Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse (Verweistitel Tsatsiki, Mama und der Polizist) ist ein Kinderfilm der schwedischen Regisseurin Ella Lemhagen nach Moni Nilsson-Brännströms Romanreihe Tsatsiki-Tsatsiki. Die internationale Koproduktion startete 1999 erfolgreich in den Kinos und wurde 2001 mit Tsatsiki – Freunde für immer fortgesetzt.Tsatsiki 2 – Freunde für immer (= BJF-Film-Arbeitshilfen). In: clubfilmothek.bjf.info, 2002, abgerufen am 4. Dezember 2025.Reinhard Kleber: Tsatsiki – Freunde für immer. In: Kinder, Jugend-Film-Korrespondenz. (KJK) Nr. 92, 4/2002, , Rezension, abgerufen am 4. Dezember 2025.Kinderfilm in Europa. Bestandsaufnahme und aktuelle Beispiele. Schweden (= Sonderdruck der Kinder, Jugendfilm Korrespondenz). Hrsg.: Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) / Kinderkino München e. V. / Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz (KJK). KJF Remscheid / KJK München, 2006, , S. 13 f. (kjk-muenchen.de [PDF; 3,3 MB]; 4. September 2008).
Titelfigur ist der achtjährige Tobias „Tsatsiki“ Johansson, der alleine mit seiner Mutter, einer Rockmusikerin, in Stockholm lebt. In dem Polizisten Göran, dem Untermieter seiner Mutter, hofft er, einen Ersatzvater zu finden. Außerdem träumt er davon, seinen in Griechenland lebenden leiblichen Vater kennenzulernen.
Handlung Der achtjährige Tobias Johansson wird aufgrund seines südländischen Aussehens „Tsatsiki“ genannt.Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse. Kinderjury Berlinale zur Verleihung des Gläsernen Bären. In: kinoweb.de, abgerufen am 5. Dezember 2025. Er hat seinen Vater nie kennengelernt und weiß nur, dass dieser in Griechenland lebt. Eines Tages übt er heimlich in einem Schwimmbad Tauchen. Zufällig entdeckt ihn der Polizist Göran auf dem Grund des Beckens liegend und holt ihn aus dem Wasser, um ihn vor dem vermeintlichen Ertrinken zu bewahren. Anschließend fährt er Tsatsiki auf seinem Polizeimotorrad nach Hause in der Absicht, mit dessen Eltern zu reden. So lernt Göran Tsatsikis allein erziehende Mutter kennen, die Rockmusikerin Tina Johansson. Diese probt gerade mit ihrer Band, als ihr Sohn von der Polizei nach Hause gebracht wird. Sie ärgert sich darüber und reagiert empört, als Göran von ihr verlangt, sie solle besser auf ihren Sohn aufpassen.
Am nächsten Tag geht Tsatsiki zur Schule. Er fühlt sich dort wohl; die Lehrerin ist nett, mit seinem besten Freund Pär Hammer kann er über alles reden, und zudem ist er ein bisschen in das Mädchen Maria verliebt. Schwierigkeiten hat er allerdings mit dem älteren Schüler Mårten, der auf dem Schulhof jüngere Kinder wie ihn verprügelt.
mini|270px|links|Stockholm, in dem Tsatsiki mit seiner Mutter Tina lebt, diente Kameramann Anders Bohman in einigen Sequenzen als skandinavisch-klare Kulisse. bei kino.de
Tsatsikis Mutter möchte ein Zimmer vermieten. Auf ihre Anzeige meldet sich ausgerechnet der Polizist Göran. Tsatsiki ist davon begeistert und schnell sieht er in Göran einen Ersatzvater. Tsatsikis Mutter Tina und Göran jedoch mögen sich zunächst überhaupt nicht.
Dann entbrennt auf dem Schulhof ein Streit zwischen Mårten und Tsatsiki, bei welchem dieser von Mårten verprügelt wird. Daraufhin geht Tina zum Direktor, der aber nicht bereit ist, mit ihr darüber zu sprechen. Dennoch sagt Tina ihm ihre Meinung. Anschließend trifft sie auf dem Schulhof Mårten und stellt ihn ebenfalls zur Rede, wobei dieser schließlich weinend zusammenbricht.
Im Laufe der nächsten Zeit kommen sich Göran und Tina immer näher. Tsatsiki reagiert darauf eifersüchtig und fühlt sich von Göran weniger geliebt. Doch Göran und Tsatsiki können sich aussprechen, obgleich Tsatsikis Wissen über Liebe begrenzt ist. Außerdem hat er selbst noch die „Beziehung“ zu Maria. Als er sich traut, Maria ein Herz zu malen, ist diese seinem „Antrag“ nicht abgeneigt.
