Bei einer Wanderarbeitsstätte handelte es sich im 19. und dem frühen 20. Jahrhundert um eine Einrichtung für umherziehende obdachlose Menschen, in der sie gegen Arbeit versorgt und beherbergt wurden.
Hintergrund Diese kommunalen und kirchlichen Einrichtungen (letztere hießen meist „Herbergen zur Heimat“) gaben Obdachlosen die Möglichkeit, umherzuziehen und gegen Arbeit eine sichere Versorgung zu genießen. Im Gegenzug hatten Bettelverbote und andere Gesetze gegen Landstreicherei weiterhin Bestand, die es den Obdachlosen untersagten, zu betteln oder in den Ortschaften herumzulungern.Zur strafrechtlichen Verfolgung von Bettlern und Landstreichern vgl. Wolfgang Ayaß: Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874–1949)., Kassel 1992. Am 29. Juni 1907 wurde in Preußen ein eigenes Wanderarbeitsstättengesetz erlassen, in dem Stadt- und Landkreise zur Errichtung dieser Arbeitsstätten verpflichtet werden konnten.
Es handelte sich meist um Einrichtungen mit schlechten Arbeitsbedingungen, die vom Einsatz der Umherziehenden als Arbeitskräfte profitierten. So gab es beispielsweise 1911 in Göttingen eine Wanderarbeitsstätte auf dem Grundstück des Armenhauses in der im Gründungsjahr 3622 Männer verpflegt wurden. Als Arbeitsleistung mussten sie einen halben Tag lang Holz zerkleinern.
In Hannover gab es seit 1879 einen von Pastor Wilhelm Höpfner und einigen Bürgern gegründeten „Verein gegen Hausbettelei“, der inmitten der Stadt eine so genannte „Wanderarbeitsstätte“ betrieb. Diese war die erste Einrichtung in der damaligen Provinz Preußen, die ein „Werkheim für Arbeitswillige“ bereitstellte.
Siehe auch Arbeiterkolonie
Literatur
Jürgen Scheffler (Hrsg.): Bürger & Bettler. Materialien und Dokumente zur Geschichte der Nichtseßhaftenhilfe in der Diakonie, Band 1, 1854 bis 1954, Bielefeld 1987.
Weblinks Wanderarbeitsstätte auf goettingensozial.wordpress.com Die Herberge zur Heimath auf goettingensozial.wordpress.com Von Eilbek in die Humboldtstraße: Der Neuanfang als Wanderarbeitsstätte und Wandererheim. (PDF; S. 23) bodelschwingh-haus-hamburg.de
Einzelnachweise
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