Der Dialog (Originaltitel The Conversation) ist ein US-amerikanischer Thriller von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1974. Die Geschichte um einen Abhörspezialisten (Gene Hackman), der sich durch seine Bespitzelungstätigkeit in einen Mord verstrickt, erhielt den Grand Prix bei den 27. Filmfestspielen von Cannes sowie drei Oscar-Nominierungen. Während der Publikumserfolg ausblieb, gilt der Film inzwischen als Klassiker des New Hollywood.

Handlung Die Eröffnungssequenz bietet einen Blick auf den Union Square in San Francisco aus der Vogelperspektive. Die Kamera fährt herab und zeigt einen Pantomimen. Unter den Passanten, die der Pantomime nachahmt, befindet sich ein Mann, dem die Imitation und die Aufmerksamkeit, die dadurch erregt wird, sichtlich unangenehm sind. Der Mann ist der Überwachungsexperte und Abhörspezialist Harry Caul, der mit seinem Team, postiert auf dem Platz und in den umliegenden Hochhäusern, das junge Paar Ann und Mark überwacht und seine Unterhaltung auf Tonbänder aufnimmt.

Privat führt Caul ein sehr zurückgezogenes und einsames Leben. Seine einzige Leidenschaft außerhalb der Abhörung ist Jazzmusik, wobei er selbst ein talentierter Saxofonist ist. Außerdem ist Caul zutiefst religiös und duldet keinerlei blasphemische Äußerungen.

Später schneidet Caul in seinen Geschäftsräumen, in einer leeren Lagerhalle, im Beisein seines Mitarbeiters Stan die Tonbänder der Observation zu einer einzigen Version zusammen. Dabei weist er Stan schroff zurecht, als dieser mehr über die Hintergründe des Auftrags wissen möchte. Die goldene Regel ihres Gewerbes sei die Nichteinmischung in die Angelegenheiten der Klienten, so Caul. Bei einem Anruf aus einer Telefonzelle erfährt er, dass sein Auftraggeber, der „Direktor“, nicht zu erreichen ist.

Caul besucht seine Geliebte Amy in deren Wohnung, verlässt sie aber schnell wieder, als sie beginnt, ihm persönliche Fragen zu stellen. Am nächsten Tag sucht Caul die Firma des Direktors auf, um diesem die Bänder persönlich auszuhändigen, wird jedoch von dessen Assistenten Martin Stett empfangen. Als Caul sich weigert, Stett die Aufnahmen zu übergeben, weil der Direktor angeblich nicht im Hause als auch nicht im Lande sei, gibt dieser ihm zu verstehen, dass die Bänder gefährlich seien und warnt ihn vor persönlicher Einmischung. Beim Verlassen der Firma trifft Caul sowohl auf Mark als auch auf Ann, die mit ihm im Aufzug fährt. In seine Werkstatt zurückgekehrt, hört Caul die Bänder wieder und wieder ab, um hinter ihr Geheimnis zu kommen (womit er nun selbst gegen die goldene Regel der Nichteinmischung verstößt). Er stößt schließlich auf eine von Störgeräuschen überlagerte Passage, aus der er nach Einsatz eines Entstörfilters den Satz “He’d kill us if he got the chance.” („Er würde uns umbringen, wenn er es könnte.“) herauszuhören glaubt. Caul, nun in Sorge, seine Arbeit könnte den jungen Leuten Schaden zufügen, geht in eine Kirche und legt die Beichte ab.

Tags darauf besucht Caul eine Messe für Sicherheits- und Abhörtechnik. Er entdeckt, dass Martin Stett ebenfalls auf der Veranstaltung ist und fühlt sich verfolgt. Außerdem erfährt Caul, dass sein Mitarbeiter Stan inzwischen zu seinem Konkurrenten Bernie Moran übergelaufen ist, nachdem er sich mit ihm gestritten hatte. Am Abend feiert Caul widerwillig zusammen mit Stan, Moran und einigen anderen Messeteilnehmern eine spontane Party in seinen Geschäftsräumen.

Im Verlauf der Party wird von Moran offenbart, dass Caul vor einigen Jahren in New York einen Auftrag hatte einen Gewerkschaftsführer abzuhören, was dieser erfolgreich ausgeführt hat, woraufhin die Frau und die beiden Kinder des Mannes brutal ermordet wurden. Zudem zeigt Moran, dass er Caul zum Spaß mit einem Kugelschreiber in Cauls Brusttasche, welchen Moran ihm auf der Messe – scheinbar als Werbegeschenk – zugesteckt hatte, abgehört hat. Auch als er ein intimes Gespräch abseits der anderen mit Morans Showgirl Meredith hatte. Hierüber ist Caul sehr verärgert und zerbricht den Kugelschreiber.