Die Beziehung zwischen Tina und Göran entwickelt sich indes weniger gut, denn Tina ist in den Bassisten ihrer Band verliebt. Dies erträgt Göran schließlich nicht mehr und zieht aus. Auf einem Konzert der Rockband trifft er eine Straßenkünstlerin und befreundet sich mit ihr.
Nach dem Konzert geht es mit der Band aufwärts und Tina hat mehr Geld zur Verfügung. Tsatsiki gelingt es deshalb, seine Mutter zu überreden, mit ihm nach Griechenland zu reisen, um dort seinen Vater zu suchen. In einem kleinen Fischerdorf finden sie ihn tatsächlich, doch Tsatsiki verheimlicht ihm, dass er sein Sohn ist. Beide kommen sich näher, als Tsatsiki seinem Vater bei der Reparatur seines Bootsmotors hilft. Anschließend fahren sie aufs Meer hinaus, um Tintenfische zu harpunieren – genauso wie Tsatsiki es sich erträumt und wofür er so lange trainiert hatte. Am letzten Abend vor der Abreise fasst sich Tina schließlich ein Herz, spricht ihren ehemaligen Geliebten an und teilt ihm mit, dass Tsatsiki sein Sohn ist. Dieser ist überglücklich, von seiner Vaterschaft zu erfahren; er hat sonst keine Kinder. Am Tag der Abreise verspricht Tsatsiki, dass er wiederkommen wird. (Von dieser Rückkehr handelt der Fortsetzungsfilm Tsatsiki – Freunde für immer.)
Auf der Heimfahrt vom Flugplatz in Stockholm fährt Tina im Auto mit überhöhter Geschwindigkeit und wird deshalb von der Polizei gestoppt. Der Polizist, welcher sie anhielt, ist Göran. Er fragt sie, ob er wieder bei ihr einziehen darf. Seine Beziehung zu der Künstlerin hatte nicht lange gehalten. Auch Tina hat inzwischen erkannt, dass der Bassist nicht der Richtige für sie war, darum willigt sie ein. So erhalten die beiden eine zweite Chance, sich wieder näherzukommen.
Entstehungsgeschichte mini|Drehbuchautor Ulf Stark Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse basiert auf den ersten beiden Bänden der Romanreihe Tsatsiki-Tsatsiki, die in Deutschland im Oetinger Verlag erschienen ist und zu den weltweit erfolgreichsten Kinderbuchreihen der 1990er-Jahre gehört.film-kultur.de Institut für Kino und Filmkultur Filmheft Die Autorin Moni Nilsson-Brännström legte bei den Romanen besonderen Wert auf eine Mischung aus Authentizität und Märchenhaftem. Ihr war es wichtig, dass dieser Stil auch in der Verfilmung nicht verloren ging. Daher war es ihr ausdrücklicher Wunsch, dass das Drehbuch von Ulf Stark geschrieben wurde. Dieser besaß bereits langjährige Erfahrungen in der filmischen Umsetzung literarischer Vorlagen, unter anderem schrieb er die Drehbücher zu einigen seiner eigenen Kinderbücher. Dennoch war die Zusammenarbeit nicht unproblematisch; die Autorin war mit den ersten Entwürfen von Stark zunächst unzufrieden und setzte durch, dass das Manuskript fünfmal umgeschrieben wurde.Linda Hedihn: In: cinema.se.
Der Film wurde in Stockholm und in Pachia Ammos auf der griechischen Insel Kreta gedreht. Samuel Haus, der Hauptdarsteller, gab in Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse (1999) sein Schauspieldebüt. Die Rolle des Tsatsiki verkörperte er auch in seinem bisher letzten Spielfilm Tsatsiki – Freunde für immer (2001).
Rezeption Publikum Der Film kam am 1. Oktober 1999 in die schwedischen Kinos, wo er bis zum 1. Juni 2000 531.781-mal gesehen wurde und ein Einspielergebnis von über 29 Millionen Schwedischen Kronen (rund zwei Millionen Euro) vorweisen konnte. Damit gilt er in Schweden als kommerziell erfolgreich.
Während der Film in Norwegen bereits am 22. Oktober 1999 startete, kam er in anderen europäischen Ländern erst in den Jahren 2000 oder 2001 in die Kinos. Er wurde in dieser Zeit auf mehreren Filmfestivals gezeigt, unter anderem auf dem Internationalen Filmfestival von Karlovy Vary. Unter dem Titel Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse lief der Film ab dem 12. Oktober 2000 auch in deutschen Kinos, außerdem wurde er mit diesem Titel auf Video und DVD veröffentlicht. Bei Festivals und im Fernsehen wurde hingegen der deutsche Verleihtitel Tsatsiki, Mama und der Polizist verwendet. In Deutschland wurde der Film 86.585-mal von Kinobesuchern gesehen, im gesamten europäischen Kinomarkt lag die Besucherzahl bei über 600.000.Tsatsiki, morsan och polisen. In: lumiere.obs.coe.int, abgerufen am 5. Dezember 2025, und Internet Movie Database. Der Film startete am 5. Oktober 2000 in der deutschsprachigen Schweiz und am 6. April 2001 in Österreich.
