Der Ingolstädter Hauptbahnhofbis 30. April 1904 „Ingolstadt Centralbahnhof“bahnstatistik.de ist neben dem Bahnhof Ingolstadt Nord und dem Haltepunkt Ingolstadt Audi einer von drei betrieblich genutzten Personenbahnhöfen Ingolstadts. Er wird vom Bahnhofsmanagement Rosenheim der DB Station&Service AG verwaltet.
Geschichte Neuer Bahnhof und Ausbau zum Verkehrsknoten Mit dem zunehmenden Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in Ingolstadt wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der Bedarf an einem schnellen Warentransport und an der schnellen Beförderung von Personen. Die Dampfschifffahrt auf der Donau konnte die Verkehrsprobleme jedoch nicht lösen, da sie sich wegen des Wasserstands und der Strömungsverhältnisse als schwierig erwies.
Am 4. Februar 1862 befasste sich der Magistrat der Stadt Ingolstadt erstmals mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung von Ingolstadt über Solnhofen nach Pleinfeld, später über Eichstätt nach Nürnberg. Im Oktober 1863 wurde zwar die Eisenbahnstrecke München-Ingolstadt vom Königreich Bayern genehmigt, der Gleisbau kam aber zunächst nur schleppend voran. Deshalb schickte der Ingolstädter Magistrat im Jahre 1865 „zur Beförderung des Eisenbahnbaus München–Ingolstadt“ eine Abordnung zum König.Bernhard Pehl: Ingolstadt oder Oberstimm – Vor 150 Jahren hat sich der Magistrat erstmals mit dem Anschluss an die Eisenbahn befasst. In: Donaukurier, Nr. 29, vom 4./5. Februar 2012, Seite 29.
Als erste Eisenbahnverbindung der Stadt wurde am 14. November 1867 die Bahnstrecke München–Ingolstadt eröffnet. Bereits um 1860 hatten die Diskussionen um den Standort eines künftigen Bahnhofs begonnen, wobei durch den Status der Stadt als Landesfestung das Militär eine gewichtige Rolle spielte. Eine aus Vertretern von Militär und der Staatsbahndirektion bestehende Kommission entschied sich für den Bau eines Lokalbahnhofs in der Nähe der Festung (der heutige Bahnhof Ingolstadt Nord) und eines „Centralbahnhofs“ bei Oberstimm, weit südlich der Stadt und des heutigen Standorts. Etwa dreihundert Meter nördlich des heutigen Hauptbahnhofs wurde ein provisorischer Lokalbahnhof mit der Bezeichnung „Ingolstadt Provisorium“Burkhard Thiel: Hauptbahnhof Ingolstadt – Etwas zur Geschichte des Bahnhofs, abgerufen am 3. September 2021. eingerichtet, dessen Empfangsgebäude lediglich aus einer hölzernen Verschlag bestand.
mini|Denkmallok 98 507 vor dem Bahnhof
Erst 1872, nach Verlängerung der Strecke nach Treuchtlingen und mit dem Bau der Donautalbahn nach Donauwörth, wurde nach Plänen des Architekten Jakob Graff mit dem Bau des Centralbahnhofs an seinem heutigen Standort begonnen. Dieser wurde am 1. Juni 1874 eröffnet, zusammen mit der Weiterführung der Donautalbahn nach Regensburg, abgerufen am 22. Mai 2012..
Neben den Gleisen für die fünf durchgehenden Eisenbahnlinien wurden am Centralbahnhof Rangier-, Lade- und Maschinengleise vorgesehen. Für Militärzüge wurde außerdem eine 400 Meter lange Laderampe am Südende des Centralbahnhofs eingerichtet. An jedem Ende des Bahnhofs wurden breite Übergänge angelegt, um die Bahnanlage auch mit größeren Truppenkontingenten überschreiten zu können.Dr. Brigitte Huber: Ingolstadt wird Verkehrsknotenpunkt. In: Bildband zur Ausstellung Ingolstadt – vom Werden einer Stadt Geschichten & Gesichter, 5. Mai–3. September 2000 im Klenzepark in Ingolstadt Herausgeber: Stadt Ingolstadt, Stadtmuseum Ingolstadt, Deutsches Medizinhistorisches Museum, Bayerisches Armeemuseum, ISBN 3-932113-30-6, Seite 214.
