mini|Terje Rød-Larsen, 2017 Terje Rød-Larsen (* 22. November 1947 in Bergen) ist ein norwegischer Diplomat, Politiker (Arbeiderpartiet) und Soziologe.
In den frühen 1990er Jahren erlangten er zusammen mit seiner Ehefrau Mona Juul Bekanntheit als Teil einer kleinen Gruppe von Diplomaten, die die Oslo-Abkommen von 1993–1995 vermittelten. Diese galten damals als Durchbruch israelisch-palästinensischen Konflikt, obwohl der Frieden weiterhin ausblieb.
Rød-Larsen war ein enger Vertrauter von Jeffrey Epstein und engagierte sich für die Stärkung der Kontakte zwischen der MAGA-Bewegung und der europäischen extremen Rechten. Aus den im Januar 2026 veröffentlichten Epstein-Akten ging hervor, dass jedes von Rød-Larsens Kindern in Epsteins Testament 5 Millionen Dollar vermacht worden war. In den Akten bezeichnete Rød-Larsen Epstein als „meinen besten Freund“ und „einen durch und durch guten Menschen“. Infolge des Epstein-Skandals ermittelte die norwegische Justiz gegen Rød-Larsen wegen des Verdachts schwerer Korruption. Seine Ehefrau Mona Juul, Chefdiplomatin Norwegens in Jordanien und im Irak, wurde suspendiert.
Leben
Herkunft und Ausbildung Rød-Larsen wuchs in Bergen auf. Er studierte Sozialwissenschaften und erwarb einen Ph.D. in Soziologie.
Karriere in Forschung und Lehre Er lehrte an norwegischen Universitäten, bis er 1981 die Forschungseinrichtung Forskningsstiftelsen Fafo mitbegründete, die von Norwegens größter Gewerkschaftsdachverband Landsorganisasjonen i Norge mitfinanziert wird. FAFO hat seinen Hauptsitz in Oslo und eine Niederlassung in Peking.
Im Jahre 1989 zog Rød-Larsen nach Kairo, da seine Frau Mona Juul wegen ihrer Tätigkeit für das norwegische Außenministerium dorthin versetzt wurde. Er setzte seine Tätigkeit für FAFO fort, da die Organisation sich während der 1980er-Jahre verstärkt international orientierte. Er erstellte eine soziologische Studie über die Lebensbedingungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem.
Osloabkommen Während dieser Arbeit knüpfte Rød-Larsen Kontakte, die sich während der Geheimverhandlungen zwischen Israel und der Dachorganisation Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) als hilfreich erwiesen. Seine Frau war in der Lage, einen Kontakt mit Außenminister Johan Jørgen Holst herzustellen, was 1993 zum Erreichen des Abkommens von Oslo führte. In dem Jahr wurde Rød-Larsen offiziell beim norwegischen Außenministerium als spezieller Berater für Angelegenheiten des Nahen Ostens angestellt. Als Verhandlungsort schlug er eine abgelegene Villa in Sarpsborg vor, die maximale Diskretion für die Gespräche bot.
Arbeit für die Vereinten Nationen Zwischen 1994 und 1996 diente er dem Generalsekretär der Vereinten Nationen Boutros Boutros-Ghali als Sonderkoordinator in den besetzten palästinensischen Gebieten.
1996 war er kurzzeitig Kabinettsminister in der Regierung von Thorbjørn Jagland, war aber dann wegen einer Steueraffäre zum Rücktritt gezwungen.
Im Jahre 1999 wurde er zum persönlichen Vertreter des Generalsekretärs Kofi Annan bei der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland und im Gazastreifen ernannt. Er war auch Sonderkoordinator der UN für Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Er gab diesen Posten 2004 auf, um Vorsitzender der International Peace Academy in New York zu werden.