Meredith bleibt auch nach Ende der Party bei Caul und hat Sex mit ihm. In dieser Nacht träumt Caul von Anns Ermordung. Am nächsten Tag ist Meredith plötzlich mit den Tonbändern verschwunden. In seinem Appartement bekommt Caul einen Anruf Martin Stetts auf seine Geheimnummer und erfährt, dass der Direktor nun im Besitz der Bänder ist. Caul wird gebeten, seine Entlohnung abzuholen und begibt sich erneut in das Büro des Direktors, wo dieser gemeinsam mit seinem Assistenten Stett die Bänder durchhört. Caul, dessen emotionale Verstrickung in den Auftrag inzwischen unübersehbar ist, verlangt Auskunft darüber, welches Schicksal den Observierten drohen werde, erhält jedoch keine Antwort. Mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung verlässt Caul aufgebracht das Gebäude.

Caul mietet sich im Jack Tar Hotel ein, da er von den Tonbändern weiß, dass dieses der Treffpunkt des observierten Pärchens ist. Im angrenzenden Hotelzimmer installiert er ein Mikrofon in der Wand und belauscht eine heftige verbale Auseinandersetzung zwischen dem Direktor und Ann. Als Caul daraufhin auf den Balkon hinaustritt, spielt sich die Mordszene aus seinem Albtraum direkt vor seinen Augen ab. Caul kann nicht hinsehen und stürzt in Panik zurück in sein Zimmer, wo er sich unter der Bettdecke verkriecht. Erst Stunden später verschafft er sich Zugang zum Nebenzimmer, das inzwischen verlassen ist und in dem nichts auf ein Verbrechen hinzudeuten scheint. Als Caul jedoch die Toilettenspülung bedient, quillt ihm aus dem verstopften Abfluss Blut entgegen. Caul will den Direktor in dessen Firma zur Rede stellen, doch statt seiner ist es Ann, die er lebend in einem Auto entdeckt; einer Zeitungsmeldung entnimmt er, dass der Direktor bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Caul muss erkennen, dass er sich in seiner Wahrnehmung vollkommen getäuscht hatte. Nicht Ann, sondern der Direktor wurde ermordet, die vermeintlichen Opfer waren in Wahrheit die Täter und vertuschten den Mord im Hotel als Verkehrsunfall. Wie Caul nun ebenfalls klar wird, musste die verzerrte Passage auf dem Tonband, die ihn auf die falsche Fährte gelockt hatte, korrekterweise nicht „Er würde uns umbringen, wenn er es könnte.“ lauten, sondern „Er würde uns umbringen, wenn er es könnte.“ Der winzige Betonungs-, jedoch gewaltige Bedeutungsunterschied, der ihm zuvor entgangen war, hatte die folgenschwere Fehlinterpretation ausgelöst. (Hinweis: Der Betonungsunterschied ist in der deutschen Synchronfassung nicht zu hören.)

Zurück in seiner Wohnung erhält Caul einen Anruf von Stett. Dieser warnt Caul davor sich weiter einzumischen und teilt ihm mit, dass er abgehört werde und spielt ihm als Beweis eine Aufnahme von Cauls Saxofonspiel vor. Nun völlig von Paranoia zerfressen, beginnt Caul auf der Suche nach der Wanze seine gesamte Wohnung zu zerlegen, wobei der strenge Christ selbst vor seiner Marienstatuette aus Plastik nicht haltmacht. Schließlich gibt er jedoch auf.

Die letzte Szene zeigt Caul wie er in seiner zerstörten Wohnung sein Saxofon spielt. Er hat die Wanze nicht gefunden.

Entstehungsgeschichte Skript und Vorproduktion Eine erste Fassung des Skripts durch Coppola entstand bereits Mitte der 1960er-Jahre.Bergan, S. 61–65. Angeregt wurde er durch ein Gespräch mit Irvin Kershner, in dem es darum ging, die Mehrdeutigkeit von Informationen, die lediglich auf Tonaufnahmen basieren, filmisch umzusetzen. Der Dialog gehörte zu den zehn Skripts, die den Grundstock für Coppolas Produktionsfirma American Zoetrope bildeten.Peter Biskind: Easy Riders, Raging Bulls: Wie die Sex Drugs und Rock’n’Roll Generation Hollywood rettete. Heyne Taschenbuch 2004, ISBN 3-453-87785-3, S. 149. Es entstanden mehrere Neufassungen, in die Coppola Inspirationen von Michelangelo Antonionis Film Blow Up und das Buch Der Steppenwolf von Hermann Hesse einfließen ließ. Als sein Vorbild für die Charakterdarstellung in den Dialogen nennt Coppola Tennessee Williams.DVD-Audio-Kommentar von Francis Ford Coppola.

