Islam in Afrika gibt es seit dem 7. Jahrhundert in den Ländern entlang der Mittelmeerküste durch die Ausbreitung der Umayyaden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erst brachten Händler und Missionare den Islam nach Uganda. Genauso unterschiedlich wie die zeitliche Ausbreitung sind die Formen des Islam auf dem Kontinent. Muslime in Afrika sind mehrheitlich Sunniten, zu ihnen gehören auch Anhänger des Sufismus, die seit der frühen Ausbreitung in hohem Maß zum Bewusstsein und zur Kultpraxis des Islam beitragen. Einflüsse aus afrikanischen Glaubensvorstellungen prägten eigene Orthodoxien, welche die Vielfalt der Religion vergrößerten und eine kulturelle Tradition konstituierten.

Den Wahhabiten nahestehende Organisationen versuchen, den afrikanischen Islam durch eine Re-Islamisierung auf eine puritanische Richtung einzuengen.

Laut unterschiedlichen Quellen sind 43 bis 45 Prozent aller Afrikaner Muslime.Die Summe aus den im CIA World Factbook veröffentlichten Länderangaben ergibt 43,4 % Muslime und 41,3 % Christen, die Summe aus den Länderinformationen des Auswärtigen Amtes 44,2 % Muslime und 39,6 % Christen, beide Stand März 2009; Le Monde diplomatique, Atlas der Globalisierung, Paris/Berlin 2009, S. 144 nennt 45 % Muslimen und 37 % Christen. Die Hälfte der afrikanischen Muslime spricht nicht Arabisch, sondern eine der vielen Sprachen des Kontinents. Der Islam wurde Teil der afrikanischen Kultur. Weltweit stammt knapp ein Viertel aller Muslime aus Afrika. mini|hochkant=1.3|Große Moschee von Khartum

Geschichte der Ausbreitung

Nordafrika Missionskriege waren keine islamische Strategie. Der militärische Einfall in Nordafrika hatte die Ausbreitung der Herrschaft und nicht die Bekehrung mit „Feuer und Schwert“ zum Ziel.John Iliffe: Geschichte Afrikas. C. H. Beck, München 1997, S. 62, ebenso: Werner Ende, Udo Steinbach (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. München 1996, S. 445 639 fiel Amr ibn al-As mit einem Heer von 4000 Muslimen in Ägypten ein, innerhalb von drei Jahren war die reichste byzantinische Provinz erobert. In den folgenden Jahren eroberte die Streitmacht die gesamte afrikanische Mittelmeerküste. Gegen wenig Widerstand erreichten sie 647 das fruchtbare Ackerbauland des heutigen Tunesien und gründeten dort 670 Kairouan als Hauptstadt der neuen Provinz Ifrīqiya. Die Jahre dazwischen dienten dem Nachfolgestreit um das Kalifat. Am Atlantik war kurz darauf das vermeintliche Ende der Welt erreicht. Einziger, aber erbitterter Widerstand kam von den Berbern, die dafür bei der Eroberung Spaniens ab 711 die größte Gruppe im Heer der Muslime ausmachten.

Für die unterworfenen, bereits christianisierten Völker bestand die Möglichkeit, den neuen Glauben anzunehmen oder als Dhimmi Tributpflichtige zu werden. Den Eroberern folgten bald Zuwanderer nach. Anfang des 8. Jahrhunderts gab es bereits so viele Araber in Ägypten, dass die Kopten von der Verwaltung ausgeschlossen werden konnten und Arabisch Amtssprache wurde.

Auf eine Ausweitung der Herrschaft nach Süden in den Sudan wurde aus Respekt vor den Bogenschützen der christlichen Nubier verzichtet. Die 652 geschlossene Waffenruhe war für die nächsten 500 Jahre zum Vorteil für die Beteiligten. Araber siedelten in den christlichen Königreichen als Händler und ab dem 10. Jahrhundert auch als Viehzüchter. Hauptexportgut aus Nubien waren Sklaven. Um 1317 erst wurde die Kathedrale von Dongola in eine Moschee umgewandelt.

Das arabische Kalifat der Umayyaden, dessen Herrscherfamilie aus Mekka stammte, wurde 750 durch die sich am vormaligen Sassanidenreich orientierenden, ebenfalls arabischen Abbasiden abgelöst. Zum Sturz der Umayyaden in Afrika trug 740 ein Aufstand in Tanger bei, der von Charidschiten unter einst christlichen Berbern angezettelt wurde. Charidschiten gehörten zu den ersten radikalen Bewegungen des Islam. Sie mussten 714 aus Arabien fliehen und bildeten während der Abbasidenherrschaft fanatische Gemeinschaften im Bergland von Algerien und Marokko, nach 761 sogar mit eigenem Staat.

