Maniok (Manihot esculenta) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Manihot in der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Andere Namen für diese Nutzpflanze und ihr landwirtschaftliches Produkt (die geernteten Wurzelknollen) sind Mandi'o (Paraguay), Mandioca (Brasilien, Argentinien, Paraguay), Cassava, Kassave oder im spanischsprachigen Lateinamerika Yuca. Der Anbau der Pflanze ist wegen ihrer stärkehaltigen Wurzelknollen weit verbreitet. Die verarbeitete Stärke wird Tapioka genannt. Sie stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde schon von den Ureinwohnern zur Ernährung verwendet. Mittlerweile wird sie weltweit in vielen Teilen der Tropen und Subtropen angebaut. Auch andere Arten aus der Gattung Manihot werden als Stärkelieferant verwendet.

Beschreibung mini|Die knolligen Wurzeln der Maniokpflanze, gezeichnet mini|Kleine Maniokpflanze mini|Weibliche Blüte mini|Männliche Blüte mini|Manihot esculenta, Frucht und Samen

Maniokpflanzen sind halbimmergrüne Sträucher mit einer Wuchshöhe von 1,5 m bis 5 m. Alle Pflanzenteile führen Milchsaft. Sämlinge bilden zunächst eine Pfahlwurzel. Die faserigen Seitenwurzeln verdicken sich und bilden große, spindelförmige Wurzelknollen. Die Stängel zeigen je nach Sorte unterschiedliche Wachstumsmuster: mit starker Verzweigung von der Basis oder mit einem durchgehenden, wenig verzweigten Leittrieb.

Die schraubigen und gestielten Laubblätter sind handförmig in drei bis neun Segmente geteilt, zerschnitten; jedes misst 8 bis 18 cm in der Länge und 1,5 bis 4 cm in der Breite. Die Blätter stehen, fast schildförmig, an 6 bis 35 cm langen Blattstielen. Am Grund des Blattstieles befinden sich zwei pfriemliche Nebenblätter. Diese werden 5 bis 7 mm lang, sie sind ganzrandig oder in wenige borstige Segmente geteilt. Die ganzrandigen Blattsegmente sind verkehrt-eiförmig, -eilanzettlich, manchmal leierförmig und zugespitzt oder bespitzt bis geschwänzt. Die Blätter werden bei Trockenperioden abgeworfen.

Die rispigen, 5 bis 8 cm großen und lockeren Blütenstände können endständig sein oder in den Blattachseln stehen. Es gibt männliche und weibliche Blüten, die beide auf einer Pflanze vorkommen (Monözie). Es sind mehr männliche Blüten vorhanden die in den Blütenständen oben stehen. Die kurz und dünn gestielten, kleineren männlichen Blüten bestehen aus fünf gelblichen bis weißlichen und rötlichen bis purpurnen Tepalen, die bis zur Hälfte ihrer Länge oder weniger miteinander verwachsen sind. Auf der Innenseite sind sie behaart. Die länger, kurvig und dicker gestielten weiblichen Blüten besitzen ebenfalls fünf miteinander wenig verwachsene Tepale, diese sind mit 1 cm Länge größer als die der männlichen Blüten. Der dreikammerige, rippige Fruchtknoten ist oberständig, die Griffel sind sehr kurz mit fleischigen und rüschigen Narben. In den männlichen Blüten kann ein Pistillode vorhanden sein. Es sind zehn Staubblätter in zwei Kreisen mit länglichen Antheren ausgebildet; die äußeren sind länger. Bei den weiblichen Blüten können Staminodien vorhanden sein. Die Blüten besitzen jeweils einen mehrlappigen und fleischigen, gelblich bis rötlichen Diskus, bei den männlichen ist er gelappt, bei den weiblichen wulstig.

Die grüne, eiförmig bis rundliche, septizid-lokulizide Kapselfrucht mit Diskusresten an der Basis, ist 1,5 bis 1,8 cm lang bei 1,0 bis 1,5 cm Breite. Sie weist sechs längs verlaufende Rippen auf und enthält drei glatte, abgeflacht, leicht dreieckige, etwa 1 cm große, dunkelbraune, grau gesprenkelte Samen. An frischen Samen haftet noch die Caruncula an.Carlos E. Dominguez u. a.: Morphology of the cassava plant. CIAT, 1984, S. 9–31.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36, seltener 30 oder 54.