Das Projekt konnte erst nach dem großen finanziellen und künstlerischen Erfolg des Paten realisiert werden. Coppola wollte nach seiner Auftragsarbeit für Paramount, die von Differenzen zwischen Filmgesellschaft und Regisseur geprägt war, einen persönlicheren und kleineren Film nach einem eigenen Originaldrehbuch inszenieren.

Der Dialog war der erste Film der Directors Company, einer Filmgesellschaft, die die Regisseure William Friedkin, Peter Bogdanovich und Coppola gemeinsam gegründet hatten, um ihre Projekte finanziell und künstlerisch unabhängig von den großen Filmgesellschaften durchführen zu können. Coppolas beide Kollegen zeigten sich vom Drehbuch nicht begeistert, hatten aber kein Veto-Recht bezüglich der Realisierung.

Friedkin äußerte sich später: „The Conversation war ein konfuses Plagiat von Antonionis Blow-Up, bei dem Francis den Fotografen durch einen Abhörspezialisten ersetzte.“ Bogdanovich sagte dazu: „Francis behauptete, es würde eine Art Hitchcock-Film werden, doch das Resultat hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem Hitchcock-Film.“Biskind, S. 360.

Ursprünglich war für die Titelrolle Marlon Brando vorgesehen, der jedoch kein Interesse an dem Film zeigte. Schließlich übernahm Gene Hackman, der kurz zuvor durch seine Rolle in French Connection zum Star geworden war, die Rolle des Harry Caul. Mit Brille, Oberlippenbart, schwindendem Haaransatz und Make-up, das ihn etwas älter machte, verwandelte er sich in den einsamen und isolierten Protagonisten. Robert Duvall, der kurz zuvor in Coppolas Der Pate gespielt hatte, trat in einem Cameo als der geheimnisvolle Direktor auf und blieb in den Filmcredits ungenannt.

Produktion und Nachproduktion mini|Union Square in San Francisco, Schauplatz des Films

Die Dreharbeiten begannen am 26. November 1972 auf dem Union Square in San Francisco. Vier Teams mit sechs Kameras filmten aus unterschiedlichen Perspektiven den Dialog des Paares unter technisch schwierigen Bedingungen, da Coppola den Eindruck einer Observation, bei der die Kameras ihr Objekt immer wieder neu „einfangen“ müssen, realistisch darstellen wollte und die Passanten nichts davon ahnten, dass um sie herum ein Film gedreht wurde.

Die Dreharbeiten verzögerten sich um zehn Tage, weil Kameramann Haskell Wexler sich nicht in der Lage sah, die Sets zufriedenstellend vorzubereiten und auszuleuchten, und gegen Bill Butler ausgetauscht werden musste.Jansen/Schütte S. 105–114. Coppola nutzte diese Unterbrechung, um sich immer wieder den Film Der große Irrtum von Bernardo Bertolucci anzusehen, der ebenso wie Der Dialog das Leben eines von der Außenwelt isolierten Menschen porträtierte. Aus den geplanten 40 Tagen Drehzeit wurden schließlich 56 Tage, das Budget stieg dadurch von den geplanten 1,6 Millionen Dollar auf 1,9 Millionen Dollar.

Das Verhältnis zwischen Regisseur und Hauptdarsteller gestaltete sich im Verlauf der Dreharbeiten zunehmend schwierig, da Hackman oft merkwürdig abwesend wirkte. Hackman hatte Schwierigkeiten, eine Figur darzustellen, die konstant ihre Gefühle unterdrückt. Hackman sagte dazu: „Es ist eine deprimierende und schwierige Rolle, weil sie so zurückgenommen ist. In dem Moment, wo man Spaß an ihr hat, weiß man, dass man die Darstellung verfehlt hat.“Gerald Peary: The Conversation, American Movie Classics Magazine, Herbst 2000.

Im März 1973 waren die Dreharbeiten abgeschlossen und Coppola führte eine Rohschnittfassung vor, die bei seinen Kollegen von der Directors Company auf Ablehnung stieß. Walter Murch begann nun die aufwendige Nachbearbeitung des Films in Schnitt und Tonmontage, die fast ein Jahr dauerte. Das Ende wurde sogar mehrfach umgeschnitten und Teile eines als Schlusspunkt geplanten Gesprächs zwischen Caul und Ann in der Traumsequenz verarbeitet. Coppola war unterdessen bereits mit den Vorbereitungen und dem Dreh von Der Pate – Teil II beschäftigt.

Veröffentlichung und deutsche Fassung