Mit der ebenfalls 1874 erfolgten Eröffnung der Paartalbahn nach Augsburg war das Netz der vom Ingolstädter Hauptbahnhof ausgehenden Linien zunächst komplett. Allerdings gibt es auch Eisenbahnstrecken, die trotz damaliger Pläne bis zum heutigen Tage nicht realisiert wurden. Hierzu gehört die Strecke Ingolstadt–Beilngries–Berching–Altdorf–Hersbruck, die Anfang der 1870er Jahre geplant wurde und eine Bahnlinie nach Landshut.Bernhard Pehl: Ingolstadt oder Oberstimm – Vor 150 Jahren hat sich der Magistrat erstmals mit dem Anschluss an die Eisenbahn befasst In: Donaukurier Nr. 29, vom 4./5. Februar 2012, Seite 29.
Für den Plan einer Lokalbahn Ingolstadt–Geisenfeld hatte die Stadt sogar schon Grundstücke erworben, statt eines großen Eisenbahnnetzes in der Hallertau wurde am 1. August 1893 allerdings nur mit dem Bau der kurzen Strecke Wolnzach Bahnhof – Gosseltshausen – Wolnzach Markt – Gebrontshausen – Berg – Au (heute Enzelhausen) – Mainburg begonnen, um wenigstens „das Herz der Holledau“ an den Schienenstrang anzuschließen Josef Schmalzl: Die Chronik der Hallertauer Lokalbahnen, abgerufen am 1. Juni 2012.. Die Idee einer „direkten Schienenverbindung zwischen dem Raffinerie- und Industriezentrum Ingolstadt und dem Chemiedreieck Burghausen in Ostbayern“ wurde am 28. Oktober 1985 nochmals im Ausschuss für Verkehr des Deutschen Bundestages behandelt. Dieser kam jedoch mehrheitlich zu der Auffassung, dass die „vorhandenen Schienenkapazitäten für das Verkehrsaufkommen“ zwischen Ingolstadt und Landshut/Burghausen über München ausreichen würden.Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Verkehr des Deutschen Bundestages, BT-Drucksache 10/4097, abgerufen am 1. Juni 2012.
Als Eisenbahnknotenpunkt, zumal in einer Stadt mit traditionell großer militärischer Bedeutung, war der Ingolstädter Hauptbahnhof strategisches Ziel alliierter Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs. Insbesondere durch den Angriff vom 23. April 1945 und das Folgende von den Besatzern ausgesprochene dreitägige Plünderungsrecht im April 1945 wurden Bahnhof und Empfangsgebäude stark beschädigt.
Das aktuelle Bahnhofsgebäude ist das zweite an dieser Stelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof in zehnjähriger Bauzeit wieder hergestellt. Am 25. November 1957 wurde das neue Empfangsgebäude in Betrieb genommen, zwei Jahre später die Bahnsteige überdacht. Von 1990 bis 1995 wurde die Anbindung der westlichen Donautalbahn zwischen dem Hauptbahnhof Ingolstadt und Weichering vollständig neu trassiert. Fuhren die Züge Richtung Donauwörth zuvor nördlich aus dem Bahnhof heraus und in einer Schleife quer durch die Stadt, erfolgt heute in Ingolstadt ein Fahrtrichtungswechsel, da die Strecke nunmehr südlich angebunden ist.
Vom Intercity-Bahnhof zum ICE-Systemhalt mini|Der Hausbahnsteig von Ingolstadt Hauptbahnhof nach der Modernisierung
Mit der Aufnahme des Intercity-Verkehrs in Deutschland am 26. September 1971 wurde auch Ingolstadt Hauptbahnhof IC-Halt. auf bahnknoten-ingolstadt.de Gleichwohl war das Fernverkehrsangebot im Winterfahrplan 1971/72 noch recht übersichtlich, da hier mit dem IC 123 Nymphenburg und dem IC 126 Herrenhausen zunächst nur ein einziges Intercity-Zugpaar verkehrte, das allerdings durch mehrere Schnellzüge ergänzt wurde. In den darauffolgenden Jahren wurde das IC-Angebot jedoch immer größer. So gab es im Winterfahrplan 1991/92 von Ingolstadt nach München, in der Gegenrichtung nach Frankfurt und ins Ruhrgebiet einen weitgehenden Zweistundentakt.
Außerdem wurde Ingolstadt Hbf Anfang der 90er Jahre Interregio-Halt, da die damalige Deutsche Bundesbahn mit dieser neuen Zuggattung die in die Jahre gekommenen Schnellzüge ablösen wollte. Mit Beginn des Sommerfahrplans 1995 bediente erstmals ein ICE (der Relation Dortmund–München) Ingolstadt.Bahn folgt dem Zug der Zeit. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 119, 1995, , S. 55. Es handelte sich dabei um den ICE 821 Main-Kurier am 29. Mai 1995 auf dem Weg von Frankfurt am Main nach München. Die Fahrt ab Ingolstadt kostete damals 32 DM., Artikel vom 12. Dezember 2011.