Rød-Larsen wurde aber auch zum UN-Sondergesandten für die Umsetzung der Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates bestimmt, die Syrien zum Abzug aus dem Libanon und die schiitischen Hisbollah zur Entwaffnung der auffordert. Der syrische Truppenabzug hob die Stellung der Hisbollah als einzige libanesische Gruppierung hervor, die offen ihre Waffen behielt. Nach dem Libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 hatte sie ihre Waffen behalten dürfen, um gegen die israelische Besatzung im Süden des Libanon kämpfen zu können. Die Hisbollah erklärt, sie werde ihre Waffen nicht niederlegen. Die Hisbollah hatte breite Unterstützung im Libanon, wo die Partei Parlamentsabgeordnete stellte und Wohltätigkeitsorganisationen betrieb. Die USA erklärte aber, die Hisbollah bleibe so lange auf der Liste der Terrororganisationen, bis sie ihre Waffen abgebe.Rod-Larsen overseeing Syrian withdrawal from Lebanon, (englisch), China Daily, 17. März 2005. Nach dem einstimmigen Beschluss des UN-Sicherheitsrats über die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates wurde er von Kofi Annan im August 2006 nach Israel und Libanon entsendet, um die Umsetzung des Waffenstillstandes im Israel-Libanon-Konflikt 2006 zu verfolgen.„Lebanese troops deploy as part of U.N. cease-fire“. In: CNN, 17. August 2006.
Im Januar 2004 wurden Anschuldigungen in der Knesset angehoben, die palästinensisch-israelischen Verhandlungen zwischen UN-Sonderdelegierter Rød-Larsen mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmad Qurai, Verhandlungsminister Saeb Erekat und Schimon Peres im Haus des norwegischen Botschafters in Herzliya seien abgehört worden.Øyvind Ludt, Carin Pettersson: Norwegian ambassador's house bugged - The Israeli Prime Minister Ariel Sharon knew all the details of a secret meeting at home of Mona Juul, the Norwegian ambassador in Israel. In: Nettavisen, 20. Januar 2004
Präsident des International Peace Institutes und Kontakte zu Jeffrey Epstein mini|Bill Gates, Terje Rød-Larsen, Jeffrey Epstein, Boris Nikolic und Thorbjørn Jagland, 5. März 2018 Im Jahr 2005 wurde Rød-Larsen Präsident des International Peace Institute (IPI), eines auf Forschung zu UN-Friedenssicherungsmissionen spezialisierten New Yorker Denkfabrik. Zu seinen Hauptaufgaben zählte das Eintreiben von Spendengeldern.
Im Jahr 2019 veröffentlichte die norwegische Zeitung Dagens Næringsliv Informationen über Rød-Larsens Kontakte zum US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Epstein war 2008 wegen Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution verurteilt und 2019 erneut festgenommen worden. Von Stiftungen aus dem Umfeld von Epstein gingen Spenden in Höhe von rund 650.000 Dollar an das IPI. Rød-Larsen gab später an, dass er Epstein als Türöffner zu wohlhabenden Spendern für das IPI angesehen habe und er für ihn deshalb ein sehr wertvoller Kontakt gewesen sei.
Im Oktober 2020 wurde zudem bekannt, dass Rød-Larsen im Jahr 2013 ein persönliches Darlehen in Höhe von 130.000 Dollar erhalten hatte. Eine KPMG-Überprüfung ergab, dass das IPI zudem die Kosten für ein Mittagessen Rød-Larsens mit Epstein bezahlt hatte. Die von Rød-Larsen ursprünglich zur Rückerstattung beim IPI eingereichten Kosten für Geburtstagsblumen für Epstein bezahlte Rød-Larsen schließlich selbst.
Im Oktober 2020 trat Rød-Larsen schließlich von seinem Posten als IPI-Präsident zurück. Er zog daraufhin nach Abu Dhabi. Nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten im Winter 2025/26, aus denen eine nahe Verbindung zwischen Rød-Larsen, Mona Juul und Epstein hervorgeht, begann die norwegische Justiz gegen ihn und seine Ehefrau wegen des Verdachts auf schwere Korruption zu ermitteln. So soll Epstein an Rød-Larsens und Juuls Kauf einer Wohnung im Osloer Stadtteil Frogner beteiligt gewesen sein. Die beiden Kinder des Ehepaars wurden in Epsteins Testament bedacht.
Laut einem Bericht des Wall Street Journals soll Epstein im Jahr 2013 Kontakt zwischen einem russischen Model und Rød-Larsen hergestellt haben, der sie daraufhin nach Norwegen einlud. Die Frau gab an, 2014 ein IPI-Team nach Kasachstan und Aserbaidschan begleitet zu haben.
Weblinks
Einzelnachweise
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