Ökologie Die weiblichen Blüten reifen vor den männlichen (Protogynie), so dass eine Selbstbestäubung vermieden wird. Bei künstlich herbeigeführter Selbstbestäubung kommt es zu Inzuchtdepression. Die Blüten enthalten Nektar, der Insekten als Bestäuber anlockt. Die Früchte platzen bei der Reife auf und schleudern die Samen heraus.

Maniokpflanzen bevorzugen sandige oder sandig-lehmige Böden. Das Wachstum ist auf leicht saurem Substrat am besten, es wird jedoch ein weiter Bereich von pH-Wert 4 bis 8 toleriert. Maniok kommt gut mit typischen tropischen Böden zurecht, die einen hohen Gehalt an Aluminium und Mangan und wenig verfügbare Nährstoffe aufweisen. Trockenzeiten überstehen sie gut, indem sie das Laub abwerfen, nach dem Einsetzen von Regenfällen treiben sie schnell wieder aus. Maniok verlangt einen sonnigen Standort, Temperaturen unter 10 °C werden nicht vertragen.

Verbreitung mini|Darstellung von Yuca in der Moche-Kultur, um 100 n. Chr., Larco-Museum mini|Traditionelle Herstellung von Maniokmehl in Tocantins, Brasilien

Maniok ist nur aus Kultur bekannt, er ist wahrscheinlich als allotetraploide Pflanze aus südamerikanischen Manihot-Arten entstanden. Als Ursprungsorte kommen Goiás, das Hinterland Bahias oder die Amazonasregion in Frage. In der Moxos-Ebene wurde bereits vor über 10.000 Jahren Maniok angebaut.Umberto Lombardo, José Iriarte, Lautaro Hilbert, Javier Ruiz-Pérez, José M. Capriles, Heinz Veit: Early Holocene crop cultivation and landscape modification in Amazonia. In: Nature. 2020, .

Fest steht, dass der Maniok von Südamerika aus in die Karibik kam. Die Kariben und Arawak kannten Maniok bereits, als sie die karibischen Inseln von Süden her besiedelten, und sie hatten bereits bei ihrer Migration auch das Wissen über Vermehrung, Anbau und Verarbeitung der Pflanzen.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food, Cambridge 2000, S. 182.

Die älteste europäische Beschreibung von Maniok stammt aus dem Jahre 1494. Die Spanier stießen in der Karibik und die Portugiesen im heutigen Brasilien auf die Pflanze, man berichtete von Brot aus giftigen Wurzeln.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food. Cambridge 2000, S. 183. In den mittel- und südamerikanischen Kolonialgesellschaften erlangte Maniok schnell große Bedeutung für die Ernährung der Siedler und der Sklaven. Während das fruchtbare Land zum Zuckerrohranbau genutzt wurde, bepflanzte man weniger fruchtbare Äcker mit Maniok. Verarmte Bauern und entlaufene Sklaven bauten Maniok an und verkauften ihn in die Städte und an die Zuckerpflanzer. Das auch bei tropischen Temperaturen haltbare Maniokmehl diente Soldaten und Eroberern (Bandeirantes) als Proviant.

Die Portugiesen brachten Maniok nach Afrika, sowohl in der Form von Mehl oder Brot als Nahrung für die Sklaven während ihres Transportes von Afrika nach Amerika als auch in Form von Pflanzen, die in Afrika vermehrt werden sollten. Zusammen mit den Pflanzen musste auch das Wissen über ihren Anbau und vor allem die richtige Verarbeitung weitergegeben werden. Es gelang den Portugiesen nur im heutigen Angola, Maniok einzuführen, was auf die guten Beziehungen zu den im 15. Jahrhundert herrschenden Bakongo-Königen zurückzuführen sein dürfte. Vor allem im Regenwald des heutigen Kongo verbreitete sich der Maniokanbau rasch.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food. Cambridge 2000, S. 184.

In Westafrika, wo die Portugiesen vergeblich versucht hatten, den Maniok einzuführen, wurde die Pflanze erst im 19. Jahrhundert von der Bevölkerung akzeptiert. Die Maniokkultivierung wurde von befreiten Sklaven, die aus Amerika zurückgekehrt waren, vermittelt, die Kolonialherren förderten den Maniokanbau als Maßnahme zur Vermeidung von Hungersnöten. In Ostafrika wurde Maniok im 18. Jahrhundert von den Portugiesen und Franzosen eingeführt, wobei auch letztere Schwierigkeiten hatten, die richtige Verarbeitung der Wurzeln zu vermitteln: auf Madagaskar waren die ersten Versuche des Maniokanbaus mit Massenvergiftungen verbunden.