Die schiitisch-ismailitische Dynastie der Fatimiden, die durch einen Berber-Aufstand im Kairouan 910 an die Macht kam, war die Antwort der Berber auf die arabische Eroberung. Ihr Glaube war weniger radikal. Das blühende Reich mit der Hauptstadt Kairo wurde nach Schwächung durch die Kreuzfahrer 1171 von Saladin gestürzt. Damit waren die friedlichen Handelsbeziehungen mit Nubien beendet.

Im Westen kamen derweil berberische Nomadenstämme an die Macht. Um eine Gruppe Glaubenseiferer der malikitischen Rechtsschule, die sich mit ihrem Anführer Ibn Yasin († 1059) am Senegalfluss zurückgezogen hatten, sammelten sich nomadisierende Sanhaja-Berber. Es waren missionierende, strenggläubige Muslime, die sich Murabitun nannten und im 11. Jahrhundert Marokko und Südspanien als Almoravidenreich vereinten. Deren Reich ging Ende desselben Jahrhunderts unter, Murabitun (Einzahl: Murabit, „Leute der Festung“) sind als islamische Frontkämpfer, sprich als Wanderprediger noch immer unterwegs.

Die Gegenbewegung entstand unter den berberischen Ackerbauern und brachte die Mystik des Sufismus ins Atlasgebirge. Die Almohaden („Bekenner der Einheit Gottes“) führten von 1147 bis 1269 mit einem puritanischen Glauben eine strenge islamische Herrschaft, unter der das Christentum im Maghreb nahezu ausgerottet wurde.John Iliffe: Geschichte Afrikas. C. H. Beck, München 1997, S. 66 Es blieben die ab Ende des 12. Jahrhunderts geförderten Sufi-Bruderschaften.

Subsahara mini|Große Moschee von Djenné, Mali Das schwarzafrikanische Reich von Ghana bot sich im 11. Jahrhundert gastfreundlich den Almoraviden an. Den Nomaden wurde gestattet, in der nördlichsten Handelsstadt des Reiches Aoudaghost eigene Stadtviertel anzulegen. Da sie nicht unter der Herrschaft eines Ungläubigen leben wollten, stürmten und verwüsteten die Almoraviden 1054/55 den Ort und eroberten 1076 die mutmaßliche Hauptstadt Koumbi Saleh.Franz Ansprenger: Geschichte Afrikas. C. H. Beck, München 2002, S. 37 Die Bevölkerung trat später zum Islam über, aber das Reich erholte sich nicht mehr.

Damit ist eine Ausnahme geschildert, Westafrika wurde überwiegend nicht durch Eroberung, sondern durch Handel islamisiert. Im 10. Jahrhundert waren die meisten Händler Muslime. Berber- und Tuareg-Händler brachten den Islam aus dem Maghreb über die Trans-Sahara Handelsrouten. Vom alten Ghana-Reich im Westen waren muslimische Händler der Soninke und Diola unterwegs nach Süden in die großen Handelszentren des mittleren Niger Djenné, Timbuktu und Gao. Anfang des 14. Jahrhunderts war das Malireich offiziell ein islamischer Staat, was die Pilgerfahrt des Herrschers nach Mekka einschloss. Der heldenhafte Gründer von Mali, Sundiata Keïta (um 1180–1255/60), war nominell Muslim, sein Sohn Mansa Ulli machte die erste königliche Pilgerreise. Die pilgernden Könige stärkten durch den Islam ihre Macht, dennoch wurden Rituale des traditionellen Glaubens weiterhin praktiziert, der Islam blieb fremd. Mansa Musa (regierte 1312–1332) wandte für seine Zwecke die Schari'a an, beschäftigte einen ägyptischen Imam für die Freitagspredigt und ließ weiterhin die alten animistischen Zeremonien an seinem Hof veranstalten.Mervyn Hiskett, 1994, S. 99f Auf dessen Veranlassung soll die heute als Welterbe geschützte Moschee Djinger-ber-Moschee in Timbuktu errichtet worden sein.

Ibn Battuta bewunderte 1352/53 den „Gebetseifer“ der Bevölkerung und erstaunte sich zugleich über gewisse heidnische Praktiken wie Maskentänze, Selbsterniedrigung vor dem König, Essen unreiner Speisen und die dürftige Bekleidung der Frauen. Ein Rückschlag für den Islam war der erste Herrscher des Songhaireiches Sonni Ali (regierte 1465–1492), der sich von der Mali-Herrschaft lossagte. Er war zwar nominell Muslim, betrieb aber einen ausgeprägten Ahnenkult, verfolgte die Religionsgelehrten (Ulama) und warf sie außer Landes. Simplifizierend wurde er als „magischer König“ dem „Pilgerkönig“ von Mali gegenübergestellt. Sein Nachfolger, der Militär Askiya Muhammad, unternahm bald eine Pilgerreise.Mervyn Hiskett, 1994, S. 101f; Nehemia Levtzion: Islam in the Bilad al-Sudan to 1800. In: Levtzion und Pouwels, S. 69–71

Allgemein schützten die Könige, um ihre Macht zu wahren, alle Religionen ihrer Untertanen. Im 11. Jahrhundert waren die Herrscher der Reiche von Gao, Mali, Ghana, Takrur (vgl. Tukulor) und Kanem zum Islam übergetreten. Im 17. Jahrhundert war der Islam in jedem westafrikanischen Staat angekommen.