Am 15. Dezember 2002 wurde die IR-Linie 21 Würzburg–Ansbach–Ingolstadt–München eingestellt und durch die IC-Linie 66 Frankfurt am Main–München ersetzt. Zum 12. Juni 2005 wurden fünf ICE-Zugpaare der Linie Nürnberg–Ruhrgebiet über Ingolstadt nach München verlängert. Gleichzeitig wurde die IC-Linie Frankfurt–München abgeschafft.Meldung Kleiner Fahrplanwechsel. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2005, , S. 308.
mini|Bahnsteige von Ingolstadt Hauptbahnhof nach dem Umbau
Obwohl bereits Ludwig Joseph Freiherr von Brück, Generaldirektor der königlich-bayrischen Verkehrsanstalten, im Jahre 1863 eine direkte Bahnverbindung zwischen München und Nürnberg über Ingolstadt gefordert wurde, griff erst Anfang der 1980er Jahre die Deutsche Bundesbahn diesen Gedanken auf.Rolf Syrigos: „ICE-Strecke im Rohbau fertig“. In: Nürnberger Zeitung, 11. Juni 2005, abgerufen am 30. September 2012. Nach dem Vorbild der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main sollte auch in Bayern eine Neubaustrecke für Hochgeschwindigkeitszüge entstehen, was letztendlich zu dem modernen Konzept der Verkehrswege-Bündelung entlang der Autobahn A 9 führte.Nürnberger Zeitung: „Eine Idee von 1862 wird Wirklichkeit“, Artikel vom 9. Mai 2005, aufgerufen am 30. September 2012.
Am 15. Juli 1994 wurde mit einer Spatenstichfeier im Nürnberger Stadtteil Fischbach der Baubeginn einer 89 Kilometer langen und für Reisegeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h trassierten NBS Nürnberg–Ingolstadt begangen.Süddeutsche Zeitung: „Mit 300 km/h von München nach Nürnberg“, Artikel vom 13. Mai 2006, aufgerufen am 30. September 2012. Die Bahnstrecke Ingolstadt–München wurde in den Jahren 2002 bis 2006 zunächst im Streckenlos Süd bis zum Bahnhof Petershausen für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgebaut., abgerufen am 30. September 2012.ICE-Schnellfahrstrecken (Neubaustrecken) in Deutschland abgerufen am 3. August 2016
Im Zuge dieser Maßnahmen erfolgte auch ein Umbau des Knotens Ingolstadt mit der Neugestaltung des Nordbahnhofs und einer Erweiterung der bereits vorhandenen zwei Gleise zwischen Nord- und Hauptbahnhof um ein drittes Gleis. Die im Mai 2010 begonnenen Arbeiten für den sogenannten Endausbau Nord zwischen Ingolstadt und Petershausen sind im Jahre 2014 abgeschlossen worden. (PDF; 378 kB), abgerufen am 30. September 2012.
Reisezeiten im Laufe der Jahre(jeweils schnellste fahrplanmäßige Verbindung) Relation Winterfahrplan 1971/72Deutsche Bundesbahn: Kursbuch Winter 1971/1972, Streckennummer 413, Seite 221.(26. Sept. 1971–27. Mai 1972) Jahresfahrplan 2005Marcus Grahnert: Datenbank Fernverkehr – Abfahrtstafel Ingolstadt Hbf 2005, abgerufen am 22. September 2012.(12. Dez. 2004–10. Dez. 2005) Jahresfahrplan 2009Marcus Grahnert: Datenbank Fernverkehr – Abfahrtstafel Ingolstadt Hbf 2009, abgerufen am 22. September 2012.(13. Dez. 2009–10. Dez. 2010)Ingolstadt–München 35 Minuten(IC 126) 47 Minuten(IC 2512) 36 Minuten(ICE 729)Nürnberg–Ingolstadt 58 Minuten(IC 126) 1 h 4 Minuten(IC 2464) 26 Minuten(ICE 827)
Als die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt am 10. Dezember 2006 vollständig in das ICE-Netz integriert wurde, erhielt Ingolstadt fast stündliche Direkt- bzw. Umsteigeverbindungen Richtung Berlin und Hamburg. Intercitys verkehren hier nicht mehr.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 wurde die Zahl der täglichen ICE-Halte von 48 auf 51 erhöht.
Unfall vom 2. März 1972