In Asien begann man bereits im 17. Jahrhundert, den Maniok einzuführen. Dies gelang zunächst auf den Molukken, später auf Java und im 18. Jahrhundert in Goa und auf den Inseln im Indischen Ozean. In Indonesien und in Indien wurde mit dem Ziel des Vermeidens von Hungersnöten der Maniokanbau von den Kolonialmächten gefördert.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food. Cambridge 2000, S. 185. Maniok gelangte auch nach China, er wird dort jedoch nur in beschränktem Umfang als Viehfutter angebaut.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food. Cambridge 2000, S. 186.

Wie der Maniok auf die pazifischen Inseln gelangte, ist nicht genau geklärt. Eine spanische Expedition berichtete bereits 1770 von Maniokanbau auf der Osterinsel, was Theorien der Besiedlung Ozeaniens von Südamerika aus unterstützen würde. Besser dokumentiert ist, dass die Pflanze im 19. Jahrhundert von Engländern nach Tahiti gebracht wurde und sich von dort aus auf alle anderen pazifischen Inseln verbreitete. Heute wird Maniok verbreitet in den Tropen angebaut, vor allem in Regionen mit einer trockenen Jahreszeit.

Namen Maniok ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt. Die Bezeichnung Maniok stammt vom Wort Maniot der ursprünglich an der brasilianischen Atlantikküste verbreiteten Tupi-Guarani-Sprache ab. Heute wird das Guarani-Wort mandi'o, uni.mainz.de, Suchbegriff: mandi'o. in Paraguay verwendet. In Brasilien wird Maniok heute als Mandioca bezeichnet, was vom Namen der Frau Mandi-Oca (oder mãdi'og)A. B. H. Ferreira: Novo Dicionário da Língua Portuguesa. Segunda edição. Rio de Janeiro: Nova Fronteira, 1986. S. 1077. abgeleitet ist – ihrem Körper soll, nach einer Legende der brasilianischen Ureinwohner, die Maniokpflanze entsprungen sein. Der Name Cassava stammt vom Arawak-Wort Kasabi ab und das Wort Yuca entstammt der Sprache der Kariben.Mary Karasch: Manioc, in: Kenneth F. Kiple und Kriemhild Coneè Ornelas: Cambridge World History of Food. Cambridge 2000, S. 181. In der Sprache der yukatekischen Maya Maaya t'aan heißt der Maniok ts'íin.

Wirtschaftliche Bedeutung mini|Handwerkliche Herstellung von Maniok­mehl in Barreirinhas, Maranhão. 2023 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 333.681.193 t Maniok (Cassava) geerntet.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Maniok weltweit, die insgesamt 73,1 % der Erntemenge produzierten. + Größte Maniokproduzenten (2023) Rang Land Menge(in t) 1 62.690.091 2 45.173.584 3 30.616.586 4 25.592.014 5 18.514.317 6 17.213.042 7 13.885.310 8 11.240.420 9 10.377.129 10 7.610.852 Summe Top Ten 243.842.111 restliche Länder 89.839.082

Verwendung Nahrungsmittel Als Nahrungsmittel werden hauptsächlich die Wurzelknollen verwendet, gelegentlich auch die Blätter als Gemüse. Die 0,15 m bis 1 m langen und 3 cm bis 15 cm dicken Knollen können ein Gewicht von bis zu 10 kg erreichen. Sie werden von einer verkorkten, meist rötlich braunen äußeren Schicht umgeben, innen sind sie meist weiß, gelegentlich auch gelb oder rötlich.

Inhaltsstoffe 100 g Maniok (essbarer Anteil) enthalten Bestandteil Menge in der Knolle Menge im Blatt Wasser 60 g keine Daten Proteine 1,2 g keine Daten Kohlenhydrate 35 g keine Daten Fette 0,3 g keine Daten Ballaststoffe 1,4 g keine Daten Phosphor 75 mg 116 mg Calcium 35 mg 297 mg Eisen 0,7 mg 7,8 mg Vitamin A Spuren 12450 IE Vitamin C 36 mg 316 mg Vitamin B1 0,05 mg 0,26 mg Vitamin B2 0,03 mg 0,5 mg Niacin 0,7 mg 3 mg