Im Gegensatz zum Malireich, dessen König Mansa Musa auf seiner Pilgerreise in Ägypten Unmengen von Gold verschwendete, beruhte die wirtschaftliche Macht des seit dem 6. Jahrhundert nördlich des Tschadsee bestehenden Kanem-Reichs nicht auf Gold, sondern auf Sklaven, die gegen Salz und Pferde nach dem Norden gehandelt wurden. Trotz der langen Handelskontakte begann sich der Islam erst im 11. Jahrhundert auszubreiten. Anfangs ein Hirtenstaat wurde die Hauptstadt im 14. Jahrhundert nach Bornu in die für Ackerbau geeigneteren Ebenen südwestlich des Tschadsees verlagert. Das Reich wurde von berittenen Kriegern beherrscht, die den Bauerndörfern Tribut abverlangten. Auf dem Höhepunkt der Macht führte der Kriegerkönig Idris Aluma (1571–1603) permanent Eroberungsfeldzüge gegen seine Nachbarn. Zu seinen Verwaltungsreformen gehörte die Einführung der Scharia. Er war bekannt für seine Frömmigkeit, ließ Moscheen bauen und pilgerte nach Mekka. Dank für den Ackerbau ausreichender Niederschläge, leicht zu erbeutender Sklaven im Süden und dem Bewusstsein, durch seine Religion kulturell überlegen zu sein, bestand eine 1000-jährige Dynastie bis zum Beginn der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert.

Horn von Afrika Die äthiopischen Muslime nehmen für sich die Nachfolge der ältesten islamischen Gemeinde Afrikas in Anspruch. In den ersten sechs nachchristlichen Jahrhunderten bestand ein Königreich im Norden Äthiopiens mit der Hauptstadt Aksum und der Hafenstadt Adulis. Durch Handelsbeziehungen war das Reich dem arabischen Stamm der Koreischiten auf der gegenüber liegenden Seite des Roten Meeres bekannt. Zu diesem Stamm gehörte auch Mohammed. Der Prophet hatte einen dreifachen Bezug zum Land der Äthiopier: zu seinen Vorfahren gehörte eine Äthiopierin, seine Amme war eine befreite äthiopische Sklavin und es gab das äthiopische Hausmädchen Baraka (Umm Ayman). (PDF-Datei; 490 kB)

Nach islamischer Tradition segelten 615 Mitglieder von Mohammeds Familie und einige Konvertiten mit Booten nach Adulis, fanden in Aksum Zuflucht vor Verfolgung und erhielten vom christlichen Herrscher die Erlaubnis, sich niederzulassen. Diese Auswanderung ging der eigentlichen Hidschra 622 nach Medina voraus, fand also vor Beginn der islamischen Zeitrechnung statt.

In den folgenden Jahrhunderten nach der Gründung von Handelsniederlassungen entlang der Küste wurden Siedlungen von Somalis und anderer kuschitischer Völker bis zum Rand des äthiopischen Hochlands islamisiert. Vom christlichen Hochland wurden Sklaven, Gold und Elfenbein bezogen und gegen Salz aus der Tiefebene und Luxusgüter getauscht. Im 12. Jahrhundert entstanden kleine islamische Fürstentümer. Sultanate der Harari vereinten sich ab dem 13. Jahrhundert zu einem islamischen Reich im östlichen Äthiopien. Die Hauptstadt Harar mit unzähligen Moscheen und Sufischreinen gilt äthiopischen Muslimen als viertheiligste islamische Stadt.

Ostafrikanische Küste In Äthiopien ist aus frühislamischer Zeit nichts erhalten, Handelskontakte aus der Anfangszeit zu Siedlungen an der ostafrikanischen Küste gelten als wahrscheinlich. Die frühesten Reste einer islamischen Siedlung südlich der Sahara wurden im Ort Shanga auf der kenianischen Inselgruppe Lamu gefunden. Dort wurden die Pfostenlöcher einer hölzernen Moschee ausgegraben, die ins 8. Jahrhundert datiert wird. Da die Moschee keinen Mihrab besaß und noch in Richtung Jerusalem orientiert war, wird sogar eine Datierung zu Lebzeiten Mohammeds erwogen.Ahmed B. A. Badawy Jamalilye, S. 8f