In einigen Zuschriften, die das Kinderfilmfest der Internationalen Filmfestspiele von Kindern erhielt, wurde das Ende des Films als zu unrealistisch kritisiert. Andere Kinder lobten das Ende des Films dagegen als positives Element.Beate Völcker: Kinderfilm Stoff- und Projektentwicklung (= Praxis Film. Band 25). UVK, Konstanz 2005, ISBN 3-89669-521-5, S. 98–110.
Kritik Kritiker nahmen Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse durchweg positiv auf. Lediglich das Ende des Films wurde als etwas zu märchenhaft bezeichnetChristel Strobel: Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse. In: Kinder, Jugend-Film-Korrespondenz. (KJK) Nr. 82, 2/2000, , Rezension, abgerufen am 4. Dezember 2025 (mit Links zu weiteren Rezensionen).Jutta Baumann: „Tsatsiki“. Tsatsiki, morsan och polisen. In: Kinder, Jugend-Film-Korrespondenz. (KJK) Nr. 83, 3/2000, , Auszug aus der Dokumentation der Filmvorführung (25. Juni 2000) beim 18. Kinderfilmfest München, abgerufen am 4. Dezember 2025.Tsatsiki. In: Kinder, Jugend-Film-Korrespondenz. (KJK) Nr. 83, 3/2000, , Kinder-Film-Kritik zum Film, abgerufen am 4. Dezember 2025., während diese märchenhafte Überhöhung andererseits auch als virtuose Balance zur Realität angesehen wurde..
Die Emotionalität, mit der der Film die Zuschauer berührt, wurde von vielen Kritikern herausgestellt. Tsatsikis Suche nach seinem Vater zeige, dass es sich lohne, an Träumen festzuhalten.. Dabei lobten einige Kritiker besonders die Balance, die der Film bei Emotionen wahrt. Themen wie Toleranz, Liebe und Respekt, aber auch kleine alltägliche Nöte und Freuden würden erzählt. Tsatsiki – Tintenfishe und erste Küsse laufe zudem in keinem Moment Gefahr, kitschig zu werden.. In: prosieben.de.
Die Kritiker hoben das ungekünstelte Spiel der Schauspieler besonders hervor. Die Tristesse des Alltags, der sie ausgeliefert seien, werde in realistischen Charakteren gezeigt. Besonders gelobt wurde die Leistung von Samuel Haus, dem Darsteller Tsatsikis. Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse wurde als ein authentischer Film gelobt, der das „echte Leben“ nachbilde: oft lustig, manchmal traurig und meistens spannend – denn man wisse nie, was als Nächstes passiere. Der Film sei das behutsame Porträt eines Kindes auf dem Weg zum Erwachsenwerden und eine anrührende Aufforderung an Eltern, diesen schwierigen und spannenden Weg gemeinsam mit ihren Kindern zu gehen. In: nordischerklang.de, 7. Mai 2003.
Die schwedische Kritikerin Linda Hedihn nannte den Film einen „Volltreffer“, da es ihm gelänge, essentielle, zeitlose Themen wie die Identifikation eines Jungen mit Vaterfiguren auf eine leichte, dabei aber nicht oberflächliche Weise zu inszenieren. Manche der Figuren, wie z. B. die norwegische Klassenlehrerin Tsatsikis, seien zwar nicht ganz frei von stereotypen Charaktereigenschaften, dennoch sei gerade die Vermeidung von Klischees eine Stärke des Films. Die Darstellung Alexandra Rapaports (Tsatsikis Mutter) z. B. modernisiere „alte Vorstellungen von schablonenhaft agierenden Müttern“ und ersetze diese durch lebensnahe Widersprüchlichkeit.
Der Theaterschauspieler Jacob Ericksson, welcher den Polizisten Göran spielt, hatte mit Tsatsiki – Tintenfische und erste Küsse seinen ersten internationalen Erfolg, und auch die Daily-Soap-Darstellerin Alexandra Rapaport schaffte mit ihrer Rolle den Sprung zum Kinofilm.Sabine Elias: Rezension zu Tsatsiki – Tintenfisch und erste Küsse. In: lesebar.uni-koeln.de, Internet-Rezensionszeitschrift für Kinder- und Jugendliteratur der Universität zu Köln, Arbeitsstelle für Leseforschung und Kinder- und Jugendmedien (ALEKI), 2001. Die Regisseurin Ella Lemhagen erzielte mit diesem Film ebenfalls ihren internationalen Durchbruch, nachdem sie in Schweden mit Jugendfilmen wie Der Traumprinz von Em (1996) bereits bekannt geworden war. In: nordische-kinderfilme.luebeck.de.
Auszeichnungen