wurde er zweimal mit dem Military Cross ausgezeichnet, zunächst für seine Versuche, Verwundete der Dritten Flandernschlacht zu retten, und später für die Führung von amerikanischen Soldaten, die in der Schlacht am Saint-Quentin-Kanal ihren Vorgesetzten verloren hatten.Ian N. Higginson: Wilkins, Hubert. In: Beau Riffenburgh (Hrsg.): Encyclopedia of the Antarctic, Routledge, New York und London 2007, S. 1078–1080, ISBN 0-415-97024-5 (englisch) Bei seinen gewagten Einsätzen wurde Wilkins neunmal verwundet. Der Oberkommandierende der australischen Truppen, General John Monash, nannte ihn den tapfersten Mann seiner Armee.
Wettflug von England nach Australien Am 19. März 1919 setzte die australische Regierung des Premierministers Billy Hughes für den ersten Flug einer australischen Crew von England nach Australien ein Preisgeld in Höhe von 10.000 australischen Pfund aus.The Flight To Australia. In: Flight, 22. Mai 1919, S. 671. Die Bedingungen sahen vor, dass das Flugzeug auf einer Route über Alexandria und Singapur innerhalb von 720 Stunden nach dem Start und spätestens bis zum 31. Dezember 1920 in Australien sein musste. Von den sechs Crews, die sich um den Preis bewarben, erreichten nur zwei ihr Ziel, zwei verunglückten tödlich. Wilkins nahm als Navigator des Piloten Lieutenant Valdemar Rendle in einer Blackburn Kangaroo am Rennen teil, einem britischen zweimotorigen Doppeldecker, der im Krieg als Bomber gedient hatte. Zur Crew gehörten weiterhin Lieutenant David Reg Williams and Lieutenant Garnsey Potts. Die Männer bereiteten sich sorgfältig auf das gewagte Unternehmen vor. Insbesondere übten sie den Instrumentenflug, um auch bei schlechten Sichtverhältnissen sicher navigieren zu können. Dazu hatte Wilkins das Flugzeug mit zusätzlichen Instrumenten ausgerüstet.
Am 21. November 1919 hob die Maschine bei klarem Himmel in Hounslow Heath ab, kam aber schon über dem Ärmelkanal in schweren Regen und starken, immer wieder die Richtung wechselnden Wind. Auf einem Militärflugplatz bei Paris musste die Maschine landen. Am nächsten Tag verhinderte Schneefall den Weiterflug. Das Wetter machte auch an den nächsten Tagen Probleme und bei einer Notlandung bei Fréjus an der französischen Mittelmeerküste stellten sich zudem Probleme mit den Motoren ein. Der Flug endete, als die Maschine am 8. Dezember auf Kreta notlanden musste. Ölverlust hatte einen Motor zerstört. Die vierköpfige Crew blieb unverletzt. Der Preis ging an die Brüder Ross und Keith Smith, die mit ihrer Vickers Vimy als Einzige die Bedingungen erfüllten.Peter Burness: The 1919 Air Race, Australian War Memorial, abgerufen am 24. Januar 2013
British Imperial Antarctic Expedition mini|Waterboat Point im Jahre 2011 John Lachlan Cope – zuvor Mitglied der Ross Sea Party, der Unterstützungsgruppe für Ernest Shackletons Endurance-Expedition – plante für das Jahr 1920 den Beginn einer großangelegten Antarktis-Expedition mit über fünfzig Teilnehmern und einer Dauer von fünf Jahren.Louise Crossley: British Imperial Expedition (1920–1922). In: Beau Riffenburgh (Hrsg.): Encyclopedia of the Antarctic, Routledge, New York und London 2007, S. 197 f, ISBN 0-415-97024-5 (englisch) Mit der Terra Nova, Robert Falcon Scotts Schiff auf seiner letzten Expedition, wollte er den gesamten antarktischen Kontinent umfahren und eine Reihe geografischer Fragen klären. Darüber hinaus plante er den Einsatz von bis zu zwölf Flugzeugen der Royal Air Force, um die Antarktis zu erkunden und auch den geografischen Südpol zu erreichen.Hubert Wilkins: Bleak geographic features were named from plane speeding above. In: Milwaukee Sentinel, 23. November 1929 (englisch) Cope besetzte den Posten des wissenschaftlichen Expeditionsleiters 1919 mit Hubert Wilkins. Die stark unterfinanzierte Expedition startete schließlich 1920 mit lediglich vier Personen und – für Wilkins enttäuschend – ohne Flugzeug. Neben Cope und Wilkins nahmen Thomas Wyatt Bagshawe (1901–1976) als Geologe und Maxime Charles Lester (1891–1957) als Landvermesser an ihr teil. Der Expeditionsplan war noch einmal geändert worden. Mit Hundeschlitten wollte Cope von Otto Nordenskjölds alter Hütte auf Snow Hill Island aus an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel entlang nach Süden fahren und die noch unbekannte West- und Südküste des Weddell-Meeres erforschen. Ohne eigenes Schiff und mit nur acht Hunden, die Wilkins auf den Falklandinseln erworben hatte, ließen sich die Männer am 24. Dezember 1920 auf Deception Island absetzen, in der Hoffnung einen Walfänger zu finden, der sie nach Snow Hill Island übersetzen würde. Als auch noch das Filmmaterial wegen unbezahlter Rechnungen zurückgehalten wurde, reifte in Wilkins der Entschluss, die Expedition so bald wie möglich zu verlassen. Die schwierigen Eisverhältnisse verhinderten es, die Ostseite der Antarktischen Halbinsel anzusteuern, so dass Wilkins Cope vorschlug, sich in der Hope Bay an der Spitze der Antarktischen Halbinsel absetzen zu lassen, wo 1903 drei Männer der Schwedischen Antarktisexpedition überwintert hatten. Von dort könnte die Expedition mit einem Rettungsboot Snow Hill Island erreichen. Als sich kein Walfänger im Stande sah, die Hope Bay anzulaufen, landete die Expedition am 12. Januar 1921 am Waterboat Point auf einer nur 213 m langen Insel an der Westküste Grahamlands am Eingang zum Paradise Harbour.David L. Harrowfield: The British Imperial Antarctic Expedition 1920–1922: Paradise Harbour, Antarctic Peninsula. In: Polar Record, 29. Februar 2012, S. 1–22. Es gelang der Gruppe nicht, die Halbinsel zu überqueren, um auf deren Ostseite zu gelangen und den Expeditionsplan trotzdem noch auszuführen. Cope gab enttäuscht auf und reiste am 3. März mit Wilkins ab, während Bagshawe und Lester vor Ort blieben, um zu überwintern und trotz schlechter Ausstattung mit wissenschaftlichen Instrumenten meteorologische, geologische, glaziologische und zoologische Arbeiten auszuführen.
Quest-Expedition mini|hochkant|Die Quest im Weddellmeer